Comandantina im Museum ::: Krems Karikaturmuseum

FA-Feid-Ihr-alle-privatisiert.jpg

Eines meiner sechs Exponate in Krems: Koloration einer Falter-Illustration von 2003 und einer Format-Illustration mit ähnlichem Sujet im Fische-Millieu.

Aus dem Pressetext: "Als letztes "Highlight" im Jubiläumsjahr präsentiert das Karikaturmuseum Krems eine Ausstellung zur aktuellen politischen Karikatur in Österreich. Das Karikaturmuseum, das sich in den letzten Jahren international positionieren konnte, wirft in dieser Schau einen gezielten Blick auf die Szene der aktuellen politischen Karikatur in Österreich, wobei in Auseinandersetzung mit der heimischen Medienlandschaft eine Bestandsaufnahme der politischen Bildsatire in Österreich erfolgen soll." Oke.

Liste der Künstler und Künstlerinnen in alphabetischer Reihenfolge: Wolfgang Ammer, Fritz Behrendt, Gernot Budweiser, ERich "BUL" Schatz, Manfred Deix, Andrea Maria Dusl, Bruno Haberzettl, Gerhard Haderer, Pietro R. Hausn, Wolfgang Horsch, Helmut HÜtter, IRONIMUS, Rudi Klein, KUF Peter Kufner, Gerald Mayerhofer, Much, Michael Pammesberger, Petar Pismestrovic, Oliver Schopf, Markus Szyszkowitz, Jean Veenenbos, Thomas Wizany, Dieter Zehentmayer.

Politische Karikatur in Österreich. Krems Karikaturmuseum, 30. 09. 2006 bis 11. 03. 2007.

30. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Bla Bla 06

Wie stellt man Politiker-Bla-Bla dar? Wie das Wording von Parteiprogrammen? Der Medienpolemiker und Visualisierungsanalytiker Walter Rafelsberger hat ein geniale Methode entwickelt. Auf seinem Metaportal der Medienpolemik hat Rafelsberger eine Graswurzelanalyse der Wahlprogramme zur Österreichischen Nationalratswahl 2006 durchgeführt.

Die folgenden Word-Maps zeigen Analysen der Wahlprogramme der Parteien ÖVP (Christlichsoziale), SPÖ (Sozialdemokraten), Grüne, FPÖ (ehemalige Haiderpartei), BZÖ (jetzige Haiderpartei), KPÖ (Kommunisten) und Matin (Liste des EU-Parlamentariers und Bestseller-Autors Hans-Peter Martin) zur österreichischen Nationalratswahl 2006. Mit Hilfe von Raffelsbergers Rhizome Navigation wurden die Texte der einzelnen Wahlprogramme analysiert. Die Größe eines Wortes korrespondiert mit seiner Häufigkeit im Text. Die Anordnung basiert auf einer Annäherung der Stellung einzelner Worte zueinander im ursprünglichen Text.

Die Anzahl der Worte in der Grafik hat übrigens nichts mit der Länge des Textes zu tun (die Anzahl der analysierten Worte ist in Klammern hinter dem Parteinamen angegeben), sondern hängt mit der relativen Häufigkeit einzelner Worte zusammen.

ÖVP (2177):
Word-Map-OeVP.gif


SPÖ (5199):
Word-Map-SPOe.gif


Grüne (5196):
Word-Map-Gruene.gif


FPÖ (2939):
Word-Map-FPOe.gif


BZÖ (4587):
Word-Map-BZOe.gif


KPÖ (670):
Word-Map-KPOe.gif

Matin (2189) - mangels Lesbarkeit von weiss auf weiss mit schwarzem Font:
Word-Map-Matin.gif

29. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Talk am Berg

Elefantenrunde.jpgIch leide am Komplettierungswahn. Und an einem Archivierzwang, der sich ausschliesslich in die Aufbewahrung von faden und fadesten Inszenierungen verbeisst. Im Rahmen dieses Krankheitsbildes habe ich mir sämtliche wahlpolitischen Diskussionen dieses Spätsommers, also all die kleinen und grossen Begegnungen von Parteiführern und Schüsselvertretungsbefugten nicht nur angesehen, sondern auch in DVD-Qualität aufgenommen.

In zehn Jahren werde ich damit einen rauschenden Retro-Abend bestreiten können. Was heisst einen. Jetzt, da auch Mirko Messner und die Hose und auch das Elefanten-Pentagon getagt haben, fällt mir ein, dass ich auf einen wichtigen Protagonisten vergessen habe. Ich habe doch glatt vergessen, den Politologen Peter Filzmaier für die Ewigkeit aufzubewahren. In meiner Erinnerung wird also Peter Filzmaier jene Verklärung erfahren, die wir (und ich im speziellen) dem Unwiederbringlichen auf den Altar legen. Schrammten doch Peter Filzmaiers Analysen am absoluten Nullpunkt der Emotion. Die Eiger Nordwand hat mehr Mienenspiel als der Politologe.

Das ist sicher ungerecht. Denn für expressives Grimassieren war doch ganz sicher Ing. Peter Westenthaler zuständig. Vom Streber-Grinsen Gusenbauers und dem Schildkrötenschnoferl von Altbundeskanzler Schüssel will ich erst gar nicht schwärmen.

Meine Prognose für den Abend des 1. Oktobers nähert sich asymptotisch der Ahnung, Österreich könnte diesmal Gusenbauer zum Bundeskanzler küren. Und dies, wie ich jetzt behaupte, alleine deswegen, weil er die Schweissdrüsen seiner Oberlippe erfolgreich diszipliniert hat. Sowas honoriert der Ösi.

Nach der "Elefantenrunde" der Parteiführer der fünf Parlamentsparteien. Für das Ösi-Blog in der ZEIT.

28. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings




Unser Kanzler Punkt

Unser.Kanzler.jpg

28.9.2006. Dirty Campaining macht auch vor der angesehenen Zunft der Plakatierer nicht halt.
(Gesehen auf einer Plakatwand im 22. Wiener Gemeindebezirk.)

28. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings




Der Ösi-Blog

Oesiblog-Zeit.jpgDie gute alte ZEIT, die armdicke Hamburger Zeitungsdame, hat ein neues Spielzeug. Ein Blog von Ösis für Nicht-Ösis. Ein Österreich-Fundamt für all die Passanten da draussen in den Gängen und Gassen der deutschsprachigen Welt.

Ein Blog, wo der Ösi dem Nicht-Ösi erklärt, wie das Land zwischen Thaya und Drau so tickt. Florian Klenk, der Parsival der Aufklärung, emeritierter Falter-Zentral-Aufdecker und nunmehr Zeit-Redakteur, hat es mit viel Elan und balkanesischer Überredungskunst aus Waterkant-Treibholz schnitzen lassen. Prabo Klenk! Prabo! Ö-Blog heisst das Ding.

Im Ö-Blog schreiben sich die Autorinnen Sigrid Neudecker und Eva Menasse, Peter Hörmanseder von der Fernsehstörtruppe maschek, die Zeit-Schurnos Florian Klenk, Ulli Ladurner und Joachim Riedl, Strafrichter Oliver Scheiber, Robert Treichler vom profil, der Koch Jürgen Wolf, der Anwalt Georg Bürstmayr, EU-Berater Wolfgang Sporrer und die Comandantina die alpine Verkrüppelung (© Otto Mühl) von der Schnitzellandseele.

28. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Der Mann mit den roten Schuhen

Schuessel.waehlen.jpgDer Hugo-Wiener-Platz liegt gegenüber von meinem französischen Atelierfenster. Zwei riesige Platanen stehen da vor den Sonnensegeln der polnischen Pizzeria, die den Sommer nicht überlebt hat, weil bei Regen niemand unter Sonnensegeln sitzen will.

In der früh starten die Bobos ihre Minis und Saabs und Smarts und fahren in ihre kleine Galerie in der Schleifmühlgasse, ins Funkhaus in der Argentinierstrasse, in das vegane Naschmarktlokal. Dann wacht der Sandler auf, der an geraden Tagen auf der Bank unter der linken Platane schläft, an ungeraden auf der Bank unter der rechten Platane.

Vormittags, nicht vor zehn fährt der Musik-Kabarettist Muckenstrunz auf seinem Kinderklappfahrrad quer über das Pflaster. Zu mittag kommen die türkischen Schulkinder, dann die Frau mit den drei kläffenden Hunden, und abends, wenn nur mehr die aufgebohrten Mopeds durchs Viertel glühen, kommen die Nigerianer, um in der Wertkartentelefonzelle vor dem H.C-Strache-Plakat nach Hause zu telefonieren. Ein beschaulicher Platz, der Hugo-Wiener-Platz gegenüber von meinem französischen Atelierfenster.

Heute war es anders. Nicht viel anders, aber anders. Ein silbermétalliséefarbener Querfeldein-BMW parkte sich ein, grosse rotweissrote Kleber mit dem Slogan “Schüssel.wählen” knallten von den Türen. Ein Mann mit wirrer Frisur entstieg dem Sport-Utility-Vehikel. Der Mann in der bürgerlichen Jeanshose und dem hellblauen Golfplatzhemd sah aus wie der Meinungsforscher Bretschneider und wie wenn sich Bretschneider gerade von seinem weissen ZZ-Top-Bart getrennt hätte. Der Bretschneider-ohne-Bart telefonierte. Der rechte seiner knallroten Wildlederturnschuhe trat in das Hundstrümmel der Dreihundefrau, der Sandler unter der linken Platane setzte seine Zipfelmütze gerade und dann trug der milde Septemberwind einen Handy-Telefonat-Satz des Bretschneider-ohne-Bart-Mannes durch mein halboffenes französisches Atelierfenster:

“Es wird doch knapp. Oaschknapp.”

Für das Ösi-Blog in der ZEIT

28. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (3) Comments (0) Pings




Peter Burke ::: Wörter machen Leute

FA-BB-Peter-Burke.jpg

Der polyglotte Kunsthistoriker Peter Burke erläutert in seinem 23. Buch die Sprachenvielfalt im Europa der frühen Neuzeit. Die neue Studie untersucht den sozial- und kulturgeschichtlichen Hintergrund der Sprachen, wie sie in der Epoche zwischen Erfindung des Buchdrucks und Französischer Revolution in Europa gesprochen und geschrieben wurden.

Dusilation zu einer Rezension von Oliver Hochadel in der Buchbeilage von Falter 40/2006

26. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Moriz Elsner

OeVP-Maedchen.jpgLiebe Frau Andrea,

wieder mal im Kino sah ich den Spot: junges schönes Paar im Bett, Wein und Sekt im Hintergrund, in der Früh steht sie auf, geht in der Wohnung umher (er geht erstmal duschen) und als er herauskommt, ist sie weg - sie hat einen Mitgliedsaufnahmeantrag für die SPÖ in seinen Sachen gefunden, der angegebene Name: Moritz Elsner. Die Werbung wirft Fragen auf: Ist sie gegen wüste Partys oder für eine Bodylotion, die alles vergessen macht?

Ihre Lydia Rössler,
Leopoldstadt

Liebe Lydia,

die unbekannte Rehäugige im erwähnten ÖVP-Werbespot scheint einen traditionellen vorehelichen One-Night-Stand, eingeleitet von Rotwein-Blindverkostung und Lounge-Musik-Geschmuse vor dem Stereomöbel hinter sich zu haben. Die billige Sektflasche am teuren Nachtkastl muss auch schon leer gewesen sein, als der schwarze String-Tanga darauf landete. Des BHs ging die junge Wirtschaftsstudentin schon auf dem kurzen Weg zum Futon verlustig, vermutlich im Zuge einer Tanzdarbietung. Nach wüster Party sieht es nicht aus, in der gardinenverhangenen deutschen Besserverdienerwohnung. Deutschen? Exakt. Der Spot wurde von der CDU im letzten Bundstagswahlkampf eingesetzt - die ÖVP hat nur die Einstellung auf die Beitrittserklärung neu drehen lassen und in das deutsche Material eingefügt. Der Lover - im Original ein Grafiker namens Max Gurke, wohnhaft in der Reinfallstrasse in Hannover wird in der ÖVP-Version zum Innsbrucker Moriz Elsner. Eine “Spitze” gegen den Ex-Banker Helmut “Marcel” Elsner und Harald Krassnitzer in seiner Rolle als Tatort-Kommissar Moritz Eisner. www.comandantina.com dusl@falter.at

Dusilation für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 39/2006


Der abgekupferte ÖVP-Werbespot via You(Tube):

Und hier gleich mal der Original-Spot der CDU (Quicktime)

25. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (3) Comments (1) Pings




Christoph Ransmayr ::: Der fliegende Berg

Christoph Ransmayr schickt in seinem neuen Roman ein irisches Brüderpaar in den
Transhimalaja, um dort den letzten weißen Fleck auf der Weltkarte zu finden.

FA-BB-Christoph-Ransmayr.jpg

Dusilation für die Buchbeilage in Falter 40/2006.
Ins Bild klicken für 1000px-Version

Die Variation fürs Cover sah so aus:

FA-BB-Buchbeilage-Cover-Ransmayr.jpg

Cover-Dusilation für die Buchbeilage in Falter 40/2006.
Ins Bild klicken für 1000px-Version

Buchbeilage-Cover-40.06.jpg

Buchbeilagen-Cover 40/2006

25. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Barbie meets GI Joe

FA-Soldier-und-Barbie.jpg

Dusilation zu einer Mediengeschichte von Saskia Jungnikl, "die von Kommunikationsguerilla-Gruppen (wie Volxtheaterkarawane, Public Netbase,...) handelt, die durch verschiedene Aktionen versuchen, Regierenden oder Institutionen das Leben schwerer zu machen, um damit eine öffentliche Diskussion anregen wollen.

"The Yes Man" haben beispielsweise 1999 in Supermärkten die Chips von sprechenden Barbie-Puppen mit denen von Kriegsspielfiguren (GI Joe) vertauscht. Daraufhin wollten die Kriegsfiguren zum "Shoppen" und die Barbies sagten, daß nur Tote keine Lügen erzählen."

Für Falter 38/2006

20. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Tuchlaubenkunde

Tuchlauben.jpgLiebe Frau Andrea,

Sommerzeit, das hiess für mich und meinen Freund Micha Tuchlauben-Eis-Zeit. Und weil es in der Nähe des besagten Eissalons ein nettes Kino gibt und auch ein nettes Café und die Brotbörse in der Bäckerei und überhaupt, halten wir uns ziemlich oft in der Straße mit dem Namen „Tuchlauben“ auf. Aber bitte, Frau Andrea: welche Präposition verwendet man in Verbindung mit den Tuchlauben? Was sagt man, wenn man am Telefon gefragt wird, wo man sich gerade befinde? Auf den Tuchlauben? An den Tuchlauben? Bei den Tuchlauben? Bitte dringend um Aufklärung!

Viele Grüße,
Franz Berger

Lieber Franz,

die Strasse Ihres Lieblingseissalons ist nach den offenen, vor die Häuser gebauten Laubenhallen genannt, in der im Mittelalter die Tuchhändler ihre Ballen zum Verkauf auslegten. Die Silbe “Tuch” im Toponym Tuchlauben wird kurz ausgesprochen, ganz wie im Wort Tuchent, mit der die Wiener ihre Bettdecke bezeichnen. Streng genommen sprechen wir von einer Strasse, die heute “nicht unter den ehemaligen Tuchlauben” heissen müsste, da wir mangels Existenz eben jener Tuchlauben weder vor, unter noch durch diese gehen können. Die heute nicht mehr vorhandenen Tuchlauben immaginiert befände sich ihr Eissalon “unter einer der Tuchlauben”, am Telefon müssten Sie unterscheiden “vor den Tuchlauben zu stehen”, schnellen Schritts “durch die Tuchlauben” zu eilen oder “unter ihnen” zu warten. Wienerisch korrekt können Sie sich stets “in der Tuchlauben” aufhalten. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 38/2006

18. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




Falter-Cover ::: Geht sich die Ampel aus?

FA-Cover-37-Ampel-500.jpg

Die österreichischen Sozialdemokraten haben ein Wahlbündnis mit den marginalisierten Liberalen geschlossen. Geht sich diesmal ein Ampelkoalition mit den Grünen aus? Wird es nach dem 1. Oktober 2006 rotgrün Leuchten an den politischen Kreuzungen der Republik?

Dusilation für das Cover von Falter 37/2006

......................

Ursprünglich hatte ich die Ampel fürs Cover so aussehen lassen wollen (siehe unten). Die Krücke im roten Licht konnte im Falter aber niemand so recht erkennen, wurde gemeldet, und das Fahrrad ging nicht als gleichberechtigte, polütisch kürrekte Behinderung durch, weshalb ich dann die beiden Patienten, wie in der obigen Version gepixelt habe.

FA-Cover-37-Ampel.jpg

Frühe Variante der Dusilation für das Cover von Falter 37/2006

............

Und so sah das dann als Cover aus:

FA-Cover-37-Ampel-Scribble300.jpg

FA-Cover-37-Ampel-Real300.jpg

Oben mein ursprünglicher Entwurf fürs Cover von Falter 37/2006, unten die endgültige Version mit all den Artefakten, die notwendig sind, um dem böse saugenden Zeitschriftenpapier des Falter zu begegnen.

13. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Grundsicherung

Pl-Planet-Grundsicherung.jpg

Dusilation für die grüne Zeitung 'Planet'.

11. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Priklopil

Priklopils-Priklop.jpgLiebe Frau Andrea,

verzeihen Sie die folgende Frage, aber wenn es jemand weiß, dann Sie: Was heißt "Priklopil" bzw. heißt "priklopil" etwas? Armin Thurnher zitierte letzte Woche einen empörten Leser, der darauf hinwies, Priklopil heiße soviel wie “der die Falle zuklappt”, Dichter Franzobel wiederum merkte kürzlich in einem Text im Standard an, "prikop" sei "der Graben". 

Allerherzlichsten Dank,
Ria Kurtz, Margareten

Liebe Ria,

sowohl der von Ihnen erwähnte Leserbriefautor als auch Worteschmiedkollege Franzobel kommen der Sache schon recht nahe. Der Nachname Priklopil ist die österreichische Variante des tschechischen Přiklopil und wie tausende andere Familiennamen unserer böhmischen Nachbarn ein redender. (Den Hatschek über dem “r” und damit jenen böhmischen Laut "ř", der in etwa so klingt, wie wenn man ein rollendes “r” gleichzeitig mit einem weich zischenden “sch” ausspricht, hat die slawophobe österreichische Bürokratie kassiert.) Der Name Přiklopil kommt wie Klestil (hat abgeschnitten), Musil (hat es tun müssen) und Dusil (hat Atem geraubt) vom einem Verb, nämlich přiklopit, das pikanterweise zudecken, zuklappen bedeutet. (Das Substantiv příklop bedeutet Deckel, Klappe oder auch Sturz.) Přiklopil ist die männliche Vergangenheitsform des Verbs přiklopit - er deckte oder klappte zu. Jenes Verlies, dem Natascha Kampusch jüngst so glücklich entkam.
www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 37/2006. Grossen Dank für die etymologische Beratung schulde ich dem tschechischen Wissenschaftskonsul des Bureaus, Christoph Esser in Praha.

10. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (3) Comments (0) Pings




Serie gut, alles gut!

Für das Standard-Album vom 9.9.2006

Ich bin ein Fernsehkind. Es gibt keinen Augenblick meines Lebens, in dem nicht irgendwo ein Fernsehapparat vorkommt. Ein schweres Schicksal. Wenn meine Schulfreundinnen und Schulfreunde schlimm waren, wurde ihnen das Taschengeld gestrichen. Wenn ich etwas auf dem Kerbholz hatte, fasste ich Fernsehverbot aus. Weil man mit dem Verbot bekanntlicherweise den Reiz des Verbotenen erhöht, wurden aus meinen Schulfreundinnen und Schulfreunden Bankdirektorinnen, Investmentberater, Finanzdienstleister und Scheckbetrüger. Aus mir wurde eine Fernseherin. Das schwarze Kästchen ist mein Fenster in die Welt.

Meine frühesten ausserfamiliären Erlebnisse fanden stets an einem Mittwochnachmittag statt und handelten von einem gewissen “Kasperl”. Kasperl war mein Freund, er war naseweis wie ich, aber was ich nicht verstand, war, warum er sich mit der pelzigen Klette abgab. Petzi hiess der Kerl, er dichtete schlecht und war eine Rampensau. Für einen Lacher hätte er seine Grossmutter verkauft. Seinen Freund Kasperl sowieso. “Kasperl” hatte alle Ingredienzen einer guten Serie: Den wöchentlichen Termin, die schrullige Hauptperson in bedenklichen Familienverhältnissen, den billigen Plot und das kleinbürgerliche Millieu. Kasperl junkte mich an für diesen Serientypus. Aus Dornröschengeschichten in Schlössern, Vorstandsetagen und Millionärsvillen würde ich mir fürderhin nichts machen. Schlechte Karten für “Gute Zeiten, schlechte Zeiten”, “Reich und Schön”, “Dallas” und “Dynasty”.

Flipper.jpgDie kapute Prolo-Familie war mein Ding. Eine Serie war die meine, sobald es in ihr genetisch kriselte oder im Freundeskreis krachte. Flipper, der dauerglückliche Lagunenhund kam bei mir an, weil bei den Flipperischen zuhaus die Kacke am Dampfen war. Sandy und Bud, die beiden “Jungs” waren ständig in zu kleinen Booten auf dem bösen Meer unterwegs, Mutter gab es keine - vielleicht war “tot” aber auch nur ein Serien-Synonym für “durchgebrannt mit dem Tankwart”. Und Daddy? Daddy war ja selbst noch ein Kind. Die Lesart, dass hier eventuell ein schwuler Onkel mit zwei Boyfriends einen frühen Traum vom Leben abseits der bürgerlichen Kleinfamilie lebte, sollte mir erst später gelingen.

Lassie, wo alle brav waren, sogar der Hund stets frisch geföhnt, fiel nicht in mein Muster von der guten, weil kaputen Familie.

Jeannie, die wasserstoffblonde Irakerin zwinkerte sich augenblicklich in mein Fernsehleben und ebensoleicht gelang das Samantha, der nasewackelnde Vorstadthexe. Beide hatten mittlere Knallchargen als Männer und ein Pandemonium an Problemen mit ungläubigen Freunden, neugierigen Nachbarn und abgedrehten Familienmitgliedern aus anderen Dimensionen. Jeannie und Samantha dürften für meine Sozialisation als Künstlerin mehr gemacht haben als sämtliche Zeichenstunden.

Mister-French.jpgIn amerikanischen Serien konnte man überhaupt sehr viel lernen. Dass Türen - wie in "Lieber Onkel Bills" poshigem Upper-Eastside-Apartment - keine Schnallen brauchten, Puppen Mrs. Beasley heissen durften und Löwen - wie in "Daktari" - schielen konnten wie Fausto Radicci.

Deutschsprachige Serien hingegen waren verstaubt und belehrend. Wenn sie in Österreich gemacht wurden, zudem noch auf eine einschläfernde Art bürgerlich-folkloristisch. Das sollte mein zweiter Held nach Kasperl ändern.

"Mundl", der Elektriker aus der Hasengasse im Zehnten war ehrlich und unverblümt und mit einer Präszision aus dem wirklichen Leben geschnitten, die mich spätestens dann schaudern liess, als mein eigener Dusl-Vater die Sylvesterrakete ins Fenster vom Flickschneider gegenüber feuerte und wie bei den Sackbauerschen zur Verdunklung aufrief.

Mag sein, dass sich anders sozialisiertes Publikum in den Laffites der "Lieben Famile" wiederfand oder in Fritz Eckhardts Folie eines von Elfriede Ott umschwesterten Sacherportiers - mein Ideal einer proletarisch gebeutelten Famile verkörperten die Sackbauers mit Grandezza. An diesem Genre versuchten sich später auch "Al Bundy", "Rosanne" und die Familie von "Malcolm mittendrin". Dem vorlauten Pelzwuschel "Alf" werfe ich hingegen heute noch vor, seine Fadgas verströmende Gastfamilie nicht schon in der ersten Folge mit vergifteten Steaks um die Ecke gebracht zu haben.

Den Beweis, dass Grosstadtfamilien nicht notwendigerweise genetische Übereinstimmung brauchten, um mich aufs Sofa zu fesseln, sondern nur clevere Plots, realistische Settings und oblique Charaktere, sollten erst "Friends" und der ungeschlagene Meister des zwerchfellbeschädigenden Serienvergnügens führen: Larry David in seiner Rolle als meschuggener Fernsehserienerfinder Larry David in “Curb Your Enthusiasm”. Kaputer war gescheites Fernsehen nie.

8. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (8) Comments (0) Pings




Maschek erklärt

FA-Maschek-erklaert-Logo.jpg

Logo für die Serie "maschek.erklärt", in der meine Freunde von der Wiener
Fernsehdekonstruktivismustruppe Maschek jede Woche des
Nationalratswahlkampfs 2006 an Hand eines Bildes die Befindlichkeit von
Schnitzellands Politniks erklären. Im Breitwandkastl: Pit Hörmanseder,
Ulrich Salamun und Robert Stachel.

Ab Falter 36/2006

5. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Hinterhandhalterei

Pizza.jpgLiebe Frau Andrea,

dieses ist mir ein Rätsel: Wo kommt die Redensart "etwas in der Hinterhand haben" her? Ist das ein Spruch aus dem Reitsport? Pferde haben ja angeblich eine Hinterhand, obwohl sie Huftiere sind. Oder ist das ein Kartenspieler- oder gar ein Mutantentrick?

Mit den besten Grüßen, T. Stanislawski from The Stanislawskis, Internet

Dear T from The,

wie Sie richtig vermuten, ist das Haben in der Hinterhand eine kartenspielerische Situation. Als Vorhand bezeichnet man etwa beim Skat den Spieler, der die erste Karte auszuspielen hat. Auf Vorhand folgen Mittelhand und dann Hinterhand. Im alltäglichen Wienerleben finden sich zahlreiche Beispiele an Hinterhandhalterei. Da fiele mir der Pizzabote ein, der an unsere Gegensprechanlage läutet und seinen Satz “Die iste die Pitsasövis” aufsagt, aber für alle Fälle einen nachgemachten Post-General-Haustor-Schüssel in der pakistanischen Hinterhand hat, mit dem er komfortabel ins Haus könnte, ohne uns zweimal aus dem Sofa zu holen. Oder die Zanhnarztgehilfin, die innerhalb der nächsten sechs Monate kein einziges halbes Stündchen für den sturmläutenden Backenzahn finden will, selbstverständlich aber jede Menge kommoder Termine für Zahnhalsstreicheleien im Freundeskreis in der Hinterhand ihres Kalenders hortet. Terminhinterhandhalterei beherrschen auch Telefongesellschaften, Installateure, Mountain-Bike-Reparaturwerkstätten, Notebook-Ambulanzen und die Toilettenschlüsselwarte von Naschmarkt-Bobo-Lokalen. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen sie Frau Andrea' in Falter 36/2006

4. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Falter-Cover ::: Planet Steiermark

Cover-Dusilation für den Steiermark-Falter 35/2006. Für grössere Anischt ins Bild klicken!

FA-Cover-36-Stmk-Planet500.jpg..FA-Cover-36-Stmk-Planet-Real500.jpg


FA-Stmk-Planet-Spacewalk.jpg

Die Steiermark-Kandidaten der österreichischen Parteien für die Nationalratswahl am 1. Oktober
hier in detaillierter Version (für grosse Version ins Bild klicken!) Von links nach rechts: Astronautin Gastinger (BZÖ), Satellit Kutschi von den Kontrollnauten MATIN, Astronautin Silhavy (SPÖ), Kosmonaut Parteder (KPÖ), Astronaut Bartenstein (ÖVP), Raumkamerad Kurzmann (FPÖ), Spaceboy Kogler (Grüne).

1. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




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