Sandro. Keiner fegt heisser

Sandro.jpgSandro aus der Wachau ist Marillenbauer
und ein heisser Feger. Wenn der
flotte Kehrer seinen Muskel spielen
lässt und den Wedel zur Hand nimmt,
bleibt kein Steinobst auf dem anderen.
Für die nächste Ernte ist auch gesorgt:
Gerade hat der lebenslustige Kremser
die Mariandlblüten in seinem Lieblings-
Obstgarten bestäubt.











Meine Bewerbung für die Lady-
Ausgabe der Kronenzeitung. Für die
Journo-Branchen-Postille ExtraDienst,
Juni 2006

29. Juni 2006 (2) Comments

Fussballweltmeisterschaft ::: Tor der Woche 3

FA-Tor-der-Woche-3.jpg


David Beckham (England bzw. Viktoria Beckham) biegt die Flugbahn der Teamgeistwuchtel
für einen unhaltbaren Treffer, der bei Ecuadors Goalie Christian Mora in den Giebel kracht.
Nachher hat König Beckhambauer Retourhunger und reihert den Spielfeldrand voll. Bei Mutti
Posh gegessen? Nervöses Mäglein?

Ein paar Tage später sollte Portugal Albions Kicker im Elferdrücken an die Wand nageln.
Der Name vom metrosexuellen Freistossking wurde daraufhin flugs von Beckham in
Backhome geändert.
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Dusilation für die dritte Folge der Serie "Tor der Woche" in Falter 26/2006

27. Juni 2006 (0) Comments

Das Steirertor

Hiden-Wunderteam.jpgWerte Frau Andrea,

im Zuge der aktuellen WM-Berichterstattung ist mir die Umschreibung "Steirertor" im Zusammenhang mit einem vom Kroato-Australischen Torhüter Zeljko Kalac kassierten Eiergoal untergekommen. Was haben denn die Steirer mit dem Unvermögen eines Tormanns zu tun?

Ballestrische Grüße,
Ivo Djuvec, Internet

Lieber Ivo,

das Steirertor hat tatsächlich mit einem gebürtigen Steirer zu tun. Der despektierliche Kickerausdruck für ein leicht zu haltendes, meist dummes und oft unnotwendiges Tor wurde 1927 geprägt. Der blutjunge Grazer Bäckergeselle Rudolf Hiden, späteres Mitglied des legendären Wunderteams und einer der besten Torhüter seiner Zeit erhielt bei seinem Debüt für den damaligen Spitzenclub Wiener AC das erste Steirertor der Geschichte. Den Begriff erfand sein damaliger Kollege in der schwarzroten Verteidigung, Karl Sesta. Als Hiden eine haltbaren Schuss eines heute nicht mehr namentlich bekannten Gegenspielers durch die Butterfinger in die Kiste liess, ätzte Vordermann Sesta rot vor Wut: “Sora Tiarl kaun nuara Steira kriang!” (“So ein Tor kann nur ein Steirer bekommen”). Rudolf Hidens Karriere sollte das styriakische Gurkerl nicht weiter beschädigen. Nach fulminanten Jahren im Wunderteam wurde er 1936 mit dem französischen Spitzenclub RC Paris gallischer Meister und Pokalsieger. Seinen Lebensabend liess der frauenumschwärmte Beau als glückloser Pariser Barbesitzer und Elfmeter-Artist beim Zirkus ausklingen.

Für Falter 26/2006

26. Juni 2006 (5) Comments

Ode ans Handy

Mein erstes Handy, ein Ziegel von der Grösse eines Wecken Schwarzbrots. Es zirpte und hupte und auf seinem froschlaichgrünen Display konnte ich die unvorstellbare Menge von zehn Nummern abspeichern. Ein wehmütiger Bericht aus der Zukunft der Vergangenheit von Andrea Maria Dusl.

Erschienen in der Standard-Beilage Rondo vom 23.6.2006

Holla-holla.jpgSchuld ist Captain Kirk. Der untersetzte Kapitän des Sternenkreuzers Enterprise hat mich angefixt.

Captain James Kirk liebte Ausflüge. Wie ich. Wenn den Captain die Ausflugslust juckte, stellte er sich in die Teilchendusche und liess sich auf den Planeten, den Mond, das vergammelte Klingonenschiff beamen. Und nie hatte er mehr bei sich, als einen kabellosen Phaser-Föhn und sein Handy.

Einen Föhn hatte ich schon. Das andere Ding wollte ich auch haben. Es war so gross wie ein Trszesnevskibrötchen, hatte eine Klappe wie das Notizbuch von Inspector Columbo und mehr Tasten als die Gegensprechanlage im Ringturm. So ein Ding wollte ich haben. Ein... ein... Mist, das Ding hatte keinen Namen.

Handy-Kindersarg.jpgHannes Androsch war da schon weiter. Hannes Androsch war in den siebziger Jahren sowas wie der Mister Spock eines gewissen Captain Kreisky, er hatte eine Dienstlimousine und ein mobiles Telefon. Ein Telefon, das nicht an Kabeln aus der Wand hing, das nicht von der spärlichen Erreichbarkeit einer Vierteltelefonnummer desavouiert wurde, ein Telefon aus der Zukunft, ein Autotelefon. Es hatte die Grösse eines Kindersargs und war nur mit dickem Mercedes drumrum erhältlich.

Also doch das von Captain Kirk.

Die Jahre liefen ins Land, Captain Kirk wurde feister, Hannes Androsch telefonierte weiter über den Kindersarg und bekam Probleme mit den Klingonen aus dem Profil, aus Kreisky wurde Sinowatz, aus Sinowatz ein Bankdirektor, aber das kleine klappbare Brötchen gab es noch immer nicht.

Auf den Strassen gab es gläserne Häuschen, in denen man telefonierte. Man warf eine Münze ein, die sich Telefonschilling nannte, und wenn eine Verbindung zustande kam, drückte man einen kleinen schmierigen Knopf.

-->Weiterlesen: Den langen eckigen blauen Button hier unten klicken! Sonst müssen wir das Gespräch beenden.

Das war mobiles Telefonieren. Gläserne Häuschen, Telefonschilling, schwarzer Knopf, Hallo ich brauche ein Taxi in die... Türe auf, ...Ecke dings... äh moment... äh... klick. tuut, tuut. Telefonschilling aus. Kein Taxi in die Pampa. Mobiles Telefonieren.

Handy-Knochen.jpgUnd dann irgendwann ging alles ganz schnell. Im staatlichen Rundfunk sprachen sie über das Einrichten eines Funknetzes für mobiles Telefonieren. Geräte, die sich in dieses Netz einwählen würden, gäbe es bald zu kaufen. Zu kaufen! Und von diesem Funknetz, wie sie sagten, würde man auch ins normale Netz telefonieren können. Ins normale Netz!

Mein erstes Handy war ein grau und es war aus Plastik und was die Grösse betrifft - Captain Kirks Trszesnevskibrötchen war es nicht gerade, es war, na sagen wir mal, ein Wecken Schwarzbrot. Der Wecken hatte eine ausziehbare Antenne und einen kleinen Bildsschirm. Das gefiel mir schon besser. Einen kleinen Bildschirm hatten die Kommuniktoren auf der Enterprise auch. Der Bildschirm hiess Display und hatte die Farbe giftgrünen Frosschlurchs. In der Bedienungsanleitung fanden sich Begriffe aus der Zukunft: Speicherplatz, Menüpunkt, Kurzwahlnummer, Ladezustand, SIM-Karten-Steckplatz. SIM-Karten-Steckplatz. Ein wunderschönes Wort. Captain Dusl, Ma’m wir haben Probleme mit dem SIM-Karten-Steckplatz. Schalten Sie um auf Teilchen-Kommunikation, Scottie. Und beamen sie mich rauf.

Handy-Ziegel.jpgMein Handy. Mein Handy? Wie hiesss das Ding überhaupt? Manche nannten den dunklen Wecken “Funktelefon”. Andere wollten wissen, es hiesse Mobiltelefon. Und die Schöpfer von Worten wie Event und Marketing brachten “Handy” in Umlauf. Ein fataler Sprachirrtum, wie man spätestens nach einer Amerikareise wusste.

Mein erstes Handy. Franz Vranitzky sass am Ballhausplatz, Wolfgang Schüssel trug noch grosse Brillen und bunte Mascherln und ich steppte die erste Nummer in mein erstes Handy. In grossen dunkelgrünen Computerziffern fädelte ich die Telefonnummer meiner Eltern auf den grüngelb beleuchteten Telefonbildschrim.

Aufgeregt zitternd bohrte sich mein Zeigefinger in die grüne Gummitaste mit dem Symbol eines schwebenden Hörers. Mit elektronischem Zirpen wählte sich der Wecken ins “Netz”, den unsichtbaren Handy-Äther, der wie eine löchrige dünne Wolke auf der Stadt lag.

Mein erstes mobiles Telefonat. “Hallo?” “Krächzkrächz!” “...Ja hallo?” “Krächzkrächzkrächz.” “Es bin ich. Ich bin es.” “Krächzkrächz.” “Zirzpirp.”

Bald hatten andere auch solch ein Handy. Schweizer nannten es Natel, und die Leute, die sich einen Ast lachten, wenn sie das Wort “Handy” für Telefon hörten, nannten die Gurken “mobiles” und “cellphones”.

Es wurde Zeit für das nächste neue Phänomen. Den Handywechsel. Davon wusste man zwar nichts auf der Enterprise, aber die wussten auch nichts von Marketingoffensiven und von Peer Group Pressure. Möglich, dass hinter meinem Handywechselwunsch auch die Klingonen steckten, jedenfalls brauchte ich jetzt dringend ein neues Handy. Dringend.

Mein zweites Handy sah aus wie ein Kurzwellen-Weltempfänger, den man mit einem Taschenrechner gekreuzt hatte. Die Klingonen hatte die Sängerin Madonna in einen Werbespot gebeamt und sie mit diesem ultraschicken Brötchen gefilmt. Fatal. Das Madonna-Handy musste ich haben.

Es war die Zeit der grossen Koalition. Die soziale Schere war noch nicht aufgegangen, wir hatten Geld wie Heu, das Madonna-Phone kostete soviel wie ein kleiner Sportwagen und die Bedienungsanleitung war so dick wie das Telefonbuch von Graz. 100 Nummern konnte man speichern. Der Akku hielt 7 Stunden. Und war in der verstörend kurzen Zeit von 24 Stunden frisch geladen. Ein Wunder der Technik! Mit dem Daumen drehte man am Rad und spulte sich durchs Freundemenü. Handyphonieren war Freizeit. Amtliches besprach man von einem Telefon.

Handy-Madonna.jpgDas Madonnaphone war so schick, weil es den Madonnabügel hatte. Der Bügel erinnerte an die Wangenmikros, ohne die Popstars in den 90ern keine wirklichen Popstars waren. Den Madonnabügel schnalzte man mit dem Daumen raus. Dann gingen die Lichter an. Das war schon was! Das hätte Captain Kirk gefallen.

Was wurde ich bewundert mit dem Madonnaphone! Wie modern hupte es, wenn mich wer am “Handy anrief”, wie man damals sagen musste, um hochmodern zu wirken. Das Madonnaphone lag stets dekorativ am Loungetable, am Abhängetresen, auf der angesagten Bar. Bis das Bier des Klingonen umfiel und mein erstes Handy ertrank.

Nie wieder sollte ich mir einen Nachfolger zulegen, der den Wert eines gepflegten Mittagessens überstieg.

Das hätten sogar der dicke Captain und sein langohriger Freund verstanden.

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Zur Zukunft der Hanydphonie geht's hier! Zumindest momentan.

24. Juni 2006 (1) Comments

Little Shop of Horror ::: Das traurigste Geschäft des Universums

Trauriger-Laden-Karlsplatz.jpg


Auch im Gewand von Tand und Lichterketten sind die Geschäfte,
die die Wiener "Karlsplatzpassage" säumen, an grossem Jammer erkrankt.
In dem gut zweihundert Meter langen Gang zwischen Oper und Karlsplatz
finden sich Schlüsseldienste, Wettcafés, Stehpizzerie, Briefmarkenläden,
Pornoheftkioske und Seidenblumenshops. Ich vergass die Amthyst-
berater und das Geschäft für 2-Euro-Reisetrolleys. Und die dicke
Polizeiwachstube.

In der Karlsplatzpassage weht immer warmer Wind. Deswegen stehen
hier Babyprostituierte, Junkies und ihre Freunde. Vor jedem Laden stehen
sie und gammeln der Zeit ein Loch in die Mütze. Nur vor diesem einen
Geschäft stehen sie nicht. Vor diesem einen Geschäft zu stehen, ist sogar
für die abgetretendsten Junkies und Methadonzombies der blanke Horror.

Vor dem traurigsten Geschäft der Welt fallen sogar die Fliegen tot aus
der Flugbahn. Hier steht niemand ausser der Zeit.

Düster strahlt im nichtgemochtesten Laden der Welt die Schönheit
der Architektur. Gelungen dürfen wir die Leithakalkplatten nennen, die,
das Gefälle der Passage aufnehmend, assymetrisch aber gefällig in die
Stahlparapete gehängt wurden. Auch die Rahmen aus gebürstetem
Alulminium gefallen uns. Ein Memento an den International Style, der
irgendwann auch in Wien kurz Station gemacht hat.

Bitter geht es im Inneren zu. Unverschämt das Weiss der Rigipswände.
Wurde hier gar mit stinkender Acrylfarbe gefärbelt? Zeitlos die Hässlichkeit
der grauen Eisentür, die in ein verborgenes Mitarbeiter-Klo führen
dürfte. Entsetzlich zwei Flipcharts aus der späten Raiffeisenepoche. Dafür
würde man sich inzwischen sogar in Bratislawa schämen. Ob man den
kleinen oder den grossen Schemel für abstossender halten soll, lässt das
Elend der innenarchitektonischen Inszenierung nicht zu.

Ein Lichtblick hingegen die Spiegelung der Passagenlichtfelder in den
zwänglerisch sauber geputzen Scheiben. Hier dringt der öffentliche Raum
in das verwaiste Eigentum.

Traurig, aber immerhin nicht ohne anekdotischen Wert die Literatur des
jämmerlichen Raumensembles: Auf der zentralen Flipchart steht, mit
verblasstem Edding geschrieben: NEUER. Unter dem Schloss des gläsernen
Portals gefällt uns das rotumrandete Schild mit der Warnung:

Achtung
Klimaanlage

24. Juni 2006 (1) Comments

Leise, schreiend, vertrottelt und genial

An einer Akademie muss nichts vermittelt, sondern der Austausch von Ideen in jede Richtung ermöglicht werden, erklärt Andrea Maria Dusl, Filmregisseurin, Cartoonistin und Kolumnistin für die Stadtzeitung „Falter“, im Gespräch mit Anne Katrin Feßler.

Originalfassung des Emailinterviews über mein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, das am 22.6.2006 im Standard erschien. Das Bild von mir war mal Falter-Cover und ist von Heribert Corn vor der Gartenfassade des Café Rüdigerhof geknipst worden

Andrea-Maria-Dusl-Akademie.jpgAnne Katrin Feßler: Rückblickend auf ihre Ausbildungszeit an der Akademie: Worin bestand die Ausbildung
 
AMD: Vier Jahre Bühnenbildstudium. Das waren eine Menge Vorlesungen. Bühnentechnik und Lichtmachen, technisches Zeichnen, Kostümkunde, was weiss ich, was noch alles, Dramaturgie, Kunstgeschichte, ein dicker Katalog an Lehrfächern.

Aber für mich war die Akademie morgens Frühstücken mit Lois Egg, dem Meisterschulleiter, einem feinen, eleganten und weltoffenem Herrn. Er trug feinste italienische und englische Anzüge und konnte unfassbar gut zeichnen. Wen er mochte, den lehrte er, die Welt zu sehen. Nach einem Jahr war ich seine Assistentin und arbeitete am Theater. Am richtigen Theater! Ich baute Modelle, leitete Bauproben, sass mich müde in Proben. An der Akademie entwickelten wir Ideen für Eigenes. Von meinen Kolleginnen und Kollegen Stefan Riedl, Ulf Stengl und Raja Reichmann habe ich Zeichnen und Malen gelernt, von Josef Mikl in vier Jahren täglichen Aktzeichnens das Schauen, in der Bibliothek die Bewunderung für alte Bücher. Dazwischen sassen wir mit den narrischen Malern beim Smutny, tranken Budweiser und assen Gulasch.
 
Was ist Ihnen gut in Erinnerung geblieben?

Der Geruch des Leinöls aus den Malerklassen. Das Haus am Schillerplatz und sein stiller Zauber. Die vielen, vielen Feste. Das aussergewöhnliche dieses "Studiums". Lois Eggs Turm. Das Zimmer, in dem Professor Griepenkerl den jungen Adolf Hitler abgelehnt hat. Dort habe ich mir mit einem Stanleymesser fast die Zeigefingerspitze abgeschnitten. Es hat Hölle geblutet.
 
Vermisst habe ich Sloterdijk. Für Sloterdijks gesprochene Sprache kann ich mich begeistern. Den hätte ich gerne während des Studiums kennengelernt. Den hätte ich zum Smutny geschleppt.
 
Was soll Ihrer Meinung nach den StudentInnen an der Akademie vermittelt werden?

---> Blauer Link: Weiterlesen

Vermittelt soll gar nichts werden, ich halte diesen ganzen neoliberalen Vermittlungsquatsch nicht mehr aus. Die Akademie soll den Austausch von Ideen zwischen Professoren und Studenten, Studenten und Studenten und Professoren untereinander ermöglichen. Das ist das Wesen einer Akademie. Seit den griechischen Akademien ist das so. Kunst kann nicht gelernt werden, sondern nur gesucht und gefunden. Die meisten Künstler kommen schon als Künstler auf die Welt, das kann nicht gelehrt werden. Nur ermöglicht. Oder verunmöglicht, wie unter dem Krixikraxizeichner Wolfgang Schüssel, der den Künstlern aus persönlicher Perfidie das soziale Messer angesetzt hat.
 
Was hat Ihnen persönlich die Ausbildung gebracht?
 
Alles. Ich habe gelernt, mich zu entschulen, mich selbst zu entdecken.
 
In künstlerischer Hinsicht oder hinsichtlich der Positionierung am Kunstmarkt ?

Den "Kunstmarkt" halte ich für eine Perversion. Der Kunstmarkt hat mit Markt zu tun, nicht mit Kunst. So wie eine Schlafzimmerausstellung nichts mit Liebemachen zu tun hat.
 
Was fehlt in der Ausbildung? Was sollte anders gemacht werden?

Wie das jetzt ist, weiss ich nicht, 1981 fand ich die Akademie sehr gut. Sie war alles: Verstaubt und modern, leise und schreiend, vertrottelt und genial.
 
Von wann bis wann haben Sie an der Akademie studiert und in welcher Klasse/Professor? 

1981 bis 1985. In der Meisterschule für Bühnenbild bei Lois Egg. Diplomiert habe ich mit zwölf riesigen Illustrationen eines fantastischen Bühnenbilds für Goethes Faust. Das war ein Quantensprung für mich. Der Zwängler Wonder, der in meinem Diplomjahr Lois Egg beerbt hatte, hat meinen Faust nicht begriffen, Arnulf Rainer und Josef Mikl schon. Damals gab es noch Diplombegehungen des Kollegiums. Das Kollegium und nicht der zuständige Professor hat die Diplome und den Magistertitel verliehen. Ich glaube, heute ist das alles wie bei den Juristen. Das läuft heute vielleicht sogar vollautomatisch.

22. Juni 2006 (0) Comments

George Bush und die Nachtkästchenlampe

Der Tag, an dem George W. Bush vergass, die Nachtkästchenlampe
in seinem Fluzeug auszuknipsen.

Air-Force-One-Bed-Room-Light.jpg

Dienstag, 20. Juni 2006, Flughafen Wien-Schwechat, kurz nach 21.10 Uhr.
Die Sonne ist gerade hinterm Wienerwald verrostet. Der 43. Präsident der
Vereinigten Staaten betritt in Begleitung seiner Ehefrau Laura die Gangway
vor "Air Force One". All lights down. Nur ein kleines Fensterchen ist beleuchtet.
George Walker Bush hat vergessen, die Nachtkästchenlampe auszuknipsen.

Kleiner Lageplan der präsidialen Luftkutsche:

Air-Force-One-FP.jpg

Wie man deutlich sehen kann, gehört das beleuchtete Fensterchen
zum Schlafzimmer der Bushs. Hier hat der Präsident während des
Transatlantikflugs gemütlich gemützt.

Nicht uninteressant ist in diesem Zusammenhang die Entdeckung,
dass amerikanische Präsidenten offenbar mit den Füssen in Fahrtrichtung
reisen. Die Bugkoje liesse eine andere Orientierung auch gar nicht zu.

Kein gutes Feng Shui, George!

Wie gut hatten es da die Potentaten früherer Zeiten! Ihre Kajüten
befanden sich stets im Heck ihrer Flaggschiffe,

21. Juni 2006 (1) Comments

George Bush und die österreichische Strassenverkehrsordnung

George-Walker-Bush-am-Radweg.jpg

Mittwoch, 21. Juni, 2006, 10.04 Uhr: George Walker Bush,
mächtigster Limopassagier auf diesem Planeten, fährt
von seinem Wiener Domizil, dem Plattenbauhochhaus
"Hotel Intercontinental" zu einem Phototermin in die
Wiener Hofburg. Abgesehen davon, dass er - zumindest
ab der Albertina - gegen die Einbahn fahren lässt, ist auch
der Respekt vor Radwegen für den obersten amerikanischen
Kriegsherrn kein Thema. Ob Bush in der beflaggten Limo
"Pretzel" knabberte, ist nicht überliefert.

21. Juni 2006 (0) Comments

Kopfball ::: Krennhuber

FA-Kopfball-Krennhuber.jpg

Reinhard Krennhuber, Teamkapitän
der Fussballgazette Ballesterer .

Dusilation für die Falter-Kolumne Kopfball in 25/2005

20. Juni 2006 (0) Comments

Fussballweltmeisterschaft ::: Tor der Woche 2

FA-Tor-der-Woche-2.jpg

31. Minute: Esteban Cambiasso (Albiceleste) hängt die Frucht in den Giebel von Dragoslav Jevric
(Serbien und in diesem Falle tatsächlich Montenegro). Diego Maradona lässt vor Freude die Havanna
fallen. Argentinien beginnt mit den Jubelfeierlichkeiten.

Dusilation für die 2te Folge der Serie "Tor der Woche" in Falter 25/2006

20. Juni 2006 (0) Comments

metaphysics ::: Digitale Macht

Erschienen in .copy 26/2006

Mighty-Man-Cerne-Abbas.jpgDas Wort ist hart wie Stahl, flüchtig wie Nebel. Macht. Es riecht nach Lederfauteuils hinter dicken Polstertüren, nach Managerschweiss unter Armanituch, nach der süssen Würzigkeit echter Cohibas und dem Nussfurnier teurer Limousinen. Sein Klang oszilliert zwischen dem Seufzen einer unterschreibenden Mont-Blanc und dem animalischen Brüllen eines startenden Firmenjets. Macht kann vererbt sein, erkämpft, verteilt oder konzentriert. Sie kann Bürde sein und Droge. Jeder kennt sie. Viele fürchten sie, die meisten hätten sie gerne, und allen ist klar: Macht kommt vom Machen.

Falsch.

Macht kommt von Mögen. Zumindest sprachgeschichtlich. Vom Mögen, dem Möchten, etwas zu tun, ja etwas überhaupt tun zu können. Eine zerbrechliche Angelegenheit, wie wir sehen. Macht ist dem Können und dem Wollen näher als dem Machen, dem Tun. Das deutsche Wort "Macht" - Vermögen, Herrschaft, Gewalt, Kraft, Stärke - kommt vom althochdeutschen "maht", das neben den genannten Inhalten auch das Genital des Mannes beschreibt. Das Gemächt, wie man früher sagte. Das Gemächt, dessen Vermögen nur dann sichtbar wird, wenn "Mann kann".

Macht nichts, wenn das im Englischen ganz anders ist. Macht heisst jenseits der Kreidefelsen von Dover nämlich force, power, might, sway. Pech. Auch might und power kommt vom Können. Letzteres kommt wie vieles jenseits des Ärmelkanals aus dem Altfranzösischen, vom poeir, po(v)oir. Pouvoir ist neben puissance noch heute ein französisches Wort für Macht. Alles zusammen entstammt dem lateinischen potere, fähig sein, können. Potere, von dem unser Wort Potenz kommt, jener, erst von Viagra in Misskredit gebrachte Begriff für die Spannkraft des Mannes.

Wie wir es drehen und wenden, Macht hat mit Männern und den genitalen Aspekten ihrer Virilität mehr zu tun, als es eine aufgeklärte und gleichberechtigte westliche Industrie-Gesellschaft vermuten liesse.

Kommt die Macht vielleicht aus einer anderen Ecke? Kommt Macht vielleicht von Magie? Vom Magier, vom Zaubermanager und rituellen Beschwörer? Der kommt nämlich über das lateinische magus und das griechischen mágos aus dem Persischen und bezeichnet ein Mitglied der medischen Priesterkaste, in der Folge aber auch den Traumdeuter, den Zauberer und Betrüger. Zugrunde liegt ein altpersisches magus, magusch, das den Namen der iranisch-medische Priesterkaste aus dem Stamm der Mager, oder Magier bezeichnet, die bei Herodot und Strabon als zoroastrische Sternkundige, Ärzte, Priester und Gelehrte gelten.

Obwohl es nahe läge: Magus hat nichts mit magis (lateinisch "mehr") zu tun, aus dem über magister (der, der "Mehr" ist) unser Meister, der englische Master werden sollte. Mächtige Magier sollen die Heiligen Drei Könige gewesen sein, genauer, "Magoi apo anatolôn", Magier aus dem Osten, wie es beim Evangelisten Matthäus heisst. Aus Magiern wurden schnell Könige, denn mächtig, so die mittelalerlichen Exegeten, konnten wohl nur Könige sein.

Die deutsche Sprache kennt den Magier vor allem als Zauberer. Seine Bezeichnung hat er von einem Wort, das bei den Germanen noch taubra, taufra geklungen hat und das Schreiben einer magischen - einer mächtigen - Formel bezeichnete. Das Wort kommt vom teafor, dem Rötelstein, der gerieben jenes Rot ergab, mit der die Zauberer die in Stein geritzten Runen ihrer Zauber-Sprüche einfärbten.

Die Mächtigen von heute dürfen wir weniger in den Politikern als in der Kaste der Wirtschaftsmagier, der Manager, CEOs, Aufsichtsräte und Firmenbosse sehen. Sie zaubern an Kursen und Quartalsberichten herum, hexen Firmenmerger herbei und murmeln in stock exchange
parlance, der den ökonomisch Unkundigen wie schwarzmagisches Abrakadabra vorkommen muss.

Für meine Kolumne "metaphysics" in .copy vom Juni/2006

19. Juni 2006 (0) Comments

Tausendsassa

Tausensassa-Hundertwasser-Friedensreich.jpgLiebe Frau Andrea,

neulich nannte mich eine liebe Bekannte einen "Tausendsassa". Was meinte sie damit? Wieso Tausend? Wieso "Sassa"? Soll ich mich geschmeichelt fühlen oder den Beleidigten spielen? Und gibt es auch Sassas mit anderem Kontostand?

Liebe Grüsse aus Hamburg,
Bernhard Ullrach

Lieber Bernhard,
sie dürfen getrost das Banner des Geschmeichelten hissen. Mit dem großzähligen Wort Tausendsassa wird gemeinhin ein vielseitiger, begabter und geschickter Mensch bezeichnet. Die Übertreibung dieser Geschicklichkeit darf durchaus auch als Leichtsinn und Draufgängertum interpretiert werden, weswegen ich zur Mitnahme eines kleinen Schnoferl-Fähnchens riete. Der Begriff selbst ist die Substantivierung des Ausdrucks “tausend! sa! sa!”, einem aufmunterndem Lockruf für Jadghunde, der im Zusammenhang mit häuslichen Hoppereiterspielen schon mal zu “hopp! sa! sa!” - Hoppsassa werden konnte. Das mittelhochdeutsche za, zaza kommt wohl vom französischen ça, çaça - hier(her). Nicht weit weg vom Tausendsassa ist der Hundertwasser. So nannte sich Friedrich, der Wiener Maler und Nachfahre des Altphilologen und Lateinlexikographen Joseph Maria Stowasser in duftiger Übersetzung seines Nachnamens. Heisst doch “Sto” in den meisten slawischen Sprachen “Hundert”. Dass sich Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser auch als Tausendassa begriffen hat, wollen wir mal vermuten.
www.comandantina.com dusl@falter.at

Für Faleter 25/2006

19. Juni 2006 (0) Comments

Anonymous Design ::: St. Kathrein am Hauenstein

Toilette-Waldheimat.jpg

Das ist der Vorraum der Damentoilette im ersten Stock
des obersteirischen Gasthof Hauensteinerhof in der
Kraftspendegemeinde St. Kathrein am Hauenstein.

Ein Ort von schlichter Eleganz. Wunderschön die stille Ästhetik
der Sanitärmaschinerie: Papierspender und Seifenbrunnen
aus dem Hause Gormatic. Nicht ohne Würde das Fehlen des
Warmwasserhahns. State of the former art: Der trapezförmige
Spiegel aus den späten 50ern. Elegant die Führung der
Stromleitung zum Mückengriller rechts unten. Sehr gelungen
die drei Plastiknieten, mit dem das Funderpanel an die Wand
gepinnt ist.

In diesem Haus, wenn auch vermutlich nicht an diesem Ort
verkehrte der Literaturheilige der Steiermark, der Heimat-
dichter Peter Rossegger (bleibender Tippfehler) und ging hier
seinem gelernten Beruf, dem Schneiderhandwerk nach.

Dies deswegen, weil Alpl, die Heimat des Waldbauernbuben
nicht weit von hier, bergaufaufwärts, Richtung Mürztal liegt.

In der Gaststätte der Famile Gesslbauer kann man wunderbar
speisen, das Design wurde dankenswerter Weise im Stil der
österreichischen 1974er belassen.

17. Juni 2006 (12) Comments

Rabenhof Diskussion

Redezeit 2

RZ-Andrea-Logo.jpgWie käuflich ist die Kunst?

Diskussion mit Mercedes Echerer - Schauspielerin, Gerald Matt - Kunsthallen-Direktor, Thomas Rabitsch - Musiker und Band-Leader, Thomas Trenkler - Kultur-Journalist. Gastgeberin: Andrea Maria Dusl - Jägerin und Sammlerin +++ Live: Sonntag, 21. Mai, 20 Uhr Theater im Rabenhof A-1030 Wien Rabengasse 3 +++ Kartenreservierungs-Hotline: Tel. 01/712 82 82 +++ Infos und Online-Reservierung unter: http://www.rabenhof.at Eintritt: € 5,-- +++ Redezeit gibt es auch im Fernsehen: Samstag, 3. Juni, um 20h +++ Kabel-Kanal OKTO

--> Redezeit Blog
--> Okto Redezeit Blog
--> Comandantina Dusilova

17. Juni 2006 (0) Comments

Panini Album ::: Komplett und irre

Panini-2006.jpgDas Panini-Fussball-Sammel-Album-Fieber
hat mich ergriffen. Zur Genesung von dieser
Krankheit fehlen mir noch ein paar Herren vom
Rasentanz, die ich in mein Panini-Fussball-
Sammel-Fieber-Album einkleben muss,
um fussballweltmeisterschaftspickerlmässig
KOMPLETT zu sein. Komplett irre vermutlich
auf jeden Fall.





Die fehlenden Herren sind waren:

66 - Herr AREK RADOMSKI aus Polen,
101 - Herr GARY NEVILLE aus England,
119 - Señor JORGE NUÑEZ aus Paraguay,
140 - Señor CARLOS EDWARDS aus Trinidad oder Tobago (von beiden Inseln kann er ja nicht sein),
267 - Herr YAHA GOLOHAMMADI aus dem Iran,
365 - Herr DAVID ROZEHNAL aus Tschechien.
377 - Herr VRATISLAV LOKVENC aus Tschechien.

Sachdienliche Hinweise erbeten an
comandantina.dusilova@gmail.com

Ich zahle zwei Euro pro fehlendem Fussballherrn!
Der letzte fehlende Kicker soll mir einen Zehner wert sein.

Bingo!

Panini-The-last-5.jpg

66: Danke, Kralle;
101: Danke, unbekannter Muqua-Paninist;
119: Danke, Prlle;
140: Danke, Prlle;
267: Danke, junger Muqua-Tauscher mit dem Ronaldo-Trikot;
365: Danke, Kralle;
377: Danke; anderer unbekannter Muqua-Tauschmann!

Das Panini-Album ist komplett.
Betrachte mich als geheilt.

16. Juni 2006 (1) Comments

Fussballweltmeisterschaft ::: Tor der Woche 1

FA-Tor-der-Woche-1.jpg


Phillip Lahm (Deutschland) macht die Kugel bei Porras (Costa Rica) in den Kasten.
Die Masletiker* jubeln.

...................................................
*© Lukas Resetarits. Ausdruck für die deutsche Fussballnationalmannschaft.
Abgeleitet von Masel (Glück).


Dusilation für die erste Folge der Serie "Tor der Woche" in Falter 24/2006

16. Juni 2006 (3) Comments

Kopfball ::: Stermann

FA-Kopfball-Stermann.jpg

Der Satiriker Dirk Stermann ist ein begnadeter Stirndeuter.

Dusilaton für die Kolumne "Kopfball" in Feudl* 24/2006

..................................................
*Wienerisch für Falter

15. Juni 2006 (0) Comments

Headhunters go Science

FA-BB-Headhunters.jpg

Auch in der Science-Comunity werden die klügsten Köpfe von professionellen Headhuntern aufgespürt.

Dusilation für die Wissenschaftsbeilage "Heureka" in Falter 24/2006

13. Juni 2006 (0) Comments

Science is Competition

FA-BB-Wissenschaft-Trepperl.jpg

Dusilation für die Wissenschaftsbeilage "Heureka" in Falter 24/2006

13. Juni 2006 (0) Comments

Kaisers Maria

Liebe Frau Andrea,

irgendetwas stört mich an folgendem Schlagerrefrain von Roland Kaiser, der mir noch aus meiner Kindheit im Ohr klingt: “... Santa Maria, nachts an deinen schneeweißen Stränden / hielt ich ihre Jugend in den Händen, / Glück, für das man keinen Namen kennt...” Ich kann nicht genau sagen, was das Verstörende ist, vielleicht können Sie mir da weiter helfen!

Liebe Grüsse, Evelyn Fürlinger

Liebe Evelyn,

gleich in der ersten Strophe stolpern wir über eine gewisse Santa Maria. Santa Maria könnte die Jungfrau Maria sein (eine bizarre Vorstellung) - auf jeden Fall eine Dame namens Maria. Diese Maria muss sehr einflussreich sein, weil sie schneeweisse Strände besitzt. Nun ahnen Exegeten, dass Santa Maria offenbar ein Ort sein muss, oder eine Insel, denn die beiden Strophen davor gehen so: “Santa Maria, Insel, die aus Träumen geboren, / ich hab' meine Sinne verloren, in dem Fieber, das wie Feuer brennt. Der Name Maria - egal ob heilig, insular oder im Feuerfieber verkohlt, lässt uns an eine Person denken, weswegen wir die Textentwicklung "...hielt ich deine Jugend in den Händen..." erwarten. Sattdessen wird aber "ihre Jugend” gehandhalten. Wir vermuten also insgeheim zwei Frauen, die Strandbesitzerin und eine Jugendausüberin, die der Herr Glücksempfinder in Händen hält. Dass das unbenennbar sein soll, ist zumindest diskussionswürdig. Unscharf ist die Wendung, für Glück keinen "Namen", zu haben, allemal. Für Gefühle gibt es Wörter und Ausdrücke, selbst wenn sie das Fieber verbrannt haben sollte. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für Falter 24/2006

12. Juni 2006 (1) Comments

Andreas Wabl

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Der steirische Grünpolitiker Andreas Wabl war einer der ersten Grünen des Landes überhaupt. Nummer Neun hatte schon früh ein Leibl, wie die Kicker sagen würden.

Für den Steiermark-Falter, Mitte Juni 2006

12. Juni 2006 (0) Comments

Kopfball ::: Klaus Stimeder

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DATUM-Herausgeber und Fussballettauskenner Klaus Stimeder.

Dusilation für die Kolumne "Kopfball" in Falter 23/2006

3. Juni 2006 (0) Comments

Bläukunde

Pleuel.jpgLiebe Frau Andrea,

kürzlich ist mir das Wort „einbläuen“ sauer aufgestossen. Vermute ich richtig, dass das Verb seine Abstammung von der verabscheuenswürdigen pädagogischen Praxis herleitet, andere durch wiederholte Gewaltanwendung (und die damit verbundene Zufügung blauer Flecken) in einer Art pawlowschen Angstreaktion zu einem bestimmten Verhalten zu zwingen? Oder hat das Verb doch etwas mit Indigo zu tun? Danke für die Aufklärung, Thomas Narosy, Internet

Lieber Thomas,

das “Einbläuen” hat wenig mit der Farbe jener Flecken zu tun, die körperliche Züchtigung hinterlässt. Es schriebe sich richtigerweise “einbleuen”, kommt es doch vom archaischen germanischen Verb “bleuen”, das überraschenderweise genau das heisst, was es bedeutet - “schlagen” nämlich. Eine Ableitung davon ist Bleuel, was soviel wie Keule oder Schlegel meint und das jedem Automechaniker als Pleuelstange ein Begriff sein dürfte. Mit Indigo hat das Bleuen auch nichts zu tun. Auch wenn eingebleute Augen indignierte Blicke werfen, kommt das eine aus Indien, das andere von indignus, unwürdig. Eine andere Form des Einbläuens hatte während der ersten Regierung Schüssel hohe Konjunktur. Damals wurden zahlreiche Institutionen und Gremien, Ministerien und Institute eingebläut. Der Einbläuung stand das Entröten und das Einschwärzen entgegen, das in ungleich grösserem Umfang und mit höherstehender Systematik betrieben wurde. Das Einbläuen nennt man heute Orangefärben, Orangieren oder ganz modern: Bezettöhlistewestenthalerisieren. www.comandantina.com dusl@falter.at

Fragen Sie Frau Andrea von Falter 23/2006

1. Juni 2006 (0) Comments

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