metaphysics ::: Arbeit

Erschienen in .copy 18 i.e. 04/2004

Im Film „Megacities“ erzählt der österreichische Regisseur Michael Glawogger vom Leben in den Slums der Riesenstädte. In seinem neuen Film geht er auf die Suche nach den letzten echten Arbeitern: Drei Männer mit schwarzen, verschwitzten Gesichtern, Grubenlampen auf den Helmen, schieben sich irgendwo in der östlichen Ukraine in einen horizontalen Felsspalt, der gerade einmal so hoch ist, wie ihre Schultern breit sind. Mit ruhigen, gezielten Schlägen hauen sie tiefschwarze Steinkohle aus dem lebensgefährlich engen Flöz. An einem schmutzigen Sandstrand in einer anderen Ecke des Globus klettern Vermummte mit dicken Schutzbrillen das haushohe Wrack eines rostigen Öltankers hoch. Mit primitiven Schweißbrennern zerschneiden sie die armdicken Stahlplatten des riesenhaften Schiffsleibes vom Oberdeck bis zum Kiel und zerlegen den Tanker in Stücke von der Größe ganzer Häuserblocks. Kaum ist eines dieser gigantischen Rippenstücke ins flache Wasser gestürzt, wird es von einem anderen Team bestiegen, das es in kleinere und diese in noch kleinere Stücke zerschneidet, bis am Ende tischplattengroße, scharfkantige Eisenstücke, von nackten Händen getragen, auf riesige Stapel gelegt werden.

Die beiden Szenen sind exemplarisch für Michael Glawoggers gewaltigen Film „Workingman’s Death“. Körperliche Schwerstarbeit ist praktisch unsichtbar geworden in unserer globalisierten Welt der Maschinen, Fabriken und Konzerne. Und mit der körperlichen Schwerstarbeit scheinen auch Arbeiter und Arbeiterinnen – zu Zeiten des Kommunismus noch zu Helden stilisiert – verschwunden zu sein. Heute werden Arbeiterinnen und Arbeiter nicht mehr mit falschen Hymnen bejubelt – sondern überhaupt nicht mehr. Ist der Arbeiter tot, sein Ruhm verblasst, ersetzt durch die billige Kraft der Maschine? Es gibt ihn noch, den Arbeiter – oft jedoch illegal und unterbezahlt, von keiner Gewerkschaft vertreten, von keinem Arbeitsgesetz beschützt. Weil es noch immer Regionen gibt, in denen Menschen schwere Arbeit billiger erledigen als Maschinen: Menschen, die in einem Vulkanschlot auf Java Schwefel brechen, in Nigeria Rinder zerlegen, in Pakistan Schiffe zerschneiden oder in aufgelassenen sowjetischen Steinkohleflözen nach Heizgut für den Winter schürfen. Michael Glawogger hat für seinen Film die letzten Arbeiter aufgespürt. Das dokumentarische Epos wird nächstes Jahr ins Kino kommen, Eindrücke von den Dreharbeiten gibt es auf der Homepage des Films.

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Offizielle Website des Films Workingman’s Death
Grateful Dead’s Album „Workingman’s Dead“

10. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl

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