Fragen Sie Frau Andrea
Abstract is the World
Blue Moon Shooting
Boys and Girls from my Block
Breakfast Outside America
Kiev Markthalle
Little Shops of Horror
Phones of the World
Andrea Maria Dusl Music Room
Andrea Z bis A
Comandantina Unterwegs
Dusl bestellen
Maschinenraum
Redezeit
Sager von Welt
Showtime!
Blue Moon
Channel 8
Channel 8 Diaries
Crazy Day
Dining Car
Heavy Burschi
In the Pipeline
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
This work is licensed under a Creative Commons License.
Strotterns Butten
Liebe Frau Andrea,
im schönen Wienerlied "Wann i amol stiab", singt einer von seiner eigenen Beerdigung und er wünscht sich, dass die "Strottern auf die Butt'n" schlagen sollen. Das wirft bei mir mehrere Fragen auf: Wer sind diese Strottern und was beschlägern sie da? Und warum sollten sie das tun? Wollen sie die "Butt'n" züchtigen oder ist das Ausdruck ihrer Freude? Etwa, weil es einen Wiener weniger gibt?
Herzlich neugierig verbleibt Ihr Klemens aus Wien
....................
Lieber Klemens, die Strottern oder Strotter sind Sandler und Vagabunden, die Kanäle und Hinterhöfe nach verwertbaren Abfällen durchsuchen. Viele von ihnen lebten im kanalisierten Wienfluss. Das altwiener Wort "strotten" heisst nichts anderes als "suchen", "stöbern" und kommt von mittelneudeutsch "stroden", althochdeutsch "strutten". Es bedeutet ursprünglich "plündern", "rauben". Es stammt von einem indoeuropäischen Wort, aus dem auch "streuen", "streiten", "streifen", ja sogar das "stratum" - das "Hingestreute", unsere heutige "Strasse" kommen. In ihrem Lied sollen die Strottern auf die Butten, die Butte schlagen. Eine Butten (im deutschen die Bütte) ist ein oben offenes Fass. Auf die Butten schlagen die Strotter weniger aus Freude, denn aus Wehklage. Wie einen archaischen Trauermarsch müssen wir uns das Buttenschlagen vorstellen. Möglich aber auch, dass mit der Butten der Sarg Ihres Liedhelden gemeint sein könnte, und mit dem Draufschlagen ein allerletztes "Lebewohl" gemeint sein könnte.
Erschienen in "Falter" Nr. 5/05 vom 02.02.2005 Seite: 67
––––––––––––––––––––––––––
Hier das ganze Lied:
Wann i amal stiab
Wann i amal stiab stiab stiab
Müassen mi d’Fiaker tragen
Und dabei die Zittern schlagen
Weil i des liab liab liab
Und i war meiner Seel
Allweil fidel
O liabe Leut Leut Leut
Tuat’s es den Strottern sagen
Dass auf die Butten schlagen
Und singts mit Freud Freud Freud
An meiner Grabesstell
Allweil fidel
D’ Maderln von Wien Wien Wien
Werd’n in der Trauer gehen
Und um die Bar’ da steh’n
Er is’ dahin hin hin
Und er war meiner Seel
Allweil fidel
2. Februar 2005 © Andrea Maria Dusl
TrackBack
Use this URL to ping this entry: http://comandantina.com/mt/ping.cgi/867



