Sewas oida Schneebrunza

Liebe Frau Andrea,

vielleicht können Sie mir (übrigens ein großer Dusl-Fan!) diesmal helfen. In der Geschichte "Wiener Charme ist kein Bemmerl" steht unter einer Illustration von Ihnen: "Seias oida Schneebrunza". Zwei Sachen interessieren mich: Was ist wirklich ein "Bemmerl", und hängt es nicht ein bißchen auch mit "Brunzen" zusammen, sozusagen "groß" und "klein"? Warum hat Schneebrunza so einen negativen, fast beschimpfenden Unterton, wo ich mir sicher bin, daß wir alle das schon einmal (lustvoll) gemacht haben.

Ich habe als Kind gerne in den Schnee..., das gab so schöne gelbe Löcherfiguren. Muß ich mich jetzt schämen dafür? Gehört das Bemmerl dem "Furchenscheißer"? Ich hoffe Sie finden einmal Zeit für mich und meine brennenden Fragen!

Lieben, lieben Dank!
Alois aus Wien-Leopoldstadt.

31. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Es war einmal ein Mann

Es war einmal ein Mann,
der hatte einen Schwamm.
Der Schwamm war ihm zu naß,
da legt er sich ins Gras.
Das Gras war ihm zu grün,
da ging er nach Berlin.
Berlin war ihm zu groß,
da baut' er sich ein Schloß.
Das Schloß war ihm zu reich,
da sprang er in den Teich.
Der Teich war ihm zu tief,
da macht er einen Piff.
Der Pfiff war im zu laut,
da fuhr er aus der Haut.

Supertrauriges Gedicht, das ich als kleines Kind von meiner
Grossmutter Dora Dusl gelernt habe.

Auch kein Bemmerl für ein vierjähriges
Kinderherz:

Maikäfer flieg.
Der Vater ist im Krieg.
Die Mutter ist im Pommerland,
Und Pommerland ist abgebrannt.
Maikäfer flieg.

30. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (7) Comments (0) Pings




Poor Thing ::: Das Petersburger Regenrohr

Piter-Kaputtes-Regenrohr.jpg

Sankt Petersburg, Russland.
Ein schönes Beispiel für die These:
"Form fails function"

27. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




Arbeit

13er Gries für Jule und Chrisse:

Fidel.jpgLiebe Frau Andrea,

ich bin zuversichtlich, Sie können mir das Paradoxon des Arbeitgebens und -nehmens näher bringen. Man sagt, die Firma, die einem den Lohn bezahlt, gibt einem Arbeit. Aber ist es nicht eigentlich so, dass ICH die Arbeit verrichte, also der Gebende bin? Die mathematische Seite in mir will einfach nicht verstehen, warum ich mich als Arbeitender nicht als Arbeitgeber bezeichnen darf!

Bitte um Hilfe,
Ben Gusich, Internet

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Lieber Ben,

"Die Arbeit geht aus, wer geht mit?", titelte Günther Nenning in seiner "Fackel", der legendären Diskursgazette FORVM. Das war in den Achtzigerjahren, zu einer Zeit, als Nenning zwar noch Marxist, aber schon "Wurschtel" war, wie es Kreisky ausgedrückt hatte. Als er noch nichts Grünes in sich entdeckt hatte. Lange bevor er an Morbus Kronen Zeitung erkrankte. Selbstverständlich sind jene Menschen, die im Besitz der Ressource Arbeit sind, auch Arbeitgeber. Die Nomenklatur der Begriffe ist korrupt und folgt der traditionellen Wahrnehmung des Kapitalismus, der zurfolge Maschinen und Schreibtische Arbeit generieren und nicht die Hersteller der Arbeit, die Arbeiter. Natürlich sind Arbeiter Arbeitgeber und Unternehmer Arbeitnehmer. Das Thema eigenet sich in hervorragendem Maße dazu, Reflexionen über das Stocken der Aufklärung anzustellen. Mit der Erledigung Gottes ist der Mammon an seine Stelle getreten und nicht das Individuum. Es besteht Revolutionsbedarf, meine ich.

Erschienen in Falter" Nr. 13/05 vom 30.03.2005 Seite: 59

25. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Canaletto meets Comandantina

Click to enlarge!

FA-Canaletto.jpg

Bernardo Bellotto, gen. Canaletto / Andrea Maria Dusl, gen. Comandantina:
Wien, Lobkowitzplatz 1759-60 und 2005
Oil on canvas, Wacom on Photoshop CS, 115 x 152 cm bzw. 668 x 1000 px
Kunsthistorisches Museum / Bureau Comandantina Dusilova, Wien

23. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Wiener Charme ist kein Bemmerl

FA-Gruessi-Folgendes.jpg

Wien ist in der Welt für seinen entwaffnenden* Charme berühmt. Oder so.
.

Erschienen in Falter 12/05

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*Die fünf Portraits sind aus 1A-ORF-Promis zusammengemendelt.
Wer errät die Morpheltern?

23. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (4) Comments (0) Pings




Gurkerl

Gurkerl.jpgLiebe Frau Andrea,

neulich saß eine Fachrunde fußballbegeisterter Männer bei mir im Wohnzimmer und gab sich das Champions-League-Spiel Arsenal London gegen den FC Bayern München. Mehr als einmal fiel der Ausdruck Gurkerl. Meine Freunde wollten oder konnten mir den Fachausdruck nicht erklären, noch dazu, wo in dem Spiel gar kein "Gurkerl" stattfand. Was, bitte, ist ein "Gurkerl", und warum klärt mich keiner auf?

Nina, Margareten, Internet

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Liebe Nina,

Ihre Sportfreunde dürften einen Wiener Kickerausdruck gemeint haben. Ein Gurkerl ist ein Ball, der durch die Beine des Gegners, im besten Fall sogar durch die des feindlichen Tormannes geschupft wird. Eine größere Demütigung für einen Fußballer ist nicht denkbar. Der Terminus selbst dürfte gastrotechnisch konnotiert sein und vom Wiener Würstelstand kommen. Um nämlich Essiggurken aus einem großen Glas zu fischen, braucht es eine hölzerne Gurkenzange. Die Gurkenzange funktioniert wie eine große Pinzette. Fasst nun der Würstelmann das Gurkerl nicht mit den unteren Enden der Zange, bleibt es beim Aus-dem-Glas-Fischen unweigerlich an anderen Gurken hängen und rutscht durch die Zangenschenkel. Ein Phänomen, das wir in kleinerem Maßstab auch vom Essen mit chinesischen Stäbchen kennen. Mit Gurkenzangen lassen sich übrigens auch lästige Nacktschnecken übersiedeln, womit wir einerseits bei Schneckerl Prohaska und andererseits wieder beim Gurkerl wären.

Erschienen in Falter" Nr. 12/05 vom 23.03.2005 Seite: 67

23. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (3) Comments (0) Pings




Little Shop of Hope ::: Augustin

Augustin-Rahmen.jpg

Wien. Wieden. Schleifmühlgasse/Paulanerkirche.
Nicht die schlechteste Adresse. Hier lassen die
Augustin-Redakteure ihre Diplome rahmen.

22. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




Päule geh'n

Liebe Frau Andrea,

wir alle kennen den Ausdruck "Meier gehen" fürs Verhaftet- und Eingesperrtwerden. Woher stammt diese Redewendung? Hat die "Meierei" wie das "Mülli gehen" etwas mit Milch zu tun? Eine mit Landwirtschaft vertraute Freundin wies darauf hin, dass Milchkühe früher frei auf der Weide liefen und nur zum Melken vom Meier in spezielle enge Verschläge gesteckt und angekettet wurden! Doch leider warf das sofort die nächste Frage auf: Woher kommt der Ausdruck "beuli gehen" fürs Flüchten? Am Bauernhof wurden wir nicht fündig.

Mit freundlichen Grüßen,
Susi Strolcher, Internet

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Liebe Susi,

ich muss Sie und Ihre landwirtschaftliche Freundin enttäuschen. "Meier gehen" kommt weder vom Gutshof noch von der Alm und auch nicht von gemolkenen Kühen. Es stammt wie die Mehrzahl der Ausdrücke dieses Genres aus dem Rotwelschen, in diesem Fall ursprünglich aus dem Jiddischen. More, Moire (Mz. Mores, Moires) ist die Angst. Auch "päule gehen" oder "päulesieren" kommt aus dem Rotwelschen und bedeutet "weg" gehen, "fort"-laufen, flüchten. Das gaunersprachliche "päule" kommt von "polat" und bedeutet glatt und schlüpfrig zu sein, zu fliehen, zu entkommen, sich in Sicherheit zu bringen. Die Gleichgesinnten, auf die sich ein flüchtender Päulesierer verlassen kann, sind seine "Platte". Von "Pleto", der Flucht, kommt auch die in höchsten Kreisen vorkommende Pleite.

Erschienen in Falter" Nr. 11/05 vom 16.03.2005 Seite: 67

13. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Andrea und Maschek ::: Diagonale 05

AMD-mit-Mascheks.jpgVon 14. bis 20. März findet in Graz die Diagonale 05 statt. Das Festival zeigt das österreichische Filmschaffen des abgelaufenen Jahres. Es gibt Rahmenprogramme, Diskussionen, Podiumsgespräche galore.

Am Samstag, den 19. März 2005 gibt es über den Dächern der Stadt die erstmalige Gelegenheit, Andrea Maria Dusl und die Televisonsmanipulatorentruppe maschek live und gemeinsam auf einer Bühne zu erleben. Die Comandantina wird die Preisverleihung der Diagonale 05 moderieren, Peter Hörmanseder und Robert Stachel von maschek werden Bildeinspielungen prominenter Filmfreunde kommentieren.

Kommet alle ins Schlossbergrestaurant!
19. März 2005, 20h
Am Schlossberg 7, 8010 Graz

13. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Ums Oaschlecken

Oaschlecken.jpgLiebe Frau Andrea!

Teile der Wiener Bevölkerung verwenden ab und zu den Satz: "Des is si ums Oaschleckn (net) ausgangen." Dass dabei nicht vom "Ohrschlecken" die Rede ist, versteht sich von selbst. Sie wissen bestimmt, woher dieser Ausdruck kommt? Was hat "knapp (nicht) geschafft" mit "Arschlecken" zu tun?

Danke und liebe Grüße,
Angie Ortner, Wieden

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Liebe Angie,

der schöne Ausdruck "ums Oaschleckn" befindet sich in Dekadenz und war im Wien vor der Jahrtausendwende vor allem in der Nachbetrachtung städtischer Reisevorgänge nicht wegzudenken. Man habe den Zug, die Bim, die Stadtbahn "ums Oaschleckn" derglengt (erwischt) oder eben nicht, was soviel hieß, wie um die sprichwörtliche "Haaresbreite" rechtzeitig oder zu spät gekommen zu sein. Die Spalterei, dass es sich bei der Haaresbreite eigentlich um die Haaresdicke handeln müsste, führen wir später. Wie auch immer, "ums Oaschleckn" als Synonym für die Knappheit eines zeitlichen Erreichens, kommt von der Tourettefloskel: "Leck mi am Oasch, des woa knopp." Unser "ums Oaschleckn" bezeichnet also just jene Zeitspanne, in der dieser freudige Fluch gerade noch ausgesprochen werden kann. Wenn es nicht um kleine zeitliche, sondern um große qualitative Unterschiede geht, liegen Sie nie falsch, den Ausdruck "ums Klavierspün" zu benützen. Er ist die Verknappung der Feststellung: "Um den Unterschied mecht i Klavierspün kennan."

Erschienen in "Falter" Nr. 10/05 vom 09.03.2005 Seite: 67

9. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (3) Comments (0) Pings




Diskriminierung durch Antidiskriminierung

FA-Salzamt-Behinderungen.jpg

Die Personengruppe, die sich für die Regierung hält, hat ein zahnloses Gesetz
gegen die Diskriminierung von Minderheiten und Behinderten beschlossen
oder so.

Erschienen in Falter 10/2005 vom 9.3.2005

9. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Anonymous Installation ::: K-52

K-52.jpg

Sankt Petersburg.
Inschenjerskaja/Fontankabrücke.
Konsistentes Materialgefühl, ausgewogener Duktus.
Gute Arbeit mit dem Raum.

7. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




Little Shop of Hope ::: Ecoform

Ecoform.jpg

Wien. Wieden. Schleifmühlgasse/Paulanerkirche.
Stille Würde. Dezente Farben. Der Geruch von Ewigkeit.

3. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




Blue Moon Soundtrack



CD
     Filmscore und Soundtrack von
  • Christian Fennesz
  • Peter Dusl
  • Yuri Naumov
  • Dmitri Shostakovich
  • Camille Saint-Saëns

hier vorbestellen

2. März 2005 © Matros # Permalink (0) Comments (0) Pings




Blue Moon



DVD
     Mit Josef Hader, Viktoria Malektorovych, Detlev Buck

Der stoische Johnny aus Wien, die rätselhafte Shirley aus der
Ukraine und die Ossi-Klette Ignaz sind im preisgekrönten
Kult-Roadmovie unterwegs in den unbekannten Osten.

Blue Moon Trailer


  • 2002 Filmfestival Locarno Wettbewerb
  • 2003 Grosser Preis der Diagonale - Bester östereichischer Film
  • 2003 Karlovy Vary Variety Critic's Choice

Specials: In 80 Tagen um die Welt - 6 Kurzfilme von AMD

DVD bei Amazon bestellen


2. März 2005 © Matros # Permalink (0) Comments (0) Pings




Fragen Sie Frau Andrea



Buch
     Wie schwimmt man in Helmut Kohl? Was ist ein 16er-Blech und warum sollte man es "dschenniffa" bestellen?

Lesen Sie, warum die Mächte der Finsternis kalten Kakao trinken und was Wolfgang Schüssel während der wichtigsten Pressekonferenz seiner Karriere unterm Tisch machte.

Fantastische Kolumnen aus der Wiener Stadtzeitung Falter, 200 Seiten, Falter Verlag August 2003, ISBN: 3854393180

beim Falter bestellen

1. März 2005 © Matros # Permalink (0) Comments (0) Pings




Freistaat Kärnten

Für große Ansicht ins Bild klicken!

FA-Ka?rnten-Solostaat.jpg

Die Bewohner des Bundeslandes Kärnten sind so ziemlich an allem schuld, was das Leben in Österreich zur Qual macht. Sie halten sich weder an die Verfassung noch an den Duden, wählen mehrheitlich einen postfaschistischen Gottseibeiuns und verpesten Österreich mit wirren Ideen, imbezilen Politikern und schlechtem Deutsch. Die Lösung der Kärntner Frage wäre die Entlassung des Landes in die Unabhängigkeit.

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Für Falter 09/2005 vom 2.3.2005

1. März 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (3) Comments (0) Pings




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