Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
SUBSCRIBE
Subscribe my RSS Feed

Befriend me at Facebook

Subscibe my YouTube Channel

Follow me at Twitter
hosted by
powered by Movable Type
Blue Moon
Channel 8
Channel 8 Diaries
Crazy Day
Dining Car
Heavy Burschi
In the Pipeline
Das Unendliche Panorama
Editorial Cartoons
Falter Covers
Neulich im Büro
Wienerinnen
Zeichenwelt
7 Sachen / Lauter Listen
Andrea Fragenlager
Boboville
Comandantina
Die österreichische Oberfläche
Essays
Features und Portraits
Fragen Sie Frau Andrea
Metaphysics
Om Dhom Khom
Quergelesen Ferngesehen
Salzgriesisch
Und dann traf ich...
Priklopil
Liebe Frau Andrea,
verzeihen Sie die folgende Frage, aber wenn es jemand weiß, dann Sie: Was heißt "Priklopil" bzw. heißt "priklopil" etwas? Armin Thurnher zitierte letzte Woche einen empörten Leser, der darauf hinwies, Priklopil heiße soviel wie “der die Falle zuklappt”, Dichter Franzobel wiederum merkte kürzlich in einem Text im Standard an, "prikop" sei "der Graben".
Allerherzlichsten Dank,
Ria Kurtz, Margareten
Liebe Ria,
sowohl der von Ihnen erwähnte Leserbriefautor als auch Worteschmiedkollege Franzobel kommen der Sache schon recht nahe. Der Nachname Priklopil ist die österreichische Variante des tschechischen Přiklopil und wie tausende andere Familiennamen unserer böhmischen Nachbarn ein redender. (Den Hatschek über dem “r” und damit jenen böhmischen Laut "ř", der in etwa so klingt, wie wenn man ein rollendes “r” gleichzeitig mit einem weich zischenden “sch” ausspricht, hat die slawophobe österreichische Bürokratie kassiert.) Der Name Přiklopil kommt wie Klestil (hat abgeschnitten), Musil (hat es tun müssen) und Dusil (hat Atem geraubt) vom einem Verb, nämlich přiklopit, das pikanterweise zudecken, zuklappen bedeutet. (Das Substantiv příklop bedeutet Deckel, Klappe oder auch Sturz.) Přiklopil ist die männliche Vergangenheitsform des Verbs přiklopit - er deckte oder klappte zu. Jenes Verlies, dem Natascha Kampusch jüngst so glücklich entkam.
www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 37/2006. Grossen Dank für die etymologische Beratung schulde ich dem tschechischen Wissenschaftskonsul des Bureaus, Christoph Esser in Praha.
10. September 2006 © Andrea Maria Dusl
TrackBack
Use this URL to ping this entry: http://comandantina.com/mt/ping.cgi/1335
Kommentare
liebe frau andrea, werte comandantina!
zunächst einmal kompliment für Ihre wöchentliche kolumne - sie gehört stets zu den ersten dingen, die ich im falter lese, und sie ist immer wieder ein vergnügen, gerade und speziell für einen detailverliebten altphilologen wie mich. gratulation zu Ihren präzisen recherchen!
soweit die captatio benevolentiae (die aber zu 100 prozent ernst gemeint
ist!!).nun eine kleine anmerkung zu Ihrer letzten kolumne, und zwar nur, weil ich ein haarspaltender querulant bin: ich bin nämlich der erwähnte leserbriefautor, dem armin thurnher seine priklopileske weisheit verdankt, allerdings hat mich der verehrte chefredakteur ziemlich ungenau zititert - er tat dies wohl, um zu seinem wortspiel mit der falle für journalisten zu gelangen. ich schrieb nämlich in meinem briefwechsel mit Ihrem kollegen bernold folgendes:
-----
und da Sie sicher weiter berichten werden, verrate ich Ihnen (und NUR Ihnen, weil Sie beim falter sind), ein makabres detail - wie Sie damit umgehen, müssen Sie selbst entscheiden:
haben Sie schon mal recherchiert, was der (tschechische) name des täters auf deutsch bedeutet? bitte: PRIKLOP (R natürlich mit hatschek) ist der "deckel", "PRIKLOPKA" die "falltür" (!), und der name selbst (tschechische namen sind oft ein partizip der vergangenheit auf -l, vgl. pospischil, navratil usw.) heißt "der, der zugeklappt hat" (zb die falltür). fasziniert mich seit tagen (ich lerne seit geraumer zeit tschechisch), und wem sonst soll ichs verraten als dem falter?
;-)
--------ich erwähne das deswegen, weil ich mir (obwohl nur hobbyslawist) ziemlich sicher bin, dass der von franzobel erwähnte prikop nix damit zu tun hat - kein L drin, ganz andere wurzel!
anyway, bitte weiter in diesem stil.
eine klitzekleine frage am schluss - reine neugier, und wenn Sie's wegen berufsgeheimnis nicht verraten können, OK, aber trotzdem (ich sags auch nicht weiter) ;-) gibz die leserfragen immer, oder erfinden Sie sie manchmal?
mit herzlichen grüßen und philologischer hochachtung!
christian goldstern
Christian Goldstern | 20.09.06 22:48
Lieber Herr Goldstern,
vielen Dank für ihr mail! Ich darf das Kompliment zurückgeben und Sie vom Selbstvorwurf haarspalterischer Querulanz freisprechen. Den erwähnten Brief (wie ich jetzt lerne, Ihren) kannte ich nicht - nur als Thurnher-"Zitat" ohne namentliche Quelle. Danke für die Aufklärung!
Přikop, der Graben, den Franzobil (der, der nicht geforscht hat) meint, klingt zwar ähnlich, aber dass er mit Příklop, dem Deckel verwandt wäre, glaube ich auch nicht. Zur näheren Erörterung fehlen mir aber slawistisch-etymologische Spezialkenntnisse. Ich halte aber pří (bei) für die tschechische Version der indoeuropäische Silbe "per", "par", pro" (die bei uns zu "ver", "vor" wurde) und "kop" (Hügel, Kuppe, Graben) bzw. "klop" (schliessen, klappen) für die Stämme. Aber das ist gewiss nur sehr oberflächlich, was ich da mutmasse.
98 von 100 Fragen stammen von Lesern. Nur in Momenten grosser Fragenflaute "erfinde" ich mal eine Frage, immer jedoch eine, zu der ich die Antwort selber gerne wüsste.
Darf ich Ihr mail auf meinem blog www.comandantina.com unter dem Příklopil-Text als Posting stellen?
Liebe Grüsse,
Andrea Maria Dusl
Andrea Maria Dusl | 20.09.06 22:52
liebe frau dusl,
klingt mir alles sehr plausibel. den erwähnten wurzeln werd ich bei
gelegenheit einmal nachgehen - wenn der arbeitsdruck etwas geringer ist als
im moment.sie können meinen brief gerne in Ihr blog stellen.
muss gestehen, dass ich blogfrei lebe, weder schreibe noch lese - irgendwo
muss man die zeit sparen, die man woanders verschleudern kann, denk ich
mir, daher kein fernsehen, keine blogs, keine postings.
aber wenn Sie mich dorthin stellen, wird das natürlich das erste mal sein,
dass ich mir doch ein blog anschaue, also nur zu!lg
christian goldstern
Christian Goldstern | 20.09.06 22:55



Christian Goldstern | 20.09.06 22:48