Strotterns Butten

Wienfluss.jpgLiebe Frau Andrea,

im schönen Wienerlied "Wann i amol stiab", singt einer von seiner eigenen Beerdigung und er wünscht sich, dass die "Strottern auf die Butt'n" schlagen sollen. Das wirft bei mir mehrere Fragen auf: Wer sind diese Strottern und was beschlägern sie da? Und warum sollten sie das tun? Wollen sie die "Butt'n" züchtigen oder ist das Ausdruck ihrer Freude? Etwa, weil es einen Wiener weniger gibt?

Herzlich neugierig verbleibt Ihr Klemens aus Wien

....................

Lieber Klemens, die Strottern oder Strotter sind Sandler und Vagabunden, die Kanäle und Hinterhöfe nach verwertbaren Abfällen durchsuchen. Viele von ihnen lebten im kanalisierten Wienfluss. Das altwiener Wort "strotten" heisst nichts anderes als "suchen", "stöbern" und kommt von mittelneudeutsch "stroden", althochdeutsch "strutten". Es bedeutet ursprünglich "plündern", "rauben". Es stammt von einem indoeuropäischen Wort, aus dem auch "streuen", "streiten", "streifen", ja sogar das "stratum" - das "Hingestreute", unsere heutige "Strasse" kommen. In ihrem Lied sollen die Strottern auf die Butten, die Butte schlagen. Eine Butten (im deutschen die Bütte) ist ein oben offenes Fass. Auf die Butten schlagen die Strotter weniger aus Freude, denn aus Wehklage. Wie einen archaischen Trauermarsch müssen wir uns das Buttenschlagen vorstellen. Möglich aber auch, dass mit der Butten der Sarg Ihres Liedhelden gemeint sein könnte, und mit dem Draufschlagen ein allerletztes "Lebewohl" gemeint sein könnte.

Erschienen in "Falter" Nr. 5/05 vom 02.02.2005 Seite: 67

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Hier das ganze Lied:

Wann i amal stiab

Wann i amal stiab stiab stiab
Müassen mi d’Fiaker tragen
Und dabei die Zittern schlagen
Weil i des liab liab liab
Und i war meiner Seel
Allweil fidel

O liabe Leut Leut Leut
Tuat’s es den Strottern sagen
Dass auf die Butten schlagen
Und singts mit Freud Freud Freud
An meiner Grabesstell
Allweil fidel

D’ Maderln von Wien Wien Wien
Werd’n in der Trauer gehen
Und um die Bar’ da steh’n
Er is’ dahin hin hin
Und er war meiner Seel
Allweil fidel

2. Februar 2005 © Andrea Maria Dusl

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