November 2005
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Podcast von Dusls politischer Talkshow im Theater im Rabenhof
Das Photobureau von Comandantina Dusilova kümmert sich ums Schöne und Abseitige
Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Depulsation of Sandra Grünberger

Sandra Grünberger, steinreiche Schöps-Erbin, steigt aus dem Wiener
Nischensender puls tv aus.
Was könnte der wahre Grund sein? Steigen die Deutschen (Pro7Sat1)
ein? Gibts schon wieder einen Relaunch? Und wie soll der dann
aussehen? (Von Brandstätters ntv-Verschnitt, Mini-CNN über
Call-in-Trash-Sender bis zu pseudo-urbaner trendy Talksender
war ja schon alles da).
Für Falter 48/2005
29. November 2005 (1) Comments
Strach und Bange
Liebe Frau Andrea,
neulich stolpere ich in der Kriegsedition (1943) eines "echt" Wiener Buches über den mir fremden Begriff der "Strachmacherei". Dem Anhang entnehmend, daß es sich hierbei um - "boshafte Großtuerei"- handelt, frage ich mich, ohne dabei in sinnloses H.C. Strache-Bashing verfallen zu wollen, ob die Götter wirklich so witzig sind, diesem Stephansdom geschmückten "Urwiener", der so der Großtümelei verhaftet ist, ein sprachlich derart archetypisch wienerisches Hackl in's Kreuz zu werfen! Ich bitte um Verifizierung - es schreit danach!
Danke im Voraus,
Daniel M. Mayer
Lieber Daniel,
der blauäugige Nachfolger von Jörg Haider hat einen Namen mit weitgereister Etymologie. Großdeutsch interpretiert könnte der Name des ehemaligen Zahntechnikers vom alten deutschen Eigenschaftswort “strack” kommen, es hiesse dann alles zwischen gerade, starr, streng und gewaltsam. Strack kommt heute noch in der Strecke und im Adverb schnurstracks vor, das selbst langsamen Gefährten den Nimbus der Geradlinigkeit verleiht. Nun gibt es im Deutschen aber auch den Begriff des strachigen, des störrischen Pferdes. Schnurstracks ritte man auf einem strachigen Ross allerdings nicht. Tatsächlich dürfte der Name des Führers der Freiheitlichen aus dem Slawischen kommen. Im Tschechischen heisst “strach” schlicht Angst. Angst und Bange. Allerhöchstens noch Lampenfieber.
Für Falter 48/2005
28. November 2005 (0) Comments
Anonymous Design ::: Stone Wall, Locarno

Steinmauer in Locarno, Tessin.
Zyklopisierende Rustikaarbeit.
Spannend rhythmisiert.
Geschickt aufgelockert mit farblich
divergentem Brocken und gebündelter Flechte.
Exemplarisches Walling.
26. November 2005 (0) Comments
Little Shop of Hope ::: Fnnmetll

Wien, Wieden,
Schleifmühlgasse, bergiger Teil.
Zeitlose Eleganz.
Souveräne Einsamkeit.
Hoher Grad an Understatement.
Mutiges Wording.
23. November 2005 (3) Comments
Thalerhof ::: Das vergessene Lager

Das verdrängte Lager
Im k.u.k. Interniertenlager Thalerhof starben nahezu zweitausend Deportierte aus dem Osten der Monarchie. In der Steiermark ist das Lager völlig in Vergessenheit geraten, in der Ukraine ist die Erinnerung an das "galizische Golgotha" lebendig geblieben; Dies sorgt für politische Konflikte.
In Thalerhof landen. Für Tausende österreichische Staatsbürger, Ukrainer aus Galizien und der Bukowina, gab es während des Ersten Weltkriegs nur wenig Schlimmeres: Das k.u.k. Interniertenlager zwischen 1914 und 1917 und dessen tragische Bedeutung sind in der Steiermark praktisch vollkommen in Vergessenheit geraten. Mit Ausnahme eines schmucklosen Karners, der am Friedhof von Feldkirchen bei Graz verloren im Eck steht, und einer "Lagergasse" weist nichts mehr darauf hin. Selbst Bewohner des Dörfchens am Rande des Grazer Flughafens wissen oftmals nicht, was sich vor neunzig Jahren auf ihren Grundstücken abgespielt hat. Herwig Höller

Originaldusilation
Steiermark-Cover von Falter 47/2005
23. November 2005 (0) Comments
Wissen bidet
Liebe Frau Andrea,
wissen Sie, wie man richtig auf dem Bidet sitzt? Meine Freunde sagen: Wie am Klo. ich war bisher der Meinung: Rittlings. Es dankt für die Auskunft Anne Rossberg
Liebe Anne, da gibt es diesen einen politisch unkorrekten Witz vom Schwarzen, der durstig durch die Wüste kriecht und eine gute Fee trifft, die ihm genau drei Wünsche erfüllen kann. “Viel Wasser”, keucht er, “Frauen” und ja “weiss möchte ich sein!” Die Fee wedelt mit ihrem Zauberstab und zack: verwandelt sich der arme Durstige in ein Bidet. Hinter dem - ganz offenbar amerikanischen Witz - verbirgt sich die Tatsache, dass Bidets ursprünglich ein europäisches Sanitär-Porzellan-Phänomen sind. Bidets haben die äussere Form von Toiletten - ohne Klositz allerdings. Innen sind sie flach wie Waschbecken, haben einen verschliessbaren Abfluss und statt eines Wasserhahns eine Düse an strategisch günstiger Stelle. Mit Hilfe dieser Düse können diverse Intimbereiche schonend und hygienisch gereinigt werden. Das Wort Bidet kommt aus dem französischen und heisst Pony, kleines Pferd (vom altfranzösischen bider, traben). Diese doch merkwürdige Etymologie kommt daher, dass frühe Formen von Bidets - eine Erfindung französischer Möbelbauer des späten 17. Jahrhunderts - hockerartige Beinchen hatten und man bei der Benutzung wie auf einem Pferdchen sass. Damit beantwortet sich auch die Frage nach der richtigen Reitrichtung am Bidets. Rittlings, mit gutem Griff auf die Armaturen des Ponys.
Für Falter 47/2005
21. November 2005 (1) Comments
Little Shop of Hof ::: Wurst Wülfert

Fleisch und Wursthandlung Wülfert
Hof, Bayern, Deutschland.
Späte aber souveräne Provinzialisierung des International Style.
Hoher Grad an Symmetrisierung von Fassadendetails - leichter Bruch
in der Plazierung der beiden Kaugummiautomaten - bei
raffinierter Plazierung des Kanaldeckels.
Guter Umgang mit der Farbe Rot - gebrochenes Bordeaux im
Schriftzug "Wülfert" und Karottenrot in den Sonnenblenden.
Klare Akzentuierung der Auslagenflächen und des Portalkasten durch
Aluminiumprofile. Im Innenraum - momentan nicht zugänglich -
ist an Terrazzo zu denken.
Unterschätze Arbeit.
19. November 2005 (2) Comments
metaphysics ::: Die Person
Erschienen in .copy 24 i.e. 05/Dezember/2005

Skandinavische Familiennamen enden oft auf die Silbe -son: Anderson, Svenson, Larson, Person. Das stammt aus einer Zeit, als die germanisch-patriarchalische Nomenklatur ein Individuum vor allem als Abkömmling seines Vaters verstand, und Familiennamen, wie wir sie heute kennen, unbekannt waren. Zur Unterscheidung der Söhne (sons) eines Vaters untereinander dienten Spitznamen wie Rotbart, Blauzahn, Hinkebein und neben klassischen germanischen Vornamen sehr oft biblische Namen wie Anders (Andreas), Jakob und Per (Peter). (Mädchen wurden selbstverständlich auch nach ihren Vätern benannt, statt son endeten ihre Namen allerdings auf dotter/dottir (Tochter). Beim Blättern im Telefonbuch von Stockholm wäre es also nicht ungewöhnlich, auf jemanden mit dem Namen Anders Person zu stossen.
Anders Person.
Andersperson.
Was eine Person ist, selbst wenn sie, wie in unserem schwedischen Beispiel, einen - für deutsche Ohren - surrealistischen Namen trägt, wissen wir alle, sind wir ungeachtet unserer ganz individuellen Persönlichkeiten doch alle welche. Personen nämlich.
Woher aber kommt der seltsame Ausdruck? Warum sind wir Personen? Doch nicht, weil wir alle statt von Adam von einem Person, dem Sohn eines Per abstammen?
Tatsächlich ist die Herkunft des Wortes Person nicht vollständig geklärt. Es existieren zwei verschiedene etymologische Theorien. Fest steht, dass unser Begriff im 13. Jahrhundert als persôn, persône aus lat. persona ins Deutsche übernommen wurde. Der Ursprung des lateinischen Begriffes ist jedoch umstritten. Manche Sprachwissenschafter halten den Begriff für eine Entlehnung aus dem griechischem prosôpon, "Maske, Rolle, Mensch". Einer anderen (und von den meisten Etymologen heute für wahrscheinlicher gehaltenen) Theorie zufolge stammt es jedoch aus dem etruskischen phersu, “Maske”.
Hinter dem Begriff "Person" steht seit der Antike das tiefenpsychologische Bild, dass Menschen in den meisten Situationen nicht sie selbst sind, sondern sich wie Schauspieler verhalten, die ihre Rolle mehr oder weniger gut spielen. Hört man genau auf das was jemand sagt, also das was seine Maske durchtönt (im laeinischen lässt sich Maske nämlich vom Verb per'son'are = durch'tön'en ableiten), erhält man einen tieferen Einblick in die wirkliche "Person". Im antiken Theater wurden die Charaktere eines Stücks von Schauspielern mit unterschiedlichen Masken verkörpert. Tragische wie komische Masken hatten einen trichterförmigen Mund, durch den die Stimme “personierte”, im wahrsten Sinne des Wortes durchtönte.
Jede Person wird also von einer hinter der Maske verborgenen Andersperson “personifiziert”.
Noch verwirrender wird die Idee des Persönlichen in totalitären Strukturen. Aus George Orwells Roman 1984 kennen wir den “Neusprech”-Terminus der “Unperson”. Die Unperson bezeichnet jemand, der nicht nur vom Staat getötet, sondern gänzlich ausgelöscht wurde. Orwellsche Unpersonen sind aus Büchern und Archiven gelöscht, es existieren weder Fotos noch Daten. Die Unperson soll, ganz im Einklang mit den Prinzipien des “Doppeldenk” sogar von Freunden und Familienmitgliedern vergessen werden. Realwelt-Unpersonen gab es in der ehemaligen Sowjetunion. Der kommunistische Politiker Leon Trotzki ist das wohl berühmteste Beispiel. Um ihn zu depersonifizieren, wurden der in Ungnade Gefallene nicht nur ermordet und totgeschwiegen, sondern auch aus allen offiziellen Fotos wegretuschiert.
16. November 2005 (2) Comments
Harry Potter und witchmama Joanne K. Rowling

Zauberkünstler Harry Potter mit Hexenmutti Joanne K. Rowling. Rohling für das Falter-Cover
46/2005 anlässlich der Filmpremiere von Harry Potter IV.

Und so sah das Cover dann aus, mit Headlines und allem:

14. November 2005 (0) Comments
Stanniol und Kaiser
Liebe Frau Andrea,
seit einiger Zeit beschäftigt mich das "Stanniol-Papier"! Vor allem die Frage, warum es nur noch Alufolie heisst, heute kaum noch Verwendung im Sprachgebrauch findet und von welchem Wort es abgeleitet wird. Ein Freund meinte, es sei ein Firmen- bzw. Eigenname gewesen. Stimmt das? Darauf gleich die nächste Frage: Begriffe wie "Wettex" (Schwammtuch), "Martini" (Vermouth) und vielleicht auch "Stanniol" haben als Überbegriff ihren Platz im Sprachgebrauchgefunden. Wie nennt man so einen "Überbegriff"?
Vielen Dank und schöne Grüße aus der Wieden, Florian Ortner
Lieber Florian, Stanniol hat weder etwas mit Papier zu tun, noch kommt sein Name von irgendeiner Marke oder Firma “Stanniol”. Die dünne Metallfolie unterscheidet sich chemisch signifikant von der Aluminiumfolie, die, wie der Name schon sagt, aus Alluminium gewalzt wird. Stanniol hat seinen Namen über das italienische “stagnolum” von stannum, lateinisch für Zinn, bekommen und wird und wurde aus reinem Zinn hergestellt. Die rhetorische Figur, den Namen eines speziellen Produkts zum Begriff zu machen - also etwa zum Apfelsaft Obi zu sagen oder zum Klebeband Tixo - nennt man Synekdoche. Beispiele solcher Synekdochen müssen gar nichts mit Industrieprodukten oder Konsumartikeln zu tun haben. So ist unser Begriff Kaiser eine Synekdoche, die sich vom Spitznamen eines gewissen Gaius aus dem Hause der Julier herleitet, eines gewisssen Caesar - zu Lebzeiten Kaesar ausgesprochen. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für Falter 46/2005
13. November 2005 (1) Comments
Showtime ::: Comandantina beim Roundtable der Akademie der bildenden Künste Wien
Und danach? Wo KünstlerInnen arbeiten.Roundtable mit AbsolventInnen
Donnerstag, 10.11.2005, 18.00 Uhr
Aula der Akademie der bildenden Künste Wien,
Schillerplatz 3, 1010 Wien
Qualifiziert das Kunststudium nur zu einer künstlerischen Karriere?
Oder lässt sich diese Kompetenz auch in anderen Arbeitsbereichen sinnvoll anwenden?
Andrea Maria Dusl, Filmemacherin und Autorin
Studium Bühnenbild von 1981 bis 1985 bei Lois Egg
Gustav Lohrmann, Leiter der Artdirektion/Grafik beim ORF
Studium der Bildnerischen Erziehung bei Gustav Hessing von 1970 bis 1974
Rita Vitorelli, Künstlerin, Mitbegründerin und Chefredakteurin von Spike
Studium der Malerei und Grafik bei Gunter Damisch von 1992 bis 1997
im Gespräch mit Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor
und Andreas Spiegl, Vizerektor für Lehre und Forschung der Akademie der bildenden Künste Wien
Imbiss und Getränke
Sehr gut.
9. November 2005 (0) Comments
Trickern und Krachen
Liebe Frau Andrea,
die Wiener Drogenszene birgt eine Vielzahl wunderschöner Redewendungen und Wörter. Zwei Fragen wirft folgendes Wort auf: Trickern (vereinzelt auch triggern geschrieben). Gemeint ist der spezifische Rauschzustand (physisch wie psychisch) in Folge des Konsums sedierend wirkender Substanzen wie Opiaten oder Benzodiazepinen (als Beispiele seien hier das "Roiperl" und die "Praxln" genannt). Woher stammt der Ausdruck “trickern” und wie lautet eigentlich die korrekte Schreibweise?
Benedikt Friedel, Kulturbeauftragter der sozialmedizinischen Drogenberatungsstelle ganslwirt
Lieber Benedikt,
Millieus am Rande unserer Gesellschaft bewahren alte Ausdrücke und haben gleichzeitig ein ausgesprochen grosses Talent, neue in die Welt zu setzen. Wir alle kennen Szenebegriffe wie chillen und turnen, abhängen und es sich voll zu geben. Diese Ausdrücke sind aus diversen grossstädtischen Drogenszenen in unsere Alltagssprache ausgebüchst. Nicht anders wird es mit Trickern sein, das nach meinem Daführhalten vom wienerischen Ausdruck “Trickern”, also trocknen, “trocken werden”, kommt. Das deutsche Wort trocken ist mit dröge verwandt, das die Nebenbedeutung langweilig, fade transportiert. Die Droge selbst ist eine Entlehnung des arabischen “turuq”, Weg, Mittel. Das Gegenteil vom Trickern ist das Krachen. Beiden Ausdrücken prophezeie ich eine blendene Karriere in der Alltagssprache.
www.comandantina.com dusl@falter.at
Für Falter 45/2001
7. November 2005 (3) Comments
Grüne Bobo-Guerilla

Die Wiener Grünen haben eine neue Strategie. Nach dem eher mageren Ergebnis bei
den Wien-Wahlen wird jetzt in den Flächenbezirken (Favoriten, Simmering,
Donaustadt,..) nur mehr in den rot-grünen Basen (im 11. Bezirk zum Beispiel der
Gasometer) gearbeitet und dort mit grüner Guerilla-Grätzelpolitik Netzwerke gebaut.
Für Falter 45/2005
6. November 2005 (1) Comments


