metaphysics ::: Glück

Erschienen in .copy 19 i.e. 05/2004

Glücksgefühle entstehen im Zusammenspiel von Gehirn und Hormonen. Molekularbiologen haben entschlüsselt, auf welche Weise etwa Sex, Sport und Schokolade Glücksgefühle auslösen. Selbst den „Sitz des menschlichen Glücks“ haben sie lokalisiert: in der mandelkerngroßen Hirnregion Amygdala des limbischen Systems. Hier findet sich besonders häufig der Botenstoff Oxytozin, ein Nerveneiweiß, das in der Evolution erst mit der Entwicklung der Säugetiere auftritt. Beim Sex etwa bildet die Hypophyse verstärkt Oxytozin. Manche Forscher machen es für das intensive Glücksempfinden beim Orgasmus verantwortlich. Psychophysiologen zählen Glücksgefühle den primären oder unwillkürlichen Emotionen Freude, Trauer, Furcht, Wut, Überraschung und Ekel zu.

Diese angeborenen Muster sind in allen Kulturen bekannt. Etwa tausend chemische Botenstoffe steuern diese menschlichen Gefühlsregungen. Als Glücksboten gelten vor allem die Neurotransmitter Serotonin und Dopamin. Zusammen mit Adrenalin und Noradrenalin heben sie die Stimmung. Neben diesen Molekülen spielen wohl auch Endorphine eine Rolle beim Empfinden von Freude und Glück. Abgeleitet von der Bezeichnung „endogenes morphiumähnliches
Molekül“, handelt es sich dabei um körpereigene, also endogene Morphine, die an die gleichen Bindungsstellen andocken wie die als Schmerzmittel und euphorisierende Suchtmittel bekannten Opiate.

1996 veröffentlichten die US-amerikanischen Psychologen David Lykken und Auke Tellegen von der Universität Minnesota ihre Forschungsergebnisse über den genetisch festgelegten, individuellen „Set-Point of Happiness“. Er ist von Mensch zu Mensch verschieden. Auf einer bislang ergebnislosen Suche nach einem Gen fürs Glücklichsein ist der US-Wissenschaftler Dean Hamer. Topkandidat von Hamer, der schon das „Gottes-Gen“, die neurobiologischen Voraussetzungen für religiöse Gefühle, beschrieben hat: das Gen, das für die Konstruktion der Bindungsstelle auf den Hirnnerven zuständig ist, die den Glücksboten Dopamin aufnehmen. Sprachwissenschaftler leiten „Glück“ vom Verb „gelingen“ ab. Glück und das sprachlich verwandte englische „luck“ bezeichnen ursprünglich das Gelungene, das leicht Erreichte oder den günstigen Ausgang eines Ereignisses. So kommt der Ausdruck „Glück“ ins Glücksspiel.

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Die Forschungsarbeit von Lykken und Tellegen über den „Set-Point of Happiness“ als PDF

Website
des Glücksgenforschers Dean Hamer

The Luck Project

10. Dezember 2004 © Andrea Maria Dusl

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