Little Shops of Horror
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Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Little Shop of Horror ::: Das traurigste Geschäft des Universums
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Auch im Gewand von Tand und Lichterketten sind die Geschäfte,
die die Wiener "Karlsplatzpassage" säumen, an grossem Jammer erkrankt.
In dem gut zweihundert Meter langen Gang zwischen Oper und Karlsplatz
finden sich Schlüsseldienste, Wettcafés, Stehpizzerie, Briefmarkenläden,
Pornoheftkioske und Seidenblumenshops. Ich vergass die Amthyst-
berater und das Geschäft für 2-Euro-Reisetrolleys. Und die dicke
Polizeiwachstube.
In der Karlsplatzpassage weht immer warmer Wind. Deswegen stehen
hier Babyprostituierte, Junkies und ihre Freunde. Vor jedem Laden stehen
sie und gammeln der Zeit ein Loch in die Mütze. Nur vor diesem einen
Geschäft stehen sie nicht. Vor diesem einen Geschäft zu stehen, ist sogar
für die abgetretendsten Junkies und Methadonzombies der blanke Horror.
Vor dem traurigsten Geschäft der Welt fallen sogar die Fliegen tot aus
der Flugbahn. Hier steht niemand ausser der Zeit.
Düster strahlt im nichtgemochtesten Laden der Welt die Schönheit
der Architektur. Gelungen dürfen wir die Leithakalkplatten nennen, die,
das Gefälle der Passage aufnehmend, assymetrisch aber gefällig in die
Stahlparapete gehängt wurden. Auch die Rahmen aus gebürstetem
Alulminium gefallen uns. Ein Memento an den International Style, der
irgendwann auch in Wien kurz Station gemacht hat.
Bitter geht es im Inneren zu. Unverschämt das Weiss der Rigipswände.
Wurde hier gar mit stinkender Acrylfarbe gefärbelt? Zeitlos die Hässlichkeit
der grauen Eisentür, die in ein verborgenes Mitarbeiter-Klo führen
dürfte. Entsetzlich zwei Flipcharts aus der späten Raiffeisenepoche. Dafür
würde man sich inzwischen sogar in Bratislawa schämen. Ob man den
kleinen oder den grossen Schemel für abstossender halten soll, lässt das
Elend der innenarchitektonischen Inszenierung nicht zu.
Ein Lichtblick hingegen die Spiegelung der Passagenlichtfelder in den
zwänglerisch sauber geputzen Scheiben. Hier dringt der öffentliche Raum
in das verwaiste Eigentum.
Traurig, aber immerhin nicht ohne anekdotischen Wert die Literatur des
jämmerlichen Raumensembles: Auf der zentralen Flipchart steht, mit
verblasstem Edding geschrieben: NEUER. Unter dem Schloss des gläsernen
Portals gefällt uns das rotumrandete Schild mit der Warnung:
Achtung
Klimaanlage
24. Juni 2006 © Andrea Maria Dusl
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Kommentare
ach, ich tät auch gern so schreiben können. lieben gruss
michael | 25.06.06 21:00



