November 2004
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Das Photobureau von Comandantina Dusilova kümmert sich ums Schöne und Abseitige
Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Andenken
Liebe Frau Andrea,
Politiker denken neuerdings Probleme an bzw. wollen etwas "andenken". Genügte nicht, wenn sie vordenken bzw. über etwas nachdenken?
An sie denkend,
Ihr Gerald Grassl
PS: Als sozial engagierter Mensch irritiert mich das Wort "solidarisch". Was heißt denn das? Solid arisch?
....................
Lieber Herr Gerald,
Politiker mit christlichen Problemen stehen dem Andenken näher als der Aufklärung. Dafür sorgt schon ihre körperliche Präsenz auf Sonntagsmessen, Seligsprechungen, Papstaudienzen und dem Verweilen an Andenkenständen. Über das Andenken nachzudenken gilt als unchristlich, weil es der Zerrüttung des Glaubens Vorschub leistet. Politiker beschäftigen sich allerdings auch mit Ansprachen. Vom Ansprechen von Missständen zum Andenken von Problemen ist es nur mehr ein paar Ruderschläge am seicht dahinplätschernden Fluss des Daherredens. Das Andächtige sollte ihnen mehr Sorge bereiten als die Bedeutung des Wortes Solidarität. Solidarisch hat mit arisch so wenig gemein wie Sozialismus mit Nationalsozialismus. Der Begriff ist aus dem französischen solidaire entlehnt und kommt vom lateinischen solidus (ganz), das mit salvus (gesund) verwandt ist. Die wohl schönste Beschreibung des Begriffs stammt vom argentinisch-kubanischen Revolutionär Ernesto Guevara. Für den Ché galt Solidarität als "die Zärtlichkeit zwischen den Völkern".
Erschienen in "Falter" Nr. 48/04 vom 24.11.2004 Seite: 79
24. November 2004 (1) Comments
Arafats Tuch
Liebe Frau Andrea,
sicher wissen Sie mehr über die seltsam gewickelte Kopfbedeckung, die der kürzlich verstorbene Palästinenserführer Arafat zeit seines Lebens auf dem Kopf trug.
Liebe Grüße,
Nina Berger
....................
Liebe Nina,
Yassir Arafats schwarzweiß gemustertes Schaltuch ist eine Kefije. Sie wurde ursprünglich von arabischen Beduinen als Sonnenschutz getragen. Die Kefije wird zu einem Dreieck gefaltet, wie eine Perücke auf den Kopf gelegt und mit einem Agal, einer fingerdicken Schnur aus Wolle oder Kamelhaar, befestigt. Rotweiße Kefijes werden von Jordaniern getragen, der schwarzweiße Schalturban gilt als traditionelles Identifikationstextil der Palästinenser.
Es wurde 1936 bis 1939 zum Symbol des Aufstands rebellierender ländlicher Fedajin, die von den Arabern in den Städten verlangten, den türkischen Fez und die europäischen Hüte gegen die nationale Kopfbedeckunmg einzutauschen. Nach der ersten "Intifada" entwickelte sich das Palästinensertuch zu einem Symbol des Widerstands gegen die israelische Regierung und später zu einem global verwendeten Identifikans westlicher Jugendlicher mit dem Kampf unterdrückter Völker.
In Interviews erklärte Arafat stets, die asymmetrische Form seiner Kefija solle die Landkarte Palästinas symbolisieren. Die Wahrheit war banaler: Das Tuch sollte schlicht seine Glatze verdecken. Um leichter telefonieren zu können, hatte Arafat stets den linken Zipfel über den Kopf geschlagen.
Erschienen in "Falter" Nr. 47/04 vom 17.11.2004 Seite: 75
17. November 2004 (0) Comments
How to Hack the Vote
News from the United States of Banana Republic. Es ist technisch möglich, dass die US-Wahl 2004 in grossem Stil gehackt wurde. Jenseits aller Verschwörungstheorien: So KANN es gewesen sein. Allein, das es so gewesen sein KANN, ist beängstigend.
Gefunden auf Chuck Herrin's Site:
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11/13/2004
Chuck Herrin
CISSP, CISA, MCSE, CEH
How to Hack the Vote: the Short Version
For a .pdf version of the long report, click HERE.
Author’s Note (i.e. Chuck Herrin) – For anyone who is curious, I have put together this shortened document that will show you exactly how easy it is to break into Diebold’s GEMS software, which is the software used to tabulate regional voting results. This software runs on regular Windows machines and counts the votes from multiple precincts that may have used touch screens (which have their own problems), optically scanned punch cards, or other balloting methods. It is responsible for the accurate reporting of tens of millions of votes cast using many different types of ballots.
That’s right – even if you used the older systems like punch cards, your vote can still be Hacked when the numbers all come together. Wanna see how easy it is?
I am going to show you, step by step and with screenshots, how an attack against our election system could very easily steal a Statewide or even a National election without leaving a trace. This attack would be easy to carry out, difficult to detect, and exert enormous influence on the results, leaving the humble voter coldly left out of the decision-making process.
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14. November 2004 (3) Comments
Fleisch
Ixugrafie.
Für Markus Hubers
Fleisch Magazin.
Ins Bild klicken!
12. November 2004 (0) Comments
Schädel & Knochen

Präsident Bush und Senator Kerry haben mehr gemeinsam, als man glaubt. Beide sind Mitglied bei Skull and Bones, einem Geheimklub in Yale. Ich bin zwar kein Fan von Verschwörungstheorien, aber vielleicht müssen wir davon ausgehen, dass die USA von einer alle Gesellschaftsbereiche dominierenden Oligarchie beherrscht werden? Ist die derzeitige politische Polarisierung in den USA bloß Folge eines öffentlich inszenierten Scheingefechts zwischen Demokraten und Republikanern? Was halten Sie von dieser Geschichte?
Liebe Grüße, Matthias Fauner
.....................
Lieber Herr Matthias,
tatsächlich existiert eine "geheime" Totenkopf-und-Gebeine-Studentenverbindung an der Eliteuniversität Yale in New Haven, Connecticut. Der spätere Doktorand John Forbes Kerry wurde dort 1966 eines von 15 Jahrgangsmitgliedern, Bachelorstudent und Millionärsbubi George Walker Bush zwei Jahre später. Trotz obskuren Clubstylings und seltsamer Aufnahmerituale dürfen wir davon ausgehen, dass sich die weltbedrohlichen Aktivitäten dort in postpubertären Seancen bei scharfen Drinks erschöpfen. Die Mitgliederlisten von Skull and Bones sind bekannt und lesen sich wie das Who's who der weißen, meist protestanischen Ostküstenaristokratie. Dass jemand mit dem bescheidenen akademischen Talenten George W. Bushs dort aufgenommen wurde, sollte eigentlich gegen eine Funktion des Klubs als Oligarchen-Think tank sprechen.
Erscheinen in "Falter" Nr. 46/04 vom 10.11.2004 Seite: 75
10. November 2004 (0) Comments
Michi Burgamastas City
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Der stets leicht grantelnde Exbiologe
Michael Häupl ist seit 10 Jahren
Bürgermeister von Wien.
Erschienen in Falter 46/2004
9. November 2004 (0) Comments
America 2010

6. November 2004 (0) Comments
Ihr Aufguss, bitte!
Für grosse Ansicht ins Bild klicken!
Wiener Männer gehen gerne in die Sauna.
Dort entwickeln sie grosses Geschick,
heisse Luft mit weissen Handtüchern
zu verwirbeln. Hier erstmals die wichtigsten
Figuren und ihre Bezeichnungen.
©Andrea Maria Dusl
Erschienen in Falter 46/2004
5. November 2004 (0) Comments
The Color Purple ::: Why there is maybe hope for America
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Es sieht so aus, als wären die US in Rot und Blau zerfallen. Rot: Die gottgeleiteten, rechtsgerichteten christkonservativen Republikaner hinter dem "Leader" Bush. Blau, die liberalen, linken, aufgeschlossenen und aufgeklärten Demokraten, die mit Kerry untergingen.
Ganz so schlimm ist es nicht. Amerika ist blauer als das Wahlergebnis vermuten lässt. An Bushs Fahrplan ändert das freilich wenig.
Mehr dazu auf: Election 2004 Results
5. November 2004 (0) Comments
Why George W. Bush won in 2004

Warum George W. Bush wiedergewählt wurde.
(Und wie das vermutlich abging)
Warum John F. Kerry keine Chance hatte und
Michael Moore keinen Auftrag.
Wie kann Ameika gerettet werden? Ganz einfach:
Die EU sollte sich ernsthaft überlegen,
die Red States aufzunehmen. Das kann doch nicht
so schwer sein!
Begleittext ---clip---
The IQ numbers were originally attributed to the book "IQ and the Wealth of Nations", though they do not appear in the current edition.
The tests and data were administered via the Raven's APT, and the The Test Agency, one of the UK's leading publishers and distributors of psychometric tests. This data has been published in the Economist and the St. Petersburg Times, though this does not mean it should be taken as fact.
Though the data does correlate somewhat to IQ of students per state based on SAT/ACT data, though this would be biased for those that had completed a high school education.
Someone has also taken 2000 census data on percentage of state residents that have earned a college degree and used that to compare the voting in the 2000 election, it seems to correlate well.
Someone sent me a table showing average income per state, and how they voted as well.
Some people have written me saying that this is a hoax, I am unsure if it is, someone did a list like this in the 2000 election, I found it interesting, but moreso this time, as people knew exactly what they were getting into. My powers of fact checking dwindle in the face of such pillars of journalistic integrity as the Economist and St. Petersburg Times.
Needless to say, as I stated above, the data is in question, but it's still an interesting correlation that is very plausible. This wasn't posted as an elitest diatribe, as i said, I just found it interesting.
Mirrored for my friend at ChrisEvans3D.com. Before you cheer or flame me,
I make no claims for/against the validity of the data; I just provide the bandwidth.
---clip---
5. November 2004 (0) Comments
Popper & Wittgenstein

---Quote--- Anekdoten werfen manchmal ein grelleres Licht auf weit reichende intellektuelle Kontroversen als die nüchterne Betrachtung der zur Debatte stehenden Fragen selbst. In ihnen findet der Ernst und die Unversöhnlichkeit solcher Differenzen gleichsam persönliche Gestalt und wird dadurch greifbarer. Karl Popper und Ludwig Wittgenstein waren außergewöhnliche Erscheinungen der Philosophie des vergangenen Jahrhunderts. Wenn sie aufeinander treffen sollten -- ein einziges Mal kam es zu solch einem Treffen, nämlich am 25. Oktober 1946 in Cambridge zu einem Vortrag Poppers vor dem Moral Science Club -- dann müsste man sich auf mehr gefasst machen als auf eine der üblichen akademischen Abendveranstaltungen.
Beide, Wittgenstein und Popper, waren als ebenso unerbittliche wie ungeduldige Diskutanten gefürchtet. So kann es kaum überraschen, dass das Treffen mit einem Eklat endete: Wittgenstein verließ nach einem kurzen Wortgefecht lautstark den Raum. Popper hatte in seiner Autobiografie eine Version der Ereignisse geliefert, bei der ein Schürhaken, mit dem Wittgenstein ihn bedroht haben soll, eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hat. Doch hat Wittgenstein ihn wirklich mit dem Schürhaken bedroht? Und wenn nicht, warum hat Popper so großen Wert darauf gelegt, dieses Treffen auf solche Weise zu stilisieren?
Diese Frage nehmen die beiden Autoren (David J. Edmonds, John A. Eidinow; Anm. AMD) zum Anlass um die Wege nachzuzeichnen, die die beiden Philosophen schließlich in das schlecht beheizte Zimmer in Cambridge an jenem Abend zusammenführten. Selbstverständlich erfahren wir auch am Ende nicht, was wirklich in Raum H3 geschah. Es interessiert auch gar nicht mehr, weil die Anekdote längst zum Sinnbild für die Konfrontation zweier philosophischer Selbstverständnisse geworden ist. Ergebnis ist jedenfalls ein unterhaltsam zu lesendes und auch für Laien verständlich geschriebenes Kapitel Philosophiegeschichte. Wittgenstein hätte es wohl verurteilt, weil er das Anekdotische, asketisch und ernsthaft wie er war, als belanglos verachtet hätte. Popper hätte sich seinerseits über den Versuch, seine Eitelkeiten psychologisierend zu demaskieren auch nicht unbedingt gefreut. Der Nichtphilosoph kann sich wiederum daran ergötzen, dass es auch in den Sphären des Geistes allzu menschlich zugeht. -- Jens Kertscher
---Quote--- Poppers sichtlich um Verharmlosung bemühter Bericht ist nachzulesen in seiner intellektuellen Autobiographie Unended Quest (Ausgangspunkte). Popper schreibt, Wittgenstein habe »nervös mit dem Schürhaken gespielt«, den er »wie einen Dirigentenstab benutzte, um seine Behauptungen zu unterstreichen«. Als sich die Frage der Gültigkeit ethischer Grundsätze erhob, forderte Wittgenstein Popper heraus, ein Beispiel für eine moralische Regel zu nennen. »Ich erwiderte: ›Man soll einen Gastredner nicht mit einem Schürhaken bedrohen.‹ Darauf warf Wittgenstein ärgerlich den Schürhaken hin, stürmte aus dem Raum und schlug die Tür hinter sich zu.« ---Quote---
Erschienen November 2004 in Heureka, der Wissenschaftsbeilage des Falter
4. November 2004 (0) Comments
These und Frisur

Organisierte Skeptik, so der amerikanische Soziologe Richard Merton, ist eine der grundlegenden Normen der Wissenschaft. Die Tendenz, Ergebnisse in Frage zu stellen und Zweifel zu üben, ist demnach nicht nur Teil der Wissenschaftskultur sondern ein wesentlicher Mechanismus, der das epistemiologische Funktionieren von Forschung garantiert. Aus dem Fragen entsteht etwas, das solide ist, eine robuste Aussage die “standhält”.
Erschienen November 2004 in Heureka, der Wissenschaftsbeilage des Falter
4. November 2004 (0) Comments
Stern am Gürtel
Mein Freund Ruda, ein echter Wiener, ist voll verliebt in Prag und Amsterdam. Ruda läuft im schwarzen Anzug rum, seine langen Haare hat er sich erst vor wenigen Jahren schneiden lassen. Er leistet sich, mit einem Gürtel rumzurennen, auf dessen Blechverschluss ein fünfzackiger Stern profiliert in die Gegend blinkt. Vermutlich ein modisches Relikt der Siebzigerjahre. Er behauptet, dieser Gürtel stamme von einer sowjetischen Offiziersuniform. Flunkert Ruda mich an, oder könnte das stimmen? Zumal auch Sie langes Haar tragen und einen Orden mit einem fünfzackigen Stern lieben, erwarte ich dankbar Ihre Beantwortung meiner Anfrage.
Herr Kurt Vallaster, Internet
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Lieber Herr Kurt,
die Messingkoppel am Gürtel Ihres Freundes Ruda ziert allerdings ein sowjetischer Stern. Dieses Militäraccessoire konnte man nach dem Zerfall der Sowjetunion auf den Kalte-Krieg-Devotionalienstandeln in Berlin, Prag, Budapest, Sankt Petersburg und Moskau abgreifen. Zusammen mit allerlei Russenmützen, Parteitagsorden, Fliegeruhren und anderen schicken Sowjetsouvenirs. Der rote Stern, das Symbol des Sowjetimperiums hat eine rührend profane Geschichte. Ein roter Stern war (zufällig) das Reedereizeichen jener britischen Werft, die die Aurora gebaut hatte, jenen Kreuzer, der den Startschuss zur Erstürmung der Sankt Petersburger Eremitage abfeuerte und damit die Oktoberrevolution einläutete.
Erschienen im "Falter" Nr. 45/04 vom 03.11.2004 Seite: 71
3. November 2004 (0) Comments


