März 2006
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Podcast von Dusls politischer Talkshow im Theater im Rabenhof
Das Photobureau von Comandantina Dusilova kümmert sich ums Schöne und Abseitige
Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Pepihacker
Liebe Frau Andrea,
in einer westösterreichischen Tageszeitung fand sich vor einiger Zeit der Terminus "Pepihacker, wie man in Wien den Pferdemetzger nennt". Jetzt kann ich als Salzburger mit diesem Ausdruck gar nichts anfangen. Woher kommt er?
Vielen Dank,
Christoph, Internet
Lieber Christoph, das Gewerbe, das sich mit der Verarbeitung und dem Verkauf von Fleisch beschäftigt, heisst in Wien Fleischhauer oder Fleischer - eine Zunft die in anderen Teilen Österreichs auch als Fleischhacker und Metzger bekannt ist. Fleischhauer, die sich dem Zerlegen und Verwursten von Pferdefleisch widmen, heissen konsequenterweise Pferdefleischhauer. Der Ausdruck Pepihacker ist tatsächlich wienerisch und bezeichnet einen Pferdefleischhauer, er kommt aber weniger von den essbaren Teilen unserer berittenen Freunde, als von ihrem wehenden Ende. Beim Zerlegen, der in Wien nicht nur als Spring- und Kutschentiere beliebten Pferde wird auch der Schweif abgehackt. Dessen lange und feste Haare waren ein wichter Rohstoff für die Füllung von Rosshaarmatratzen und für die Herstellung preisgünstiger Perücken - teure Zweitfrisuren wurde aus den Zöpfen langhaariger Mädge geknüpft. Ob aus Pferde oder Mädchenhaar - Pepi heisst die Perücke vermutlich nach einem Habsburger, der der Mode der Zeit ensprechend die schütter gewordene Kalotte unter einer gepuderten Perücke verbarg. Der Name des kahlen Kaisers: Josef II, auf wienerisch Pepi genannt. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für Falter 13/2006
Showtime ::: Dienstag nach Vorschrift
Heute, Dienstag, 28. März 2006 bin ich Gast in
DIENSTAG NACH VORSCHRIFT,
dem literarischen Variété des Theater Forum Schwechat
Von und mit Andre Blau, Nadja Bucher, Oliver Gruber, Herbert Kartas, Wolfgang Kindermann und Didi Sommer. Moderation: Prof. Hofbauer
Kartenpreis: € 14,00
ermäßigte Karte: € 11,00
Beginn: 20:00 Uhr
Theater Forum Schwechat
Ehrenbrunngasse 24
A-2320 Schwechat
Tel.: 01/ 707 82 72
Fax.: 01/ 707 82 72 -13
Herr Blau hat seine Hausaufgabe gemacht und liest sie laut vor. Dann macht er sich geistig für das blaue Ende bereit. Mademoiselle Bucher verkündet frohe Botschaften aus dem Arbeitsalltag und anderen Parallelwelten. Die sieht sie durch ihre Krankenkassa-Brille – logisch, dass dadurch Manches etwas krank aussieht.
Herr Kinski wird alt und beobachtet sich dabei. Was ihm dabei auffällt, erzählt er in seiner Kolumne „Alter vor Schönheit“. Der Sommer kommt, liest, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und geht wieder. Später kommt er, wie das halt mit dem Sommer so ist, mit etwas Glück noch einmal. Die anderen übrigens auch.
Prof. Hofbauer hat einen schönen Steireranzug an. In diesem präsentiert, moderiert und transpiriert er. Maître de temps Herbert Kartas erklärt das Wetter nach Vorschrift. Wenn nötig, helfen ihm die anderen dabei.
Außerdem führen sie alle gemeinsam die sinnlose Diskussion, stellen die peinlichste politische Szene des Monats nach – dilettantisch wie in der Wirklichkeit – und verabschieden sich zuletzt artig mit einem Lied: Danke für diesen guten Dienstag!
DIENSTAG NACH VORSCHRIFT ist satirisch und humorvoll, vielseitig und schräg. Einmal pro Monat präsentiert das Team in einem ebenso einzigartigen wie vergnüglichen Programm eigene Texte und gemeinsamen Unfug. Fazit: Wer das gesehen hat, wird es weitererzählen. Wer das verpasst, ist selber schuld.
Ehrengast am 28. März 2006: Andrea Maria Dusl, Autorin, Falter-Kolumnistin, Filmemacherin, Cartoonistin, ...
Dauer: ca. 120 Minuten, inkl. eine Pause
Showtime ::: Treffpunkt Kultur
Heute Montag, den 27.3.2006 bin ich Live-Gast im ORF-Magazin Treffpunkt Kultur.
ORF2 22:30 TREFFPUNKT KULTUR
Live-Magazin (Wiederholung am 28.03.2006, 01:50)
23.05 Bilanz der Diagonale 06
23.15 Diskussion: Helmut Grasser und Andrea Maria Dusl
Der Produzent und die Regisseurin über Filmförderung. Streitgespräch vor dem Hintergrund der bizarren Idee des Produzentenverbandes, das Geld nur mehr für einige wenige "Erfolgsproduzenten" und ausschliesslich für Filme zu fordern, die für den österreichischen Markt gedreht werden. Ich werde selbstverständlich der cinematographischen Vielfalt eine Lanze brechen.
Heavy Burschi ::: Diagonale Graz
Es ist so weit.
Mein schöner kleiner schmutziger und überaus wahrhaftiger Kurzfilm
36 oder: Heavy Burschi ruft Rita an und sagt, es tut ihm leid
mit Christoph Grissemann in der Hauptrolle
ist nach seinen Premieren beim Hardcore-
Schnellfeuer-Filmfestival Berlin36 und Wien
in der Murmetropole gelandet und läuft im
Hauptprogramm der Diagonale 06 in Graz.
Fr 24.03
20:00 Uhr in Anwesenheit der Comandantina
UCI Annenhof
Annenstraße 29
Graz
So 26.03
17:00 Uhr
UCI Annenhof
Annenstraße 29
Graz
Download Heavy Burschi Presse-Info
Hier geht's zur Heavy Burschi Seite und hier zum Heavy Burschi-Clip
Und so sieht das feuerneue Heavy-Burschi-Plakat aus. (Für Vergrösserung ins Burschi-Placard klicken!):
La Trappola - Die Falle der Burg Tavoleto
Endlich. Die Legende der Legenden. Der Text der Texte. La Trappola - Die Falle der Burg Tavoleto. Hier ist er: Der legendäre Werbetext, unerreichte Avantgarde der unfreiwilligen Komik, von Friedrich Torberg einst im FORVM als Faksimile publiziert.
In den 80ern druckten wird La Trappola von Jolanda D´Annibale abermals im FORVM ab. Da gab es schon längst Trappolisten, die den surrealistischen Text über die durchgeknallte Burg in den Marche, am adriatischen Ufer des Appenin, auswendig zitieren konnten.
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Die Gasthaus - Restaurant
La Trappola
(Die Falle) der Burg Tavoleto
In einem fäbelischen Scenarium, 400 metren über die seelische Ebene, macht die Burg Tavoleto ihre Haupteingang auf, um ihren Gästen eine gute Tisch anzubieten.
„La Trappola“ (die Falle) ist ein charakteristische Restaurant wo man hat, auf dem grossen Kamin der Burg, die Flamme wieder angezundet, und dem selben Schlosse ein neues Leben gegeben.
Die Hauptsaal, die Zimmer und die Fluhrgänge der ersten Grundfläche, die Restaurant-Teile sind, sind angenehmen, und, trotz des modernen Dienstbetriebes, behalten sie die altertümliche Prächtigkeit der Burg.
Der Hausherr, herr Cerri, ein Mann von vornehmer Abstammung, konnte seiner Gegend diese Burg anbieten, als Gästlichkeitsjuwel, das ein heilsame Balsam ist für wen, der sich eine richtige Erholung zukommen zu lassen liebt, weit von dem Stadtgeräusch, den Geist zu kräftigen.
Der Feinschmecker findet bei der „Trappola“ alles was gibt es als best in der Gegend, und die Gesellschaft kann hier die Atmosphäre einer altertümlichen, auf-Historia-und-Kunst-reichen Epoche wieder aufatmen.
Die aus-moderner-Weise-ausgestattete Küche kann jede Erfordernis befriedigen: die „Piadina“ ist immer fertig, und der Bratenwender marchiert ohne Unterbrechung uber den Kamin der Hauptsaal, deren hohe Zimmerdeke mit Kätchen gemäldet ist. Auf-der-Platze-zubereitete „cappelletti“, Jagdbeute, kalter Ausschnitt, und jede typische Nahrung der Gegend ist zusammen mit dem lokalen ganz echten Wein angebietet.
Ein Teil der Burg ist als Gasthaus ausgestattet, und in der Nähe, in der Mittel eines grünen Rahmens, gibt es ein modernlich-ausgestattete Galoppraum.
Nach dem Besuch der Burg, soll man auf dem letzten Treppelein steigen, das zu dem höheren Teil des Turmes (50 mtn hoch) und zu dem Rundenweg führt: dort, wird man wegen einer phantastischen Panorama-Vision sich erfreuen: von der appeninischen Wasserscheide, messt der Blick über die ganzen, blauen Fläche der Adria-See durch, bis zu den dalmatinischen Inseln, und über andere erstaunliche Visionen. Dörfchen, die auf den Gipfeln und Abhängen der umständlichen Hügeln sich kauern, und alles von der Sonne erleuchtet, die belebt die fernen und nahen Visionen, aus einem geschlagenem Leben.
Wann kommt der Abend, scheinen die amselnden Mauern in dem sämmetlichen Mantel sich zu betten, den die Nacht bietet der alten Burg, als geheimnisvolle Geschenk, an, in einem mit Sternen gesteppten Teil des Himmels.
Nichts ist hier vernachlässig: nicht einmal der aufgeschiebene Garden, wo blicken die Fasäne unter die hohe Pflanzen und die ganz umher verteilte Blumen an.
Wer einmal sich auf der „Trappola“ aufhaltet, kommt er dort wieder, weil er durch das schmakhafte Nektar, das nur die Burg Tavoleto ausgeben kann, angebunden wird. JOLANDA D´ANNIBALE
Damensachen
Sehr geschätzte Frau Andrea,
mein Liebster gebraucht an manchen Tagen, vorzugsweise an solchen mit föhnigem Wetter, gern die Formulierung "ich bin heut ganz damisch". Auf Nachfragen kann er diesen Zustand aber nicht näher erläutern, weil ihm das passende Synonym fehlt. Meine Vermutung, dass er damit etwas animalisches ausdrücken will und sich auf die Brunft der Damhirsche bezieht, weist er aber strikt zurück. Können sie mir weiterhelfen?
Heidi L., Landstrasse
Liebe Heidi,
wir werden die Sache sanft angehen. Einen animalischen Kontext wollen wir deshalb ausschliessen, weil die Wortwurzeln, aus denen der Damhisch seine Nämlichkeit herleitet, von einem keltisch/lateinischen Wort kommen, mit dem rehartige Tiere und Antilopen bezeichnet wurden. Es ist verwandt mit dem deutschen zahm und dem englischen tame. Eine Herkunft vom Wort Dame, das aus dem spätlateinischen domna, domina kommt, wollen wir auch nicht in die vorderste Reihe unserer Enträtselung stellen. Bleibt das Eigenschaftswort dämlich. Das kommt wie unser damisch von dämisch und damit aus einer Bedeutungswolke unter der sich die Dämmerung, der Taumel und der Dampf verstecken. Letzteren Ausdruck kennen wir auch als Begleiterscheinung nächtlicher Exzession. Benommen, schwindelig, taumelig, ausdampfend, der Dämmerung entsteigend wären als Synonyme zu empfehlen. Zur Aufmunterung könnten Sie Ihrem Liebsten auf die Formulierung, er fühle sich heut ganz damisch, “ich dafür dynamisch” antworten. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für Falter 12/2006
Franz Schuh ::: Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche
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Mein Lesefreund Klaus Nüchtern hat mit dem grossen Sopranisten
Franz Schuh ein Interview über sein neues, grandioses Buch
"Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche" geführt und ihm kostbare
Informationen über Oskar Werner, farblose Gfrieser und die Mythologie
der Wirtshausschlägerei entrungen.
Dusilation für Falter 12/2006
Blogging ::: Der neue Graswurzeljournalismus
Online-Tagebücher oder Weblogs, kurz Blogs, boomen im Global Village. Millionen stellen Privates ins Netz. Immer mehr von ihnen blicken über den eigenen Tellerrand und verstehen sich als Reporter und politische Beobachter. Wie mächtig ist der Privat-Journalismus? Andrea Maria Dusl - Erschienen im Standard ALBUM vom Samstag, 18. März 2006
Der 7. März 2005, ein Montag, war ein ganz normaler Tag für die Pressestelle des Weissen Hauses aber ein ganz spezieller für den Herausgeber des politischen Weblogs Fishbowl D.C.
Garrett Graff sollte der erste Blogger in der Publizistik-Geschichte sein, der zu einer Pressekonferenz des Weissen Hauses akkreditiert wurde. Die Anwesenheit des Online-Journalisten war der New York Times einen eigenen Artikel wert - Garetts Anwesenheit wurde zur fetten Story. Garett musste mehr Interviews zu geben, als er selbst führte.
Gar zu einem Exklusivinterview brachte es Monate später der Blogger Loïc Le Meur. Eine halbe Stunde sass der französische Innenminister Sarkozy mit dem Web-Log-Journalisten zusammen, um über seine umstrittenen Bemerkungen über die Jugendlichen in der brennenden Banlieue zu diskutieren und gleich auch die Zukunft des Internets zu erörtern.
Der französische Konservative war beileibe nicht der einzige, der dem mächtigen, weil vielgelesenen und vielverlinkten Blogger gegenüber in die Offensive gehen musste.
Als Loïc Le Meur in seinem Blog verkündete, er habe die Turnschuhmarke gewechselt, rief die PR-Abteilung des abservierten Sportartikelherstellers umgehend an, um sich nach den Gründen für seinen Sportstiefelumstieg zu erkundigen.
Garrett Graff und Loïc Le Meur und ein wachsendes Heer prominenter Blogger sind nur die Speerspitze einer Bewegung, die sich in den Weiten des Internets verliert, Kontinente und Kulturen umspannt und die natürlich auch längst einen Namen hat: Die Blogosphäre.
Das Netz im Netz besteht aus mittlerweile Millionen Internet-Logbüchern. Diese Weblogs - kurz Blogs genannt - sind Online-Journale, die meist von Einzelnen betrieben werden und auf denen eine oder mehrere Personen ihre Ansichten und Erlebnisse kundtun. Die Technik ist einfach und ohne grosse Programmierkenntnisse von jedermann bedienbar. Der Aufbau der Blogs ist simpel, der neueste Eintrag steht immer oben, und jeder Artikel hat einen eigenen Link, der von Google und anderen Suchmaschinen erfasst wird und damit zum Inhalt des world wide web gehört. Blogs sind ein Symbol dafür geworden, wie das Internet die Kommunikation revolutioniert.
Die Nachfrage scheint riesig: Nicht nur die Zahl der Leser steigt exponentiell, auch die Anzahl der Blogger - so heissen die Verfasser der Online-Journale - verdoppelt sich alle vier Monate. Schätzungen zufolge kommen jeden Tag weltweit etwa 50 000 Blogs hinzu. Allein im deutschsprachigen Raum gibt es 70 000 bis 100 000 Blogs, Insider sprechen gar von bis zu 300 000.
Die Blog-Suchmaschine Technorati listet aktuell knapp 29 Millionen Blogs weltweit. Auch die hiesige Blogger-Szene wächst rasant, wenngleich noch mit einem Focus aufs Unpolitische und Skurile. Prominente Polit-Blogs wie in den USA, Frankreich oder Deutschland gibt es hierzunetze noch nicht. Das Blog Peter Pilz' fiele noch in diese Kategorie, das von fremder Hand geführten Wahltagebuch Benita Ferrero-Waldners ganz sicher nicht.
Neben Alltäglichem, wie poetischen Tagesbefindlichkeiten, Partynachbetrachtungen und anderem Persönlichem haben vor allem die Blogeinträge zu Katastrophen das Bloggen in die weltweite Nachrichtenöffentlichkeit katapultiert. Die ersten Bilder und Informationen über die Bombenanschläge in der Londoner U-Bahn waren in Blogs zu finden. Etablierte Medien - von den offiziellen Stellen mit Nachrichten eher spartanisch versorgt - griffen dankbar darauf zurück.
Ob Augenzeugenberichte zum 11. September, geheime Irak-War-Blogs oder Tagebucheinträge von Überlebenden des Tsunami oder von Hurrikan Katrina - trotz globaler Satelitenkommunikation bedienen sich die traditionellen Medien an Nachrichten aus dem weltumspannenden Blogger-Bazar. Weblogs von Betroffenen berichten in der Regel präzise und unzensiert und vor allem schneller als jede Nachrichtenagentur.
Wird Blogging die Zukunft des Journalismus verändern? Ja, sagen Experten und nennen als Beispiel für qualifizierte Gegenöffentlichkeit die sogenannten Watchblogs, die etablierten Medien kritisch auf die Pelle rücken. Unter www.bildblog.de etwa überwachen die Autoren Christoph Schultheis und Stefan Niggemeier gemeinsam mit anderen Bloggern die "Bild"-Zeitung und suchen gezielt nach Enten und Spekulationen, die im grossen deutschen Boulevard-Flaggschiff als Wahrheit ausgegeben werden. Von 16 000 Lesern täglich besucht und mit dem Grimme Online Award 2005 ausgezeichnet, gehört der Bildblog längst zu den etablierten Weblogs.
Medienbeobachter sehen die Grenze zwischen dem so genannten Graswurzeljournalismus der Blogger und dem der etablierten Medien längst verschwimmen.
Karl Kraus, Schreiber zwischen den Welten würde die legendäre Fackel heute ganz sicher als Blog führen. Unter der Domain www.fackel.at , mit professioneller Blog-Software wie WordPress oder Movable Type betrieben, ausgerüstet mit RSS-Feed und ähnlicher Posting-Benachrichtigungs-Tools, würde Karl Kraus die neuesten Fackel-Einträge direkt an den Computer-Frühstückstisch liefern.
Der These, dass Weblogs mittlerweile zu Konkurrenten der herkömmlichen Massenmedien geworden sind, widersprechen Studien, die während des letzten amerikanischen Wahlkampf durchgeführt wurden. "Falls jemand glauben sollte, dass Blogger zu einer neuen fünften Gewalt im Staat avanciert sind, können wir ihm sagen, dass dies nicht der Fall ist", so der Internet-Analyst Michael Cornfield.
Das sieht der österreichische Internet-Digger und Blog-Experte Chris Mayrhofer differenzierter. Der Einfluss von Blogs auf Journalisten sei keine Bring-, sondern eine Holschuld. Noch würden zu wenig Publizisten die Vorteile von RSS-Feeds für die Informationsgewinnung oder -verbreitung kennen. "Ein Blog", so Mayrhofer, "ist ein Werkzeug, ein persönlicher Nachrichtendienst. Dieses Tool wegen der grossen Zahl irrelevanter oder redundanter Informationen nicht zu nützen wäre genauso fatal wie auf Informationen aus der Gutenberg-Galaxis nur deswegen zu verzichten, weil auch Schundromane und Postwurfsendungen auf Papier gedruckt werden."
Andrea Maria Dusl ist Autorin, Zeichnerin und Filmemacherin. Und natürlich Bloggerin. Sie hostet ein vielbesuchtes Blog auf www.comandantina.com
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Familie Grün ::: version colorée
Mit da Maos ins Büdl eineklickn!
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Handkolorierte Version der Falter-Illustration Familie Grün.
Für die Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou und
Presssesprecher Klaus Zellhofer.
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Österreichs Familie Grün rüstet für den Wahlkampf. Von links nach rechts: Mutti Eva Glawischnig, Vater Sascha van der Bellen, ADS-challenged: Söhnchen Petzi Pilz, Stieftochter Brigid Weinzinger, die Tante aus Wien Marie Vassilakou, heiligenscheinbeschienen Urstrumpftante Freda Meissner-Blau, ganz rechts Rudi Anschober, der reiche Onkel aus dem fernen Oberösterreich.
Dusilation für Falter 09/2006
Baden in Blut
Liebe Frau Andrea,
unter der Dusche stehend und den Falter lesend, begegnete ich ihm wieder einmal: dem „Blutbad“. Wolfgang Kralicek und Klaus Nüchtern nahmen es in Falter 08 Seite an Seite ein (pp. 57 et 58). Kohorten von Journalisten berichten regelmäßig davon: vom Blutbad. Was aber, liebwerte Journalistenfrau Andrea, soll, darf/muss ich mir unter einem Blutbad vorstellen,
fragt Ihr Nicht-Nitsch-Adept Walter, Internet
Lieber Walter,
unter einem Blutbad möchten Sie sich doch bitte ganz einfach ein Massaker vorstellen. Zur Schonung der inneren Tapete empfehle ich im gleichen Atemzug, sich weder ein Blutbad noch ein Massaker vorzustellen, gehören diese Vorgänge doch zu den unerfreulichsten Ergebnissen menschlicher Begegnungen. Sprachlich kämpft der Ausdruck “ein Blutbad anzurichten” jederzeit mit dem Problem, dass Bäder gemeinhin eingelassen, bestiegen oder schlicht genommen werden, Anrichtungen dagen stets im Zusammenhang mit Speisen vorgenommen werden. Ein Massakreur, so er sprachlich korrekt zitiert werden will, sollte also Blutbäder einlassen und Blutspeisen anrichten. Das Blutbad selbst, begangen, bestiegen, angerichtet oder zubereitet, ist aus dicken skandinavischen Geschichtsbüchern in den Journalismus entwischt. Die historische Literatur kennt das Blutbad (blodbad) vor allem aus der Schwedischen Geschichte, wo die Blutbäder von Kalmar (1505), Stockholm (1520), Ronneby (1564) und Linköping (1600) von bleibendem sanguinischen Eindruck blieben. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für Falter 11/2006
Kleine Anmerkung für Lesende, die der satirischen Überhöhung nicht in alle Gipfeln folgen möchten: Die oben eingefügte Fotografie eines "Bades" stellt selbstverständlich nur die "Idee" eines Blutbades dar, nicht jedoch ein Blutbad selbst. Ein Blutbad ist ja, wie ich in der Anfragebeantwortung erläutere, ein handelsübliches Massaker.
Auch intendiert die obige Illustration nicht, dass sich meine geschätzten Kollegen Wolfgang "König" Kralicek und Klaus "mein aufgeweckter Lesefreund" Nüchtern je, selbst in Zukunft nicht, in Zubern mit Tomatensosse aufzuhalten geziemen. Im Gegenteil, meine geschätzten Kollegen greifen sicherlich zu zeitgenössischen Produkten aus gängigen Pflegelinien. Auch pures Wasser als Badeflüssigkeit traue ich ihnen jederzeit zu. Geduscht oder eingelassen, das soll mir egal sein.
Wohin die Gebühr geht ::: ORF und Okto

Dusilation für Falter 11/2006
Schon lange fordern Grüne, Privatsender und offene Kanäle, das System der ORF-Gebühren zu überdenken. Daß von der grossen dicken Gebührenwurst nicht ausschliesslich der öffentlich rechtliche ORF schneiden darf, sondern auch andere Sender, die öffentlich-rechtliche Inhalte senden. Vereinzelt ist das schon in manch anderem europäischen Land Usus. Schnitzellands rechtsrechte Bundes-Politik denkt da gar nicht daran.
Jetzt hat das Land Wien einen ganz kleinen Schritt gewagt: Aus der sogenannten Landesabgabe (die bei den ORF-Gebühren dabei ist) werden nun freie Radios und Community-TV gefördert. Wien hat diese Gelder bisher in die Altstadtsanierung gesteckt, Kärnten finanziert mit der Landesabgabe seine Musikschulen, Tirol seine Kriegsinvaliden, die Steiermark baut Museen damit.
Jetzt kriegt der Wiener Community-Kanal Okto ein Radl von der grossen Gebührensalami.
Die Kunst des stilvollen Verarmens ::: Wie man ohne Geld reich wird
Dusilation für die Buchbeilage von Falter 11/2006
Die fetten Jahre sind vorbei. Auch für Blaumann Peter Nikolaus de Knillehult, der mit seiner Familie den Westtrakt des Stammschlosses derer de Knillehult bewohnt.
Die Krise der New Economy trifft vor allem die Jungen. Jene, die im letzten Moment einen lukrativen Job ergattert hatten, wurden als erste wieder ausrangiert. Nicht wenige sitzen nach dem Einbruch des Booms in ihrer schicken Wohnung und müssen plötzlich feststellen, dass Arbeitslosigkeit nicht nur eine abstrakte Zahl, sondern ihre neue Realität ist.
Dass das Thema vielen unter den Nägeln brennt, zeigt der Erfolg des 2005 erschienenen Ratgebers „Die Kunst des stilvollen Verarmens. Wie man ohne Geld reich wird“ von Alexander von Schönburg. In Östarrech war das Buch lange in den Bestsellerlisten.
Senfgas und Mandoline ::: Mussolini in Abessinien
Dusilation für die Buchbeilage von Falter 11/2006
Für Silvio Berlusconi war der Diktator Benito Mussolini halb so schlimm. Vor dem Angriff auf Abessinien 1935 dachten das alle. Da hatte die faschistische Mordmaschine aber bereits zu Arbeiten begonnen.
Olga Tokarczuk ::: Wer hat von unseren Tellerchen gegessen?"
Dusilation für die Buchbeilage des Falter 11/2006
"Die Polin Olga Tokarczuk erzählt mit „Taghaus, Nachthaus“, 2003 auf Deutsch erschienen, den Generationenroman dreier Frau und davon, dass die Toten nicht einfach tot und die Tiere nicht bloß Tiere sind. Wie man in einer fremden Vergangenheit lebt und sich einrichtet hat Tokarczuk immer schon interessiert. In Schlesien nannte man das Wohnen in den Häusern vertriebener Deutscher „Schneewittchen-Syndrom“, mussten doch die neuen Bewohner fürchten, die alten könnten eines Tages zurückkehren und fragen: Wer hat von unseren Tellerchen gegessen?"
Mit allen Wassern ::: Chlor ::: Gischt
Nach C.G. Jung steht das Wasser als Symbol für den „Geist, der unbewusst geworden ist“. Wie erhellend diese 50 Jahre alte Erkenntnis auch heute noch bei der Deutung von literarischen Werken sein kann, zeigen die Romane „Gischt“, von Peter Oberdörfer, und „Chlor“, von Johannes Gelich.
Dusilation für die Buchbeilage von Falter 11/2006
Patrick Hamilton ::: Sklaven der Einsamkeit
Patrick Hamiltons ebenso sarkastischer wie mitfühlender Roman „Sklaven der Einsamkeit“ von 1947
beschreibt eine kleine englische Pension als Ort des beständigen sozialen Kleinkriegs.
Dusilation für die Buchbeilage von Falter 11/2006
Und so das das Ding dann als Cover aus - Hamilton hat mal schnell den Anzug gewechselt
und blaue Kontaktlinsen eingelegt:

Vom Windel verweht
Liebe Frau Andrea!
Ich habe die aktuelle Beobachtung gemacht, daß Wickelgelegenheiten in Ämtern oder Lokalen meist auf der Damentoilette zu finden sind. Als emanzipierter baldiger Jungvater stellt sich mir nun eine Frage zur Etikette. Was soll ich tun, wenn ich mich mit meinem Kind an so einem Ort aufhalte und dieses just in so einem Augenblick wickelbedürftig wird? Ist es erlaubt, in einer deratigen Notlage als Mann die Damentoilette zu betreten? Oder muß ich mir, ganz väterlich, Gedanken über die Konstruktion einer mobilen Wickelgelegenheit machen? Mit freundlichen Grüßen,
Robert Ruzitschka, Josefstadt
Lieber Robert,
der Stoffwechsel von Säuglingen ist Dank der Segnungen der modernen Windelindustrie ein Problem, das durchaus zu meistern ist. Gehen wir davon aus, dass Ihnen das Auffinden einer Toilettenalage überhaupt gelingen will. Ein Unternehmen, das ja grundsätzlich als Erfolgserlebnis gelten darf. Aus Gründen, die mit der Polariserung elterlicher Pflichten und der geringen Durchdringung unserer Gesellschaft mit gender-main-gestreamten Feuchträumen zusammenhängt, befinden sich die Wickelräume des Landes nahezu ausschliesslich auf den Damenseiten der Toiletten. Nach moderner Auffassung sanitärer Etikette sollte es kein Problem sein, zur Wickelung Ihres Kindes die dafür eingerichteten Räumlichkeiten aufzusuchen. Eigenen Geschäften akuter Art sollte in der Anwesenheit von Säuglingen allerdings weder auf Herren- noch auf Damentoilletten nachgegangen werden.
www.comandantina.com dusl@falter.at
Für Falter 10/2006
Showtime ::: Andrea und die Oscar-Nacht

Sonntag/Montag, den 5. und 6. März 2006 moderiere ich die Vorführung der nominierten Filme "Darwin’s Nightmare", "Transamerica" und "Good Night, and Good Luck" und die Übertragung der Oscar-Verleihung live auf der Leinwand des Metrokinos.
Viennale-Intendant Hans Hurch wird da sein, Bärbel Albert und Jessica Hausner von Coop 99 (die Produzentinnen von Hubert Saupers Film) und auch Stadtrat Maillath-Pokorny hat sein nächtliches Kommen angekündigt. Cinemaculatio postcox.
Der Abend wird lange und wunderbar werden und vielleicht gewinnt Hubert ja auch noch den goldenen Nackten.
Programm:
19 Uhr Darwin’s Nightmare
Regie: Hubert Sauper
(Österreich/Frankreich/Belgien 2004)
Oscar-Nominierung: Bester Dokumentarfilm
21.30 Uhr Transamerica
Regie: Duncan Tucker
(USA 2005)
Oscar-Nominierung: Beste Hauptdarstellerin Felicity Huffman
24 Uhr Good Night, and Good Luck.
Regie: George Clooney
(USA 2005)
6 Oscar-Nominierungen: Bester Film, Beste Regie,
Bester Hauptdarsteller u.a.
2 Uhr DIE OSCAR®-VERLEIHUNG 2006
Live-Übertragung aus dem Kodak Theatre L.A.
Übernahme des Programms vom TV-Sender Pro Sieben
Ende ca. 5.30 Uhr
................................
Eintrittspreis pro Filmvorstellung: 5 Euro
Ab 2 Uhr freier Eintritt.
Ab 2 Uhr gratis Wiener Frühstück.
Im Laufe des Abends findet auch die traditionelle Oscar-Wette mit vielen knuspi Preisen statt.
Und wie gesagt: Des langen Tages Reise in die Nacht wird von Hans Hurch und mir (Andrea Maria Dusl) liebevoll begleitet.
An die Jurybegründung zu Darwin's Nightmare (2004, als Hubert Sauper bei der Viennale den Wiener Filmpreis bekam) erinnere ich mich noch sehr gut, ich habe sie nämlich selbst geschrieben:
"Die Geschichte könnte in Honduras spielen, in Bangladesh oder in der Ukraine. Diese spielt an einem See in Tanzania und erzählt vom Mechanismus des Kapitalismus. Jener Weltordnung, die nicht die beste ist, nach darwinistischen Prinzipien aber eindeutig die "fitteste".
Die Jury hat sich dafür entschieden, den Wiener Filmpreis 2004 einem Dokumentarfilm zuzusprechen. In Darwin´s Nightmare gelingt es dem Regisseur Hubert Sauper die bizarre Erfolgsgeschichte eines räuberischen Speisefisches in Bilder zu fassen - sehr konkret und unmittelbar, an einer Schnittstelle der Ersten zur Dritten Welt. In bedrückender Intimität erzählt der Film von den Protagonisten dieses gleichermaßen komplexen wie grausamen Räderwerks: Von russischen Frachtpiloten, Straßenkindern, Hotelprostituierten, Fischfabrikanten, EU-Delegierten, Enthüllungsjournalisten, Nachtwächtern und Fischresteverwertern.
Was hat die Geschichte im fernen Herzen Afrikas mit uns zu tun? Der Barsch, der den mörderischen Mechanismus von Ausbeutung und wirtschaftlichem Aufschwung antreibt, landet bei uns. In den Kühlregalen unserer Supermärkte, in den Burgern von Fast Food-Ketten und den Suppen heimischer Restaurants.
Sauper findet eindrucksvolle, archaische Bilder für seine kraftvolle Erzählung und verwischt die Grenzen zwischen den Genres, zwischen Dokumentarfilm, Reportage und narrativem Feature. Darwin´s Nightmare ist ein Film mit vielen Gesichtern: Er ist beängstigender Alptraum und nüchterne Realität, mutiger Dokumentarfilm und empathische Globalisierungskritik vor allem eines: Atemberaubendes Kino. Weltkino."
Die Hury damals war: Konstanze Breitebner (Schauspielerin), Andrea Maria Dusl (Autorin und Filmemacherin), Gerald Knell (Projektleiter Cinema Paradiso), Gunnar Landsgesell (Filmkritiker), Andreas Vitasek (Schauspieler, Kabarettistund Regisseur).
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Howie Zowie. Das Metrokino ist in der Wiener Johannesgasse im 1. Bezirk.



