Baden in Blut

Blutbad.jpgLiebe Frau Andrea,

unter der Dusche stehend und den Falter lesend, begegnete ich ihm wieder einmal: dem „Blutbad“. Wolfgang Kralicek und Klaus Nüchtern nahmen es in Falter 08 Seite an Seite ein (pp. 57 et 58). Kohorten von Journalisten berichten regelmäßig davon: vom Blutbad. Was aber, liebwerte Journalistenfrau Andrea, soll, darf/muss ich mir unter einem Blutbad vorstellen,

fragt Ihr Nicht-Nitsch-Adept Walter, Internet

Lieber Walter,

unter einem Blutbad möchten Sie sich doch bitte ganz einfach ein Massaker vorstellen. Zur Schonung der inneren Tapete empfehle ich im gleichen Atemzug, sich weder ein Blutbad noch ein Massaker vorzustellen, gehören diese Vorgänge doch zu den unerfreulichsten Ergebnissen menschlicher Begegnungen. Sprachlich kämpft der Ausdruck “ein Blutbad anzurichten” jederzeit mit dem Problem, dass Bäder gemeinhin eingelassen, bestiegen oder schlicht genommen werden, Anrichtungen dagen stets im Zusammenhang mit Speisen vorgenommen werden. Ein Massakreur, so er sprachlich korrekt zitiert werden will, sollte also Blutbäder einlassen und Blutspeisen anrichten. Das Blutbad selbst, begangen, bestiegen, angerichtet oder zubereitet, ist aus dicken skandinavischen Geschichtsbüchern in den Journalismus entwischt. Die historische Literatur kennt das Blutbad (blodbad) vor allem aus der Schwedischen Geschichte, wo die Blutbäder von Kalmar (1505), Stockholm (1520), Ronneby (1564) und Linköping (1600) von bleibendem sanguinischen Eindruck blieben. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für Falter 11/2006

Kleine Anmerkung für Lesende, die der satirischen Überhöhung nicht in alle Gipfeln folgen möchten: Die oben eingefügte Fotografie eines "Bades" stellt selbstverständlich nur die "Idee" eines Blutbades dar, nicht jedoch ein Blutbad selbst. Ein Blutbad ist ja, wie ich in der Anfragebeantwortung erläutere, ein handelsübliches Massaker.

Auch intendiert die obige Illustration nicht, dass sich meine geschätzten Kollegen Wolfgang "König" Kralicek und Klaus "mein aufgeweckter Lesefreund" Nüchtern je, selbst in Zukunft nicht, in Zubern mit Tomatensosse aufzuhalten geziemen. Im Gegenteil, meine geschätzten Kollegen greifen sicherlich zu zeitgenössischen Produkten aus gängigen Pflegelinien. Auch pures Wasser als Badeflüssigkeit traue ich ihnen jederzeit zu. Geduscht oder eingelassen, das soll mir egal sein.

13. März 2006 © Andrea Maria Dusl

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