November 2006
Abstract is the World
Blue Moon Shooting
Boys and Girls from my Block
Breakfast Outside America
Kiev Markthalle
Little Shops of Horror
Phones of the World
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Andrea Z bis A
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Redezeit
Sager von Welt
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Blue Moon
Channel 8
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Crazy Day
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Heavy Burschi
In the Pipeline
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Sonnenwinter
Liebe Frau Andrea,
neulich hörte ich im Radio, daß es zur Wintersonnwende nicht mehr weit sei, und daß bis dahin nur noch eine Stunde Dunkelheit hinzukomme. Stutzig machte mich der Nachsatz, daß sich der Dunkelheitszuwachs mit 45 Minuten am Morgen und 15 Minuten am Abend äußerst ungerecht verteilt. Kommt die Sonneneinstrahlung aufgrund der Kälte langsamer in Fahrt, oder wird hier von oben willkürlich an unserer Zeit herumgeschoben?
Bitte um Aufklärung! Werner T., Liesing
Lieber Werner,
ich darf sie beunruhigen, an der Zeit wird massiv gedreht. Ein Hauptärgernis für zeitliches Ungemach sind Sonne, Erde, Mond und Planeten. Sie sorgen mit komplizierten Bewegungen um einander, um ihre eigenen Achsen und mit kreiselartigen Taumelbewegungen dafür, dass Tage nicht genau aus 24 Stunden bestehen, Jahre nicht aus 364 Tagen und dass es am Globus nur auf gleichen Längengraden gleich spät ist. Und auch das nicht immer. Ungeachtet des wirklichen Standes der Sonne über den Horizonten von Liesing, Bregenz oder Kittsee befinden wir uns in einer Zeitgleichheit mit den meisten mitteleuropäischen Ländern. Die Mitteleuropäischen Zeit führt dazu, daß auf Vardø in Ost-Norwegen die Sonne bereits um 10:53 Uhr am höchsten Punkt steht, am Kap Finisterre an der nordwestspanischen Küste dagegen erst um 13:37 Uhr. Auch bei uns ist es zu Mittag selten genau 12 Uhr. Ähnliches gilt für die Wintersonnwende (heuer am 22. Dezember um 01:22 Uhr). Sie liegt nicht einmal in Gmünd oder Gresten, wo Sonne und MEZ annähernd übereinstimmen, in der Mitte der kürzesten Nacht. www.comandantina.com dusl@falter.at
27. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Baum mitten in der Welt
Wenn Oberösterreich ruft, setzen sich Klaus Nüchtern und ich am Westbahnhof in den Speisewagen und fahren in das Land zwischen Inn und Enns. Im Gepäck haben wir die Taschenbücher, die wir geschrieben haben. Bücher mit sehr österreichischen Geschichten drin. Sie handeln von Erdäpfelgerichten und Bundeskanzlern, von Verwirrung und Ungemach, vom Heldenplatz und vom Böhmischen Prater, von Bauchfilz und Heisse-Luft-Maschinen.
Nach Oberösterreich fahren wir deswegen, weil Oberösterreich Nüchternsche und Duslsche Geschichten mag. Von unserer Haus-Postille Falter entsandt, fahren wir also in die Heide-Metropole Wels, ins saftige Lambach, in die Zweitürmestadt Vöcklabruck, ins halbmondäne Bad Schallabach, ins schlafende Kremsmünster.
Die Oberösterreicher mögen unsere Geschichten, weil sie für die Nestbeschmutzung, wie die Österreicher die Österreichkritik nennen, sehr aufgeschlossen sind. Thomas Bernhard war Oberösterreicher. Ausserdem: ein Land, das einen Ort mit dem offiziellen Toponym Sankt Johann konsequent Seigahans nennt, kann sprachanarchistisch gesehen kein schlechtes Land sein.
Wenn also Nüchtern und ich im sprachludernden Oberösterreich lesen und uns über die Unzulänglichkeiten des Landes hermachen, dann tritt sowas wie Versöhnung ein. Oberösterreicher können über Wolfgang Schüssel genauso gut lachen wie über Viktor Klima, über Wiener Bobos so gut wie über provinzielle Volksdeppen. Über Oberösterreich lachen sie sowieso.
Nach unseren Oberösterreichlesungen nächtigen Klaus Nüchtern und ich im zentralen Gasthof. Nirgendwo allerdings geht das zentraler und gasthöflicher als in Kremsmünster.
Das dortige Plaza, der Landgasthof Mair liegt auf einem sanftgerundeten Hügel, der wie ein Grammelknödel aus der milde gekräuselten Oberösterreichsuppe ragt. Und wie ein Schnittlauchfutzel thront auf der Kruppe des Grammelknödelrückens, der den mundanen Namen Gustermairberg trägt, der "Baum mitten in der Welt".
Der Baum, Nachfahr einer blitzgefällten Linde, die hier seit Urzeiten stand, ist der Mittelpunkt Österreichs. Der Baum mitten in der Welt heisst "Baum mitten in der Welt", weil sein Standort 1823 zu einem Koordinatenursprung der österreichischen Katastervermessung wurde. Neben dem Baum steht eine Ausichtswarte und der erwähnte Landgasthof .
Dem stecken die Nullkoordinaten von Schnitzelland in der Schwelle.
Hier am "Bam", wie die Kremsmünsterer die Örtlichkeit nennen, verbrachten mein Lesefreund Nüchtern und ich eine feuchtnebelige Novembernacht. Hier am Gipfel des Grammelknödels, gibt es kleine Zimmer, in denen die Zeit 1971 stehengeblieben ist. Eine Dusche, ein Heizkörper, ein Bett, ein Kruzifix, ein Stuhl, ein Aschenbecher, eine Steckdose, ein Fenster. Kein Hoteltelefon, keine Minibar, kein kabelkanalisierter Fernseher. Nur das Surren des Stallgenerators hinter den Nebelschwaden.
Im Mittelpunkt ist Österreich bescheiden und still.
25. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (6) Comments (0) Pings
Falter-Cover ::: Gusenbauer und Schüssel
Bald-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Bald-Alt-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel
drehen wieder gemeinsame Runden am Verhandlungs-Parcour.
Cover-Dusilation für Falter 47/2006. Für grosse Version (1000px) ins Bild klicken!
So sah das Cover aus:

22. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Die Zukunft des Handys
Mobiltelefone, mit denen man nur telefonieren kann, sind Geschichte.
Längst vereint moderne Kommunikatsonstechnologie Kalkulator, Digital-
Kamera, Kalender, Uhr, Wecker, Adresskartei, Notizblock, Email-Terminal,
mp3-Walkman und Mini-Spielekonsole in einem Gerät.
Es geht aber noch mehr.
Dusilation für Falter 47/2006. Für 1000px-Version ins Bild klicken
21. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Gabelsalat
Liebe Frau Andrea,
neulich behauptet mein Freund, man müsse, wenn man das Messer nicht benutze und nur mit der Gabel esse, diese weiterhin links halten. Für mich ist es Vergeudung von Fingerspitzengefühl, die "schöne" Hand leer am Tisch liegen zu lassen und patschert mit der Linken herumzustochern. Er wiederum findet es unzumutbar, das Messer umständlich umlegen zu müssen. Ich möchte nicht als salonunfähig gelten und hoffe auf Ihre Hilfe! Danke ergebenst,
Anna Wolle, Josefstadt
Liebe Anna,
das Essen mit Messer und Gabel ist eine relativ neue Sitte, die sich erst im bürgerlichen Europa des 19. Jahrhunderts durchgesetzt hat. Ältere Tischrechte hat der Löffel und die Finger. Messer wurden ursprünglich nur in der Küche verwendet. Kleine, dreizinkige Gabeln tauchten zuerst in Byzanz auf und kamen durch Heirat zwischen Fürstenhäusern in das Italien der Spätrenaissance, konnten sich aber nicht wirklich durchsetzen. Noch Ludwig XIV. aß mit den Fingern. Die kleine Metallhand wurde von der Kirche als Hexen- und Teufelswerk verachtet und galt allgemein als weibisch und geziert. Richtige Männer assen mit Fingern und rechts gelegten Messern. Die Frage, mit welcher Hand die Gabel im monomanuellen Essen geführt werden darf, muss individuell beantwortet werden. Linkshänder werden sie wohl lieber in der Linken halten, Rechtshänder in der Rechten. Diese Regel gilt auch für die Benützung von Stäbchen, neben den Fingern das weltweit beliebteste “Besteck”. Eineinhalb Milliarden Menschen verzichten gänzlich auf Messer und Gabel und die damit verbundenen Dispute. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 47/2006
19. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Party Animals
Liebe Frau Andrea,
letzte Woche verfolgte ich nächtens auf CNN den Ausgang der US-Kongresswahlen. Dabei fiel mir auf, dass die beiden Parteien Tiere als Logos verwenden. Die Republikaner einen Elefanten, die Demokraten einen Esel. Wüsste man’s nicht, würde man wohl eher Löwe oder Adler als Wappentiere vermuten. Oder von mir aus einen Bären. Wieso aber ausgerechnet Esel und Elefant? Und gibts bei uns auch Parteitiere? Für Ihre Aufklärung dankt
Ines Zirbenseger, Margareten
Liebe Ines,
tatsächlich handelt es sich bei Esel und Elefant um ebenso offizielle wie traditionelle US-Parteisymbole. Das störrische Langohr gilt als Maskottchen der Demokraten, der schwerfällige Dickhäuter als jenes der Republikaner. Die Wahl der Symbole besorgte ausgerechnet ein Deutscher. Esel und Elefant gehen auf den Zeichner Thomas Nast zurück, der die beiden Tiere 1870 in einem Cartoon in der Zeitschrift "Harper's Weekly" verwendete. Den Esel (Jackass) hatte der demokratische Präsidentschaftskandidat Andrew Jackson schon 1828 vom Spottmaskottchen zum persönlichen Wappentier geadelt. Der Elefant als monströses, aber schreckhaftes Zoon Politikon war eine Neuschöpfung Nasts. Nachdem andere Zeichner die Tiere verwendet hatten, adoptierten nach 1880 auch die Parteien selbst Esel und Elefant. Die Idee, auch österreichischen Parteien Tiere zuzuschreiben, möchte ich begrüssen. Für die Sozialdemokraten schlüge ich die Schildkröte vor, für die Volkspartei den Pudel. Grüne sähe ich als Heupferd, die FPÖ als Karpfen und das BZÖ als Eintagsfliege. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen sie Frau Andrea' in Falter 46/2006
12. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Spinnefeind
ÖVP und SPÖ sind sich spinnefeind. Stillstand in den Verhandlungen.
Dusilation für den steiermark-Falter 45/2006.
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9. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Potus, Flotus, OOW
Guten Morgen, Frau Andrea,
der gemeine US-Amerikaner drückt sich gerne in diversen Abkürzungen aus. Im Rahmen von „Democracy-Now“ fiel des öfteren, im Bezug auf den Irak-Krieg, die Phrase „to go AWOL“ was, so viel ich verstanden habe, für „absent without leave“ steht. Ist dies mit der klassisch-wienerischen Formulierung „o’poscht“ gleichzusetzen – oder irre ich? Mit vorauseilendem Dank für die Erläuterung verbleibe ich hochachtungsvoll,
Walter B. aus W.
Lieber Walter,
aus dem akronymverliebten Amerika desertieren immer wieder militärische Abkürzungen. Neben der willentlichen Armeeentfremdung AWOL (absent without leave) kennen wir auch die Initialen für die etwas ungünstigere Truppenabsenz POW (prisoner of war) und das Kürzel für das doch recht endgültige MIA (missing in action) - die Umschreibung für gefallen, also tot. Die US-Streitkräfte kennen tausende solcher Abkürzungen, nicht wenige mit unfreiwillig komischem Ton, wie die Bezeichnungen für das Präsidentenpaar, POTUS (President of the United States) und FLOTUS (First Lady of the United States). Die unerlaubte Entfernung von der Truppe dürfen Sie im Wienerischen getrost mit “o’poscht” bezeichnen. Nicht falsch gehen sie auch, für die Desertion die Ausdrücke “beulisiert”, “über die Heisa g’haut”, “in die Bliah gongan” und “an Schuach g’mocht” zu verwenden. Die wörtliche akronymische Übersetzung des US-Amerikanischen AWOL ins Wienerische wäre wohl OOW - “O’poscht ohne Weisel”.www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 45/2007
6. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (6) Comments (0) Pings
Der geniale Taktiker Schüssel
In Österreich hält sich hartnäckig das Gerücht vom genialen Strategen Schüssel. Magazine schwärmen von seiner quantencomputerschnellen Auffassungsgabe und seinen raffinierten Tricks bei langstündigen Verhandlungen. Konservative Kommentatoren zeichnen das Bild eines hyperintelligenten, mit allen politischen Wassern gewaschenen Alpha-Tieres, der in Sekundenschnelle zwischen langjähriger Strategie, kurzfristigem Spindrehen und gefinkelten Ablenkungsmanövern tänzelt. Zudem ist Schüssel in den Augen seiner Anbeter ein hochmusischer Zeitgenosse, souverän in der Rede, am Cello gewandt und sicher im Umgang mit dem bitterbösen Karikaturenstift.
Ein jesuitisch gesalbter Tausendsassa, der seinen Macchiavelli, seinen Gracian, seinen Clausewitz aus dem ff.kennt. Dem politischen Gegner, Haschtrafikanten, Sozialromantikern und dem wirtschaftlich unbedarften Proletariat wird zumindest zugestanden, die vielen Talente der Lichtgestalt am ÖVP-Feldherrnhügel wenn schon nicht zu respektieren, so doch zu fürchten.
Die verblüffende Wendung, 2000 als Drittstärkster den Kanzler zu machen und der fulminate Wahlsieg 2002 haben dieses Image vom Goldkanzler mit der eisernen Faust selbst in der Wahrnehmung der vehementesten Gegner verfestigt. Sogar die Donnerstagmarschierer gaben nach Wochen verbittert auf. Ob im Parlament oder auf der Strasse: Gegen Schüssel war kein Kraut gewachsen. Das Bild vom genialen Strategen schien unzerstörbar.
Stimmt es überhaupt?
Im Jahr 2000 wurde zwar regulär gewählt, die Nationalratsperioden waren aber längst aus dem Trittt geraten, weil Schüssel 1995 als frischgekürter Nachfolger von Erhard Busek im Windschatten von günstigen Umfragen einen Knatsch mit Vranitzkys Sozialdemokraten inszenierte. Genial daneben: Leicht dazugewonnen, trotzdem Zweiter geblieben. Bei der Wahl 2000 ging es nun endgültig den Bach runter. Schüssel wurde Dritter hinter dem feixenden Haider. Da hatte Schüssel aber längst Kanzlerblut geleckt.
Der fassungslose Klestil wurde überfahren, der unbedarfte rote Kanzler Klima in harten Verhandlungen gefesselt. Gleichzeitig paktierte Schüssel geheim mit dem gefährlich populären Haider. Über die Geschäftsbedingungen dieses Deals wird die Zeitgeschichte forschen. Jedenfalls blieb Haider in Kärnten und Schüssel kletterte auf den Bundskanzlersessel. In die Ministerien torkelten Witzfiguren.
Der Mythos vom genialen Strategen war geboren. Nächster und einziger Schritt im Strategiepapier Schüssels: Die Hegemonie der Volkspartei für die nächsten 100 Jahre zu sichern. Auf deutsch: ÖVP für immer. Divide et impera.
Divide hiess: Zerschlage Haiders Partei in kleine Teile. Divide hiess: Trenne die Sozialdemokratie von ihren starken Armen. Diskreditiere ihre Wirtschaftskompetenz, vernichte die Gewerkschaft. Impera hiess: Umgib dich mit Deppen und Jasagern, vernichte Deine innerparteilichen Gegner. Kontrolliere das Fernsehen. Kontrolliere die Presse. Basta.
Der erste Schritt des Plans war auf sechs Jahre ausgelegt. Dann sollte nach der Matrix der CSU die ewige Absolute kommen. Ein Sechsjahresplan deswegen, weil Schüssel als Kanzler in die EU-Präsidentschaft gehen musste, um als Europalenker die Ernte einzufahren, sprich: die absolute Mehrheit für die ÖVP.
Dazu musste aber frühzeitig gewählt werden. Darin hatte Schüssel Erfahrung. Ein Richtungs-Streit in der FPÖ kam gerade recht. Ob er billig war, werden die Zeitgeschichteforscher eruieren. Mit dem sympathischen Finanzminister Grasser an Bord fuhr Schüssel 42% ein. Haider war Geschichte, seine Wähler waren zu Schüssel übergelaufen.
Vier Jahre Zeit, die SPÖ zu vernichten. Die Schraube wurde angezogen. Der öffentliche Rundfunk wurde umgefärbt und in die Pflicht genommen, das Nachrichtenwesen auf Hofberichterstattung zurückgefahren. Nach der Folie Bruno Kreiskys wurde Grasser als der bessere Androsch aufgebaut. Fescher, klüger, erfolgreicher, teurer verheiratet. Unwiderstehliche Frisur.
Im Wahljahr sollte es dann passieren. Erst die glanzvolle Inszenierung Schüssels als Europas Chef. Treffen mit den Grossen der Welt. Küsschen mit Merkel, Bussi mit Bush. Dann die Vernichtung des Gegners. Die Bombe, lange vorbereitet und sorgsam im Finanzministerium gehütet, wurde gezündet: Malefikationen der Gewerkschaftsbank, Versagen der Gewerkschaft. Der GAU der Sozialdemokratie.
Alles andere als eine kleine, feine Absolute (©Andreas Khol) schien undenkbar. Für den Fall der Fälle wäre der kleine Mehrheitsbeschaffer BZÖ zur Verfügung gestanden. Oder die Haschtrafikanten von den Grünen. Soweit die Strategie.
Was ist tatsächlich passiert? Bis auf die gewonnene Wahl 2002 (bei der sich bei genauem Hinschauen nur Stimmen von der FPÖ zur ÖVP verschoben) hat die Volkspartei unter der genialen Strategie von Lichtkanzler Schüssel mindestens 19 Wahlen verloren. Verloren hat die ÖVP unter den Fittichen des genialen Strategen die Landeshauptmänner in zwei Bundesländern (Steiermark und Salzburg). Unerwartet den Bundespräsidenten (Der konservative Strassenbahnersohn Thomas Klestil starb an den Spätfolgen von Kränkungen und einer mysteriösen Viruserkrankung, Ersatzkandidatin Benito Ferrero-Waldner ging tränenreich unter). Verloren gingen trotz abenteuerlicher Wahl- und Kontrollmechanismen der ORF und die Hochschülerschaft.
Und schliesslich versagte das Wahlvolk.
Es wählte Alfred Gusenbauer.
Kein Wunder, dass der geniale Stratege und sein Anbetungsverein nicht mehr weiter wissen.
Andrea Maria Dusl
Danke an Matthias Cremer (Schüssel von hinten) und Erwin Wurm (Der Einfall des Einfamilienhauses in den Museumsbunker)
4. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (3) Comments (0) Pings
Gehrer geht
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Die umstrittene ÖVP-Ministerien Elisabeth Gehrer, zuständig für Schulen, Universitäten.
Museen und das Streicheln von Salzfässern, macht ihren Kritikern eine grosse Freude: Sie tritt ab.
Hier sehen wir die flötenspielende Ex-Handarbeitslehrerin mit zweien ihrer Museums-
dirktoren. Auf dem Morawia-Wing sitzend: Albertina-Manager Klaus-Albrecht Schröder.
Hinter "Liesl" Ohr: Skarabäen-Sammler und Saliera-Aufpasser Wilfried Seipel, Direktor des
Kunsthistorischen Museums.
Dusilation für Falter 44/2006
2. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Böse Buben!
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Bald-Bundeskanzler Gusenbauer wird von Noch-Bundeskanzler geschnitten.
Die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicherer fordern eine Wieder-
aufnahme der von der ÖVP ausgesetzten Koalitionsgespräche.
Cover-Dusilation für Falter 44/2006
2. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings


