Februar 2005
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
SUBSCRIBE
Subscribe my RSS Feed

Befriend me at Facebook

Subscibe my YouTube Channel

Follow me at Twitter
hosted by
powered by Movable Type
Blue Moon
Channel 8
Channel 8 Diaries
Crazy Day
Dining Car
Heavy Burschi
In the Pipeline
Das Unendliche Panorama
Editorial Cartoons
Falter Covers
Neulich im Büro
Wienerinnen
Zeichenwelt
7 Sachen / Lauter Listen
Andrea Fragenlager
Boboville
Comandantina
Die österreichische Oberfläche
Essays
Features und Portraits
Fragen Sie Frau Andrea
Metaphysics
Om Dhom Khom
Quergelesen Ferngesehen
Salzgriesisch
Und dann traf ich...
Abstract is the World
Blue Moon Shooting
Boys and Girls from my Block
Breakfast Outside America
Kiev Markthalle
Little Shops of Horror
Phones of the World
Podcast von Dusls politischer Talkshow im Theater im Rabenhof
Das Photobureau von Comandantina Dusilova kümmert sich ums Schöne und Abseitige
Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Venus und Mars
Liebe Frau Andrea,
ich wollte neulich besonders schlau sein und das Geschlechtssymbol hinter meinen Namen schreiben. Das männliche ist ja anatomisch halbwegs eindeutig. Was aber ist mit dem weiblichen los? Kreuz unter Kreis? Anatomisch ist der Kreis okay. Aber das Kreuz? Ist das eine Kreuzung und steht für Verkehr? Ist es ein christliches Kreuz, ist es Tod und Auferstehung, das X-Chromosom, oder kommt es von der Redewendung "Es ist schon ein Kreuz"? Oder habe ich in der Schule nicht aufgepasst?
Mit freundlichen Grüßen,
Zoltan, Internet
....................
Lieber Zoltan,
ob Sie in der Schule zu gut oder zu schlecht aufgepasst haben, ist im Schatten von Pisa nicht eindeutig zu klären. In der Sache selbst kann ich Ihnen Klarheit verschaffen, sie irren in sämtlichen Punkten fundamental. Weder dürfen wir im maskulinen Symbol einen Schmerbauch mit Erektion erblicken noch im weiblichen christliche, umgangssprachliche oder chromosomale Kreuze. Die beiden Symbole kommen aus der griechischen Mythologie und stehen für Mars und Venus. Der Ring mit dem Pfeil ist Schild und Speer des Kriegsgottes, der Kreis mit dem Kreuz ist der Spiegel der Liebesgöttin, immer an der Reflexion über ihre Schönheit interessiert. Wenn ihnen auch das zu sexistisch erscheint, können sie immer noch zu lexikalischer Taxonomie greifen und f. (femininis) bzw. m. (masculinis) schreiben. Auch "ne utrum" (keines von beiden) kann sich in manchen Situationen durchaus schicken.
Erschienen in: "Falter" Nr. 9/05 vom 02.03.2005 Seite: 71
28. Februar 2005 (0) Comments
Rosa Wohnen

Seit drei Jahren suchen engagierte Frauen einen Platz für ihr Wohnprojekt Rosa. Ein Pilotmodell, bei dem Frauen gemeinsam planen, bestimmen und leben.
© Andrea Maria Dusl, erschienen in Falter 8/05
24. Februar 2005 (0) Comments
Tastenwirrwarr
Liebe Frau Andrea,
seit geraumer Zeit beschäftigt mich das "Taschenrechner-Handy-Tasten-Problem". Wie bekannt, laufen die Zifferntasten von Taschenrechnern von 1 links unten bis 9 rechts oben. Telefontastaturen hingegen sind genau umgekehrt gebaut, sie haben die 1 links unten und die 9 rechts oben. Haben das Briten erfunden, so wie das Linksfahren? Gibt es eine Tastaturmafia, oder warum ist das so? Bitte um Hilfe!
Liebe Grüße, Ihr Roman Horowitz, Internet
....................
Lieber Roman,
tatsächlich läuft die Matrix einer Handytastatur anders als die von Taschenrechnern. Allerdings stecken dahinter weder Briten noch Mafiosi, sondern die Interfaceentwickler von AT&T, der größten US-Telefongesellschaft. Als die digitale Wahltastatur eingeführt wurde, gab es schon erste Taschenrechner. AT&T fürchtete, die User von Kalkulatoren, geübt im blitzschnellen Tippen, könnten die neuen Telefontastaturen zu schnell bedienen, zu schnell für die Impulsarchitektur des Netzes. Ein anderer Tastaturmythos weiß von Usability-Studien, nach denen sich mehr Testpersonen an eine Telefontastatur gewöhnen wollten, die wie bei der Wählscheibe die 1 ganz oben, die 9 ganz unten hatte. Auch das System von drei mal drei Reihen Tasten war eindeutig beliebter als jedes andere getestete. Handys folgen diesem System heute noch. Taschenrechner hingegen haben 0, Komma, = und die Ziffern 1, 2, 3 simpel deswegen ganz unten, weil das die am meisten genutzten Tasten bei Rechenoperationen sind.
Erschienen in "Falter" Nr. 8/05 vom 23.02.2005 Seite: 67
23. Februar 2005 (0) Comments
Stermann und Grissemann ::: Toughe Schlappschwänze
Dirk Stermann und Christoph Grissemann, kongeniale Radiomoderatoren, Sprechvirtuosen und Bühnen- Alleinunterhalter, haben ein neues Kabarett-Programm. Der „Falter“ traf die beiden, um über „Harte Hasen“, das Überleben diverser Katastrophen und die Tingelei zu plaudern. Ein Interview von ANDREA MARIA DUSL
Originaltext aus Falter 08/05 vom 23.02.2005
Das ungekürzte Interview gibt es hier zu lesen >>> Ehrlichkeit sells...
..........
Sie sind deutlich schlanker und voller Energie. „Zum ersten Mal in ihrem Leben“, heißt es im Gründungsmythos zu ihrem neuen Programm, hätten der entwurzelte Deutsche Dirk Stermann und der denaturierte Wiener Christoph Grissemann „Lust, ihr Publikum zu begeistern“. Diese Veränderung sei durch die völlige Abstinenz von Drogen möglich geworden. Auf der Bühne werde kein Alkohol mehr getrunken. So könnten die zwei Neobuddhisten für stundenlange, konzentrierteste Pointenwucht sorgen.
Stermann und Grissemann, kongeniale Sprechvirtuosen, Bühnenalleinunterhalter und Radiomoderatoren für FM4 und den Berliner Sender Radio Eins, spielen in der Königsliga der sprachlichen Equilibristik: der Doppelconference. Nach „Das Ende zweier Entertainer“, „Die Karawane des Grauens“ und „Willkommen in der Ohrfeigenanstalt“ präsentieren die beiden nun, ihr viertes Kabarettprogramm, „Harte Hasen“. Der Falter traf die Trashkomödianten in Wiens geheimer Comedy-Ausdenk-Abhänge Rüdigerhof.
Andrea Maria Dusl: Was sind harte Hasen?
Christoph GrissemannDas kann man sehen, wie man will: Einerseits sind es ausgestopfte Hasen, die auch im Bühnenbild eine Rolle spielen, andererseits ist es ein Begriff, den wir seit Jahren mit uns herumtragen. Wir wollten ja schon eine Radiosendung so nennen: „Harte Hasen“. Weil es eine so schöne doppelte Alliteration ist und weil es zwei Begriffe sind, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Der Hase ist ja an sich als weiches Tier, als Streicheltier bekannt. Davor ein „hart“ zu setzen, fand ich rein sprachlich interessant. Viele assoziieren damit Motorradbräute – was nie unser Gedanke war, was uns eigentlich auch unangenehm ist, weil man so ins Fahrwasser der Alkbottle-Comedy gerät. Was wir natürlich überhaupt nicht wollen.
Dirk Stermann: : Ganz viele haben da an was Rammiges gedacht, so was Phallisches, Hartes, an den Hasen als Phallussymbol, als erigiertes Glied. Das spielt aber überhaupt keine Rolle. Es geht eher um Schlappschwänzigkeit. Harte Schlappschwänzigkeit.
Andrea: Seid ihr eher Schlappschwänze?
>>>
>>> Grissemann: Ja.
Stermann: : Toughe Schlappschwänze. Ich glaube ja, dass der Hase grundsätzlich ein bisschen dumm ist. Dieses zickzack laufende Herumgehopple! Das aber passt wiederum ganz gut zu unserem Programm. Wir arbeiten so, darum ist der Titel auch ganz sinnvoll.
Grissemann: Wir arbeiten, im Gegensatz zu anderen Kabarettisten, ohne Überthema. Während Andrea Händler die Beziehungskiste zum großen Thema macht oder Roland Düringer Autos, haben wir ja nie ein Überthema. Bei uns hat ein Satz mit dem davor überhaupt nichts mehr zu tun.
Andrea: Haben eure Shows untereinander Ähnlichkeiten? Wird jemand in Sankt Pölten eine ähnliche „Harte Hasen“-Show sehen wie das Publikum in Berlin?
Stermann: Zu achtzig Prozent werden die Leute überall das Gleiche sehen. Die anderen zwanzig Prozent sind improvisiert. Fatalerweise. Das Anstrengende ist ja das Improvisieren.
Grissemann: Extrem anstrengend. Weil man immer Gefahr läuft, katastrophal zu improvisieren. Unter Schlagfertigkeitsdruck zu stehen ist neben der Angst, von Terroristen angegriffen zu werden, die größte Angst, die es für mich gibt. Ich habe genauso große Angst vor einem verfehlten Witz wie davor, getötet zu werden.
Andrea: Ihr seid beide Überlebende. Stermann hat gerade den Tsunami überlebt und Grissemann vor ein paar Jahren seinen Haider-Sager (1). Das war auch nicht ungefährlich.
1: In einem Interview mit der Zeitschrift „rödr@nner“ sagte Christoph Grissemann am 28. Oktober 1999 in satirischem Zusammenhang folgenden Satz: „Wenn man den Haider stoppen wollte, müsste man ihn erschießen. Irgendjemand, der nur noch zwei Monate zu leben hat.“ In der Folge wurde Grissemann unterstellt, zu einem Attentat aufzurufen.
Grissemann: Obwohl ich das bis heute nicht verstehe, was daran so wahnsinnig gefährlich war, es war ja nie ein Aufruf zum Mord, ich hab ja einfach nur so vor mich hin gebrabbelt wie wahrscheinlich Zehntausende andere an den Stammtischen dieser Republik auch. Das hat man dann doch recht glücklich überlebt.
Andrea: Was hätte passieren können?
Grissemann: Wenn es ganz blöd gekommen wäre: Aufforderung zum Mord, das ist das Gleiche wie Mord in Österreich, ein Strafmaß von zehn bis zwanzig Jahren oder so. Da schluckst du, wenn du das vom Anwalt hörst. Vom eigenen.
Stermann: Was aber nett war: Unser Fahrer, der Max, war ja schon oft im Gefängnis, und der hat gesagt: Egal, in welches Gefängnis Grissemann kommt, er kennt überall Leute, und die helfen dann. Das war schon charmant.
Andrea: Es wäre allerdings nur Grissemann ins Gefängnis gekommen.
Grissemann: Stimmt. Nur ich.
Andrea: Wie wärt ihr umgegangen mit so einer Trennung?
Stermann: Wir haben so ähnliche Situationen schon einmal gehabt. Da hat Grissemannn Zivildienst gemacht, ich habe in Hamburg gearbeitet, und wir haben die Radiosendung weitergemacht. So ähnlich wäre das im Gefängnis auch gewesen.
Andrea: Stermann hat in Sri Lanka die schlimme Welle überlebt.
Stermann: Wobei ich das nicht so erlebt habe wie die Menschen hier im Fernsehen und auch nicht wie die Betroffenen. Ich hab gar nichts erlebt, genau genommen war das, wenn ich ehrlich bin, sehr unspektakulär.
Grissemann: Du bestreitest aber nicht, dass es stattgefunden hat. Ich sage nur: Tsunamilüge!
Stermann: Ich sage nicht, dass es die Tsunamilüge gibt. Und ich will nicht am Brandenburger Tor eine Gegendemo veranstalten.
Grissemann: Aber, um ernsthaft zu reden, wie war das für dich, als FM4-Grasser nach zweiwöchigem Urlaub braun gebrannt zurückzukommen?
Andrea: Unverletzt.
Stermann: Ich war ja in einem Ort, wo nichts war. Nachdem alle, die dort waren, ihr Schicksal kundgetan haben, habe ich jetzt das Gefühl, dass jeder Halbprominente wesentlich mehr gelitten hat als die Fischer auf Sri Lanka. Das hast du ja alles in den vernewsten und verfellnerten Blättern lesen können. So war das bei mir nicht, ich hab einen schönen Brief bekommen von einem Fischer, dem wir Geld gegeben haben, wo der genau aufgelistet hat, was er mit dem Geld gemacht hat. Das war schön zu lesen, irgendwie.
Andrea: Was hat er mit dem Geld gemacht?
Stermann: Er hat zwei Fischernetze gekauft, womit vier Leute leben können. Das Problem ist nur: In Sri Lanka kann man den Fisch nicht verkaufen, weil die abergläubisch sind und glauben, dass die Fische die ganzen Leichen gegessen haben. Ich hab auch wahnsinnig viele so Dinger im Meer treiben gesehen.
Grissemann: Leichen?
Stermann: Betten, Kissen, Plastik, Spielzeug, so was halt.
Grissemann: Das hat es bei dir an die Westküste geschwemmt?
Stermann: Das zog da so am Hotel vorbei. Du saßest da beim Frühstück, und da zog das vorbei, wie am „Laufenden Band“: das Fragezeichen, der Globus ...
Grissemann: Ist das nicht zynisch?
Stermann: Aber so war’s.
Andrea: Was wäre da zynisch? Der Vergleich oder die Situation?
Grissemann: Na, Cocktail trinkend am Strand zu sitzen und Schränke, Fragezeichen und Perücken vorbeischwimmen zu sehen, und das mit einer „Am laufenden Band“-Situation zu vergleichen, das sehe ich höchst zynisch.
Stermann: Aber es war exakt so, weil das Fenster exakt den Ausschnitt eines Fernsehers hatte.
Andrea: Rudi Carrell, weil wir gerade davon sprechen, soll ja privat auch eine zynische Person sein.
Stermann: Heißt es, ja.
Grissemann: Ein Sexist.
Andrea: Ihr seid vom großen Showbusiness noch nicht ganz verdorben.
Stermann: Wir sind aber auch nicht so erfolgreich wie Rudi Carrell. Ich glaube, um ein totales Arschloch zu werden, musst du so richtig erfolgreich gewesen sein. Solange du mit der U-Bahn zu FM4 fährst, kannst du dir nicht einreden, dass du ein Weltstar bist.
Andrea: Zurück zu den Hasen. Wir wisssen also, da wird improvisiert. Was unterscheidet eine „Harte Hasen“-Vorführung von anderen Grissemann-und-Stermann-Alleinunterhaltungs-Entertainment-Events?
Stermann: Schön formuliert.
Grissemann: Durch die Erfahrung am Theater, die wir im letzten Jahr gemacht haben, die Werner-Schwab-Lesung mit Hilde Sochor zum Beispiel, haben wir ein bisschen die Lust am Schauspielen entdeckt. Es wird also weniger Stand-up-Comedy sein als szenisches absurdes Theater, wo ich eher den Geisteskranken spielen werde, was ja meine Paraderolle ist, und Stermann den Märchenerzähler mit tiefem Bass, oder? Es wird eher ein Theaterstück als die letzten Programme.
Andrea: Aber Theaterstücke sind doch gemeinhin Geschriebenes.
Stermann: Es gibt ja auch Sachen, die geschrieben sind, Geschichten, die wir vorlesen. In Berlin ist es zum Beispiel seit fünf Jahren so, dass die Leute nach unseren Auftritten fragen: „Wann ist denn die nächste Lesung?“ Obwohl wir da teilweise überhaupt nichts gelesen haben.
Grissemann: In Berlin wirst du eher als Autor wahrgenommen, in Österreich als Kabarettist. Wir wollen in „Harte Hasen“ aber weder Vorlesende sein noch als Kabarettisten vorkommen, sondern in Wahrheit als Schauspieler.
Andrea: Wärt ihr gerne Schauspieler?
Grissemann: Ich wäre schon gerne Schauspieler, ja.
Stermann: Ich finde das auch gut.
Grissemann: Wenn du Schauspieler bist und fremde Stücke spielst, fehlt dieser enorme Druck, von dir selbst was geben zu müssen, von dem du eventuell auch nicht überzeugt bist. Kein Mensch kann dich verantwortlich machen für die Sätze, die du sagst. Nur für die Interpretation.
Stermann: Ich bin ganz zufrieden damit, immer unterschiedliche Sachen zu machen. Ich möchte weiterhin überraschende Anrufe kriegen.
Grissemann: Das stimmt schon, dass wir Gott sei Dank in der Lage sind, die verschiedensten Angebote anzunehmen. Also zwischen Miss-Wet-T-Shirt-Wahl moderieren und ein Engagement beim steirischen herbst ist alles möglich.
Andrea: Badet ihr in Geld?
Grissemann: Wenn ich gut mit Geld umgehen könnte, würde ich in Geld baden, so ist es nur Duschen.
Stermann: Ich kann das besser, finde das aber gar nicht wichtig. Geld ist mir nicht wichtig, mir war immer nur wichtig, auf niemand angewiesen zu sein. Um richtig reich zu sein, machen wir auch zu viel gratis.
Andrea: Ihr seid die Barbara Stöckl und die Vera Russwurm für die wirklich harten Fälle. Es gibt ja in Österreich nicht allzu viele Leute, die man zu jedem Anlass auf die Bühne stellen kann. Hermes Phettberg, Peter Rapp und euch.
Grissemann: Gebrauchsmoderatoren.
Stermann: Peter Rapp ist ein Vollprofi. Ich schau ja „Glücksrad“ oder wie das heißt.
Grissemann: „Millionenrad.“
Stermann: Ich sehe das wirklich gerne, weil Peter Rapp der Einzige ist, dem alles egal ist, der das so professionell macht, dass du auch siehst: Der ruht in sich. Ich kenne im deutschsprachigen Raum überhaupt niemanden, der dermaßen professionell ist, das find ich schon auch faszinierend.
Andrea: Gibt’s da so was wie ein Kollegengefühl? Kann man von Rapp lernen?
Stermann: Nur die Ruhe von dem, das ist faszinierend. Außerdem: Man kann nichts lernen durchs Ankucken.
Andrea: Ihr seid doch auch ganz schön ruhig.
Grissemann: Das haben wir durch das jahrelange Tingeln gelernt. Wir haben ja alles gemacht, von der Apothekermesse bis zur Flex-Zehnjahresparty. Das einzig Wichtige ist, ruhig zu bleiben, auch wenn du gar keine Ahnung hast, wen du da jetzt ansagst. Man lernt das. Außerdem: Wir bluffen auch total viel. Es reicht, wenn du da oben stehst und mit sonorer Stimme Ruhe verströmst.
Stermann: Wir werden auch gerne für ganz technische Sachen gebucht, weil wir uns da gar nicht auskennen, und die sagen dann: Ja, genau deswegen!
Grissemann: Für die wird’s lustiger, wenn etwas nicht der Broukal moderiert, sondern Stermann und Grissemann.
Andrea: Was war da in letzter Zeit besonders absurd?
Grissemann: „Die Nacht des schönsten Lächelns“ von Wrigley.
Andrea: Wrigley, die Kaugummifirma?
Grissemann: Genau. Das war der absolute Wahnsinn, wo auch die Sugababes aufgetreten sind. Totale Zicken. Die haben einen ungeheuer langen Soundcheck gemacht, obwohl sie einen Vollplaybackauftritt hatten. Ihr Manager hat uns signalisiert: Reden, reden, reden, sie kommen erst in 15 Minuten. Und das ist der Wahnsinn: 15 Minuten Sugababes ansagen. Wenn du nicht einmal weißt, wie das Lied heißt, das die da singen werden.
Andrea: Wie lange tingelt ihr schon mit solchen Leuten?
Grissemann: Seit 1993 wird getingelt. Zwölf Jahre.
Andrea: Was ist das magische Datum?
Stermann: Es gibt kein Datum, aber eine magische Erinnerung: Da war so eine Computermesse in Wien, wo wir dreimal am Tag für irgendeine Gesellschaft eine Show auf der Bühne machen mussten, vor uns Menschen mit halb offenem Mund, meterdicken Brillen, alle so um die siebzig. Sie haben uns angestarrt wie kranke Tiere, das war für mich ein ganz legendärer Moment. Nebenan machte Fifi Pissecker sein Ding.
Grissemann: Er drehte das Glücksrad.
Stermann: Während auf dem Noch-nebenan-Stand ein Spot lief, den wir irgendwann aufgenommen haben, für ein ganz anderes Produkt.
Andrea: Das war die Geburt von Stermann und Grissemann?
Stermann: Das war schon der Endpunkt.
Grissemann: Der Niedergang. Gut war auch die Moderation am Silvesterpfad, wo einer aus dem Publikum schrie: „Euch sollte man aus der Stadt jagen!“ Obwohl wir ganz friedlich moderiert haben.
Stermann: Der stand ganz vorne. Wir haben, glaube ich, das Runterzählen falsch gemacht. Ich glaube, bewusst sogar. Wir haben das Runterzählen vorher gemacht. Und dann waren die alle sauer, weil wir dieses „Und zehn, neun, acht ... Prosit Neujahr!“, weil wir das eine halbe Minute nach vorne verschoben hatten. Da war der halt sauer und schrie. Dann kam noch einer und sagte: „Und übrigens, wisst ihr, dass die Elvis-Imitatoren auf der Bühne neben euch das Doppelte verdienen?“
Grissemann: Das war hart.
....................
„Harte Hasen“: am 1. und 2. sowie vom 8. bis 12.3., 20 Uhr, im Rabenhof (Tel. 712 82 82); am 13. und 14.5., 20 Uhr, im Vindobona (Tel. 332 42 31).
23. Februar 2005 (0) Comments
Little Shop of Hope ::: Express

Dissertationen Binden.
Wien, Alsergrund, Schwarzspanier Ecke Ferstel
22. Februar 2005 (6) Comments
Irak und die Schwimmwesten
Liebe Frau Andrea,
Ich bin gerade aus dem Nordirak zurückgekommen und erlaube mir bei Ihnen um eine Benimmregel für nachstehend kurz geschilderten Umstand anzufragen:
Die Abflugvorbereitungen im Flieger werden immer von einem netten gymnatischem Programm durch das fliegende Personaln begeleitet, das mit Schläuchen und aufblasbaren Oberteilen hantiert
Besser gefragt: Darf ich während der vorgetragenen Abflugsshow auch auf die äussere Erscheinung der DarstellerInnen schauen, oder muß ich - political correct - meine Blicke ausschließlich auf die Schwimmwesten richten ?
Und wenn ich schon beim Fliegen bin, bitte ich auch um Ihren Rat für mein letztes "Malheur" :
Ich bestellte mir ein koscheres Mahl, das auch serviert wurde und frage ob ich das darf, da ich ein aus der katholischen Kirche ausgetrtener bin.
Im übrigen: AirEst kocht enttäuschend. Soviel für heute. Ich freue mich auf Ihre Antwort,
lg DWisi
werner.dietmar@gaw.at
21. Februar 2005 (0) Comments
Little Shop of Hope ::: Wiener Chic

Wien. Wieden oder Margareten.
Sachdienliche Hinweise* erbeten.
...............
*
a) Schönbrunnerstrasse 58, Hinweis: Herr Horst
19. Februar 2005 (7) Comments
Design Machine ::: Nasszelle im Hotel Weisse Taube

In der Nasszelle von Zimmer 23 im Hotel Weisse Taube in Salzburg ist die Zeit
am 26. Oktober 1971 stehen geblieben. Im Zimmer selbst am 2. August 1938.
18. Februar 2005 (0) Comments
Moses Phettberg

Wien. Margareten. Café Rüdigerhof. 12.9.2002
17. Februar 2005 (3) Comments
Stermann und Grissemann ::: Ehrlichkeit sells

Kaum war ich mit ihnen am Protestsongcontest, habe ich mit meinen Uralt-Buddies Stermann und Grissemann auch schon ein Falter-Interview gemacht. Über Leben und Überleben, über Gefängnis und Tsunami, übers Tingeln mit Fifi Pissecker und den Sugarbabes und über ihr neues Programm "Harte Hasen".
Dirk Stermann und Christoph Grissemann, kongeniale Radiomoderatoren, Sprechvirtuosen und Bühnen-Alleinunterhalter spielen in der Königsliga der sprachlichen Equilibristik: Der Doppelconferençe. Andrea Maria Dusl traf die beiden am 15.2.2005 in Wiens geheimer Comedy-Ausdenk-Abhänge Rüdigerhof um über ihr neues Kabarettprogramm zu plaudern.
Sie sind deutlich schlanker und voller Energie. "Zum ersten Mal in ihrem Leben", heisst es im Gründungsmythos zu ihrem neuen Programm, hätten der entwurzelte Deutsche Stermann und der denaturierte Wiener Grissemann "Lust ihr Publikum zu begeistern". Diese Veränderung sei durch das völlige Weglassen von Drogen möglich geworden. Auf der Bühne werde kein Alkohol mehr getrunken. So könnten die zwei Neo-Buddhisten für stundenlange, konzentrierteste Pointenwucht sorgen.
"Der Hase gilt in China als Symbol für Schlagfertigkeit und Elektrizität. Spannung und Witz also. Der „harte Hase“ ist ein südchinesischer Mythos. Der Legende nach gibt es nur zwei harte Hasen auf der Welt. Wird man von einem der harten Hasen mit der Nasenspitze berührt, geht die Kraft der harten Hasen auf diesen Menschen über. Stermann und Grissemann wurden am 13.1.2005 um 17.39 Uhr asiatischer Zeit in den hängenden Gärten von Nangking mehrere Minuten lang von beiden harten Hasen mit der Nasenspitze berührt..."
Nach „Das Ende zweier Entertainer“, „Die Karawane des Grauens“ und "Willkommen in der Ohrfeigenanstalt“ präsentieren die beiden Trash-Komödianten im Jahr des Hasen ihr viertes Kabarettprogramm „Harte Hasen“.
............................................................................................................................
Ungekürzte Version eines Interviews für den Falter 08/2005.
Alle Bilder © Andrea Maria Dusl 2005
............................................................................................................................
.
.
Andrea Maria Dusl: Was sind harte Hasen?
Christoph Grissemann: Das kann man sehen, wie man will, einerseits sind es ausgestopfte Hasen, die auch im Bühnenbild eine Rolle spielen, andererseits ist ein Begriff, den wir seit Jahren herumtragen. Wir wollten ja schon eine Radiosendung so nennen: Harte Hasen. Einerseits, weil es eine so schöne doppelte Alliteration ist und weil es zwei Begriffe sind, die überhaupt nichts mit einander zu tun haben, weil der Hase an sich als weiches Tier, als Streicheltier bekannt ist. Davor ein "hart" zu setzen, fand ich rein sprachlich interessant. Viele assoziieren damit Motoradbräute - was nie unser Gedanke war, was uns eigentlich auch unangenehm ist, weil man so ins Fahrwasser der Alkbottle-Comedy gerät. Was wir natürlich überhaupt nicht wollen.
Dirk Stermann: Ganz viele haben da an was rammiges gedacht, sowas phallisches, hartes, an den Hasen als Phallussymbol, als erigiertes Glied. Das erigierte Glied spielt aber überhaupt keine Rolle dabei. Es geht eher um Schlappschwänzigkeit. Harte Schlappschwänzigkeit.
Andrea Maria Dusl: Seid ihr eher Schlappschwänze? >>>
>>> Christoph Grissemann: Ja.
Dirk Stermann: Toughe Schlappschwänze.
Andrea Maria Dusl: Beim Hasen denke ich an den Hasen, aus dem Märchen "Der Hase und der Swinigel".
Christoph Grissemann: Wer?
Dirk Stermann: Der Hase und der Igel. Die mit dem Wettrennen.
Andrea Maria Dusl: Da ist der Hase eher der Idiot. Wenn ihr wollt, streichen wir die Frage,
Christoph Grissemann: Nein nein, lass doch drin!
Dirk Stermann: Bitte drinlassen!
Andrea Maria Dusl: Da läuft der Hase wie ein Idiot, während der Swinigel mit seiner Frau gemeinsame Sache macht. Immer dann, wenn der Hase an einer Kehre ankommt, ist er entweder selbst oder seine Doppelgängerin, die Igelin schon da.
Dirk Stermann: Ich glaube, dass der Hase grundsätzlich ein bisschen dumm ist. Dieses Zick-Zack-laufende Herumgehopple! Das aber passt wiederum ganz gut zu unserem Programm. Wir arbeiten so, darum ist der Titel auch ganz sinnvoll.
Christoph Grissemann: Wir arbeiten, im Gegensatz zu anderen Kabarettisten ohne Überthema. Während Andrea Händler die Beziehungskiste zum grossen Thema macht oder Roland Düringer Autos, haben wir ja nie ein Überthema. Bei uns hat ein Satz hat mit dem davor überhaupt nichts mehr zu tun.
Andrea Maria Dusl: Haben eure Shows untereinander Ähnlichkeiten? Wird jemand in Sankt Pölten eine ähnliche Harte-Hasen-Show sehen wie das Publikum in Berlin?
Dirk Stermann: Zu achtzig Prozent werden die Leute überall das Gleiche sehen. Die anderen zwanzig Prozent sind Improvisiertes. Fatalerweise. Das Anstrengende ist ja das improvisieren.
Christoph Grissemann: Extrem anstrengend. Weil man immer in Gefahr läuft, katastrophal zu improvisieren. Unter Schlagfertigungsdruck zu stehen ist neben der Angst, von Terroristen in Angriff genommen zu werden, die grösste Angst, die es für mich gibt. Ich habe genauso grosse Angst vor einem verfehlten Witz, wie davor, getötet zu werden.
Dirk Stermann: Ich war gestern bei Thomas Maurers "Kameramörder", im Rabenhof und da war der Kralicek auch an der Bar, und der kuckt mich so an, und ich dachte, der kuckt mich an, um mir zu signalisieren, dass man jetzt auch Angst haben muss.
Andrea Maria Dusl: Angst vor Kralicek?
Dirk Stermann: Angst davor, dass Kralickek dann schreibt: "Dümmeres noch nie gesehen auf einer Bühne". Oder sowas. Dass ich gestern auf dieser Premiere war, das war schlecht.
Christoph Grissemann: Wieso war das schlecht, "Kameramörder"?
Dirk Stermann: Nein, nein, schlecht, weil ich gesehen habe, dass das dort auch eine Premiere war, und das auch noch im gleichen Haus, und da hab ich uns dort gesehen. Echt unangenehm, wenn du denkst, dass Leute extra kommen.
Christoph Grissemann: Du merkst, wir haben keine Sicherheit. Wir sind uns unserer Sache nicht sicher. Aber das waren wir auch nie.
Anmerkung: In einer Interview mit einer oberösterreichischen Zeitung hatte C.G in Zusammenhang mit den Wirren der ersten schwarzblauen Regierungsbildung und dem damals medial dämonisierten FPÖ-Zampano gemeint, um Haider zu stoppen, müsste man ihn erschiessen... ...irgendjemand, der nur mehr zwei Monate zu leben hätte... In der Folge wurde Grissemann unterstellt, zu einem Attentat aufzurufen.
Andrea Maria Dusl: Ihr seid beide Überlebende. Grissemann hat Haider überlebt und Stermann den Tsunami. Wobei Grissemanns Haider-Sager nicht ungefährlich war.
Christoph Grissemann:
Obwohl ich das bis heute nicht verstehe, was daran so wahnsinnig gefährlich war, es war ja nie ein Aufruf zum Mord, ich hab ja einfach nur so vor mich hingebrabbelt, wie wahrscheinlich zehntausende andere an den Stammtischen dieser Republik auch. Das hat man dann doch recht glücklich überlebt.
Andrea Maria Dusl: Was hätte passieren können?
Christoph Grissemann: Da hätte schon was passieren können. Wenn es ganz blöd gekommen wäre. Was hat er da mal geschrieben der Anwalt? Also wenn es hart gekommen wäre: Aufforderung zum Mord ist das Gleiche wie Mord in Österreich, ein Strafmass von zehn bis zwanzig Jahren oder so. Da schluckst du, wenn du das vom Anwalt hörst, vom eigenen.
Dirk Stermann: Was aber nett war: Unser Fahrer, der Max, war ja schon oft im Gefängnis, und der hat gesagt: egal in welches Gefängnis Grissemann kommt, egal wohin, er kennt überall Leute, und die helfen dann. Das war schon charmant.
Andrea Maria Dusl: Es wäre allerdings nur Grissemann in Gefängnis gekommen.
Christoph Grissemann: Stimmt. Nur ich.
Andrea Maria Dusl: Wie wärt ihr umgegangen mit so einer Trennung?
Dirk Stermann: Wir haben so ähnliche Situationen schon einmal gehabt. Da hat Grissemannn Zivildienst gemacht, ich habe in Hamburg gearbeitet und wir haben die Radiosendung weitergemacht. So ähnlich wäre das im Gefängnis auch gewesen.
Andrea Maria Dusl: Stermann hat in Sri Lanka die schlimme Welle überlebt.
Dirk Stermann: Wobei ich hab das nicht so erlebt habe, wie die Menschen hier im Fernsehen, und auch nicht wie die Betroffenen. Ich hab gar nichts erlebt, genau genommen war das, wenn ich ehrlich bin, sehr unspektakulär,
Andrea Maria Dusl: Wie? Du warst doch dort.
Dirk Stermann: Ich war dort, aber hab nichts mitbekommen...
Christoph Grissemann: Du bestreitest aber nicht, dass es stattgefunden hat. Ich sage nur: Tsunamilüge!
Dirk Stermann: Ich sage nicht, dass es die Tsunamilüge gibt. Und ich will nicht am Brandenburgertor eine Gegendemo veranstalten.
Christoph Grissemann: Aber um ernsthaft zu reden, wie war das für dich, als fm4-Grasser dann nach zweiwöchigem Urlaub braungebrannt zurückzukommmen?
Andrea Maria Dusl: Unverletzt.
Dirk Stermann: Ich war ja in einem Ort, wo nichts war. Ich habe jetzt, nachdem alle ihr Schicksal kundgetan haben, jeder der da war, und wenn wer prominent war, dann noch mehr, das Gefühl, dass jeder Halbprominente wesentlich mehr gelitten hat als ein Fischer auf Sri Lanka. Du hast du ja alles in den vernewsten und verfellnerten Blättern lesen können. So war das bei mir nicht, ich hab einen total schönen Brief bekommen von einem singhalesischen Fischer, dem wir Geld gegeben haben, und wo der genau aufgelistet hat, was er mit dem Geld gemacht hat. Das war schön zu lesen, irgendwie.
Andrea Maria Dusl: Was hat er gemacht mit dem Geld?
Dirk Stermann: Er hat zwei Fischernetze gekauft mit dem Geld, womit vier Leute leben können. Das Problem ist nur: in Sri Lanka kann man den Fisch nicht verkaufen, weil die abergläubisch sind und glauben, dass die Fische die ganzen Leichen gegessen haben. Ich hab auch wahnsinnig viele so Dinger im Meer treiben gesehen.
Christoph Grissemann: Leichen?
Dirk Stermann: Betten, Kissen, Plastik, Spielzeug, sowas halt.
Christoph Grissemann: Das hat es bei Dir an die Westküste geschwemmt?
Dirk Stermann: Das zog da so am Hotel vorbei. Du sasst da beim Frühstück, und da zog das vorbei, wie am "Laufenden Band": Das Fragezeichen, der Globus...
Christoph Grissemann: Ist das nicht zynisch?
Dirk Stermann: Aber so war's.
Andrea Maria Dusl: Was wär da jetzt zynisch? Der Vergleich oder die Situation?
Christoph Grissemann: Na, Cocktail trinkend am Strand zu sitzen und Schränke, Fragezeichen und Perrücken vorbei schwimmen zu sehen, und das mit einer Am-Laufenden-Band-Situation zu vergleichen, das sehe ich höchst zynisch.
Dirk Stermann: Aber es war exakt so, weil das Fenster exakt den Ausschnitt eines Fernsehers hatte.
Andrea Maria Dusl: Rudi Carrell, weil wir gerade davon sprechen, soll ja privat auch eine zynisch Person sein,
Dirk Stermann: Heisst es, ja.
Christoph Grissemann: Ein Sexist.
Andrea Maria Dusl: Ihr seid aber privat eher Zucker, ihr seid vom grossen Showbusiness noch nicht ganz verderbt.
Dirk Stermann: Weil wir aber auch nicht so erfolgreich wie Rudi Carrell sind. Ich glaube, du musst, um ein totales Arschloch zu werden, so richtig erfolgreich gewesen sein. Dann ist die Gefahr, glaub ich, gross. Solange du mit der U-Bahn zu fm4 fahrst, kannst du dir nicht einreden, dass du ein Weltstar bist.
Andrea Maria Dusl: Ist das eine gute Erdung? wie oft macht ihr das einmal in der Woche oder zweimal?
Christoph Grissemann: Bei fm4? Einmal in der Woche. Wobei wir auch noch eine andere Sendung haben, am Sonntag, die wir auch sporadisch moderieren, "Das Doppelzimmer".
Andrea Maria Dusl: Und eure Berliner Sendung? Da fliegt ihr, nehm ich mal an.
Christoph Grissemann: Da fliegen wir hin, einmal im Monat, da machen wir eine live und zeichnen drei auf.
Andrea Maria Dusl: Einmal im Monat fliegen also. In der Achtuhrmaschinen mit den ganzen Bussiness-Karlis.
Dirk Stermann: 8 Uhr 40, um genau zu sein. Wien-Berlin sind immer eher so Kulturtypen.
Andrea Maria Dusl: Stimmt, wir sind auch schon mal geflogen gemeinsam.
Christoph Grissemann: Wir drei und Gustav Peichl.
Dirk Stermann: Wenn Kulturleute an Bord sind, überlegen wir uns jedesmal, wenn abgestürzt wird, ob, wir dann auch in der Zeitung stehen.
Christoph Grissemann: Oder im Teletext, und dann steht: Maschine abgestürzt, Rudi Klausnitzer tot, vielleicht dabei: auch zwei ORF-Mitarbeiter. Wahrscheinlich wird man namentlich gar nicht genannt.
Dirk Stermann: wahrscheinlich ist man "u.a.".
Andrea Maria Dusl: Wer wäre den schon auf dieser Liste gewesen?
Christoph Grissemann: Rainhard Fendrich, Markus Spiegel, immer wieder,
Dirk Stermann: Das Demütigendste, was ich mir ausgemalt habe, wäre: Abgestürzt sind: Gustav Peichl und Christoph Grissemann. Das wäre das Allerdemütigendste. Wenn ich nicht einmal erwähnt würde. Und noch 198 andere Passagiere.
Christoph Grissemann: Und bei mir auch nicht der Name ausgesprochen, sondern "der Sohn des ehehemaligen Hörfunkintendanten Ernst Grissemann". (lachen).... Wir sind also immer sehr erleichtert, wenn wir die Prominentesten im Flugzeug sind.
Andrea Maria Dusl: Gibt es für euch sowas wie ein Zuhause-Gefühl in dieser Maschine?
Dirk Stermann: Eigentlich schon. Es sind ja auch immer so kleine Maschinen. Da fühlst du dich ja immer sehr wohl.
Andrea Maria Dusl: Was habt ihr da so mit an Gepäck?
Dirk Stermann: Nichts.
Christoph Grissemann: Eine ganz kleine Reisetasche.
Andrea Maria Dusl: Übernachtet ihr?
Dirk Stermann: Immer im Hotel Henriette. "Living Henriette" heisst das.
Christoph Grissemann: Fischerinsel. Die mögen uns sehr gerne, die verabschieden sich immer schon und sagen "Alles Gute für die Show". Die
haben schon rausgekriegt, was wir machen. "Alles Gute für die Show!"
Dirk Stermann: Wir sind da sehr froh, weil wir früher in einem anderen Hotel waren, im Hotel Taunus,
Andrea Maria Dusl: Wie der Berg oder wie der Wagen?
Dirk Stermann: Nach dem Berg, glaub ich, benannt. Das war ein ganz unheimliches Hotel, ein altes Stundenhotel, wo ein ganz kleiner Dicker Hoteldirektor war. Der hat dann so unheimliche Sachen zu einem gesagt.
Christoph Grissemann: "Darf ich mal ihre Tasche anfasssen". Im Lift.
Dirk Stermann: Nee: "Ich habe ihre Tasche angefasst, als sie nicht da waren..."
Christoph Grissemann: Und dann so diabolisch gelacht dazu.
Dirk Stermann: Das war sehr unheimlich.
Andrea Maria Dusl: Was wollte der von euch?
Christoph Grissemann: Wissen wir bis heute nicht genau.
Dirk Stermann: Der wusste auch nicht, wer wir sind. Unsere Produktionsfirma in Berlin heisst "Raumstation", von denen wurden wir immer gebucht, damals hatten wir auch eine andere Sendung, da kamen dann oft so Listen mit Requisiten: "Ein Schweinskopf..."
Christoph Grissemann: "...Ein Schlachterkittel..."
Dirk Stermann: Die wussten nicht wer wir sind, die dachten, wir sind Astronauten.
Andrea Maria Dusl: Wofür habt ihr in einer Radiosendung einen Schweinskopf gebraucht?
Christoph Grissemann: Das war für unsere Fernsehsendung in Wien. Für die Radiosendung einen Schweinskopf! (lacht)
Dirk Stermann: Um in Stimmung zu kommen, für die Radiosendung.
Andrea Maria Dusl: Ihr seid Alleinunterhalter, zu zweit.
Christoph Grissemann: Im wahrsten Sinne des Wortes. Nichts ist trauriger, als so eine zweistündige Radiosendung. Noch dazu in Berlin, wo man die Leute nicht so kennt, und ohne Vorbereitung so drauflos reden muss.
Andrea Maria Dusl: Kann man sich da an einander festhalten? Im bühnentechnischen Sinn, nicht im haptischen, im emotionellen Sinn.
Dirk Stermann: In Wien ja, in Berlin weniger, weil das verlangt zuviel von einem, man fängt mit so einem negativen Gefühl an und spricht währenddessen auch mit einem negativen Gefühl. Acht Stunden in zwei Tagen. Ohne Vorbereitung ehrlich sein. Es geht ununterbrochen das Rotlicht an und es wird dir signalisiert: "noch acht Minuten!"
Christoph Grissemann: "Reden, reden reden".
Andrea Maria Dusl: Ehrlichkeit sells.
Dirk Stermann: Mach das mal. Morgens um elf, nachdem du eh, ohne geschlafen zu haben, in Berlin angekommen bist, noch betrunken und krank, es ist sehr unangenehm.
Andrea Maria Dusl: Ist das eine Improvisiationssendung?
Christoph Grissemann: In Berlin ja.
Andrea Maria Dusl: Mit Anrufern? Und ihr schaukelt euch so durch diese Zeit.
Dirk Stermann: Wir schaukeln uns runter.
Christoph Grissemann: Das ist in Wahrheit auch das Erfolgsrezept dieser Sendung. Wer die Radioszene in Berlin kennt, da wirst du ja zugeballert von vorne bis hinten im Radio-Energy-Style. Wir sind, glaube ich, die einzige Sendung, die genau nach anderen Regeln gemacht wird - nämlich zwei traurige Stimmen, die sich im Äther verlieren. Wir haben oft so Schweigepausen, in Berlin oft so sechs, sieben Sekunden. Das kann verdammt lange sein, wo geschwiegen wird, von uns beiden.
Andrea Maria Dusl: Da hätte ich gar nichts dagegen, das zum Standard zu machen.
Christoph Grissemann: Es gibt genug Leute, die das schätzen. Gottseidank
Andrea Maria Dusl: Auch Musiklosigkeit kann etwas sehr schönes sein.
Dirk Stermann: In Berlin ist es dann so, dass bei einer sehr langen Schweigepause der Techniker, den wir sehr mögen, dann irgendwann einfach eine sehr traurige, sentimentale Musik einspielt. Um uns zu unterstützen, um uns in eine Stimmung zu bringen. Wenn wir nachdenklich werden, schweigen wir uns an, weil keinem mehr was einfällt. Dann kommt diese traurige Musik, von der lassen wir uns tragen und geben traurigen Irrsinn von uns.
Andrea Maria Dusl: Zurück zu den Hasen. Wir wisssen also, da wird improvisiert. Was unterscheidet eine Harte-Hasen-Vorführung von anderen Grisssemann-und-Stermann-Allleinunterhaltungs-Entertainment-Events?
Dirk Stermann: Schön formuliert.
Christoph Grissemann: Was man sagen kann: Durch die Erfahrung am Theater, die wir im letzten Jahr gemacht haben, die Aufführung mit Hilde Sochor zum beispiel, haben wir ein bisschen die Lust am Schauspielen entdeckt. Es wird also weniger Stand-up-Comedy sein, als szenisches absurdes Theater, wo ich eher den Geisteskranken spielen werde, was ja meine Paraderolle ist und Stermann den Märchenerzähler mit tiefem Bass, so, oder? Es wird eher ein Theaterstück als die letzten Programme.
Andrea Maria Dusl: Aber Theaterstücke sind doch gemeinhin Geschriebenes.
Dirk Stermann: Es gibt ja auch Sachen, die geschrieben sind, Geschichten, die wir vorlesen. In Berlin ist es zum Beispiel seit 5 Jahren so, dass die Leute nach unseren Auftritten fragen: "Wann ist denn die nächste Lesung?" Obwohl wir da teilweise überhaupt nichts gelesen haben.
Christoph Grissemann: In Berlin wirst du eher als Autor wahrgenommen,in Österreich als Kabarettist, oder? Wir wollen aber weder Vorlesende sein, noch als Kabarettisten vorkommen in "Harte Hasen", sondern in Wahrheit als Schauspieler.
Andrea Maria Dusl: Wärt Ihr gerne Schauspieler?
Christoph Grissemann: Ich wäre gerne Schauspieler, ja.
Dirk Stermann: Ich finde das auch gut.
Christoph Grissemann: Wenn du Schauspieler bist und fremde Stücke spielst, fehlt dieser enorme Druck, von dir selbst was geben zu müssen, von dem du eventuell auch nicht überzeugt bist.
Christoph Grissemann: Kein Mensch kann mich verantwortlich machen für die Sätze, die ich sage. Nur für die Interpretation.
Andrea Maria Dusl: Also Grissemann möchte schauspielen, und wie ist es mit ihnen, Herr Stermann?
Christoph Grissemann: Stermann möchte auf Kältetechniker umschulen.
Dirk Stermann: Nee. ich bin ganz zufrieden damit, immer unterschiedeliche Sachen zu machen. Ich möchte weiterhin überraschende Anrufe kriegen.
Grissemanns Handy läutet
Christoph Grissemann: flüsternd: Meine Mutter. laut: Hallo, ich bin gerade in einem Interview...
ja...
ja...
Dirk Stermann: Ulrich Seidl hat mich neulich angerufen.
Andrea Maria Dusl: Was wäre das gewesen?
Dirk Stermann: Sein neues Projekt: "Arbeitsding."
Andrea Maria Dusl: "Import-Export?"
Dirk Stermann: Genau.
Christoph Grissemann: Das stimmt schon, dass wir, gottseidank in der Lage sind, die verschiedensten Angebote anzunehmen, also zwischen Miss-Wet-T-Shirt-Wahl moderieren und ein Engagement beim Steirischen Herbst ist alles möglich.
Andrea Maria Dusl: Badet ihr in Geld?
Christoph Grissemann: Wenn ich gut mit Geld umgehen könnte, würde ich in Geld baden, so ist es nur Duschen.
Dirk Stermann: Da gibt es diesen super Karl-Lagerfeld-Satz. Der trifft ein bischen auf den Christoph zu, nein trifft eben nicht zu. Karl Lagerfeld hat gesagt: "Er ist schon jemand, der das Geld beim Fenster hinauswirft."
Andrea Maria Dusl: Zu Grissemann hat er das gesagt?
Dirk Stermann: Hätt er mal sagen sollen, Karl Lagerfeld zu Christoph Grissemann. Hätte er das gesagt, stünde er jetzt besser da: "Ich schmeisse das Geld beim Fenster raus, aber ich schau wo's hinfällt." Das hat der Christoph eben nicht gemacht, deswegen badet er nicht in Geld.
Christoph Grissemann: Wie jeder gute Poet, kein gutes Händchen, was das Geld betrifft.
Andrea Maria Dusl: Wir bräuchten Assistenten, die mit grossen Planen unter unseren Fenstern stehen und das Geld auffangen und wieder raufbringen.
Dirk Stermann: Ich kann das besser, finde das aber gar nicht wichtig. Geld ist mir nicht wichtig, mir war immer nur wichtig, auf niemand angewiesen zu sein. Um richtig reich zu sein, machen wir auch zuviel gratis.
Andrea Maria Dusl: Ihr seid die Barbara Stöckl und die Vera Russwurm für die wirklich harte Fälle. Es gibt ja in Österreich nicht allzuviele Leute, die man zu jedem Anlass auf die Bühne stellen kann. Hermes Phettberg, Peter Rapp und euch.
Christoph Grissemann: Gebrauchsmoderatoren.
Dirk Stermann: Peter Papp ist ein Vollprofi. Ich schau ja Glücksrad, oder wie das heisst.
Christoph Grissemann: Millionenrad.
Dirk Stermann: Ich sehe das wirklich gerne, weil Peter Rapp der einzige ist, dem alles egal ist, der das so professionell macht, wo du auch siehst: der ruht so in sich. Ich kenne im deutschsprachigen Raum überhaupt niemand, der dermassen professionell ist, das find ich schon auch faszinierend.
Andrea Maria Dusl: Gibts da sowas wie ein Kollegengefühl? Kann man von Rapp lernen?
Dirk Stermann: Nur die Ruhe von dem, das ist faszineirend. Ausserdem: man kann nichts Lernen durchs ankucken,
Andrea Maria Dusl: Ich finde, dass ihr auch ganz schön ruhig seid.
Christoph Grissemann: Das haben wir gelernt, durch das jahrelange Tingeln. Wir haben ja alles gemacht, von der Apothekermesse bis zur Flex-Zehn-Jahres-Party. Das einzig wichtige ist, ruhig zu bleiben, auch wenn du gar keine Ahnung hast, wen du da jetzt ansagst, Man lernt das. Ausserdem: Wir bluffen ja auch total viel. Es reicht ja, wenn du da oben stehst und mit sonorer Stimme Ruhe verströmst.
Dirk Stermann: Wir werden ja auch gerne für Sachen gebucht, die so technisch sind, weil wir kennen uns gar nicht aus und die sagen dann: ja genau deswegen ja!
Christoph Grissemann: Für die wird's lustiger, wenn etwas nicht der Broukal moderiert, sondern Stermann und Grissemann.
Andrea Maria Dusl: Was war da besonders absurd in letzter Zeit?
Christoph Grissemann: "Die Nacht des schönsten Lächelns" von Wrigley.
Andrea Maria Dusl: Wrigley, die Kaugummifirma?
Christoph Grissemann: Das war der absolute Wahnsinn, wo auch die Sugar-babes aufgetreten sind. Wo die einen ungeheuer langen Soundcheck gemacht haben, obwohl sie einen Vollplayback-Auftritt gemacht haben und totale Zicken waren, und uns der Manger signalisiert hat: Reden, Reden, Reden, sie kommen erst in 15 Minuten. Und das ist der Wahnsinn: 15 Minuten Sugarbabes ansagen. Wenn du nicht einmal weisst, wie das Lied heisst, das die da singen werden.
Andrea Maria Dusl: Wie lange tingelt ihr schon, mit so Leuten wie den Sugarbabes?
Christoph Grissemann: Seit 1993 wird getingelt. 12 Jahre.
Andrea Maria Dusl: Was ist das magische Datum?
Dirk Stermann: Es gibt kein Datum , aber eine magische Erinnerung: Da war so eine Computermesse, in Wien, wo wir dreimal am Tag für irgend eine Gesellschaft eine Show auf der Bühne machen mussten, vor uns Menschen mit halb offenem Mund, meterdicken Brillen, alle so um die Siebzig. Sie haben uns angestarr wie kranke Tiere, das war für mich ein ganz legendärer Moment. Nebenan machte Fifi Pissecker sein Ding.
Christoph Grissemann: ...drehte das Glücksrad.
Dirk Stermann: Während auf dem noch-nebenan-Stand ein Spot lief, den wir irgendwann aufgenommen haben, für ein ganz anderes Produkt.
Andrea Maria Dusl: Das war die Geburt von Stermann und Grisemann?
Dirk Stermann: Das war schon der Endpunkt.
Christoph Grissemann: Der Niedergang. Gut war auch die Moderation am Silvesterpfad, wo einer aus dem Publikum schrie: "Euch sollte man aus der Stadt jagen!" Obwohl wir ganz friedlich moderiert haben.
Dirk Stermann: Der stand ganz vorne. Wir haben, glaube ich, das Runterzählen falsch gemacht. Ich glaube, bewusst sogar. Wir haben das Runterzählen vorher gemacht. Und dann waren die dann alle sauer, weil wir dieses "und zehn, neun, acht, ... Prosit Neujahr!", weil wir das eine halbe Minute nach vorne verschoben hatten. Da war der halt sauer, und der stand dann da und schrie: "Man sollte euch aus der Stadt jagen." Und dann kam einer und sagte: "Und übrigens, wisst ihr, dass die Elvis-Imitatoren, auf der Bühne neben euch das Doppelte verdienen?"
Christoph Grissemann: Das war hart.
....................

© Udo Leitner 2005
17. Februar 2005 (3) Comments
Reliquien-Test
verehrte,
der "Die Presse" entnahm ich kürzlich, dass die sterblichen überreste der
caritas socialis-gründerin "auf ihre Verwendbarkeit als Reliquie geprüft
werden" sollen. das befremdet mich doch einigermaßen und ich frage mich, wie
ich mir das vorstellen muss?
geht es bei dieser prüfung um eine vermessung ihres skeletts? darum, ob die
knochen ausreichend gut erhalten sind, um sie zu verehren? gibt es
test-anbeterInnen? vielleicht wissen Sie ja sachdienliches!
mit herzlichem gruß
axel grunt, wien
16. Februar 2005 (0) Comments
Wish You Were Here ::: Fiedler Amon Lerchenreith

Beim Fiedler Amon in Lerchenreith am Scheitel der steilsten Strasse der Welt bin ich aufgewachsen. (Wenn ich nicht in Wien war oder in Schweden.) Wenn es einen Mittelpunkt der Welt gäbe, von dem aus gesehen die Himmelsrichtungen ausschlügen, dann wäre es dort oben, zwischen Bad Aussee, Altaussee, Sarstein und dem Koppen. Zwischen Stadl, neuem und altem Haus, unter dem Kastanienbaum, auf der grauen, angemoosten Bank. Hier ist mein Nullpunkt. Sollte mal wer fragen, wo der wäre.
16. Februar 2005 (0) Comments
Nanosystem Biocluster

Zum Essay The Greatest Tits von Peter Weinberger*,
erschienen in Falter 07/05
(...) Fast mit mythischer Besessenheit gilt es immer öfter in der Öffentlichkeit, Schlüsselworte oder Silben, quasi als Gütesiegel (verkaufbarer) wissenschaftlicher Forschung, zu gebrauchen. Die Vorsilben „Bio“ oder „Nano“ sind hervorragende Beispiele dafür.
Ein von der EU mit einem der Descartes Preise für Wissenschaftsjournalismus ausgezeichneter Beitrag zeigt in Form eines Medienclips einen Münchner Professor, der durch die bayrische Landschaft wandernd die umliegende Flora zu Nanosystemen erklärt. Genüsslich setzt er sich auf den bemosten Waldboden und bezeichnet den Baum, an den er sich anlehnt, als was wohl? Richtig, geraten, als ein Nanosystem (...)
....................
* Peter Weinberger ist Professor am Institut für Allgemeine Physik der TU Wien und im „Center for Computational Materials Science“ (CMS), sowie u.a. Fellow of the American Physical Society (APS).
15. Februar 2005 (0) Comments
Mein lieber Scholli!
Sehr verehrte Frau Andrea, ein Kurztrip führte mich diese Woche in unsere schöne Nachbarmetropole Budapest. Dort fiel mir auf, dass auf der Donau riesige Eisschollen trieben, obwohl es in Ungarn nicht merklich kühler war als in Wien. Wie kommt das? Werden bei uns die Eisschollen von Eisbrechern zerstört? War die Donau je zugefroren? Und was passiert dann mit der Schifffahrt?
Liebe Grüße, Ihr Georg Schmidt
aus dem schönen Alsergrund
....................
Lieber Georg,
die Budapester Eisschollen sind ein legendäres und gefürchtetes Phänomen, das in früheren Zeiten zu verheerenden Hochwässern in der Paprikametropole geführt hat. Wien kennt eine ähnliche meteorologische Katastrophe, den berüchtigten Eisstoß, der immer dann entstand, wenn sich Treibeisschollen, die an der Flussenge bei Hainburg hängen geblieben waren, bis Wien zurückstauten. Das Eis türmte sich dann zu bizarren Schollengebirgen auf, drückte den bei Wien noch sehr schnell fließenden Strom aus seinen Ufern und führte zu Überflutungen biblischer Ausmaße. Aber auch wenn es in Wien oder Budapest mildelt, können die Donauzubringer March und Waag, die größten Flüsse Mährens und der Slowakei, Eis aus dem Norden und der Hohen Tatra bringen. Treibeis von der Dicke Passauer Bierkisten kann auch vom Oberlauf der Donau stammen und die Schifffahrt stromabwärts stark einschränken. Schiffe ohne Talent zum Eisbrechen sollten dann tunlichst in Winterhäfen und Kais liegen.
Erschienen in "Falter" Nr. 7/05 vom 16.02.2005 Seite: 67
14. Februar 2005 (0) Comments
Protestsongcontestschlampen

Eines steht fest: Christoph Grissemann ist müde und Dirk Stermann hat azurblaue Augen.
Samstag, 12. Februar 2005. Autoixugrafie im Wiener Rabenhof während des Protestsongcontestes.
Leserfrage: Gibt es einen Genetiv von Protestsongcontest?
13. Februar 2005 (1) Comments
Little Shop of Hope ::: Luxus

Luxus.
Wien, Wieden, Heumühlgasse
13. Februar 2005 (0) Comments
Comandantina beim Protestsongcontest 2005
Bereits zum zweiten Mal findet am Samstag, den 29. Januar 2005 der sehr beliebte und sehr leiwande Protestsongcontest statt. Das Spektrum des Rabenhof-Protests reicht von der discoiden Take-That-Adaption "Could it be Magic - Mein Bauch gehört nur mir" bis zum mod- rockigen Kinks-Track "Lola-Geh-rer".
Die Siegfried und Roys der Wiener Moderatoren-Szene, Stermann und Grissemann führen durch den Final-Abend, an dem der „Protestsong-Superstar 2005“ von der Dub Clubs Sweet Susie, Profils Doris Knecht, Musikergildenhäuptling Peter-Paul Skrepek, FM4-Grossvater Martin Blumenau, Hansi Lang und mir gewählt werden. Na das wird was werden.
.....................
RABENHOF THEATER
A-1030 Wien; Rabengasse 3
Kartenreservierungs-Hotline: Tel. 01/712 82 82
Infos und Online-Reservierung unter: www.rabenhof.at
Kartenpreis: 15 Öro
www.rabenhof.at
www.protestsongcontest.at (inklusive Protest-Texten)
12. Februar 2005 (0) Comments
Die Zukunft des Musikhörens
Wenn es nach den Forschern in den Geheimlabors der Musikindustrie geht,
wird Musikhören in Zukunft so gehen: Hochspezialisierte Analysatoren hören
sich durch Aberstunden von Musik und ordnen diese nach bestimmten
Parametern. In Zukunft soll es möglich sein, so die Wissenschafter, dem
CD-Player (oder sehr viel wahrscheinlicher dem iPod) die persönliche
Stimmung zu melden worauf dieser die passende Musik aus dem Netz lädt
und abspielt.

So weit, so gut. Weil, wie wir wisssen, alles, was Menschen können, irgendwann einmal
von Maschinen übernommen wird, planen andere Forscher, dieses Katalogisieren gleich
von spezieller Software erledigen zu lassen:

Szenen wie diese hier in einer geldigen Villa in Ibiza werden also bald
auch in Kapfenberg, Düsseldorf und Bukarest zum Freizeit-Alltag gehören:

Für Siemens' Magazin "HiTech"
12. Februar 2005 (0) Comments
блю мун ::: Blju Mun
Blogger "human being" >>> http://www.livejournal.com/users/human_being/11632.html
Blue MUN
here, riliznul of sivodnya the dear cinema
Blue moon/The Blue Moon
2002
Austria
Director the scenario: Andrea Mary duzl (Andrea Maria Dusl)
In the roles: Yozef Khader, Victoria malektorovich, Detlef The beech
Production: Lotus-Film
Language: German, slovakian, Ukrainian, English
Duration: 90 min.
IMDB (6.3/10)
In spite of the name, the film does not refer to stylistics and thematics A -l4 of fassbinder and Pazolini. The debyutnoye cinema of the Viennese woman journalist Andrea Mary duzl - this is adventure melodrama in the style of road of muvi, whose main hero (Yozef Khader) randomly and with the strange circumstances becomes acquainted with the mysterious companion (Victoria malektorovich) his of that cancelling business -parntera, and then, after losing it, it leaves for the searches. Searches these, as a result, bring it to the native land of their lost familiar - in... The Ukraine, where the adventures continue in the company of the randomly screwed tighter even in East Europe small cheat (Detlef beech). Instead of his familiar main hero meets its sister, who proved to be himself even more mysterious special, characters are lost and again are located, travelling on the Ukraine in order, as a result, to find answers to all its questions in Odessa.
This film difficult to classify - it does not pull to "elitarnost'", but, at the same time, this is far from meynstrim. Pozhlauy, most right would be to describe it as the high-quality festival cinema, which is of special interest for us already khotyaby because in it is shown the Ukraine - with the benevolent interest, to a sufficient degree it is actual (although not without lyapov, certainly). The creators of film together with their European heroes in this "journey in the searches of the Ukraine" as if open for themselves certain Terra it is incognito - and they reveal that in it also there is life, in spite of the strangeness of local realias. Should be noted actor's game - are completely convincing the Austrians, and our Malektorovich (known on the series the "birthday of bourgeois -2"), which plays immediately of two sisters - similar, but different. Without pretending to the certain deep philosophical sense, the creators of film, nevertheless, touched the theme of phobias and psychology "khomo of sovetikus", although left this in them is sufficiently naively. Generally, the authors, on their assertion, "see in the subject the metaphor of the unity of the West and east, the means of large Europe, for which still one must learn and understand themselves". In light of the last events - extremely urgent theme, not truth whether? :)
Im Original liest sich der Text von blogger "human being" >>> http://www.livejournal.com/users/human_being/11632.html so:
блю мун
вот, рилизнул сиводня милое кино
Голубая луна / The Blue Moon
2002
Австрия
Режиссер и сценарист: Андреа Мария Дузл (Andrea Maria Dusl)
В ролях: Йозеф Хадер, Виктория Малекторович, Детлеф Бук
Производство: Lotus-Film
Язык: Немецкий, словацкий, украинский, английский
Продолжительность: 90 мин.
IMDB (6.3/10)
Вопреки названию, фильм не имеет отношения к стилистике и тематике а-ля Фассбиндер и Пазолини. Дебютное кино венской журналистки Андреа Марии Дузл - это приключенческая мелодрама в стиле роад муви, главный герой которой (Йозеф Хадер) случайно и при странных обстоятельствах знакомится с загадочной спутницей (Виктория Малекторович) своего несостоявшегося бизнес-парнтера, а потом, потеряв ее, отправляется на поиски. Поиски эти, в результате, приводят его на родину своей потерявшейся знакомой - в... Украину, где приключения продолжаются в компании случайно подвернувшегося еще в Восточной Европе мелкого жулика (Детлеф Бук). Вместо своей знакомой главный герой встречает ее сестру, оказавшуюся еще более загадочной особой, персонажи теряются и вновь находятся, путешествуя по Украине, дабы, в итоге, найти ответы на все свои вопросы в Одессе .
Фильм этот трудно классифицировать - он не тянет на "элитарность", но, вместе с тем, это и далеко не мэйнстрим. Пожлауй, правильнее всего было бы охарактеризовать его, как добротное фестивальное кино, которое представляет особый интерес для нас уже хотябы потому, что в нем показана Украина - с доброжелательным интересом, в достаточной степени реально (хоть и не без ляпов, конечно). Создатели фильма вместе со своими европейскими героями в этом "путешествии в поисках Украины" будто открывают для себя некую Терра Инкогнита - и обнаруживают, что в ней тоже есть жизнь, несмотря на странность здешних реалий. Следует отметить актерскую игру - вполне убедительны и австрийцы, и наша Малекторович (известная по сериалу "День рождения Буржуя-2") , играющая сразу двух сестер - похожих, но разных. Не претендуя на некий глубокий философский смысл, создатели фильма, тем не менее, коснулись темы фобий и психологии "хомо советикус", хоть и вышло это у них достаточно наивно. Вообще же, авторы, по их утверждению, "видят в сюжете метафору единения Запада и Востока, образ большой Европы, которой еще предстоит узнать и понять себя". В свете последних событий - весьма актуальная тема, не правда ли? :)
Несколько кадров:
11. Februar 2005 (0) Comments
блю мун
http://www.livejournal.com/users/human_being/11632.html
блю мун
вот, рилизнул сиводня милое кино
Голубая луна / The Blue Moon
2002
Австрия
Режиссер и сценарист: Андреа Мария Дузл (Andrea Maria Dusl)
В ролях: Йозеф Хадер, Виктория Малекторович, Детлеф Бук
Производство: Lotus-Film
Язык: Немецкий, словацкий, украинский, английский
Продолжительность: 90 мин.
IMDB (6.3/10)
Вопреки названию, фильм не имеет отношения к стилистике и тематике а-ля Фассбиндер и Пазолини. Дебютное кино венской журналистки Андреа Марии Дузл - это приключенческая мелодрама в стиле роад муви, главный герой которой (Йозеф Хадер) случайно и при странных обстоятельствах знакомится с загадочной спутницей (Виктория Малекторович) своего несостоявшегося бизнес-парнтера, а потом, потеряв ее, отправляется на поиски. Поиски эти, в результате, приводят его на родину своей потерявшейся знакомой - в... Украину, где приключения продолжаются в компании случайно подвернувшегося еще в Восточной Европе мелкого жулика (Детлеф Бук). Вместо своей знакомой главный герой встречает ее сестру, оказавшуюся еще более загадочной особой, персонажи теряются и вновь находятся, путешествуя по Украине, дабы, в итоге, найти ответы на все свои вопросы в Одессе .
Фильм этот трудно классифицировать - он не тянет на "элитарность", но, вместе с тем, это и далеко не мэйнстрим. Пожлауй, правильнее всего было бы охарактеризовать его, как добротное фестивальное кино, которое представляет особый интерес для нас уже хотябы потому, что в нем показана Украина - с доброжелательным интересом, в достаточной степени реально (хоть и не без ляпов, конечно). Создатели фильма вместе со своими европейскими героями в этом "путешествии в поисках Украины" будто открывают для себя некую Терра Инкогнита - и обнаруживают, что в ней тоже есть жизнь, несмотря на странность здешних реалий. Следует отметить актерскую игру - вполне убедительны и австрийцы, и наша Малекторович (известная по сериалу "День рождения Буржуя-2") , играющая сразу двух сестер - похожих, но разных. Не претендуя на некий глубокий философский смысл, создатели фильма, тем не менее, коснулись темы фобий и психологии "хомо советикус", хоть и вышло это у них достаточно наивно. Вообще же, авторы, по их утверждению, "видят в сюжете метафору единения Запада и Востока, образ большой Европы, которой еще предстоит узнать и понять себя". В свете последних событий - весьма актуальная тема, не правда ли? :)
Несколько кадров:

11. Februar 2005 (0) Comments
Jenseits von Dick und Dünn
"Jenseits von Dick und Dünn" ist ein sehr lehrreiches und überaus lustiges Buch, das zwei Grazer Patchworkfamilieneltern - im Hauptberuf Ärzte - geschrieben haben. Es erscheint gerade im Fallter Verlag und beschäftigt sich mit den falschen und richtigen Ernährungsmythen und dem Kochen für zehnköpfige Familien.
Das hier sind zehn Illustrationen, die ich fürs Buch gemacht habe:










10. Februar 2005 (0) Comments
metaphysics ::: Unterwegs
Erschienen in .copy 20 i.e. 01/2005
Unterwegssein gilt in der kollektiven Wahrnehmung als Ausnahme. Dabei ist Mobilität die Regel, das Bleiben an einem Ort die Ausnahme. Wenn wir Paläontologen und Populationsgenetikern glauben, ist die Menschheit in Gestalt des modernen Homo sapiens vor etwa 100.000 Jahren in Ostafrika entstanden und hat sich in unzähligen Wanderbewegungen über Kontinente, Inseln und Archipele ausgebreitet.
Sogar außerhalb der Erde leben heute Menschen: Die Astronauten der internationalen Raumstation ISS sind im wahrsten Sinn des Wortes ständig unterwegs. Weil die ersten Menschen Jäger und Sammler waren und die Idee fester Siedlungen erst mit der Erfindung der Landwirtschaft vor rund 12.000 Jahren entstand, gehört das Umherziehen zu unseren ältesten Talenten. Die europäischen Nationalstaaten sind das Ergebnis jahrtausendelanger Migration europäischer (und nichteuropäischer) Populationen. Sogar in scheinbar „alteingesessenen“ Gegenden wie den Alpen haben sich Reste dieses Nomadentums erhalten. Die Almkultur, der Wechsel von Sommerweiden und Winterstall, ist ein Echo wandernder Hirtengesellschaften und hat mit den Nomaden Zentralasiens, nordeuropäischen Saamen oder den aus dem indischen Punjab stammenden Roma und Sinti mehr gemein, als manchem Heimatforscher lieb sein dürfte.
Selbst im Mittelalter war das Wandern eher die Regel als die Ausnahme. Christliche Pilger zog es nach Santiago, Rom und Jerusalem (später kamen die Kreuzritter dazu), Moslems auf die Hadsch nach Mekka und Medina. Die ersten Kaufleute waren fahrende Händler, die von Dorf zu Dorf zogen, auch Kaiser und Könige hatten keine feste Bleibe, sondern waren mit ihrem Hofstaat dauernd zwischen Pfalzen, Klöstern (sie hatten die Pflicht zur „Königsgastung“) und Städten unterwegs. Die Walz, das weite Reisen der Handwerksgesellen über Hunderte Kilometer von Meister zu Meister gibt es noch heute. Und den Zirkus sowieso.
Ein trauriges Kapitel menschlicher Reisetätigkeit sind Kolonisation und Kriegszüge. Krieg galt schon den Griechen der Antike als „Vater aller Dinge“, womöglich ist er auch der Großvater aller Reisen. Nachhall der martialischen, durchaus maskulinen Mobilität sind nicht nur Tod und Elend, sondern auch ein kulturelles und genetisches Amalgam: die Kriegskinder.
Die moderne Gesellschaft hat das Unterwegssein neben der Kommunikation zum Hauptthema gemacht: Urlaub, das ritualisierte Nomadisieren, wird auch in anderen Kontinenten absolviert. Das tägliche Pendeln von der Schlafstadt ins Büro oder die Fabrik gehört heute ebenso zum europäischen Alltag wie das Umherziehen von Politikern, Fernfahrern, Kongressteilnehmern, Vertretern und Handelsreisenden.
Das mobilere Geschlecht ist trotz männlichem Hang zum Gaspedal übrigens das weibliche: Migrationsforscher haben nachgewiesen, dass Frauen durchschnittlich weiter von ihrem Geburtsort entfernt leben als Männer.
....................
Think-Tank über Migration
Wikipedia-Link über die Saamen
Webjournal über Kultur und Geschichte der Romani
Wiki-Link über Roma und Sinti
10. Februar 2005 (0) Comments
Papiertiger Verfassung

Im Juni 2003 nahm ein sogenannter "Konvent" seine Arbeit auf. Binnen 18 Monaten sollte eine neue Verfassung entstehen. Alles sollte effektiver, sparsamer, besser werden. Doch der Elefant kreisste ein Mäuschen:
Konvents-Vorsitzender Fiedler legte Mitte Jänner 2005 den Entwurf einer „Österreichischen Bundesverfassung“ vor. Der 1.000seitige Endbericht der Veranstaltung ist ein Papiertiger, durchgängig von Mutlosigkeit und Unentschiedenheit geprägt. Fiedler hat uns keine Verfassung gegeben, und aus dem dicken Papier wird auch keine werden. Auch wenn es Konservative wie der Tiroler und Parlamentspräsident Andreas Khol noch so gern hätten.
Erschienen im Falter 06/2005 zu einem Essay von Alfred Noll
7. Februar 2005 (0) Comments
Durchsage an Alle!
Die Leute von Climateprediction versuchen mit einer enormen Rechenleistung die Klimaveränderungen diese Jahrhunderts zu simulieren. Dazu stellen wir ihnen 99.6% der Rechenpower unserer Sojus zur Verfügung, meldet der Comandantina-Turbinen-Ingenieur. Ist das nicht nett von uns?
Aber jetzt raucht der Comandantina-Turbinen-Ingenieur eine Zigarre und schaut sich den Columbo an.
6. Februar 2005 (0) Comments
Hegel Schüssel
Liebe Frau Andrea,
gerade lese ich im Online-"Standard", dass der Kanzler von mittlerweile 14 Kabinetten sich privat als "gemütlicher Heg'l" sieht. Was ist ein "Heg'l"? Hat das was mit dem Philosophen Hegel zu tun? Warum meldet das Lachsblatt Dialektales?
Stets Ihr Sebastian Toifl, 1150 Wien
....................
Lieber Sebastian,
das Zitat stammt ursprünglich aus einem Kleine Zeitung-Interview. (Wiewohl es die Website des Bundeskanzleramtes für ein Kurier-Interview hält.) Jedenfalls meint Schüssel tatsächlich, "im privaten Umgang (...) ein ganz gemütlicher Heg'l" zu sein. Der Ausdruck Hegl ist an Inn, Etsch und Eisack gebräuchlich und dürfte von Tirolbotschafter Khol importiert worden sein. Das Wort kommt wie das Heig oder Heu - das (ab)geschlagene - vom germanischen Hag und meint so viel wie Schlag, Hau(e). Davon wiederum kommen die Hecke, der Hain und die Hege - die Pflege von Hecken, Hainen und Zäunen. Der Hegel, der Schläger also, ist mit dem Heinrich verwandt, dem Hag-reichen. Als ganzer Kerl ist der stets zu derben Scherzen aufgelegt, wovon das Wiener "Hegeln" (fälschlich Häckeln) kommt. Mit dem Stuttgarter Dialektikerfinder Hegel hat der Hegl nur namensetymologisch zu tun. Die Kulturanmaßung, auf gemütliche Weise These und Antithese zu synthetisieren, wollen wir Kanzler Schüssel schon deswegen nicht unterstellen, weil die Hegel'schen Werke als Ausgangspunkt zahlreicher Philosophieströmungen unter anderem den Marxismus hervorgebracht haben.
Erschienen in "Falter" Nr. 6/05 vom 09.02.2005 Seite: 67
6. Februar 2005 (1) Comments
Wish You Were Here ::: Lenfilm

Bestzungscouch Lenfilm Studios
St. Petersburg, Russland
5. Februar 2005 (2) Comments
Strotterns Butten
Liebe Frau Andrea,
im schönen Wienerlied "Wann i amol stiab", singt einer von seiner eigenen Beerdigung und er wünscht sich, dass die "Strottern auf die Butt'n" schlagen sollen. Das wirft bei mir mehrere Fragen auf: Wer sind diese Strottern und was beschlägern sie da? Und warum sollten sie das tun? Wollen sie die "Butt'n" züchtigen oder ist das Ausdruck ihrer Freude? Etwa, weil es einen Wiener weniger gibt?
Herzlich neugierig verbleibt Ihr Klemens aus Wien
....................
Lieber Klemens, die Strottern oder Strotter sind Sandler und Vagabunden, die Kanäle und Hinterhöfe nach verwertbaren Abfällen durchsuchen. Viele von ihnen lebten im kanalisierten Wienfluss. Das altwiener Wort "strotten" heisst nichts anderes als "suchen", "stöbern" und kommt von mittelneudeutsch "stroden", althochdeutsch "strutten". Es bedeutet ursprünglich "plündern", "rauben". Es stammt von einem indoeuropäischen Wort, aus dem auch "streuen", "streiten", "streifen", ja sogar das "stratum" - das "Hingestreute", unsere heutige "Strasse" kommen. In ihrem Lied sollen die Strottern auf die Butten, die Butte schlagen. Eine Butten (im deutschen die Bütte) ist ein oben offenes Fass. Auf die Butten schlagen die Strotter weniger aus Freude, denn aus Wehklage. Wie einen archaischen Trauermarsch müssen wir uns das Buttenschlagen vorstellen. Möglich aber auch, dass mit der Butten der Sarg Ihres Liedhelden gemeint sein könnte, und mit dem Draufschlagen ein allerletztes "Lebewohl" gemeint sein könnte.
Erschienen in "Falter" Nr. 5/05 vom 02.02.2005 Seite: 67
––––––––––––––––––––––––––
Hier das ganze Lied:
Wann i amal stiab
Wann i amal stiab stiab stiab
Müassen mi d’Fiaker tragen
Und dabei die Zittern schlagen
Weil i des liab liab liab
Und i war meiner Seel
Allweil fidel
O liabe Leut Leut Leut
Tuat’s es den Strottern sagen
Dass auf die Butten schlagen
Und singts mit Freud Freud Freud
An meiner Grabesstell
Allweil fidel
D’ Maderln von Wien Wien Wien
Werd’n in der Trauer gehen
Und um die Bar’ da steh’n
Er is’ dahin hin hin
Und er war meiner Seel
Allweil fidel
2. Februar 2005 (0) Comments
Vienna Bike-City oder so

Mit der Bike-City - initiiert von Christoph Chorherr, Planungssprecher
der Grünen - bekommt Wien seine erste Wohnsiedlung speziell für Radfahrer.
Erschienen in "Falter" Nr. 5/05 vom 02.02.2005 Seite: 70
1. Februar 2005 (0) Comments



