Sankt Marx

Sankt-Marx.jpgLiebe Frau Andrea, hat unser bekanntes Wiener St. Marx etwas mit dem noch bekannteren gleichnamigen Russen zu tun? Wurde der etwa während der Besatzungszeit heilig gesprochen? Das wäre ein echtes Hindernis für mich, dem katholischen Glauben beizutreten und mich näher mit der Geschichte der anderen Heiligen zu befassen. So verbleibe ich mit der aufrichtigen Bitte um spirituelle Aufklärung, Helmuth Jellinek, Wien

Lieber Helmuth, der Name des heutigen Stadtteils St. Marx im dritten Bezirk geht auf ein mittelalterliches Siechenhaus für Pestkranke und Aussätzige zurück, das hier in bewusster Abgeschiedenheit von der Stadt bestand und dessen frühgotische Kapelle dem Evangelisten Markus - wienerisch Marx - geweiht war. Krankenhaus und Kapelle fielen dem Reformeifer Kaiser Josephs II. zum Opfer, ein biedermeierlicher Friedhof existiert heute noch und ist für das angebliche Grab Mozarts berühmt. Ein Mann namens Marx ist zwar zu Zeiten der Sowjetunion in Russland in hohem Ansehen gestanden, er war aber ein Deutscher aus Trier und hiess mit Vornamen nicht Sankt sondern Karl. Zusammen mit einem anderen Deutschen heiligen Namens, einem gewissen Herrn Engels machte er sich um die frühe Arbeiterbewegung verdient. Wegen Karl Marx und Friedrich Engels dem katholischen Glauben beizutreten, wäre an sich kein Hindernis, eine besondere Bewunderung für die beiden Herren wird Ihnen dort allerdings nicht entgegenschlagen.

Für Falter 40/2005

30. September 2005 © Andrea Maria Dusl

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Kommentare

Betreff: wieder daneben: der papst in der engelsburg... marx, engels,lenin, stalin, ratzinger

liebe frau andrea!
sankt marx hat sie voellig reingelegt, sie sind gaenzlich abgestuerzt: der letzte satz vom falter 40/05, seite 71, macht sie zur (verdammenswerten?) haeretikerin., warum? wenn der papst so will, kann er jederzeit, ueber seinen sichtgeschuetzten hochweg vom vatikan in die engelsburg laufen, um dort die welt zu regieren oder wenigstens ENGEL[S] auf der tiberbruecke zu bewundern (SIC, ja!), bewundern. aufgrund der unbestrittenen miterfolge seines direkten und would-be-heiligen vorgaengers kam es ja im einflussbereich des chemnitzismus-st.peterismus (ehemals marxismus-leninismus; hinweis dazu verdanke ich freund Dieter Kittner aus dedenitz) zu zahlreichen umbennungen: stalingrad, leningrad, karl-marx-stadt: wie freut sich nun wladimir iljitsch sankt-peter (geb. lenin) über "seinen" sankt petersplatz samt kriche und taeglicher bewunderung ("memento" sagen die leute aus marktl) dort, ganz zu schweigen vom neo-chemnitzismus, der neuerdings wieder karl chemnitz (geb. marx) verklärt...selbst bayern verschaffte ihm am 18.9. ein bundestagsmandat...
also bitte aufpassen bei dem, was sie so frei assoziieren... wenigstens die landstrasser hauptstrasse zu ende gehen...
lg wo go

Wolfgang Gombocz | 15.10.05 20:51

Liebe Frau Andrea,

damit hatte ich nicht gerechnet, dass meine Anfrage so rasch Bearbeitung und Antwort findet! Vielen Dank! Die durch das Thema Verunsicherten sind nun echt beruhigt. Dass ich Herrn Karl für einen Russen hielt, ist zwar in Maßen peinlich, trifft mich aber nicht unvorbereitet, war Geschichte doch nie mein Lieblingsfach. Ich soll auch schon mal Herrn Adolf für einen Deutschen oder Herrn Jörg für einen Kärntner gehalten haben...

Leider muss ich zur Kenntnis nehmen, dass sie unsere Heiligsprechungstheorie als haltlos entlarvt haben. Das führt jetzt dazu, dass ich ihnen gestehen muss, dass sich selbst dadurch mein Drang zur Zufluchtnahme bei Papst- und Marieenverehrern nicht vermehrt hat. Es wäre jetzt ein Leichtes, meinen ihnen gegenüber geäußerten tiefgreifenden Glaubenskonflikt ebenso als Vorspielung zu entlarven, nur, um die Dringlichkeit der Anfrage auf zweifelhafte Art und Weise zu dramatisieren. Sollte dies dazu geführt haben, dass andere wichtige Fragen erst später in ihrer geschätzte Rubrik im Falter Berücksichtigung finden, so bitte ich sie und alle Geschädigten vielmals um Verzeihung.

Nochmals vielen Dank und liebe Grüße,
Helmuth

Helmuth Jelinek | 15.10.05 20:56

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