Fragen Sie Frau Andrea
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Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Wiener Pflasterkunde
Liebe Frau Andrea,
mit dem Fahrrad fahre ich oft den Radweg durch die innere Stadt. Abgesehen von arroganten Geländeautos, rasenden Taxis, ferngesteuerten japanischen Touristen und Bergen von Fiaker-Pferde-Mist muss ich da mit Buckelpisten aus Kopfsteinpflaster kämpfen. Wer hat sich denn diesen Horror-Belag ausgedacht? Sicher kein Fahrradfreund.
Liebe, Grüsse, Katrin, Neubau.
Liebe Katrin,
die Idee, Städte zu pflastern, ist lange vor der Erfindung von Fahrrädern aufgekommen. Antikes Pflaster kennen wir aus Pompeji und Herculaneum. Mittelalterliches Wiener Pflaster wurde auf der Freyung ausgegraben und im modernen Gehsteig vor der Cafe-Central-Passage verlegt. Die katzenkopfgrossen Donaukiesel haben dem Genre auch seinen Namen gegeben. Granitwürfel, deren Ecken auch heute noch von den Metallreifen der Fuhrwerksräder und den Hufeisen der Pferde rundgeschliffen werden, kamen später auf und waren ein hygienisch vorbildlicher Belag. Noch im Barock, wo viele Vorortestrassen ungepflastert waren, blies ständig ein ätzendes Gemisch aus Pferdedung und Strassenstaub durch die Stadt. Der Belag, den wir heute als Wiener Kopfsteinpflaster kennen und der meist unter Asphalt versteckt ist, kam aus den Steinbrüchen nördlich der Donau. Das Format der Wiener Pflasterwürfel ist seit 1826 wesentlich grösser als das anderer Städte. Grund dafür war die Französische Revolution. Die Habsburger wollten dem revolutierwütigen Volk keine allzu handlichen Wurfgeschosse bereit legen. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen sie Frau Andrea' in Falter 48/2006
4. Dezember 2006 © Andrea Maria Dusl
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