Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Liebe Frau Andrea,
als Ex-Wahl-Grazer und nunmehrigen Wahl-Wiener wunderte ich mich bei meinem letzten Grazbesuch über die dortige Fülle an Balkönern, an deren Seltenheit die Wienerstadt meiner Meinung nach doch sehr leidet. Erklärungsversuche anhand des Breitengrades scheitern ob ihrer hohen Dichte in einigen nördlicheren Gefilden. Hätten sie eine Erklärung auf Lager?
Dank & Gruß,
Andi, Internet
Lieber Andi,
die balkonare Schütterheit der Wiener Fassaden hat durchaus klimatische Gründe. Im Gegensatz zum Grazer Wetter, das gerne wie ein staubiger Wattegupf über der Stadt sitzt, bläst und tost es in Wien seit Menschengedenken. Keine günstige Konstellation für die Entwicklung einer mediterranen Balkonkultur. Auch den Erker, der im föhngepeitschten Innsbruck von jeder Hauswand lacht, kennen die Wiener nur als gründerzeitliches Architekturdetail. Im Gegensatz zu den Grazern pflegen die Wiener allerdings das Genre des politischen Balkons. Von grosser Nachhaltigkeit auf die Geschichtsbebilderung der Republik ist der Balkon des oberen Belvedere, auf dem Leopold Figl und Kollegen ihre Staatsvertragsunterschriften präsentierten. Berüchtigt auch der pompöse Balkon der Neuen Hofburg, auf der Adolf Hitler den “Eintritt seiner Heimat in das deutsche Reich” verkündete. Später sollten dort Nobelpreisträger Eli Wiesel und Simon Wiesenthal mahnende Worte an das Lichtermeer richten. Die berühmte Bejubelung nahm Karl Schranz übrigens auf dem Ballhausplatzbalkon entgegen. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für Falter 15/2006
10. April 2006 © Andrea Maria Dusl
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