Wie ich 911 erlebte

Die Geschichte ist am 11.9.2001 passiert, vier Tage später habe ich sie aufgeschrieben. Jetzt, ein paar Tage vor dem Versuch der Bushisten, die Weltherrschaft abermals an sich zu reissen, habe ich sie im Paparazziforum (wo ich sie ursprünglich gepostet hatte) wiedergefunden. Und zufällig lief Hanibal Lecter gestern im Fernsehen. Genau wie damals, am 11. September.

Twin-Towers-Burning.jpg911 war sehr spooky für mich. Es ist Nachmitttag, ich Iiege gemütlich auf dem Bett und sehe den Film 'Hanibal'. Auf DVD. Da kann man vor und zurück, ohne die ruckelnden Effekte, die es auf VHS gibt. Ich stoppe. Die Szene zeigt, wie Hanibal Lecter die Schädelkappe des FBI-Agenten abhebt und man sein Gehirn drunter sieht.

Plötzlich läutet mein Handy. Meine Mutter ist dran und erzählt, ein Flugzeug sei ins World Trade Center geflogen. Auf ORF sei das als News-Ticker eingeblendet. Ich zappe auf CNN und sehe den rauchenden Nordturm. Das Loch zeichnet die Sihoutte eines Flugzeuges nach. Es sieht aus, wie ein billiger Matte-Effekt aus einem B-Movie.

Ich denke an das Empire State Building, dort ist 1942 bei Nebel ein kleiner Bomber hineingerast, der ein ähnliches, nur kleineres Loch angerichtet hat und 16 Menschen getötet hat. Ich denke an den Schrott, der zu Boden gestürzt ist und dort Menschen erschlagen hat. Ich denke an die Leute im Turm, die oberhalb der Einschlagstelle gefangen sind. Ich hoffe, sie können entkommen.

Ich rufe über Handy meinen besten Freund an, dann meine beste Freundin, dann wieder meine Mutter.
Zu diesem Zeitpunkt denkt CNN noch, ein Navigationsfehler hätte das Desaster ausgelöst.

Die zweite Maschine rast in das Gebäude. Ich bin fassungslos, weil ich denke, 'was, die haben footage vom Flugzeugeinschlag? Das ist ja irre, die filmen einfach alles.....'. Erst dann realisiere ich, dass ja ein Turm schon brennt. Es muss also eine zweite Maschine sein. Ich fasse es nicht.

Es ist so irreal, so ein Horror, dass ich komplett emotionalisiert bin. Wie können die durchsiebten Türme noch stehen?

Ich schalte irrtümlich auf den DVD-Kanal. Hanibal Lector schaut gerade in den abgesägten Kopf direkt auf das freiliegende Gehirn eines FBI-Agenten.

Ich sehe die brennenden Türme, telefoniere, sehe immer wieder die Bilder von den Einschlägen, höre, wie Menschen aus den Türmen springen, sehe Menschen, die sich in hunderten Meter Höhe an die silberfarbenen Aussenpfeiler des Turms klammern, auf Hilfe wartend. Ich denke, wo sind die Hubschrauber? Warum kommen keine Hubschrauber mit Löschwasser? Ich sehe den weissen Rauch, den der erste einstürzende Turm verursacht, fürchte um die Menschen, die da gerade sterben. Dann der zweite Turm, dessen Einsturz zu erwarten war. Ich denke an die Menschen auf der Strasse, die da unten gerade um ihr Leben laufen.

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Geschrieben am 15.09.2001, 11:02 für Tex Rubinowitz' und Christian Ankowitschs Höfliche Paparazzi

27. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




Hundestadt Wien

Hund.jpgLiebe Frau Andrea,

ich bin gebürtiger Wiener, lebe aber seit einigen Jahren in Amsterdam. Zurück in Wien ist mir schlagartig bewusst geworden, dass Wien von Hunden zugeschissen wird. Passanten laufen die Wiener Gehsteige in regelrechten Slaloms ab. Das muss doch Gründe haben!

Liebe Grüße, Peter Zangl, Internet

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Lieber Peter,

Wien ist tatsächlich eine Hundestadt. Meine These wäre diese: Österreich ist - stärker als andere Nachfolgestaaten der Donaumonarchie - kulturell und politisch auf der Stufe eines mäßig industrialisierten Bauernlandes stehen geblieben. Politiker sprechen von Futtertrögen und Erntezeit, von feuchten Wiesen und Hofübergaben, und das Wahlvolk versteht diese Sprache. Zur ursprünglichen Bevölkerung des kaiserlichen Wien, männerbündlerisch organisierten Hofbeamten, verstädtertem Dienstpersonal aus den meist bäuerlich geprägten Kronländern und assimilierten böhmischen Ziegelarbeitern, stießen in nachmonarchischer Zeit fast nur mehr Kinder von Bauern aus Jugoslawien, der Türkei und Restösterreich. Zu den bäuerlichen Tugenden, die sich in Wien erhalten haben, zählen Frühaufstehen, Sonn- und Feiertagsglorifizierung und Viehbesitz. Weil man in Wien schwer einen Stall mit Kühen oder Ziegen führen kann, besitzt die nur oberflächlich urbanisierte Bevölkerung Hunde. Deren Stoffwechselprodukte und Gassigehzeiten erinnern an Stall, Mistgeruch, den Alltag von Kleinbauern eben.

Erschienen in "Falter" Nr. 44/04 vom 27.10.2004 Seite: 67

26. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (4) Comments (0) Pings




Dani, Joschka und Güli

FA-Dani-Joschka-Gueli.jpg

Die europäischen Grünen waren vergangene Woche
in Istanbul. Dort machten sich Daniel Cohn-Bendit
und Joschka Fischer bei der türkischen Regierung
beliebt, deren Aussenminister Abdullah Gül Werbung
für einen EU-Beitritt macht.

Für Falter 44/2004

24. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings




Endgame

FA-Buhs.jpg

George Walker Bush.
Leader.

Für Falter 44/2004

21. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Gates of Hell ::: Newski Prospekt

Piter-Hells-Gate.jpg

Sankt Petersburg. Newski Prospekt.
Privjet, drunken sailor from the west...

20. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Russischer Tee

Liebe Frau Andrea,

ich trinke gerne schwarzen Tee mit Milch und versuche dieser Leidenschaft in Wirtshäusern und Cafés zu frönen - meist mit geringem Erfolg. Nach Fragen, welchen Tee ich denn wünsche, bin ich meist ratlos. Früchtetee mag ich nicht, und was, bitte, ist "russischer" Tee? Lauwarmes Wasser und englische Säckchen aus Sri Lanka oder Indien? Haben die Russen diesen Tee nach Wien gebracht so wie die Türken den Kaffee?

Vielen Dank für die Mühe, Dieter, Internet

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Samowar.jpgLieber Dieter,

1638 schenkte ein mongolischer Fürst Zar Michael Romanow sechzig Kisten Tee. Das aromatische Getränk war bei Hof schnell "le dernier cri" und wurde bald darauf in großen Mengen mit Karawanen von China nach Russland transportiert. Mitteleuropa bezog asiatischen Tee vor allem aus Russland, daher der Name. Russisches Teewasser, "Kipyatok", wird traditionell in Samowaren zubereitet. Diese Teekessel haben Aufsätze, auf die kleine Kannen für "Zavarka", Teekonzentrat, gestellt werden. Die Zavarka zieht einige Minuten. Dann wird das, unverdünnt stark narkotisierende, Konzentrat mit dem im Samowarkessel brühenden Wasser nach Belieben gemischt. Russischer Tee wird in Gläsern serviert, die in kunstvoll verzierten Metallhaltern stehen, so genannten Podstakanniks. Russen versüßen Tee mit Zucker oder einem Löffel Marmelade, der vor dem Trinken in den Mund genommen wird. Gelegentlich wird auch Zitrone gereicht, Milch ist dagegen unerwünscht. Diese Sitte wäre in England üblich.

Erschienen in "Falter" Nr. 43/04 vom 20.10.2004 Seite: 75

20. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Was ich lese...

Atlanten, politische
Schwarten, Blogs.
Was man heutzutage
halt so alles liest.

GERADE EBEN bin ich übersiedelt.Meine allerpersönlichsten
Wertsachen hatten in einer Bananenkiste Platz.Meine Garderobe
in fünf Baumarkt-Kartons.Meine Bibliothek füllte 57 Profi-
Container. Irgendetwas mache ich falsch. Lese ich zu viel?
Wohnen Kobolde in meinem Haushalt, die über Nacht Bücher
anschleppen und heimlich auf Halde stapeln? Bin ich über ein
Raum-Zeit-Inkontinuum mit dem Hauptlager der Frankfurter
Buchmesse verbunden? Hab’ ich sie noch alle? Dass ich zu viel
lese: Soll ich das behaupten? Fünf Stunden Lesen täglich ist
doch nicht viel. Dass ich zu viel Bücher besitze, könnte schon
eher stimmen.Aber was lese ich? Versuchen wir mal, nicht zu lügen.
Im Bad liegt, schon leicht aufgeweicht,Heinz Fischers Retrospektive
der Ära Kreisky. Ein Schaumbad mit Broda, Firnberg,
Sinowatz, das hat schon was. In meinem Schlafzimmer
liegt irgendetwas Halbsaloppes,Coffee-Table-Fähiges über die
gallorömische Geschichte Pannoniens.Was genau in meinem
halbsaloppen Pannonicum steht,weiß ich nur in homöopathischer
Dosis.Nach zwei Minuten Coffee-Table-Halten nicke ich
ein. Ich gebe aber zu, dass ich in letzter Zeit häufig von La-Tène-
zeitlichen Eisen-Kultwagen träume, von keltischen Grabhügeln
und norischen Hüten. Neben meinem Sofa – es duckt
sich unter acht Laufmeter Bücherwand wie ein Biwak unter die
Eiger-Nordwand – liegen drei glimmende Lunten Noam
Chomskys. Die werden wohl bald detonieren. Wenn ich
Chomskys überdrüssig werde, lese ich den Online-Standard.
Erst lese ich jeden, aber auch wirklich jeden Artikel dort, dann
jedes Posting dazu.Verrückt, aber wahr. Auch den Spiegel, die
New York Times und Variety lese ich im Netz. Netz. Ein blödes
Bild. Das Netz sollte eigentlich Leseteich heißen. Rundherum
begrenzt vom sumpfigen Schilf der Onlineforen. Mit einer
schnuckeligen Zone voll blühender Seerosen. In der Mitte tief,
schwarz und unheimlich.Und auf einer Luftmatratze aus Google-
Ergebnissen paddle ich durch die Seerosen.Was ich noch lese?
Atlanten,Haustürprospekte,E-Mails, Bedienungsanleitungen,
Anruflisten, Blogs, Graffiti, Speisekarten, Drehbücher,
Türschilder,Untertitel und mehrmals täglich die Uhrzeit.

.......... .......... ..........

...und was nicht.

Ich weiß gar nicht, was
ich nicht lese. Dafür
weiß ich, was ich alles
unnötig anlese.

MAL EHRLICH, wie soll ich wissen, was ich nicht lese? Müsste
ich das Nichtgelesene nicht zumindest angelesen haben, nicht
zumindest einen Zipfel seines literarischen Wesens verinnerlicht
haben, um zu wissen: Den Mist lese ich nicht weiter? Und
zählte das solcherart Angelesene nicht automatisch zum Schatz
des Gelesenen? Meinetwegen müsste die Spalte da drüben heißen:
„Absichtlich Gelesenes“. Für diese hier schlüge ich vor:
„An-, aber willentlich nicht Weitergelesenes“. Zugegeben, kein
zündender Titel. Einigen wir uns auf:„Was ich nicht weiterlese“.
Ich leide unter einer Aufmerksamkeitsstörung, zu deren
Symptomen die Unfähigkeit gehört,Romane zu lesen.Zwei Seiten,
drei,vielleicht fünf:Mehr schaffe ich nicht.Buchstaben verschwimmen
vor meinen Augen zu Brei,Bilder springen aus den
Seiten wie Popups aus dem Browser. Romane lesen ist Qual,
weil meine Fantasie dem Text Sporen gibt und mit mir durchgeht.
Ich habe nie den „Zauberberg“ gelesen, nie „Der Name der
Rose“, nie „Finnegans Wake“, nie den Kanon all dieser herrlichen
Autoren,deren Werke alle glücklich in sich spazieren tragen.
Drehbücher, Essays, Gedichte, Telefonbücher: kein Problem.
Aber Romane: njet.Meine Krankheit hat auch Gutes: Ich
spare viel Geld, weil ich nie auf Urlaub fahren muss. Denn wo
lesen wir Romane? Im Strandkorb in Ostmasuren, im Sonnendeckstuhl
auf Santorin und Kreta, auf der Swimmingpool-Liege
in Havanna.Gut auch, dass ich Harry Potter nicht einmal in
Zeiten größten literarischen Verdurstens lesen könnte.Wer sich
nach Magie sehnt, soll Aleister Crowley lesen und nicht die Geschichten
einer englischen Lehrerin.Ungelesen bleiben bei mir
auch Zeitungen. Die lese ich online. Das spart Nerven und,
wenn es mehr täten, auch Wälder. Kaffeehäuser, denen man
andichtet, sie seien traditionell Orte des Lesens, sind für Intrigen
da und nicht fürs Gratisstudium von NZZ, Süddeutscher
und FAZ. Sehr ungern lese ich Mahnschreiben und Rechnungen,
Einladungen zu kirchlichen Kulturveranstaltungen und
den Marketingzinnober, der mir die Mailbox verkleistert.
Kleingedrucktes und Amtsstübisches lese ich schon aus optischem
Unvermögen nicht.

© Andrea Maria Dusl 2004
Erschienen in Datum 5/2004

19. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




The Channel 8 Diaries ::: Das Schiff mit den Scharlachroten Segeln

Red-Sail-Ship.jpg

In dem kleinen Verkaufslokal meiner Petersburger Freundin Natalja Pershina
habe ich das magische Schiff mit den Scharlachroten Segeln gefunden. Das Schiff spielt
eine Rolle in Aleksandr Stepanovich Grins Märchen von Asul (Asol, Asole).

Das hat für mich insoferne eine paramontane persönliche Bedeutung,
weil ich doch von (schwedischen) Kapitänen abstamme!

Found-Clothes-Factory.jpgNatalja hat mir ihre wunderschön
märchenhaften Manufakte aus
der "Gefunden-Kleider-Fabrik"
gezeigt. Gegenüber, auf einem
Regal voll kleiner Seltsamkeiten,
stand es: Das Schiff mit den
Scharlachroten Segeln.

Auf http://home.wanadoo.nl/scarletsails/
habe ich nun das >>> Märchen von
Asul gefunden. >>>

15. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Fishfabrique ::: Frau Andrea in Rossija II

Fischfabrique.jpgDas Flex von Sankt Petersburg ist die Fishfabrique. In dem kleinen Club im Keller des autonomen Kulturzentrums Pushkinskaja spielen die angesagten Bands. Gestern war das die fünfköpfige Girl-Band Iwa-Nowa. Iwa-Nowa klingen so, wie die Leningrad Cowboys klingen würden, wenn sie nicht mit dem Testosteron-Wodka-Problem zu kämpfen hätten: Munter und aufgeweckt. Möglich, das man Fishfabrique eigentlich Fischfabrik schreibt, so wie den ursprünglichen Off-Off-Club in der alten, von Künstlern besetzten Pushkinskaya. Überhaupt begegnen hier viele seltsame, durchaus deutsch klingende Worte. Marschrut etwa, das so viel wie "Weg nach soundso" bedeutet, und vom soldatendeutschen Ausdruck "Marschroute" kommt. Auch "Botsman" (Bootsmann), "Rjuksak" (Rucksack), "Schlagbam" (Schranken), "Schwitzar" (Pförtner - eigentlich "Schweizer") oder das Wort "Parikmacherskaja", das einen Friseur bezeichnet und vom Wort Perückenmacher kommt. Tisch heißt übrigens "Stol" und kommt von unserem Stuhl. Ein kleiner Hinweis, wie spartanisch es bei den ersten, holländisch-deutschen Schiffszimmerleuten zugegangen sein mag, die Zar Peter I. zum Hauptstadtbasteln in den Newasümpfen stationiert hat. Sankt Petersburg, das zeitweilige Leningrad wird ganz nach niederländischer Tradition Sanktpiterburch ausgesprochen. Weil das auch den Sanktpiterburchern zu schwindlig vorkommt, nennen sie die Sechsmillionenstadt schlicht Piter.

Erschienen in "Falter" Nr. 42/04 vom 13.10.2004 Seite: 75

13. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




The Channel 8 Diaries ::: Artsy Piter

Iwa-Nova.jpgDas Flex von Sankt Petersburg ist die “Fishfabrique”. In dem kleinen Club im Keller des autonomen Kulturzentrums “Pushkinskaja” spielen die angesagten Bands. Gestern war das die fünfköpfige Girl-Band “Iwa-Nowa”. Iwa-Nowa klingen so, wie die Leningrad Cowboys klingen würden, wenn sie nicht mit dem Testosteron-Wodka-Problem zu kämpfen hätten: Munter und aufgeweckt. Möglich, das man Fishfabrique eigentlich Fischfabrik schriebe, so wie den ursprünglichen Off-Off-Club in der alten, von Künstlern besetzten Pushkinskaya.

Aber eigentlich war ich ja schon vorgestern in der Pushkinskaya. Gegenüber vom Moskauer Bahnhof liegt die Einfahrt zur neuen Pushkinskya. Über ein seltsames, von Plakaten verpicktes Betongatter im Hinterhof kommt man in einen bunkerartigen Kellervorraum, der während der Belagerung im zweiten Weltkrieg wahrscheinlich tatsächlich ein Bunker war. Also da mal durch und dann gehts wieder in einen Hinterhof, an einem Türl vorbei, in dem der Petersburger John-Lennon-Gedenk-Verein tagt. In Permanenz, in eine "Give-Peace-a-Chance"-Dauerwolke eingenestelt. Wir hasten ein paar saubere Stockwerke hoch und läuten an einer Metalltüre. Ein Schuhmuseum. Schuhe und Stiefel müssen nicht ausgezogen werden. Juhu. Es gibt nichts demütigenderes, als Laschschlappen aus Frottee, zwei Nummern zu klein, mit Loch im grossen-Zeh-Bereich. Nur die Bauern ziehen ihre Schuhe aus zu Besuch. Weil ja am Bauernstiefel immer ein Teil vom Misthaufen klebt.

Oleg-Maslov.jpgDurch den Gang und ins Zimmerchen von Oleg Maslov. Oleg ist Maler und hat arbeitet in diesem Atelier. Oleg hat ein Gesicht, dem von Putin nicht unähnlich. Oleg hat sogar im Palast von Putin Dekorationen gemalt. Ob sich ihre Gesichter dort angenähert haben? Auf jeden Fall malt Oleg grosse Schinken nackter Männer, nackter Buben, nacktnackterer Frauen und nackter Raubkatzen, die in antikisierenden Tableaus arrangiert sind. Oleg wird einen der Vernissage-Künstler darstellen, die ich mir für Anastasijas schiefgehenden Uhrenklau ausgedacht habe. Oleg hat einen Malpartner, der Viktor heisst. Das ist insoferne ideal, als ich mir auch das ausgedacht hatte. Dass der Malpartner Viktor heisst, gefällt mir, weil ich mir dann für "Viktor" keinen Namen ausdenken muss. Die webpage von den beiden liegt auf http://www.olegandviktor.com/ Klickablen Link setze ich, wenn das posten billiger ist und nicht über Handy und Satellit läuft. Und zwar jetzt >>> www.olegandviktor.com

Zu Oleg haben mich die Konenkos gebracht. Oleg mag mich und ich mag ihn, das macht alles sehr einfach. Am Boden sitzt ein feuriger Russe aus Moskau, der nur französisch spricht und crazy Masken macht. Für Luc Besson zum Beispiel. Für Taxi. Die Masken für den Überfall, sagt er. Den mag ich auch. Er heisst Gosha Ostretsov und er ist deswegen so feurig, weil er halber Georgier ist.

Metro-Vosstania.jpgSo. Und weil wir uns alle mögen, nehmen mich Oleg und Gosha schnell mit zu einer seltsamen Performance. Wir haben sehr viel Spass im Shuttle-Bus, der über den Newski brettert. Eine dicke blonde Dame SMSt und lacht sich dabei fast von der Sitzbank. Erst nach ein paar Minuten werde ich feststellen, dass sie über uns lacht, über genau UNS. Weil wir uns in einem wirren Mischmasch aus Englisch, Russisch, Deutsch, Französisch und Italienisch unterhalten. Sowas hat die dicke Blonde in ihrem ganzen dicke-Blonde-Dasein noch nicht erlebt, wird sie Oleg gleich erzählen. Und weil mein Russisch dazu nicht reicht, wird es mir Gosha in seinem Anglofranzösisch explanieren. Vielleicht ging es auch um etwas ganz anderes. Wie würde man da je Sicherheit erlangen?

Die Performance in einer von Soros oder Ford restaurierten Kasematte der Sankt-Peter-und-Pauls-Festung handelt von fliegenden Handies, deren Displays im Dunklen leuchten und mit Klingeltönen zirpen, wie singende Hightech-Glühwürmchen. Während der Performance verliere ich meine Geldtasche mit dem Kleingeld und den Zeh-Rubel-Scheinen. Ich finde diese Performance sollte so einen Verlust rechtfertigen.

Am Abend kommt Anastasija zum Tee zu mir. So ist das in Sankt Petersburg. Auch ein Einzelzimmer im Oktober-Hotel kann ein Salon sein.

Ich entsinne mich, dass ich am nächsten Tag wieder was mit den Konenkos gemacht habe. Ach ja, wir waren in der südlichen Vorstadt, irgendwas mit "U" oder "IO", am Flohmarkt. Hier werden die Handies verkauft, die in Holland, Deutschland und bei uns "verloren" werden. Irgendwo gibt es auch einen grossen Markt, wo die BMWs und Mercedes vercheckt werden, die in München und Berlin "verloren" gehen. Zwischen den Handy-Pavillons sind CD- und DVD-Pavillons. Hier gibt es Hollywood-Filme auf DVD, die in den USA noch nicht einmal im Kino waren. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, meinen eigenen hier reinzustellen. Nur, um zu sehen, wie schnell er sich multipliziert.

Newski-Blue-Light.jpgAbends treffe ich Galina, die Drehgenehmigungen organisiert. Ganz gegen meine telefonische Intuition ist sie durchaus seriös und von ausserordentlicher Auffassungsgabe und radikaler Gedankenschnelle. Ich frage also nach ihrer Familiengeschichte, mal in der Annahme, ihre Leute stammten aus aus den Klaviermetropolen Odessa oder Lemberg. Stammen sie aber nicht, sie sind alle von hier. Auch der Pridnig ist hier, Klaus Pridnig der mein Regieassistent war in Blue Moon. Klaus hat jetzt eine Filmfirma in Kiev und ich finde das sehr gut. Ich finde das passt. Galina hilft ihm eine ÖMV-Motoröl-Werbung zu organisieren. In Murmansk. Weil es dort verdammt kalt ist. Klaus und ich haben uns gut verstanden. Das macht mir die Erinnerung an seine Arbeit bei mir süss, die doch oft an Unterzucker litt.

Heute war Mädchentrefftag. Erstens war ich nach langer Suche endlich bei Natalja, die in einem grossartig meschuggenen Riesenatelier im Kamenoostrovsky Prospekt lebt. Mit ihrer kleinen Tochter und ihrem Mann Kirill. Kirill macht kleine, unfassbar witzige Animationsfilme. Natalja verfolgt seit zehn Jahren ein Performance-Projekt, das "gefundene Kleider" heisst. Mit den gefundenen Unter-Kleidern aus den 1910ern haben sie und ihre Performance-bessere-Hälfte schon den Freitod einer traurigen russischen Dichterin nachgestellt und sind dazu gemeinsam in die Moika gesprungen. So habe ich das jedenfalls verstanden.

Lena.jpgSo wie sich die Computernerds aller Kontinente verstehen, egal ob sie aus Venezuela, Burundi oder Dänemark kommen, so verstehen sich die meschuggenen Artisten der Welt. Das ist wie im Zirkus. Trapez ist Trapez, Feuerreifen Feuerreifen, Jonglierteller Jonglierteller. Aus meinen Begegnungen mit Oleg, Gosha, Natalja und Kirill rechne ich mir zusammen, dass ich vermutlich von aussen auch zu den meschuggenen Artisten gerechnet werden muss. Na umsonst wird die dicke Frau nicht im Transittaxi vom Bankerl gefallen sein vor Lachen.

Und grad eben habe ich dann noch Lena getroffen, die Bassistin von Iwa-Nova. Sie ist Mathematikerin. Und Bassistin. Und sie hat einen Löwen auf dem linken Oberarm. Lena mag ich sehr.

10. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings




metaphysics ::: Arbeit

Erschienen in .copy 18 i.e. 04/2004

Im Film „Megacities“ erzählt der österreichische Regisseur Michael Glawogger vom Leben in den Slums der Riesenstädte. In seinem neuen Film geht er auf die Suche nach den letzten echten Arbeitern: Drei Männer mit schwarzen, verschwitzten Gesichtern, Grubenlampen auf den Helmen, schieben sich irgendwo in der östlichen Ukraine in einen horizontalen Felsspalt, der gerade einmal so hoch ist, wie ihre Schultern breit sind. Mit ruhigen, gezielten Schlägen hauen sie tiefschwarze Steinkohle aus dem lebensgefährlich engen Flöz. An einem schmutzigen Sandstrand in einer anderen Ecke des Globus klettern Vermummte mit dicken Schutzbrillen das haushohe Wrack eines rostigen Öltankers hoch. Mit primitiven Schweißbrennern zerschneiden sie die armdicken Stahlplatten des riesenhaften Schiffsleibes vom Oberdeck bis zum Kiel und zerlegen den Tanker in Stücke von der Größe ganzer Häuserblocks. Kaum ist eines dieser gigantischen Rippenstücke ins flache Wasser gestürzt, wird es von einem anderen Team bestiegen, das es in kleinere und diese in noch kleinere Stücke zerschneidet, bis am Ende tischplattengroße, scharfkantige Eisenstücke, von nackten Händen getragen, auf riesige Stapel gelegt werden.

Die beiden Szenen sind exemplarisch für Michael Glawoggers gewaltigen Film „Workingman’s Death“. Körperliche Schwerstarbeit ist praktisch unsichtbar geworden in unserer globalisierten Welt der Maschinen, Fabriken und Konzerne. Und mit der körperlichen Schwerstarbeit scheinen auch Arbeiter und Arbeiterinnen – zu Zeiten des Kommunismus noch zu Helden stilisiert – verschwunden zu sein. Heute werden Arbeiterinnen und Arbeiter nicht mehr mit falschen Hymnen bejubelt – sondern überhaupt nicht mehr. Ist der Arbeiter tot, sein Ruhm verblasst, ersetzt durch die billige Kraft der Maschine? Es gibt ihn noch, den Arbeiter – oft jedoch illegal und unterbezahlt, von keiner Gewerkschaft vertreten, von keinem Arbeitsgesetz beschützt. Weil es noch immer Regionen gibt, in denen Menschen schwere Arbeit billiger erledigen als Maschinen: Menschen, die in einem Vulkanschlot auf Java Schwefel brechen, in Nigeria Rinder zerlegen, in Pakistan Schiffe zerschneiden oder in aufgelassenen sowjetischen Steinkohleflözen nach Heizgut für den Winter schürfen. Michael Glawogger hat für seinen Film die letzten Arbeiter aufgespürt. Das dokumentarische Epos wird nächstes Jahr ins Kino kommen, Eindrücke von den Dreharbeiten gibt es auf der Homepage des Films.

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Offizielle Website des Films Workingman’s Death
Grateful Dead’s Album „Workingman’s Dead“

10. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




DE TU ARTE AL MÍO...

25 Grados en Invierno
(octubre 19, 2004)
Por: Alberto Acuña Navarijo
alberto@revistacinefagia.com
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from: http://www.revistacinefagia.com/arti.htm

Los fenomenos de la inmigración, los mestizajes culturales y el acoplamiento de los extranjeros para aceptar su nueva patria y viceversa; así como las tendencias ideológicas y el intercambio de tradiciones ha llegado al cine europeo, tanto temáticamente como híbrido industrial. Es cierto, la problemática ha existido desde siempre, producto de las conquistas, guerras, del comercio, de la política y de la economía, pero así como canta el músico brasileño Gilberto Gil: "Antes el mundo era pequeño porque la tierra es grande, ahora el mundo es grande por que la tierra es pequeña". Dicho fenómeno se ha disparado en los últimos 40 años y el cine ha sido testigo y opción para para aprender y poder mirar los diferentes puntos de vista de la trasculturalización.


Ahí están como muestra el movimiento de directores turcos en Alemania, los franceses que quedan sorprendidos por la curiosa invasión e incursión de realizadores argelinos, nigerianos o cameruneses, o la exótica presencia de autores hindúes en Inglaterra. Recordemos que también están los festivales especializados como lo son Amiens y Montpellier (Francia) o Valencia (España), que desean presentar el panorama de cinematografías tan lejanas como la de Marruecos, Túnez o Burkina Faso. En el caso de producciones, ejemplos notables los tenemos con la española Las Cartas de Alou (Montxo Armendariz,1990), la francesa La Culpa La Tiene Voltaire (Abdel Kechiche, 2000), la austriaca Blue Moon (Andrea Maria Dusl, 2002), la sueca La Nueva Patria (Gier Hansteen Jorgensen, 2000) o las alemanas Nos Olvidamos en Regresar (Fatih Akhin, 2000), Luces Distantes (Hans Christian Schmid, 2003) y Anansi (Fritz Baunman,2002).


Pero más allá del afortunado rompimiento de fronteras fílmicas, un defecto ha prevalecido casi por completo en dicha manifestación: la solemnidad con que es tratado el tema. Así, siempre en este cine hecho por locales o extranjeros se pinta la otra cara de ciudades como París, Berlín o Londres, en donde conviven los marginados, los adictos y las minorías (como homosexuales o discapacitados) en busca de oportunidades y justicia, aparentemente porque eso le da un aire más cosmopolita y coqueto a estas u otras metrópolis europeas. Peor aún, siempre a los protagonistas les va muy mal y quedan como al principio de la cinta: sufren vejaciones, humillaciones, se dedican a varios subempleos, son detenidos o internados en alguna institución mental. En situaciones límite podrán ser violados, traicionados por supuestos benefactores o de plano ser deportados, frustrando sus sueños, metas o promesas. En algunos casos el cine ha defendido el fenómeno pero en muchos otros casos lo que intenta decir es: ¡Sáquense de aquí, pinches muertos de hambre! ¿No ven que no hay espacio para ustedes y que afectan a mi país?, o al revés: Pobres de nosotros los inmigrantes, ¿por qué no nos dan un espacio?. Puras contradicciones en esta globalización cinematográfica.


Es por ello que lo primero que hay que tomar en cuenta de la opera prima de Stéphane Vuillet, 25 Grados en Invierno (previo los cortos Terre Natale -1996- y Le Sourire des Femmes-1997-), es su falta de tremendismo e intencion de denuncia social. En vez de eso ofrece una amable y agradable comedia en donde a lo largo de un caluroso día en Bruselas cuatro personajes descubrirán que no es tan malo vivir en un país ajeno al suyo, si saben mantener su cultura y folklore. No sólo eso, la cinta se toma la molestia de abogar y defender la unión que existe entre todos los pueblos asentados en Europa y lo innecesario que puede ser viajar a la odiosa América en donde todos son tratados con desprecio; en donde las mujeres que llegan sólo pueden ser teiboleras y los hombres siempre siempre serán poco menos que esclavos.


Mezclando el road movie y la tendencia de obra coral -en donde se hace la pregunta ¿qué pueden hacer y cuántas cosas les pueden ocurrir a una serie de personajes relacionados o no entre sí, en una jornada que se antoja especial y diferente?-, la cinta nos presenta a Miguel (Jacques Gamblin), un joven español, irresponsable, flojo, padre divorciado que a duras penas puede cuidar y mantener a su pequeña hija Laura (Raphaëlle Molinier), la cual lo único que desea es viajar a Nueva York para reencontrarse con su mamá, que los ha abandonado para buscar fortuna como cantante. Aparte de eso, Miguel tiene que soportar el mal genio de su hermano menor Juan (Pedro Romero), quien es su jefe al ser Miguel mensajero en una agencia de viajes; la histeria de su madre (Carmen Maura), que constantemente reniega del desapego que éste tiene con la idosincrasia ibérica (se niega a hablar en español, no desea vacacionar en las playas españolas, además de que se casó con una belga) y con las exigencias del dueño del departamento, donde vive por deber varios meses de renta. Para colmo es un apostador empedernido en donde como es lógico de suponer vive endrogado por nunca atinarle en sus pronósticos.


No obstante nada lo ha preparado para vivir el dóa mas movidito de su vida cuando conoce accidentalmente a Sonia (Ingeborga Dapkunaite), una inmigrante ucraniana que huye de la justicia al escapar de una redada; la cual ha arriesgado su libertad e integridad con tal de encontrarse con su marido después de dos años de estar separados, ya que él presubiblemente es ahora un gran artista en el pequeño país. Así, sin deberla ni temerla , pero tampoco sin nada que perder, Miguel se embarcará junto a Sonia -hija y madre incluidas de coladas- a un viaje por carretera atravesando toda Bélgica, ya que el paradero del marido de Sonia no es muy claro. A esto Miguel le suma que debe de entregar puntualmente un boleto de avión, huir a como dé lugar del dueño del departamento, aprender a ser un mejor padre para Laura y, claro, para rematar el día, estar presente en el partido de futbol.


Como mencionaba antes, lo que distingue a esta cinta de gran parte de obras que han tratado el tema y lo que la hace tan recomendable es su humor y su ingenuo pero contagiante optimismo. Según la vision de Vuillet, Bélgica está exenta de violencia, corrupción o pobreza. Igualmente, una inmigrante puede tener una oportunidad de sobresalir y sobre todo sobrevivir, convirtiéndose de esta manera en una metáfora de lo que caracteriza al sueño de las culturas del mestizaje y la diversidad dentro de los ciudadanos del mundo. Es cierto, obviamente no faltará quien critique con mala leche esta manera de tratar el fenómeno, en donde es mejor ver con beneplácito la explosión multirracial a enfrentar seriamente el problema. Pero, siendo sincero, prefiero esto a otro azote sociopolítico o, en el peor de los casos, una cinta en donde se presente al monstruo más grande de lo que es en realidad.


Ahora bien, pasando a otro plano, sin con eso olvidarnos del la idea original, es muy probable que exista quien cuestione los motivos de incluir una cinta tan benevolente e indulgente como ésta, mas aún siendo una comedia, si se supone que siendo cine de "arte", tendrían que presentarse reseñas de cintas de corte "exquisito", "intelectual", "avant garde", y "selecto", con un estilo sobrio, respetuoso y serio como se lo merecen estas obras. Y es que hay que mostrar el pedigree. Pero, a todo esto, ¿alguien me puede decir qué demonios es cine de arte? Tomando en cuenta que el cine como tal es un arte, ¿la reiteración significa que este es un término excluyente, sólo para especialistas? ¿Será posible entonces que si una cinta no proviene de una corriente fílmica vanguardista, un país que difícilmente se encuentra en el mapa o que es dirigido por un realizador con apellido impronunciable, pierde su valor artístico? ¿Entonces el arte debe ser eternas tomas de una sala de cine vacía o de una persona masturbándose? ¿Y no será que el adjetivo de "arte" o de "autor" más que exclusivo es un término ignorante que al igual que "cine de culto" o "revalorización de lo chafa" son títulos ya muy devaluados y que a la larga no expresan en su totalidad su significado, cayendo en círculos viciosos y discusiones sin fin?.


Digo, a ciencia cierta muy poca gente tiene una noción y explicación precisa de lo que se trata dicha clasificación, aunque eso si todos la pregonan para mostrar el alto caché y el buen gusto que tienen. Para ejemplificar esta afirmación, se encuentran críticos de bolsillo como lo puede ser el pedante Horacio Villalobos (toda una patada bien dada al hígado), el cual ha usado el pretexto como muletilla de que si él puede pagar un boleto para ir al cine y tiene un espacio en televisión, a güevo tiene el derecho de meter su cuchara con sus opiniones grandilocuentes al respecto. De acuerdo, cualquiera puede dar su punto de vista, se esté o no de acuerdo -aquí estamos nosotros para comprobarlo-, pero no valiéndole madre y haciendo comparaciones arbitrarias nada más para que vean que sé es alguien bien preparado -o para que suene bonito, en su defecto- como su reciente comparación de Bergman y Tarkovsky con ¡Temporada de Patos! (Fernando Eimbcke, 2004). Me pregunto cuántas películas de estos autores ha visto sin aburrirse. O qué decir de los siempre atinados comentarios de Alejandra Obregón -¿es un maniquí o una crítica?-. Sería innecesario comentar las burradas de esta mujer -es Revista Cinefagia, no La Oreja- pero, si ponemos como prueba que de este tipo de personas está lleno el medio en donde sólo el mencionar nombres como Fellini o Antonioni es razón suficiente para que lleguen a tener un orgasmo, ya se imaginarán las razones para que el cine de arte ya suene a chiste.


Aunque, eso sí, tampoco los espectadores cantan mal las rancheras. Todavía mucha gente tiene en mente que asistir al Tour de Cine Francés (de donde es proveniente esta cinta) o el Festival de Cine Alemán se tratará de contemplar un tratado de la vida y la muerte, sin comprender que estos y cualquier otro evento de esta naturaleza son escaparates y no museos en donde todavía vamos a ver los efectos de la Nueva Ola Francesa o del Nuevo Cine Alemán de los 70. Mientras cambian de forma de pensar a la hora de utilizar los criterios fílmicos tanto especialistas como público en general, un servidor propone la revisión de 25 Grados en Invierno. Que sirva dicha recomendación para demostrar que muchas veces las buenas obras de arte se encuentran en donde menos nos lo esperamos. Y esa es la razón de seguir valorando desde otra óptica el cine.


25 GRADOS EN INVIERNO
(25 Degrés en Hiver)
Dirección: Stéphane Vuillet; Guión: Stéphane Malandrin, Pedro Romero y Stéphane Vuillet; Producción: Marion Hänsel y Sergei Selyanov; Fotografía: Walther van den Ende; Música: Tristan Vuillet; Edición: Anne-Laure Guégan; Compañías Productoras: Man's Films, Lancelot Films, Alokatu S.L., Radio Télévision Belge Francofone (RTBF), Eurimages, Vlaams Audiovisueel Fonds, Canal+, Ciné Cinémas, Etb (Euskal Telebista) y CTB Film Company; Compañía Distribuidora: Cinemas Nueva Era; Con: Jacques Gamblin (Miguel), Ingeborga Dapkunaite (Sonia), Raphaëlle Molinier (Laura), Carmen Maura (Abuelita) y Pedro Romero (Juan) Francia-Bélgica-Rusia-España, 2004, 90 min.
Premios y Nominaciones: Festival Internacional de Cine de Berlín, Alemania 2004: Premio del Jurado de Berliner Morgenpost a Mejor Película (Stéphane Vuillet). Nominado al Oso de Oro a Mejor Película (Stéphane Vuillet). Festival de Cine Español de Málaga, España 2004: nominada a la Biznaga de Oro a Mejor Película (Stéphane Vuillet)

9. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




The Channel 8 Diaries ::: Piterlife

Fünf Tage sind vergangen, und es scheint mir, als hätte ich nie geschlafen, wäre schon ewig da und wäre jede noch so versteckte Strasse Petersburg mindestens achtmal abgegangen. Dem ist aber nicht so, denn ich komme immer wieder in Petersburger Weltgegenden, die ich noch nicht kenne.

Konenkos.jpgSamstag habe ich meine Freunde, die Konenkos getroffen, in ihrer mit Bildern, Büchern und Platten zugespachtelten zwei-Zimmer-Wohnung, die eigentlich Teil eines von sieben Salons einer Patrizierwohnung am Newski ist. Bei den Konenkos ist es gemütlich, es gibt Tee und viel Filmsprechen. Juri ist Filmkritiker und Festival-Katalog-Autor.

Sonntag ist Falter-Kolumnen-Schreibetag, Bilderordentag, Telefoniertag, Planungstag.

Emailen und Surfen geht hier bei mir am Hotelzimmer so: Ich hol mein Powerboook aus dem Versteck, schalte bluetooth ein. Am Handy suche ich den Telefoncompany "Megaphon" und stell auch dort bluethooth auf "on". Dann klicke ich "verbinden" und das Apple-Titanium wählt sich ins Internet ein.

Alle vier Minuten geht die Verbindung tschari, und das ganze von vorne. Ohne Laptop-aus-dem-Versteck-holen natürlich.

Majakovskaja.jpgMontag gehe ich kreuz und quer durch die Stadt. Im Videoladen sucht mir Juri Konenko russische Filme aus. Die DVDs kosten hier drei Euro, die CDs drei bis vier. Der lange Arm der amerikanischen Unterhaltungsindustrie endet an der russischen Grenze. Alitschna!

Dienstag treffe ich eine wunderschöne, zauberhafte Freundin. Nastja kenne ich seit sechs Jahren, sie studiert Englisch in einem IInstitut an der Moika. Die Moika ist einer der Kanäle, die Petersburg durchziehen. Um das studieren zu finanzieren, jobbt Anastasija am Chanel-Stand von einem High-Class-Laden für reiche Russinnen. Davon können sie und ihre Mama die Schulden zurückzahlen, die sie bei ihren Verwandten haben. Und die Miete geht sich auch aus. 1000 Rubel kostet die winzige Wohnung pro Monat, das sind 30 Euro. Und das ist hier verdammt viel.

Gegenüber vom Moskauer Bahnhof ist eine Metrostation, die wie ein runder Tempel aussieht. Von dort soll ich die Linie eins zur Station Polytechnetschkaya (o.s.ä.) nehmen. Ich steige in der falschen Richtung ein und muss wie beim Monopoly noch einmal über Start. Draussen in der Vorstadt, in den Plattenbausiedlungen wohnt Nastja, sie holt mich von der Metrostation ab. Wir kaufen Lachs, Tee, Kekse und Milchshake in einem sehr westlichen Supermarkt. Am Weg zu Nastjas Haus steht das Kybernetische Institut, ein Bau als hätte jemand im Computer das Sojus-Raumfahrt-Programm mit einem gotischem Kirchturm gemorpht. Am Weg nach Nastjas Hause kommen wir an einem Ziegelteich mit Strand vorbei, etwas fleckig sieht es dort aus. Dann durch ein kleines Birkenwäldchen, das sich aus den ausgebüchsten und zu gross gewordenen 60ties-Gartenbäumchen vor den zweistöckigen Häusern rekrutiert. Nastja wohnt mit ihrer Mutter, die gerade in der Bank ist und arbeitet. Die Wohnung im Erdgeschoss ist etwas abgeschrammt aber sauber wie ein junges Kätzchen.

Nastja bringt uns mit dem Shuttle-Bus rüber auf die Petrograder Insel. In so einem Shuttlebus - ein mittelgrosser Kastenwagen von Transit-Grösse haben genau 11 Leute Platz. Die Passagiere sitzen wie in einem kleinen fahrenden Kaffeehaus. In der "Englischen Bäckerei" gibt es die besten Mehlspeisen und Torten Europas. Ich lüge jetzt nicht: Die besten von Europa. Der Laden sieht aus wie eine Kleinstadtkonditorei, aber vor den Mehlspeisen hier kann der Demel einpacken.

Nastja-Lounge.jpgAm Abend landen wir wieder am Newski in einem ultraschicken loungoiden Fortgehcafé. Dunkelbrau und weiss. Design dieser Güte würde man in Paris und Manhattan vermuten. Nicht in Russland. (Bild kommt noch!)

Dazwischen: Recherche in Apotheken, Apotheken, Bussen, Apotheken, Busen, Apotheken, Metrostationen, Brückenwärterhäuschen. Meine Ixus ist nach 700 Bildern randvolll. Und meine Hirn schwappt über von Nastjas Russlandbetriebsanleitung.

Mittwoch morgen treffe ich die Konenkos unten in der Hotelhalle, feuchter Regen hängt über der Stadt. Wir fahren zum Kaufhaus Gostiny Dvor und den Innenstadtparks um für die "Talking People" in "Channel 8" zu recherchieren. Mein Plan: Ich möchte an zwei Tagen 100 Leute interviewen, auf der Strasse, in Parks, in Geschäften. Vom kleinen Kind bis zur Babuschka, vom Bomsch (so heissen hier die Sandler) bis zum General. Wir sprechen mit 45 Leuten, und da sind schon arge Schicksale dabei, harte Sachen, aber auch aberwitzige und schreiend unspektakuläre Alltagsschicksale.

Morgen kommen die nächsten 54 dran. Uff. Tippen auch noch. Und alles muss durch mein kleines Handy durch um auf der Comandantinaseite zu landen!

6. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




Oktiabrskaya ::: Frau Andrea in Rossija I

Oktiabrskaya.jpgDas Gostinitza Oktiabrskaya in dem ich gerade wohne, das Sankt Petersburger Hotel Oktober, ein enormer Kasten aus der Gründerzeit, ist nach der großen Revolution von 1917 benannt. In der Nacht vom 25. zum 26. Oktober dieses Jahres hatte der so legendäre wie unblutige Sturm auf das Winterpalais der russischen Zaren stattgefunden. Das Oktober-Hotel liegt nicht schlecht: An der Kreuzung des Petersburger Goldader Newskij Prospekt und des eher semimondänen Ligowskij Prospekt gelegen, müsste es nach modernen kalendarischen Kriterien eigentlich November-Hotel heißen, denn die berühmte Oktoberrevolution fand eigentlich in der Nacht des 7. November statt. Die Konfusion von November und Oktober ergibt sich daraus, dass 1917 in Russland noch der Julianische Kalender galt. Und nach dem Julianischen Kalender war der 7. November russlandweit der 25. Oktober 1917. Diese Datumskonfusion sollte bleibende Spuren im Jahreszeitenverständnis der russischen Hotelverwaltungen nach sich ziehen. So beginnt die Heizsaison in den Hotels der Stadt an der Newa ungeachtet der Lage im hohen Norden für hiesige Verhältnisse bitter spät: So um den 1. November alter, 19. Oktober neuerer Zeitrechnung. Ausnahmen von dieser Regel finden nur dann statt, wenn es an sieben aufeinander folgenden Mittagen kälter als acht Grad ist. Etwas prosaischer ausgedrückt: In meinem schnuckeligen kleinen Hotelzimmer im Oktober/November-Hotel ist es kälter als im Herzen von Wladimir Putin.

Erschienen in "Falter" Nr. 41/04 vom 06.10.2004 Seite: 71

6. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Willi Resetarits und Gerald Votava ::: Die Hornisse ist der Star

WILLI RESETARITS und GERALD VOTAVA im Interview mit ANDREA MARIA DUSL und WOLFGANG KRALICEK.

Die Hornisse ist der Star"

Falter-41-2004.jpgWilli Resetarits und Gerald Votava machen gemeinsame Sache: Im Orpheum werden die beiden Künstler ab sofort jeden Sonntagmittag zusammen plaudern und musizieren. Mit dem "Falter" sprachen sie über Menschen und Tiere, Udo Jürgens und Arik Brauer.

Nach zwanzig aufopfernden Jahren im Dienste des Rock 'n' Roll ist Willi Resetarits als Ostbahn-Kurti Ende des Vorjahres in Pension gegangen. Auch um Gerald Votava war es zuletzt eher ruhig geworden: Der FM4-Moderator, Hauptprojektleiter der Comedyserie "Projekt X" und Freizeitgitarrist (Jolly Friends) hat sich hauptsächlich um seinen neugeborenen Sohn Wenzel gekümmert. Jetzt kehren beide Herren im Doppelpack zurück ins Rampenlicht: Im Kagraner Etablissement Orpheum hat am 10. Oktober ihre erste gemeinsame Show "Weil, warum?" Premiere.

Resetarits, 55, und Votava, 33, treffen nicht zum ersten Mal zusammen: Bei den traditionellen "Krampusrummel"-Konzerten des Ostbahn-Kurti absolvierte Votava mehrmals Gastauftritte in verschiedenen Rollen (Nikolo, Osterhase ...); umgekehrt war Resetarits am Heiligen Abend zweimal FM4-Studiogast bei Votava. "Da haben wir uns einfach ohne Vorbereitung hingesetzt und geredet", erinnert sich Willi Resetarits. "Viele Menschen waren davon tief beeindruckt. Da hat man gesehen: Wir zwei zusammen, das hat was."

Wenn es nach den Künstlern geht, soll "Weil, warum?" zur Dauereinrichtung werden; geplant sind eine Herbst- und eine Frühjahrssaison mit langen Pausen dazwischen, damit's nicht fad wird. Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Roland Guggenbichler, dem Pianisten aus Ostbahn-Kurtis Kombo; als wissenschaftlicher Berater wurde Falter-Kolumnist Peter Iwaniewicz ("Tier der Woche") engagiert. Das Gespräch fand im Gasthaus Birner an der Alten Donau statt.

Falter: Am Sonntag hat "Weil, warum?", die erste gemeinsame Show von Willi Resetarits und Gerald Votava, Premiere. Was darf sich das Publikum erwarten?

Willi Resetarits: Ich glaub, dass das eine Sensation wird, wenn wir zu zweit a Show machen. Nicht beim ersten Mal vielleicht, das muss sich entwickeln.

Willi-Gerald.jpgGerald Votava: Die Show ist ja für mehrere Jahrzehnte angedacht.

Resetarits: Ja, sie ist als Altersversorgung geplant.

Das heißt, dass man nicht unbedingt zur Premiere kommen soll?

Resetarits: Man muss zur Premiere kommen, weil da wollen wir uns ja vorstellen. Aber beim sechsten, siebenten Mal werden wir erst gut sein! Weil ja viele Jazzanteile dabei sind, sprich: Sachen, die man vorher nicht weiß.

Votava: Improvisation, nicht nur musikalisch.

Gibt es überhaupt einen vorbereiteten Text?

Resetarits: Es gibt Themen. Wir interessieren uns für schwierige Sachen, die wir selber nicht so genau wissen. Denen wollen wir nachgehen. Wir arbeiten permanent an der Welterklärung, und auf der Basis kann das Publikum dann zu Hause an der Weltverbesserung weiterarbeiten.

Die Show findet zu einem ungewöhnlichen Termin statt: Sonntag um ein Uhr mittags. Warum?

Votava: Das ist ein Termin, der in den letzten Jahren wieder frei geworden ist.

Resetarits: Ich hab im Radio um dieselbe Zeit drei Jahr lang "Trost und Rat" gemacht. Und ich bin draufgekommen, dass der große Erfolg dieser Sendung möglicherweise auch mit dem Termin zu tun gehabt hat.

Und was machen Sie normalerweise am Sonntag zu Mittag?

Resetarits: Nix. Wenn ich im Dienst bin, sprich: Konzerte spiele, sind die Samstage die Termine, die am ersten weg sind. Jetzt musste ich einmal allen sagen, dass die Samstage nicht mehr zu buchen sind - damit ich am Sonntag halbwegs fit bin.

Das würden Sie körperlich nicht schaffen?

Resetarits: Da hab ich schon damals sehr gelitten, wie ich "Trost und Rat" gemacht hab. Wenn du in der Nacht von Innsbruck heimfahrst ...

Votava: Du betreibst ja auch eine sehr intensive Konzertnachbereitung. Dabei geht dann natürlich Energie für den nächsten Tag verloren.

Resetarits: Sagen wir so: Gleich nach dem Konzert z'sammpacken, schlafen gehen und heimfahren - dann scheiß i drauf, da hab i nix davon.

Votava: Ich glaub, dass die Mittagszeit eine sehr schöne Zeit ist. Es gibt ja die Tradition des Frühschoppens, nach der Kirche.

Und dann zur Mama an den Mittagstisch!

Resetarits: Ich kann mich noch an den Klassiker erinnern, dass die Kinder von der Mama geschickt werden, den Papa vom Frühschoppen zu holen. Und der Papa hat dann die Kinder mit Kracherl bestochen.

Welche Themen werden in der Show behandelt?

Resetarits: Wir beschäftigen uns zum Beispiel sehr stark mit Tieren. Insekten, die Schwarmforschung ...

Votava: ... Tiere, die jetzt an und für sich nicht so geschätzt werden. Um die Gelse oder die Zecke kümmert man sich ja viel weniger als zum Beispiel um das Meerschweinchen.

Resetarits: Ein Thema könnte zum Beispiel sein: die Zecke als Cashcow der Pharmaindustrie.

Und welche Rolle spielt "Falter"-Kolumnist Peter Iwaniewicz dabei?

Resetarits: Der hat einen kleinen Diensttisch mit einem Dienstsesserl. Und weil wir goschnmäßig ja nicht zu bremsen sind, kriegt er eine Glocke, mit der er Einhalt gebieten kann, wenn wir zu stark in die Spekulation reinkommen, wie das mit den Tieren sein könnte.

Votava: Er hat, soweit ich informiert bin, ein Mittelquartheft, in dem das gesammelte Wissen drinnen steht, zumindest was Tiere betrifft. Das dürfte so ein schlaues Buch sein, wie es Tick, Trick und Track gehabt haben. Oder glaubst, der weiß das alles von selber?

Resetarits: Wir werden auch Tiere auf der Bühne haben. Aber in Transportkisten, in die man nicht reinsieht.

Der letzte große Sonntagsentertainer war Heinz Conrads mit seiner Radiosendung "Was gibt es Neues?" - ein Vorbild?

Resetarits: Das ist aus einer anderen Zeit. Das war von einer Harmlosigkeit, die man sich heute so nicht vorstellen kann. Trotzdem ist es als angenehm empfunden worden.

Sie sind schon oft in Rollen aufgetreten. Wird das auch bei "Weil, warum?" ein Element sein?

Votava: Es kann sein, dass wir uns dieses Stilmittels bedienen, wenn es die Show verlangt. Und das wird sie.

Resetarits: Der Gerald wird sich zum Beispiel als Hornisse verkleiden, eine sprechende Hornisse darstellen. Und ich werde das natürlich nicht glauben, weil a Hornisse ja ned sprechen kann!

Was haben Sie für Erfahrungen mit Hornissen gemacht?

Resetarits: Der Sound ist so arg! Ich hab in einem Haus im Waldviertel gewohnt, wo es ein sehr reiches Insektenleben gab. Da hast du die einzelnen Insekten dann schon akustisch auseisnander halten können. Und der absolute Star war die Hornisse.

Votava: Die Hornisse ist quasi der Porsche in der Insektenwelt.

Sind Hornissen nicht eine Bedrohung für den Menschen?

Resetarits: Wenn wir Hornissen im Haus gehabt haben, haben wir natürlich geschaut, dass wir mit ihnen auskommen. Man macht sich ja Sorgen wegen der Kinder. Natürlich ist jeder einmal bissen worden, und da gibt's ja verschiedene Meinungen: Die einen sagen, wenn dich drei stechen, bist hin. Die anderen sagen: Bledsinn. Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die von mehr als drei Hornissen gleichzeitig gestochen worden sind. Und ich lebe!

Und wie hat es sich angefühlt?

Resetarits: Des tuat weh! Das ist ein Schmerz, wie wenn dir jemand mit einem Holzprügel stark draufhaut.

Das wäre doch ein Thema.

Votava: Zum Beispiel. Wir werden übrigens auch verschiedene Tricks nützen, etwa das dramaturgische Mittel der Zeitüberblendung.

Resetarits: Zum Beispiel bringen wir Interviews, die vor zwei Tagen stattgefunden haben!

Votava: Das Leiwande daran ist, dass wir die Interviews dann schneiden können, Stellen rausnehmen, die fad sind. Das ist schwierig, weil solche Sachen hat kaum noch wer gemacht auf einer Bühne. Aber die Leute sind durch die Medienentwicklung der letzten Jahre so geschult, dass man wirklich sehr dynamisch arbeiten muss.

Heribert-Gerald-Willi.jpgResetarits: Wir bewegen uns da auf dünnem Eis. Wir müssen aber auch nicht immer alles selber genau wissen, dafür haben wir ja Experten.

Votava: Ein Anliegen ist uns auch, zwischen dem Publikum und den Wissenschaftlern zu vermitteln.

Resetarits: Er ist ja so begeistert von der Heisenberg'schen Unschärferelation!

Der Titel "Weil, warum?" ist eine Referenz an Ostbahn-Kurti. Ist die Show so was wie ein Comeback?

Resetarits: Es ist der wesentlichste Teil von dem, was der Willi Resetarits jetzt "Neues" probiert. Neu ist es insofern nicht, weil wir ja schon fertige Unterhaltungskünstler sind und uns aus dem Fundus an Fertigkeiten halt die aussuchen, die uns gut passen. Der Willi Resetarits will sich jetzt wichtig machen, nachdem er den Ostbahn abgelegt hat.

Sie kommen beide vom Rock 'n' Roll, sind aber durch Ihren Schmäh berühmt geworden. Wär's Ihnen lieber umgekehrt?

Resetarits: Wenn man mir versprechen würde: Du darfst ein ganz wilder Rock 'n' Roller werden, musst aber schmähfrei sein, würde ich das nie akzeptieren.

Votava: Mir war das so und so immer eher wurscht, in welchem Medium man das transportiert, was man machen will. Wir singen auch Lieder, wobei das keine Rock-'n'-Roll-Lieder sein werden.

Resetarits: I brauch' des Laute nimmer. Das hab ich mir abgearbeitet. Es tut mir jetzt weh, wenn wer so laut spielt.

Singen Sie deutsch oder englisch?

Resetarits: Der Gerald hat gesagt deutsch, und es hat nicht so geklungen, als ob er die Frage diskutieren wollte. Wir haben zum Beispiel ein Lied von Arik Brauer gefunden, das wieder mit einer großen Ernsthaftigkeit gespielt werden will: "Hinter meiner, vorder meiner, links, rechts gült's nix, ober meiner, unter meiner siach i nix. Spür nix, hea nix und i riach nix, denk i nix und red i nix und tua i nix ..."

Votava: Das ist ein Lied, das die Menschen kaum mehr kennen!

Resetarits: Ich finde die Einleitung ganz toll. Der Arik Brauer hat ja so eine hohe Stimme, und mit der sagt er: "Das ist ein beinhartes Protestlied! Der Protest richtet sich aber nicht gegen jemand Bestimmten, sondern an jeden, der sich betroffen fühlt. Auch gegen mich!"

Ist das bei Brauer Ironie?

Resetarits: Na. Wir werden die Vorrede auch weglassen. Wir wollen das Lied ernst nehmen, und wenn's dann jemand lustig findet, soll er. Wir wollen, dass das eine Würde und Ernsthaftigkeit hat und trotzdem zum Lachen ist.

Votava: Im Kino oder im Theater regt man sich oft über Leute auf, die an den falschen Stellen lachen. Aber ich find, das ist halt so.

Welche Songs stehen noch auf dem Programm?

Votava: Im zweiten Teil wollen wir uns ein bisschen mit Zeit und Raum auseinander setzen. Da ist mir ein altes Lied aus meiner Kindheit eingefallen: "Tausend Jahre sind ein Tag" vom Udo Jürgens, das Titellied zur Fernsehserie "Es war einmal der Mensch". Das wollte ich immer schon singen.

Gibt's das auch auf Platte?

Votava: Das ist auf der Platte "Udo 80" erschienen. Ich hab einmal bei einem Clubbing eine Viertelstunde mit ihm gesprochen. Er hat ein bissl was trunken gehabt und mir, wie sich später herausgestellt hat, eine Passage aus seinen Memoiren erzählt: Wie er auf der Donauinsel vor vier Millionen Leuten gespielt hat. Das ist mir schon ein bissl viel vorgekommen. Aber er hat viele schöne Lieder geschrieben, da kann man einen Respekt davor haben.

Resetarits (verzieht respektlos das Gesicht): In den Siebzigerjahren hab ich in einer WG gewohnt, und die Nachbarin hat einen Mann im Rollstuhl gehabt, den sie den ganzen Tag geschimpft hat. Die hat uns dann einmal eine Kassette mit Udo-Jürgens-Liedern aufgenommen und gesagt, das sollen wir uns anhören, weil: "Das ist alles wahr!"

Was verbindet Willi Resetarits und Gerald Votava?

Resetarits: Sympathie.

Votava: Die Fähigkeit, mitzufühlen, ja.

Resetarits: Du meinst Empathie!

Votava: Nein, das ist die Fähigkeit, sich einzufühlen.

Resetarits: Dazöhl ma nix, heast!

Herr Resetarits wirkt extrovertierter als Herr Votava. Stimmt's?

Resetarits: Privat bin ich relativ zurückhaltend. Aber auf der Bühne hab ich das Gefühl, da muss jetzt was passieren, die Leut ham zahlt.

Votava: Bei ist es auf der Bühne so, dass von selber Sachen passieren. Da wehre ich mich nicht dagegen. Im normalen Leben hat man ja nicht ständig das Bedürfnis, laut zu sein. Die Bühne ist ein optimaler Raum dafür.

Wobei Willi Resetarits natürlich wesentlich mehr Bühnenerfahrung hat.

Resetarits: Ich bin ja auch älter.

Merkt man das gruppendynamisch?

Votava: Es ist so, dass der Willi jemand ist, dem man eh nix erzählen braucht.

Resetarits: Im Ins-Wort-Fallen bin ich super. Da kann mir keiner was erzählen.

Votava: Wenn er glaubt, es g'hört was g'sagt, dann sagt er's auch.

Man hat das Gefühl, dass es Sie überhaupt nicht so sehr ins Rampenlicht drängt.

Votava: Ich mach schon gern leiwande Sachen. Ich hab vieles probiert, aber ich führe das dann nicht so karrieremäßig weiter. Radiomachen ist halt das, was ich immer mache.

Resetarits: Da hast du ja schon ganz jung angefangen.

Votava: Na ja, mit 23. Die Projekt-X-Sendung machen wir jetzt zehn Jahre. Im Jänner wird FM4 zehn, dann haben wir's zehn Mal 52 Mal im Jahr gemacht. Ganz wenige Wiederholungen.

"Projekt X" ist Ihr Brotberuf?

Votava: Das Radio. "Projekt X" ist die Torte.

Was ist bei Willi Resetarits Brot?

Resetarits: Bei mir ist nix Brot, alles Torte. Ich hab alles ausgeschieden, was in irgendeiner Weise nicht dem entspricht, was ich mir wünsch. Ich such mir alles selber aus. Das Einzige, was mich hemmt, sind eigene Unzulänglichkeiten. Aber ich bin draufgekommen, dass ich eigentlich ziemlich viel los hab. Ihr könnts so froh sein!

Votava: Ich muss mich jetzt entschuldigen.

Resetarits: Aber wenn ich dich nicht unterbrechen kann, fallt mir nix zum Reden ein.

"Weil, warum?": von 10.10. bis 19.12. jeden So (außer 21.11.), 13 Uhr, im Orpheum (22., Steigenteschgasse 94b). Karten: Tel. 481 17 17 bzw. http://www.orpheum.at

....................

Erschienen in "Falter" Nr. 41/04 vom 06.10.2004 Seite: 22

6. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




Holländisches Farbfernsehen

Liebe Andrea,

als ich ein Kind war pflegten mein Vater und andere Erwachsene in meinem
Umkreis zu sagen "Das kannst Du Dir im Holländischen Farbfernsehen
anschauen" oder so ähnlich, wenn es darum ging, unglaubwürdige
Gschichterln zu kommentieren (à la "Das kannst Du Deiner Großmutter
erzählen")oder vermessene Wünsche abzutun.

Ich habe diesen Sager letztens in einer Runde verwendetund meinem
Erstaunen hat niemend diese Redewendung gekannt. Das hat mich selbst dazu
gebracht, zu hinterfragen, woher sie eigentlich kommt. Wissen Sie es?

Danke & liebe Grüße
Markus Kienberger

3. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Es reicht

Über die Halbzeit des Kabinett Schüssel II

Noch nie ist es uns Frauen so gut gegangen wie heute: Alerte Handarbeitslehrerinnen können Wissenschafts-Minister werden, Sekretärinnen mit Biss Präsidentschaftskandidatin oder EU-Kommissarin und einfache Schwestern einfacher Parteimitglieder gar Parteichefin. Fromme Frauen gelingt es mühelos, im Himmel anzuläuten und mit Krampfadern-Gebeten Ex-Kaiser zur Seligsprechung zu verhelfen. Das ist doch was.

Denen von uns, die es nicht ins Rampenlicht der Politik, auf die Schipisten der Welt und in die Chefetagen der grossen Konzerne drängt, kann auch geholfen werden: Schüsseloide Familienpolitik macht es Frauen leicht, sich für konservative Werte wie Heirat, Heim und Herd zu entscheiden. Für Nachwuchs im Alleinverdienerhaushalt wird auch gesorgt: Schwangerschaftsunterbrechungen werden erschwert, eine rigorose Gesellschaftspolitik weiss zu verhindern, das Männer gar untereinander heiraten und an der Heiligkeit der Sakramente rütteln. Wenn Frauen zu Hause nach dem Rechten sehen ist das gut für die Wirtschaft, gut für die Banken, gut für die Blasmusik.

Stop.

Ich will, das dieser Spuk wieder aufhört. Sofort. Ich will dass alle Österreicherinnen von ihrem Job leben können, nicht nur jede zweite, dass Kind und Karriere keine einander ausschliessenden Alternativen sind. Und wenn wir Frauen unbedingt heiraten wollen, sollen wir das auch untereinander tun dürfen.

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Erschienen am 3. Oktober 2004, aber wo? Standard, Online-Standard. Kurier, profil, Datum, ÖH-Express? Habs vergessen. Am ehesten noch im profil. Anyway.

3. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




The Channel 8 Diaries ::: Oktiabrskaya

Gehsteig-SPb.jpg

1. Oktober. Die Petersburger bekommen neue Newski-Prospekt-Gehsteige.

Es ist Oktober und auch das Hotel heisst so, Oktiabrskaya. 50 Euro kostet die Fahrt mit dem Taxi, das sind 1800 Rubel. Man könnte auch den Bus nehmen, aber welchen? Dieses organisatorische Unvermögen kennen auch die Taxler und deshalb kostet die Fahrt durchs verstopfte Sankt Petersburg auch soviel. Als wir an der Pushkinskaya vorbeikommen und ich "Pushkinskaya" murmle, freut sich der Taxler, der unseren 1995er Rauchscheibenmercedes lenkt: "You know Sankt Piterburga?" "Yes" murmle ich und meine eigentlich "Da!".

Mein Zimmer liegt im 2ten Stock, der ist von einer Schnickschnack-Souvenir-Frau bewacht, die auch Haarshampoo und Seife verkauft. Und eine bemalte Balalaika.

Am Newski Prospekt wird der Gehsteig ausgewechselt. Riesige Granitwürfel werden in den Sand gestemmt. Hier sind sie, die russischen Arbeiter. Stolz und marmorgehsteiglegend. Die Erde öffnet sich auf einer Breite von 12 Metern, hier ist ein Gehsteig so breit wie bei uns die Mariahilferstrasse. Daneben dampft der Verkehr. London und Kairo sind weniger verstopft. Ich ixugrafiere eine ganze Flash-Card voll, 287 Bilder: "Die sprechenden Menschen" aus Channel 8, hier gehen sie stumm, ihre Sorgen und Hoffnungen verschliessend. Eine Frau sah ich, die auf den Bus wartete und Gedichte las. Das gefiel mir. Gedichtelesen am Newski.

Vom Hotelzimmer aus kann ich ins Netz, übers Handy. ich muss nur im Handy ein Netz wählen, das Megafon oder so heisst und dann bin ich im Netz. Ein Wunder.

Als ich Blue Moon vorbereitet habe, bevors nach Kiev ging, war ich in Amerika, es war Herbst und ein Stotterer namens George W. Bush wollte Präsident werden. Und jetzt ist es wieder so. George stottert und will Präsident werden. Aber ich will das nicht. Wieder nicht.

1. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Asole

ASOLE

I. THE PROPHECY

Longren had been sailing as a seaman on the tight three-hundred-ton brig, "The Orion", for ten years. He'd become more attached to her than many a son to his mother. Then he had been forced to give up the sea.
Here is how it happened. He had returned from a cruise-such visits home were infrequent. When he had walked to within sight of his small house in the fishing village of Caperna, he expected as always, when still a good distance away, to see his wife Mary on the threshold, waving to him, and as he came closer, running breathlessly to meet him. But this time she wasn't there. Instead, when he reached his cottage, he found an excited woman, their neighbor, standing beside a child's crib which had not been there before.
"Look at your daughter, my friend!" said the woman. "I've been taking care of her the past three months."
Longren grew pale. He bent down to look at the tiny creature not yet eight months old, who was staring fixedly at his long beard. Then he sat down, cast his eyes to the floor, and began fingering his mustache, still wet from the rain. "When did Mary die?" he asked.
The woman told her story, interrupting herself to murmur tenderly to the baby and to assert again and again that Mary was in paradise. Longren, once he had learned the details, could only feel that such a paradise was as dank and dark as the inside of a woodshed, that for the woman who had departed into that unknown country, true paradise would have been merely to sit beneath the light of a lamp with her baby daughter and her husband, returned from the sea.
Three months before Longren came home, the young mother had run out of money. She had been forced to spend more than half the amount he had left her on doctor's bills for herself and for the newborn baby after her difficult delivery. Unfortunately she had also lost the remainder, which, though not a large sum, was all she had to live on. She had tried to borrow money from the local innkeeper and shopkeeper, Manners, who was known to be well-to-do.
Mary had been to see him at six in the evening. The neighbor had met her at seven on the road to the nearby town of Lisse. Tearful and desperate, Mary had told her that she was going to town to pawn her wedding ring. Manners had agreed to a loan, but only in return for her love.
"We've not a crumb to eat in the house. I must pawn my ring so that the baby and I can somehow get along till my husband comes home."
It was cold and windy out. The neighbor had tried in vain to persuade the young woman not to walk to Lisse after dark.
"You'll be soaked through to the skin, Mary! It's drizzling already, and with this wind, there's bound to be a downpour soon."
From the seaside village to the town and back was a good three hours walk, but Mary refused to listen to the woman's advice.
"I've been enough trouble as it is," she said. "There is hardly a family to which I don't owe bread or tea or flour. I must go. That's all there is to it. She walked to town, returned, and the next day came down with a fever. Exposure to the bad weather and the night rain had resulted in pneumonia in both lungs, according to the doctor called to her bedside by their good neighbor. A week later Mary's bed was empty, and the woman had moved in to take care of the baby girl. She was a widow and alone, and it had posed no great problem for her. "Anyway," she added, "I'd be bored stiff with-out the little one."
Longer went off to town, collected his pay, said farewell to his comrades, and returned home to bring up his little Asole, as he had named her. As long as the baby could not walk by herself, the widow continued to live at the sailor's home acting as foster mother. But as soon as Asole learned not to fall when she stepped across the threshold, Longren announced that he himself would look after her. He thanked the woman for her help and sympathy and took up the lonely life of a widower, centering all his plans, hopes, love, and memories on his child.

Ten years of wanderings hadn't left him any the richer. He set to work. Soon his little toys began to appear in the stores in town. They were beautifully made models of rowboats and sail-boats, speedboats, one-masted and two-masted schooners, cruisers, and steamers. In short, he made what he knew about at first hand. And what he made replaced for him, at least in part, the bustle of seaports and the picturesque life of the sea, and he earned enough to live a modest, frugal life. He had always been taciturn. After his wife's death he became even more unsocial and reserved. True, on holidays he sometimes could be seen at the local tavern. But he never sat down. Standing at the bar, he quickly gulped down his drink and took his departure, muttering brusquely to the right and left, "Yes," "No," "Hello," "Good-bye," or "Just a little," in reply to the greetings and queries of his neighbors. He couldn't stand entertaining guests. When people came to see him, he cut their visits short with such broad hints that they themselves soon thought up some excuse to leave. He never called on anyone. It was not surprising that an air of estrangement soon separated him from his fellow-villagers. If in his work Longren had been more dependent on local people, he would quickly have been made to feel the consequences of such bad relations. But he had almost nothing to do with the village. He bought all his food and goods in town. Manners had never sold him so much as a box of matches. Longren even did his own housework and patiently taught himself the complexities of the unmasculine art of raising a daughter.

Asole was five. Her father had begun to smile ever more softly when he looked at her nervous, yet gentle, little face as she sat on his knees and worked at unbuttoning his vest, or sang wild and rollicking sailors' chanties. The songs, delivered in her childish voice which sometimes missed the letter "R," had about the same effect as a dancing bear wearing a light-blue ribbon.
It was at this time that an incident took place, the shadow of which fell on Longren and also darkened the childhood of Asole.
It was early spring and just as cruel and severe as winter though in a different way. For three weeks a sharp offshore north wind had been pressing against the cold earth.
The long row of keels of the fishing boats, which were pulled, bottoms up, onto the beach, looked, silhouetted against the sand, like the fins of an enormous fish. No one was foolhardy enough to go out fishing in such weather. One hardly saw a single person on the one and only street of the hamlet. The icy blast driving out from the hillocks of the shore to the empty horizon made the open air a torture. All the chimneys of Caperna worked from morning to evening, tumbling their smoke down the steep rooftops.
But these days of the north wind drew Longren from his warm cottage more often than did the sun and the sheets of airy gold it cast over the sea and Caperna whenever it came out in clear weather. Longren would go out on a wharf built along rows of pilings. He would stand for hours at the end of the plank pier, smoking his pipe, fanned by the wind, watching the sea floor, laid bare at the shoreline, grow smoky with gray foam on the heels of the waves. The water's thundering course to the black and stormy horizon filled the whole expanse with herds of fantastic, maned creatures driving in wild, uncontrolled despair to some distant consolation. The groans and moans, the roaring cannonades of enormous torrents, and the almost visible rush of wind which bathed the entire scene in its current had a deadening, deafening effect which helped dull Longren's grief. His tortured face relaxed as if in the troubled sadness of a deep sleep.

On one such day, twelve-year-old Hin, Manners' son, discovered his father's boat being beaten against the pilings beneath the pier and ran to tell him. The storm had only just begun. Manners had forgotten to pull the boat up on the beach. He went down to the water. Longren was standing at the end of the pier smoking, his back to him. No one else was out. Manners hurried to the middle of the pier, let himself down toward the churning water, got into the boat, and untied the moorings. He remained standing, and since he had no oars, began to pull the boat to shore by grasping one piling after the other. He stumbled momentarily and missed a pile. At that instant a strong gust of wind caught the prow of the boat, tearing it away from the pier toward the open sea. Stretching out as far as he could. Manners now could no longer reach the nearest piling. The wind and the waves rocked and drove the boat out into the water's fatal expanse. Realizing the danger, Manners was about to jump into the water to swim to shore, but he was too late. The boat was already turning and twisting beyond the end of the pier where the might and fury of the waves promised certain death. The distance between Longren and Manners, who was being carried out into the stormy deep, was no more than seventy feet. Not an impossible distance, since right under Longren's hand on the pier hung a coil of rope with a weight at its end—rope usually thrown from the pier to help boats dock in stormy weather.
"Longren!" screamed the terrified Manners. "Why are you standing there like a lump? I'm being carried away! Throw me the rope!"
Longren was silent. He watched Manners in the boat bobbing up and down. His pipe burned brightly, and taking his time, he removed it from his mouth to get a better view of what was happening.
"Longren!" Manners cried. "You hear me! I'm perishing! Save me!"
Longren said nothing. It was as if he had not heard the desperate call at all. He did not even shift from one foot to another until the boat had been
carried out so far that Manners could hardly be heard. Manners screamed in terror. He begged the sailor to run for help. He promised him money. He threatened and cursed, but Longren only edged a bit closer to the tip of the pier to keep the struggling boat in sight as long as possible.
"Longren!" he heard dimly, as if listening indoors to the muffled shouting of someone on the roof. "Save me!" At that moment, drawing in his breath deeply so that not a word would be lost in the wind, Longren shouted: "That's what she asked you to do! Think about that while you're still alive, Manners, and don't forget it."
The cries faded away and Longren went home. Asole, when she awoke, saw her father in deep thought, sitting before the guttering lamp. At the sound of his daughter's voice he went over to her, kissed her fervently, and pulled her blanket up over her shoulders.
"Sleep, darling," he said. "The morning's still far away."
"What are you doing?"
"I've spoiled a toy. Asole. Go back to sleep."


* * * The next day the missing Manners was the only topic of conversation in Caperna. After five days he was brought home, dying and furious. The story he told quickly flew through Caperna and the surrounding villages. Manners had been carried out to sea till nightfall. He was beaten against the side and bottom of the boat as it struggled through the wild waves which ceaselessly threatened to toss the crazed shopkeeper into the sea. He was that same night picked up by the steamer Lucretia on its way to Cassette. Influenza and shock killed Manners. He lived only forty-eight hours after his return, during which time he called down on Longren all the misfortunes and catastrophes that he could think of. Moaning and breathing with difficulty, the dying man told how Longren had watched him being carried out to sea and had not lifted a finger. Longren's deed naturally astounded the people of Caperna. For one thing, few among them had ever experienced so terrible a hurt as Longren had suffered or could grieve so intensely as he grieved for Mary to the very last day of his life. But what was most repulsive, incomprehensible, and utterly astonishing to them was that Longren had kept his silence. He had not uttered a sound until those last shouted words. He had stood there watching, unmoving, severe and calm, like a judge. He had shown his profound contempt for Manners. In his silence there had been so much more than mere hate. And not a person failed to sense this. If he had only screamed, expressed his joy at Manners' plight in gestures, or shown pride in his own maliciousness, the fishermen might have understood. But he had acted differently from the way any of them would have acted. His conduct was utterly incomprehensible. He had set himself above everyone else, and by so doing had committed the unforgivable.

From then on no one nodded to him, reached out to shake his hand, or even cast a glance of recognition or greeting in his direction. Once and for all he was excluded from the affairs of the village. Little boys when they saw him would cry. "Longren drowned Manners!" He paid no attention. It was as if he didn't even notice that in the tavern or on shore, among their boats, the fishermen kept silence in his presence, avoiding him as if he had the plague. The Manners affair completed his estrangement from the village. Once total, it created a mutual hatred whose shadow fell on little Asole.

The small girl grew up without friends among the village children. There were only two or three dozen children near her age in Caperna. Like sponges, they soaked up the prejudices of their parents. Little Asole was soon placed beyond the pale of their interest. It did not happen all at once, but came about gradually, as a result of repeated scoldings and prohibitions. Finally there developed an awesome taboo, which gossip and malice magnified in the minds of the children into a dreadful fear of the sailor's cottage.

Longren's now totally secluded way of life helped to feed the tongues of gossip. It was rumored that the sailor had murdered someone somewhere, and that was why he no longer went to sea. Longren, they said, was gloomy and antisocial because he was "torn by the pangs of a guilty conscience." When Asole came near the village children at play, they chased her away, or threw mud at her, and taunted her by calling her father a "cannibal" and a "counterfeiter." Her efforts to make friends with the other children all ended in bitter tears, in black and blue marks, scratches, and other manifestations of "public opinion." In the end she ceased to take offense, but now and then she would ask her father: "Why don't they love us?"

"Oh, Asole," her father would say, "do you think that people like that can really love? One has to be able to love, and that's beyond them." "What do you mean—be able to love?" "Like this!" And he would take the little girl into his arms and tenderly kiss her sad eyes, which squinted in satisfaction.

Asole's favorite amusement were the stories her father told her. Evenings or on holidays when her father had put away his glue cans, his tools, and his incompleted toys, had taken off his apron and seated himself, relaxing with pipe in mouth, she would climb up on his lap. And there, encircled by his arms, she would point to the different parts of the toys he was making and ask what they were for. In this way there began Longren's fantastic talks to his daughter on life and people—talks in which Longren's former way of life, accident, luck, and fortune, surprising and unusual events, played a principal role. Longren, as he taught Asole the names of ropes and rigging, of sails and ship's tackle, would become inspired by his subject. The uses of windlass, wheel, or mast, the type of ship they were discussing, would remind him of some incident or anecdote. From them he would branch out into seafaring adventures in which superstition was interwoven with reality and reality with his own fantasy. In these stories he told her of the "tiger cat" who was the herald of a shipwreck; the flying fish who talked and whom one heeded or else went off course; of the Flying Dutchman and his violent crew; and of omens and ghosts, mermaids and pirates; all the fables and fairy stories with which sailors whiled away the time when their ships were becalmed or as they sat in their favorite taverns. Longren told also of shipwrecks and their victims, of people who had grown wild and forgotten how to speak, of hidden treasures, of the mutinies of galley slaves, and much more. The little girl listened to all of this perhaps even more attentively than those people who first heard about Christopher Columbus' discovery of a new continent. "Tell me more, please," Asole w