Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Cuba Libre
Liebe Frau Andrea,
seit langem plagt mich folgender Fragenkomplex, jüngst aktiviert durch Fidel Castros Gesundheitsprobleme. Als es das Volksstimmefest (der damals reichen KPÖ) noch gab, wurde dort immer 'Cuba Libre', gemixt aus Cola und Rum ausgeschenkt. Nun ist Coca Cola aber DAS Getränk des Kapitalismus. Meint der Name 'Cuba libre' - 'Freies Kuba' ein Kuba frei vom Kapitalismus? Warum dann das Cola? Oder handelt es sich um eine Verschwörung der Exilkubaner, die Kuba mithilfe von Coca Cola vom Kommunismus befreien wollen? Sind die Volksstimmefestcocktailausschenker einem Schwindel aufgesessen? Und ist das ganze Problem nicht schon längst hinfällig, weil inzwischen alle Caipirinhas drinken?
Thomas Klausner, Wien
Lieber Thomas,
‘Cuba Libre’ in Lateinamerika auch Cubata genannt, wurde 1900, nach dem Ende des spanisch-amerikanischen Kriegs, von amerikanischen Soldaten in einer alten Bar in Havanna erfunden. Ein Captain des US Signal Corps soll ein Glas Bacardi on the Rocks mit Cola und einer Limettenspalte bestellt haben und mit seinem Sonderwunsch die anderen Soldaten angesteckt haben. Bei der nächsten Runde des neuen Mixes soll ein Soldat mit dem Satz ¡Por Cuba Libre! angestossen haben. Dieses freie Kuba war aber de facto eine Unterwerfung des gerade noch spanischen Kubas unter die USA, weswegen das Getränk auch "Mentirita" (kleine Lüge) genannt wird. Strenggenommen ist es nahezu unmöglich, echten ‘Cuba Libre’ zu trinken, weil kubanischer Rum in den USA bis heute illegal ist und Coca-Cola wegen der Wirtschaftsblockade nicht nach Kuba ausgeführt werden darf. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 32/2006
7. August 2006 © Andrea Maria Dusl
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