Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Engstellenstehen
Liebe Frau Andrea,
seit längerer Zeit fällt mir ein rätselhaftes Verhalten auf: Im U-Bahn-Ausgang Schottentor zur Uni ist es recht eng, dafür ist im „Jonasreindl“ danach recht viel Platz. Immer wieder nützen Personen den engen Teil, um in kleinen Gruppen ihre Ferien oder was weiß ich zu diskutieren. Warum? Ist es ein Wunsch nach Kontakt mit allen Mitmenschen, den sie dadurch ausdrücken?
Mit freundlichen Grüßen, Gregor Birkhan, Internet
Lieber Gregor, das Stehen in Gruppen ist so alt wie die Menschheit und daher auch im Weichbild Wiens anzutreffen. Bei dem von Ihnen beobachteten Staustehen in Engstellen treffen zwei Phänomene aufeinander. Das eine ist unser natürliches Bedürfnis, eine Wand im Rücken zu haben. Kommunikation von Menschen mit Wänden im Rücken führt in Engstellen automatisch zum Engstellensteheffekt. Eine win-win-Situation, die wir auch von Parties kennen, wo Wohnzimmer oft apern, Gänge aber stets vollgerammelt sind. Auch das Küchenvollstehen und das Kinoeingängeverstopfen zählen zu den Auswüchsen dieser menschlichen Verhaltensauffälligkeit. Das andere Phänomen, mit dem wir es hier zu tun haben, ist die Tatsache, dass enge Gänge schon aus architektonischen Gründen schneller vollgestellt sind, als weite. Untersuchungen zur Leerung grosser Hallen haben gezeigt, dass weniger Menschenstaus entstehen, wenn sich Ausströmende an knapp vor den Ausgängen stehenden Säulen verwirbeln. Engstellenstehende scheinen dies intuitiv zu wissen. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für Falter 20/20006
17. Mai 2006 © Andrea Maria Dusl
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