Apparatschik

Los-Bonzos.jpgLiebe Frau Andrea,
letzten Samstag beim Frühstück im Café Stein wurde anlässlich der Wienwahl ausgiebig politisiert. Dabei fiel im Zusammenhang mit dem Rathaus ein Ausdruck, der mich nicht mehr los lässt . Sicher wissen Sie Rat! Woher kommt das seltsame Wort Apparatschik?
Julia Stern, Wien Neun

Liebe Julia, Apparatschik bezeichnet den servilen und stets vorauseilend gehorsamen Funktionär eines Parteiapparats. Die Bezeichnung kommt über die ehemaligen DDR aus der fast so ehemaligen UdSSR und leitet sich vom Ausdruck apparat˘cik ab. (Das russische Suffix “-˘cik” bildet Täterbezeichnungen und würde bei uns wohl zu Ausdrücken wie Sesselklebtschik oder Nulldefizittschik führen.) Die Strategie, sich bei Vorgesetzten beliebt und wenn möglich unentbehrlich zu machen, ermöglicht dem Apparatschik in bürokratisierten Systemen den direkten Aufstieg an die Vorstands- oder Parteispitze, wo der Apparatschik unversehens zum Bonzen wird. Der Ausdruck Bonze wiederum kommt ursprünglich vom anderen Rand der Sowjetunion, vom japanischen “Bozu” . Der Bozu, ein buddhistischer Priester in China und Japan, wurde über das französische “bonze” zum despektierlichen Schimpfwort der Arbeiterbewegung für Parteifunktionäre in der Weimarer Republik. Nach Konjunktur in Nazideutschland stand der Bonze zuletzt in der DDR in schimpfwörtlich hohem Ansehen, wo man mächtige SED-Funktionäre als Parteibonzen bezeichnete.

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dusl@falter.at

Für Falter 41/2005

10. Oktober 2005 © Andrea Maria Dusl

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Kommentare

Liebe Frau Andrea,

zu Ihrer Kolumne im Falter über die Bezeichnung "Apparatschik" merke ich an, dass das russchische Suffix "tschik" (kyrillisch "???") vor allem als Verkleinerungsform (Diminutiv) Verwendung findet, (z. B. "???????" = kleiner Junge).

Das dieses Suffix "Täterbezeichnungen" bildet, wie Sie schreiben ist mir neu. Woher haben Sie das? Ein "Apparatschik" wäre demnach also ein "kleiner Diener" im Apparat, in der Bürokratie, was sie mit dem möglichen Aufstieg zum "Bonzen" richtig erkannt haben.

Mit freundlichen Grüßen

Mag. Rainer Brunhofer
Sierning

Mag. Rainer Brunhofer | 15.10.05 21:12

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