August 2004
Abstract is the World
Blue Moon Shooting
Boys and Girls from my Block
Breakfast Outside America
Kiev Markthalle
Little Shops of Horror
Phones of the World
Andrea Maria Dusl Music Room
Andrea Z bis A
Comandantina Unterwegs
Dusl bestellen
Maschinenraum
Redezeit
Sager von Welt
Showtime!
Blue Moon
Channel 8
Channel 8 Diaries
Crazy Day
Dining Car
Heavy Burschi
In the Pipeline
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Lycklig med Lingonsaft

Leckerer Lingonsaft im Atelier Dhaulagiri

Skogens röda guld
Dialektalt namn på lingon är bl.a. kröser, på norska heter de tyttebær. I skogen växer lingonriset, som är grönt hela året. De röda bären - lingonen - är mogna i september. De kallas för skogens röda guld.
Lingon är våra viktigaste vilda bär och används till lingonsylt och lingondricka. Lingonsylt är vanligt i svensk husmanskost. Köttbullar med lingonsylt och blodpudding med lingonsylt är några exempel.
Det är lätt att göra egen lingonsylt. Du kan koka bären med socker och vatten eller bara mosa dem med socker ("rårörda lingon").
Lingon växer ofta på oländig mark mellan stenar och stubbar på gamla skogsavverkningsytor i Hälsingland. Bären sitter i klasar många tillsammans.
De små plantorna med läderartade blad blommar i juni med vita klockformade blommor.
Lingonsylt
Lingonsylt som kokas så här blir klar och fin i färgen och får en geléaktig konsistens.
2 liter lingon
4 dl kallt vatten
9 ½ dl socker
Gör så här:
Rensa och skölj lingonen. Lägg dem i en gryta och tillsätt vattnet. Koka upp och koka i 10 minuter. Ta grytan av värmen och tillsätt sockret. Rör tills det löst sig och sylten blivit simmig. Häll sedan upp på rena burkar och förslut.
Några sylttips:
När man kokar sylt bör man inte koka dubbel sats, eftersom det är lätt att koktiden blir fel då. Även konsistensen kan bli annorlunda.
Det är viktigt att ta bort allt skum som uppkommer, då det innehåller smuts och eventuella blad som påverkar hållbarheten.
Fyll burkar och flaskor ända upp. Sätt genast på lock och skruva till. När innehållet kallnar sugs locket fast och ett vakuum bildas. Paraffin behövs bara till burkar med otäta lock.
Recept: Ingmanson I. Holmberg P. Svenska bärboken. Stockholm: Prisma, 2002.
27. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Vienna Metroblogging
Wien ist anders und trotzdem ein bisschen wie Atlanta, Boston, Chicago, London, Los Angeles, New York, San Francisco, Seattle und Washington. Wien hat nämlich auch ein Metroblog. Die Logbuch-Städte sind untereinander verlinkt und vernetzt.
Die urbanen Stratigraphen Aki Beckmann, Daniela Zaremba, David Dempsey, Georg, Günther Friesinger, Heinrich Hinterhalt, Johannes Grenzfurthner, Karin Harrasser, Marie Ringler, Michael Zeltner, Philipp Drössler, Thomas König und Tom Enzi - teilweise Mitglieder des Künstlerkollektivs monochrom lesen auf, was in Wien liegt, steht oder sonstwie fallengelassen wird.
27. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Beauty Knows No Pain ::: No Rapid

Wien, Margareten, Kleine Neugasse 5
Whoever hangs around this place hates "Rapid".
(The wall carving right to the door shows the
crosses out letters R A P I D )
26. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Gates of Hell ::: Thommy

Wien. Bobohausen. Schlagbaumgasse
Aus der Serie "Pforten zur Hölle".
Ein gewisser Thommy ist hier Türsteher.

25. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings
Ziehen wir Bilanz
Liebe Frau Andrea,
in Sommerschlussverkaufszeiten ist immer wieder davon zu lesen, dass etwas "bis zu minus fünfzig Prozent billiger" geworden sei. Soll durch die doppelte Verneinung angedeutet werden, dass die Kundschaft zum Dank dafür, dass sie am Ende des Sommers unattraktive Ladenhüter ersteht, gar noch den eineinhalbfachen Preis zu bezahlen genötigt wird? Ähnlich großes Kopfzerbrechen bereitet mir der Umstand, dass ich kürzlich in einer großen heimischen Tageszeitung lesen musste, dass ein Betrieb eine "zufriedene Bilanz" gezogen habe. Wie muss ich mir denn eine Bilanz vorstellen? Liegt sie an einem fernen Palmenstrand in der Hängematte und lässt sich longdrinkschlürfend von zwei (möglicherweise unzufriedenen) Bilanzen mit Palmenwedeln befächern? Liebe Grüße,
David Wagner, 4020 Linz
......................
Lieber David,
"die Botschaft muss einfach sein", heißt das Credo der Verkäufer. Bei der Verknappung der Botschaft wird der Sinn gemeinhin stark deformiert. Statt "zufrieden stellender" Bilanzen werden also "zufriedene" gezogen, obschon die Idee, "eine Bilanz zu ziehen", vertrottelt ist, denn was gezogen werden kann, sind Schlussstriche. Und die auch nur mit Schreibgeräten. Das Wort "bilancia" kommt aus dem Italienischen und bezeichnet die frühkapitalistische Balkenwaage. Diese zu "ziehen" mag nur jenen sorglos gelingen, die auch "Negativwachstum", "Gewinnwarnung" oder "Nulldefizit" einen Sinn zuordnen.
© Andrea Maria Dusl
Erschienen im "Falter" Nr. 35/04 vom 25.08.2004 Seite: 51
25. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Web Crimes

Die Regierung plant Gefängnisstrafen für bestimmte Texte im Netz.
© Andrea Maria Dusl, für den Falter
24. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Gates of Hell ::: Templerandacht

Wien, Wieden, Grosse Neugasse
Templerandacht. Church of Satan
23. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Matros
Matros
Maschina
Robot
Sojus
23. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings
Poor Thing ::: Vandalized Vespa

Wien. Downtown. Ecke Marc-Aurelstrasse / Ernst-Göschl-Platz
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Armes Ding. Arme kleine Vespa
23. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Nacktschnecken ::: Clever

Putzerei Ecke Margaretenstrasse/Kettenbrückengasse.
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In der Auslage Michael Glawoggers Nacktschnecken.
Vergessen eine Packung Clever Waschmittel.
22. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (3) Comments (0) Pings
Heinz Conrads. The Night of the Hunter

"Gunabend die Damen, Gunabend die Herrn,
Griass Eich die Madln, Seavas die Buam!" war seine
legendäre Begrüssungsformel. Heinz Conrads war jahrzehntelang
der einzige Superstar des Österreichischen Fernsehens.
....................
Remix des berühmten Robert-Mitchum-Bildes
aus Charles Laughtons "The Night Of The Hunter".
© Andrea Maria Dusl, erschienen im Falter
Hier geht es zu Franz Schuhs Original-Heinz-Conrads-Text aus Falter 35/04 >>>
Ein halber Doppeladler
Heinz Conrads war Moderator, als Moderatoren noch Gestalter waren. Er war die Kulturkonstante der Zweiten Republik, ein Versöhnungsvirtuose, der die Erinnerung hoch hielt, um das Vergessen möglich zu machen. Würdigung eines Vielgeliebten, aber auch Verkannten. Essay von FRANZ SCHUH
Einst wurde der Schauspieler Will Quadflieg gefragt, was denn von seiner Kunst bleiben würde. Er antwortete: In erster Linie die Erinnerung und dann die Erinnerung an die Erinnerung, und am Ende wäre alles verwässert und nichts würde mehr stimmen. Das ist eine Variante der berühmten Wendung vom Mimen, dem die Nachwelt keine Kränze flicht. Gerade für Heinz Conrads gilt, wie sehr von der Erinnerung nur mehr die Erinnerung an die Erinnerung bleibt, und das ist deshalb erstaunlich, weil zu seinen Lebzeiten kaum ein Künstler in Österreich mehr Präsenz hatte als Heinz Conrads. Es ist keine Übertreibung, wenn nicht wenige der heute Fünfzigjährigen sagen, sie seien "mit Heinz Conrads aufgewachsen".
Baden um acht
Es gibt Künstler, mit denen man aufwächst, Künstler, die zur Zeit gehören, die einem selber geschenkt wird. Sie helfen dabei mit, dass einem die eigene Zeit vertraut ist, auch wenn die Zeiten, von denen Heinz Conrads im "typischen" Idiom sang, längst schon vergangen waren. "Das hat schon der alte Nowotny gesagt" war eines seiner Lieder, die zu singen er anscheinend nie müde wurde. Ich habe keine Ahnung mehr, was der alte Nowotny gesagt hat, aber das schmalzige Böhmakeln, in dem sich die Klage über eine verlorene Zeit und das Einverleiben des Böhmischen durch das Wienerische intonierten, habe ich durch all die Jahre nicht vergessen. So spreche ich manchmal mit Leuten, die die unsagbare, überwältigende Präsenz des Heinz Conrads nicht nur vom Hörensagen kennen. Ein Freund sagte mir, jeden Sonntag um neun Uhr, als Conrads mit seiner Radiosendung begann, habe er ein Bad genommen: Baden um neun Uhr und Conrads, ein Ritual! Das glaube ich nicht, erwiderte ich hart. Aber, so der Freund, warum denn nicht? Conrads, und ich war mir sicher, hat um acht begonnen! Wir stritten herum, und am Schluss dachte ich, vielleicht habe ich doch Unrecht. Aber anderntags las ich in der Zeitung die kulturgeschichtlich wertvolle Äußerung einer prominenten Wiener Persönlichkeit. Auf die Frage, wie er denn die bestandene Matura gefeiert hatte, antwortete der Kulturstadtrat von Wien, Mailath-Pokorny: "Wir hatten eine ganz tolle Nachtparty. Dann haben wir nicht mehr gewusst, wo wir hingehen sollen, es war nix mehr offen. Aber der Heinz Conrads hat schon seine Sendung begonnen im Funkhaus um acht Uhr. Und dort gibt's bekanntlich angenehme breite Fauteuils, und dort haben wir uns hingesetzt und sind eingeschlafen um achte in der Früh."
Ja, das hat der alte Mailath-Pokorny gesagt! Heinz Conrads war also auch ein Orientierungspunkt für vom Feiern benebelte Maturanten. Ich rief meinen Freund an und las ihm die Geschichte vor. Er revidierte seine Zeitangabe, ja, ja, acht Uhr, und das sei eben ein Zeichen dafür, dass in seiner Familie sonntags bereits um acht ein Bad genommen wurde.
Den Conrads im Ohr
Radio Wien, auf Welle 228,6 Megahertz und 506 Megahertz, sowie auf Kurzwelle 25-, 30-, 41- und 48 Meter Band - das sind die archaischen Ziffern, die seinerzeit angaben, wo man einschalten musste, um Heinz Conrads zu hören. Seinerzeit - das meint vor allem Ende Februar 1946, als zum ersten Mal eine dieser spezifischen, unverwechselbaren Talkshows übertragen wurde. Damals trug Conrads' Sendung noch den umständlichen, aber durchaus poetischen Titel: "Was machen wir am Sonntag, wenn es schön ist?" Vierzig Jahre war es am Sonntag schön, wenn Heinz Conrads seine Sendung fürs Radio machte. Später kam dann seine Fernsehsendung dazu, sie war eine Übersetzung des Radioformats ins modernere Medium.
Unzählige Hörer und man kann behaupten, viele, die's gar nicht hören wollten, hatten die Auf- und Abtrittsmelodien von Conrads' Radiosendungen "im Ohr". Die Sendung hieß schließlich: "Was gibt es Neues?", und sie stand von vornherein unter dem Paradox einer Neuigkeitsnostalgie: Alles, was passiert, wird gleich ins Vergängliche eingemeindet. Dem Flüchtigen der Eindrücke entsprach ein Plauderton, der zugleich eindringlich und unverbindlich war. Einer allein, der Moderator, hatte das Wort, diskutiert wurde nicht, Musiknummern, auf dem Klavier geklimpert zum Beispiel vom großartigen Gustl Zelibor (seines Zeichens eines Tages auch "Professor"), unterbrachen die Rede, die nicht zu unterbrechen und daher unaufhörlich schien. Das klang im schlimmsten Fall als Originalton aus dem Jahr 1954 so: "Na endlich! Meine Damen, man trägt jetzt wieder mollig. Mit anderen Worten: Die kluge Frau baut vor - das dicke Ende kommt von selber nach.' (...) In Deutschland scheint sich die mollige Linie aber noch nicht durchgesprochen zu haben. Ich traf eine deutsche Dame, und sie sah aus wie eine der sieben biblischen Plagen: die große Dürre'. Von rückwärts ging es ja, aber von vorne war sie doch ein wenig - platt. Eine Plattdeutsche!"
Es ist eine schwierige Frage, was denn das Außergewöhnliche der Kunst des Heinz Conrads gewesen sein soll. Sicherlich: das keinesfalls überall beliebte Wienerische, oder besser: diese allmählich verschwindende Tradition der Wiener Volksschauspieler mit ihrem derben, aber auch lyrischen Zungenschlag. Diese Tradition verfügt über einen Figurenreichtum und über einen Reichtum an Sprachmasken, der freilich dazu neigt, leicht zum Klischee zu missraten. Die wienerischen Grundtexte, zumindest für Komiker, hat Johann Nestroy verfasst. Nestroys Skepsis, die ihm dazu verhilft, gerade aus der Verzweiflung Spaß zu machen, ist ein wienerisches Lebensgestaltungsmittel. An gar nix braucht man glauben, weil eh alles Schimäre is', und die Hauptsach is', wir unterhalten uns dabei. "Es ist alles Schimäre", hat der Schauspieler Conrads gesungen, und wer's gehört hat, der weiß, er hat einen großen Nestroy-Schauspieler gehört.
Schatten einer Karriere
Die sentimentaleren Töne des Wienerischen, wenn man sie nicht schon aus dem Nestroy'schen Zynismus heraushört, hat der Künstler Heinz Conrads besonders gepflegt. Als er seine Sendung im Radio begann, soll ihm ein erfahrener Programmmacher geraten haben: "Nur keine Bitterkeit in den Texten aufkommen lassen!", und an diesen Rat hat sich Conrads sein Medienleben lang gehalten. Ein Beispiel für diese Haltung, für das gleichsam nicht Bitterere in den Texten, selbst in den traurigsten, waren Conrads Rezitationen aus der - wie soll ich es sonst sagen? - zutiefst Wienerischen Lyrik Georg Strnadts; ein Beispiel: "Die Ballade vom Frisör". Strnadt war ein Lyriker in der Weinheber-Nachfolge, nicht ohne epigonale Züge, aber weit entfernt von dem, was sich heute "Reimejournalist" nennt. In der "Ballade vom Frisör" erzählt ein Mann, dem sein alter Frisör verstorben ist, vom neuen Frisiersalon, in dem alles anders ist: "modern". The Times They Are A-changing ...
Das Sentimental-Resignative, das verbittert Süße - ist das nicht eine typisch einheimische Gefühlsstimmung, die nach professionellen Darstellern geradezu lechzt? Diese österreichische Kunstfertigkeit, Niederlagen durch Sentimentalisierung extra fein auszukosten, ist auch nichts Schlechtes, vor allem wenn einem eh nichts anderes übrig bleibt, und seltsam: Sogar in Heinz Conrads' persönlicher Erfolgsgeschichte gibt es nennenswerte Missgeschicke, ja, wie es scheint, sogar einen durchgehenden Grund zum Traurigsein, zur Verletzlichkeit.
Wer versucht, sich deutlicher an ihn zu erinnern, der wird wohl darüber erstaunt sein, dass ausgerechnet er mit seiner Identität als Schauspieler Schwierigkeiten, ja Schmerzen hatte. Es liegt tatsächlich in seinem künstlerischen Leben etwas Unentschiedenes: Er war ein großer Volksschauspieler, der aber als berühmter Entertainer, schlimmer noch, als "Moderator" arbeitete. Das hatte nicht zuletzt mit einer heute ganz und gar verstaubten Theaterkatastrophe zu tun: mit "Charlys Tante", inszeniert von Otto Schenk; eine Inszenierung, die Heinz Conrads als Klamaukidioten exhibitionierte, wenngleich alle, die guten Willens sind und die es seinerzeit gesehen haben, es nicht für so schlecht befinden können wie die damals entscheidenden Kritiker. Ich hab's als Kind gesehen, und es hat mir Spaß gemacht. Jedenfalls hatte Heinz Conrads - nach einer verheerenden Kritik von Hans Weigel - genug von der Bühne, und es scheint auch, als wären nicht zuletzt die Regisseure auf das "Image" dieses Künstlers hineingefallen, ohne dass sie gesehen hätten, über was für eine naive und unverdorbene Kraft er verfügte. Davon sang er in dem Lied "Der Wurschtl", den angeblich keiner erschlagen kann, und mir scheint, der hypochondrisch Verletzliche sang sich damit auch Mut zu.
Der Atem
Gesichertes Überleben als Wurschtl - das ist hierzulande vielleicht nicht sehr originell. Heinz Conrads' große Selbstgefährdung, die einheimische Banalität mit der eigenen Überzeugungskraft infizieren zu können, ist ein Schauspiel, das zu Recht nur wenige hatten missen wollen. In dem Zusammenhang möchte ich nicht auf eine gewagte Assoziation verzichten: Heinz Conrads war eine Verkörperung einer hier real existierenden, im Alltagsleben sehr einflussreichen Mentalität, und seltsam, dieser Heinz Conrads hat sein Leben lang, seit den Abenteuern seiner Modelltischlerlehre, an Kurzatmigkeit gelitten: Es hat ihn damals wirklich krank, nämlich lungenkrank gemacht, und es war auch die Lunge, die seinen endgültigen Zusammenbruch besiegelte.
Und da gab es noch einen anderen, der zeit seines Lebens in Österreich nach Luft rang, bis er schließlich keine mehr bekam. Der andere, das war ein Dichter, in dessen Texten all die Bitterkeit Platz fand, die sonst öffentlich ausgeschlossen war. Ja, so will es mir scheinen: Heinz Conrads, der militant Un-Bittere, hatte schon zu seiner Zeit sein Gegenbild, eine andere Erscheinung des österreichischen Wesens gefunden, die ebenfalls an Atemnot verstorben ist. Hatte sich Conrads öffentlich zur absoluten Versöhnlichkeit mit allen Dingen und Menschen des österreichischen Lebens durchgerungen, so war sein Gegenbild am Schluss die Verkörperung der absoluten öffentlichen Unversöhnlichkeit. Heinz Conrads und: Thomas Bernhard, sein Gegenbild - man könnte sagen, die zwei symbolisieren den gefräßigen Doppeladler im Geistesleben der Zweiten Republik.
Alles wird gut
Seinerzeit, zum siebzigsten Geburtstag von Heinz Conrads, fand fürs Fernsehen eine Geburtstagsfeier statt - die Feier hatte den Charakter eines geheimen, wenngleich öffentlichen Staatsaktes. Am 9. April 1986 starb Heinz Conrads, und was von den Begräbnisfeierlichkeiten in der Zeitung stand, erweckte in mir den Eindruck, der Tod eines Kaisers hätte die Massen nicht mehr ergriffen! Ich spreche von "Conradsismus" - wie von einer der großen geistigen Schulen Österreichs. Conradsismus, das war ein staatstragender Versöhnlichkeitskult auf der Grundlage darstellerischer Virtuosität: Alles wird gut, die Menschen teilen sich in die Buam und in die Madln, in die Alten und in die Kranken, alles hat seine Ordnung, und wir wünschen allen alles Gute.
Das Wesentliche am Conradsismus war die extreme Passivität ohne den leisesten Gedanken an Verzicht. Ganz ohne Anstrengung sollte zur Verfügung stehen, was gut tat und was anderswo nur als Ernte von Taten einzubringen war. Dahinter stand die propagierte Abschlaffung: ein medial inszenierter politischer Wille, radikal zu vergessen, was einmal in Österreich Sache war: 1927, 1934, 1938, 1945 ... Und es ging bergauf: "Wer sich vor zehn Jahren", schrieb Conrads 1959, "ein Schmalzbrot gewünscht, leistet sich heute ein Henderl. Was früher eine Netzkarte war, ist heute ein Goggomobil geworden. Ein Urlaub am Gänsehäufel wurde zum verdienten Aufenthalt in Jesolo und Mallorca. - Es geht uns gut."
Aber seltsam, ganz behaglich will man sich in dieser Gegenwart nicht einrichten. Irgendeine Mahnung will man doch aussprechen, und so führt Conrads weiter aus: "Vielleicht haben wir viel zu schnell vergessen, wie's war, und vielleicht finden wir's manchmal zu selbstverständlich, dass es uns gut geht. Vielleicht beachten wir nur mehr Sensationen und nicht mehr die kleinen Neuigkeiten unseres Alltags. Doch immer wieder gab es diese kleinen Neuigkeiten, die dann, wenn man stehen bleibt und zurückschaut, unser Leben sind." Der Kurzschluss von Alltag und Großereignis zugunsten des Alltags, als ob nicht die "Sensationen" diesen Alltag von unterst zu oberst kehren können; die Einladung, sich zu erinnern, als Aufforderung zum Vergessen; vor allem aber das Vertiefen ins Kleine, neben dem nichts Größeres Bestand hat - das sind wichtige Elemente des Conradsismus.
Andere Zeiten
Conrads, ein Mann, der von einer freundlichen, ja beinahe schon therapeutischen Omnipräsenz in Österreich war - dreißig Jahre lang hat er eine Fernsehsendung, vierzig Jahre eine Radiosendung, nein, nicht moderiert, sondern wirklich "gestaltet", ihr seine Gestalt gegeben, sie verkörpert - dieser Heinz Conrads ist heute nahezu von der Bildfläche verschwunden. Der Conradsismus hat überlebt, aber er ist unpersönlich geworden, ein Produkt redaktioneller Teams, die es schwer haben, weil sich die Medien längst nicht mehr (wie es damals im Übermaß der Fall war) am Geschmack älterer Konsumenten orientieren. Der Versuch, im Fernsehen Personen einzusetzen, auf die man glatt von Conrads hätte übergehen können, ist jämmerlich gescheitert. Das Wort "unvergesslich" haftet dem Künstler gerade noch an, und aus den Zeitungen tönt manchmal auch der Klagelaut: Warum haben wir denn heute keinen von seinesgleichen?
Die Frage ist leicht zu beantworten: Die Zeiten sind andere geworden, die Sozialpartnerschaft, dieser politisch verankerte Inbegriff des Versöhnlichen, ist einer Konfliktstrategie von oben gewichen. Die goldenen Zeiten, "als Böhmen noch bei Österreich war", von denen Heinz Conrads sang, hat keiner mehr in Erinnerung, und egal, was "der alte Nowotny gesagt hat", die Tschechen bilden eine selbstbewusste Nation, die kein böhmakelnder österreichischer Schauspieler mehr verniedlichen kann. Hat Conrads gewusst, was der Preis der Versöhnung um jeden Preis war? Ach, da gibt es ein Gedicht von Georg Strnadt, ein "Resignation" genanntes Virtuosenstück der Depression, ein Gedicht, das die andere Seite pflichtgemäßer Heiterkeit verständlich zu machen scheint: "I was net, wos i hob / i bin so miad ..." Das lyrische Ich fragt sich, ob es am Alter liegt oder "am miesen Fraß". Alles falsch gemacht, ist die Botschaft, und der Schluss daraus: Am besten man täte gar nichts mehr. Man wüsste schon, was man noch gern hätte, aber man traut sich nicht, es zu sagen. Man ist zu alt und geniert sich für seine Wünsche. Was bleibt, ist der Wein, also einschenken! Der Volksschauspieler, der Moderator wurde, trifft in seinem Vortrag den Grundton der Depression so perfekt, dass man glauben könnte, er weiß genau, wovon er redet. Aber bei Schauspielern kann man sich täuschen, und man soll es ja auch: Es ist der Zweck ihrer Übung.
Franz Schuh lebt als Schriftsteller und Essayist in Wien. Bei DuMont erschien zuletzt "Schreibkräfte. Über Literatur, Glück und Unglück" (2000).
....................
Am 28.8., 9.05 Uhr ist auf Ö1 unter dem Titel "Guten Morgen, die Madln! Servas, die Buam!" in der Reihe "Hörbilder" ein Feature über die Rundfunklegende Heinz Conrads zu hören
(Gestaltung: Günter Kaindlstorfer)
22. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (7) Comments (0) Pings
Hermes Phettberg
Der grösste lebende Talkmaster hat eine einzigartige Seite:
20. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Irish Knees
Liebe Frau Andrea,
ich habe kürzlich in Irland meinen Urlaub verbracht und bemerkt, dass die meisten irischen Frauen eine starke X-Stellung der Beine haben. Kann man dieses Geheimnis lüften?
Danke, Daniela aus 1180
....................
Liebe Daniela,
das Phänomen der "knock knees" - medizinisch genu valgum genannt - gilt bei Bäckern und Schlossern als Berufskrankheit. Deren Arbeit wird im Stehen ausgeübt und ist mit großer Kraftanstrengung verbunden. Das bedingt einen Stand in breiter Stellung, führt durch die Belastung zu einseitiger Beanspruchung der Kniegelenke und in der Folge zu X-Beinen. Da dir in Irland vermutlich nicht ausschließlich Bäckerinnen und Schmiedinnen begegnet sind, nehme ich an, dass du Frauen mit Vitamin-D-Mangel (eine Ursache für Rachitis, die "englische Krankheit") gesehen hast. Das fettlösliche Vitamin D verbessert die Kalziumaufnahme, indem es die Bildung des kalziumbindenden Proteins Calbindin-D fördert. Es ist damit indirekt am Knochenstoffwechsel beteiligt. Vitamin D kann zwar vom Körper selbst synthetisiert werden, Voraussetzung dafür ist allerdings direktes Sonnenlicht. Ausgangsstoff für das Vitamin ist ein Cholesterinabkömmling, der in der Haut unter UV-Licht-Einfluss in Vitamin D und in Leber und Niere in die eigentlich wirksame Form, das Vitamin-D-Hormon Calcitriol, umgewandelt wird. Düsteres sonnenloses Wetter scheint die Ursache für Irish Knock Knees zu sein.
@ Andrea Maria Dusl
Erschienen im "Falter" Nr. 34/04 vom 18.08.2004 Seite: 51
17. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (3) Comments (0) Pings
Strafbares Sandeln

In Wien will die Polizei
"Unerlaubtes Umherstehen" unter Strafe stellen.
Für den Falter
15. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Wollt ihr die totale Rechtschreibung?

Der Streit um die deutsche Rechtschreibung eskaliert.
Wieder einmal...
Für den Falter
15. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Kommissar Benita

Benita Ferrero-Waldner auf der Gipfelsprosse ihrer Karriereleiter:
EU-Kommissarin für Aussenbeziehungen. Whatever that may be.
Für den Falter
15. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Arbeiterzeitung online

Andy Kaltenbrunner hat das Archiv der Arbeiterzeitung online gestellt.
Für den Falter
15. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Contact

Andrea Maria Dusl
Marc Aurelstrasse 9
1010 Wien
Austria
Contact
Ateliers Dhaulagiri
Imdb
Andrea Maria Dusl, geboren am 12. August 1961 in Wien als Tochter des
Österreichischen Architekten Erwin H. Dusl und Mutter Monica Dusl-Jüllig,
die aus einer schwedischen Kapitänsfamilie stammt. Aufgewachsen in
Wien, Bad Aussee und Schweden. Nach einer glücklichen Kindheit
unter Nonnen und Ausseeern folgte eine rasante, überaus sozialdemokratische
Schulzeit im Wiener Wasagymnasium und ein revolutionäres
Studium an der Akademie der Bildenden Künste. Während sieben Jahren
an den wichtigsten Bühnen Österreichs und eines Medizinstudiums an der Alma
Mater Rudolphina beginnt sie Kurzfilme zu drehen, zeichnet und
schreibt für Österreichische Magazine und Zeitungen.
Seit 1996 schreibt sie wöchentlich im Falter.
2001 dreht sie ihren Debutfilm Blue Moon mit Josef Hader und
Detlev Buck in den Hauptrollen. Der Film wird ein internationaler Erfolg,
kommt in halb Europa in die Kinos und reist mit ihrer Regisseurin von
Festival zu Festival um die Welt. 2003 wird Blue Moon mit dem
Grossen Preis der Diagonale für den Besten Österreichischen Film ausgezeichnet.
Andrea Maria Dusl lebt und arbeitet in Wien und San Francisco und
bereitet gerade ihren nächsten Film CHANNEL 8 vor.
..........
Filmographie
Around The World in Eighty Days
In achtzig Tagen um die Welt
Le tour du monde en quatre-vingts jours
1989/1991, 35mm, b/w, 12 min.,
Regie/Buch/Produktion: Andrea Maria Dusl
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Blue Moon
Official Site
Order DVD >>> Amazon
2002, 90min.,
Buch und Regie Andrea Maria Dusl
mit Josef Hader, Viktoria Malektorovych, Detlev Buck
Kamera Wolfgang Thaler
Musik Christian Fennesz, Peter Dusl, Yuri Naumov
Schnitt Karina Ressler, Andrea Wagner
Line Producer Max Lindner
Produzent Erich Lackner
Lotus-Film, Wien
Kinostarts: Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Niederlande
Fernsehen: Australien/Neuseeland, Österreich (ORF) Deutschland/Schweiz/Österreich (3sat), Italien (SKY)
Festivals (Awards):
World Premiere: Locarno, Switzerland, Competition 02 (Nominated for Golden Leopard)
Watch Trailer
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Haifa, Israel 02
Murat Expo Switzerland 02
Rome, Italy - Nuovo Cinema Austria 02
Hof, Germany 02
Viennale, IFF - Austrian Premiere 02
Pusan, Corea 02
Valencia, Spain 02
Saarbrücken, Germany 02
Bratislava, Slovakia 02
San Francisco, USA - Berlin and Beyond 03
Saarbrücken, Germany 03
Rotterdam, Netherlands 03
Berlin, Germany - Market 03
Porto, Portugal 03
St. Petersburg, Russia - Europe Now 03
Diagonale Graz, Austria 03 (Diagonale Grand Prize for Best Austrian Film)
Dortmund, Germany 03
Mamers en Mars, France 03
Las Palmas, Spain 03
Minneapolis / St. Paul, USA 03
Zlin, Chech Republic 03
Cluj Transilvania, Romania 03
Seattle, USA 03
Seattle, USA 03
Lagów, Poland 03 (Special Jury Prize)
Moscow, Russia 03
Karlovy Vary, Chech Republic 03 (Variety Critic's Choice of Europe's 10 Best Films of 2003)
Basel, Switzerland 03
Espoo, Finland 03
Washington, Kulturforum 03
Leeds, UK 03
Mexico City, Mexico - European Filmfestival 03
Hong Kong, China - Max 03
Den Haag, Austrian Film Week 03
New York, USA - "The Screening Room" 03
Talinn, Estland - Black Nights 03
Istanbul, Turkey - Austrian Film Week 03
Prague / Bratislava, Chech Republic/Slovakia - Febio Fest 04
Diagonale Graz, Austria 04 (Best Script)
Chicago, USA, Gene Siskel Film Center of the School of the Art Institute of Chicago -
7th European Union Film Festival 04
Paris, France - Semaine du Cinéma Autrichien 04
Warszawa, Poland - Filmfestival Poland 04
Cracow, Poland - Filmfestival Poland 04
Wroclaw, Poland - Filmfestival Poland 04
Lodz, Poland - Filmfestival Poland 04
London, UK - British Film Institute - Now, About These (Austrian) Women 04
Sofia, Bulgaria - EU-Filmfestival 04
Vancouver, Canada - EU-Filmfestival 04
Ottawa, Canada - EU-Filmfestival 04
Beijing, China - Beijing Normal University (Beijing Shifan Daxue),
Beijing Film Academy (Haidian Xi Tucheng Lu) -
Tage des deutschsprachigen Films November 04
....................
Bibliographie
Fragen Sie Frau Andrea
Fantastische Kolumnen aus der
Wiener Stadtzeitung Falter
200 Seiten
Falter Verlag
August 2003
ISBN: 3854393180
Bestellen >>> Fragen Sie Frau Andrea
.
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Jury Member
2003 International Filmfestival Zlin
2003 International Filmfestival Innsbruck
2004 Diagonale Graz, Grosser Preis
2004 Academy Awards, Oscar, Category Foreign Film, Austria
2004 Viennale, Wiener Filmpreis
2005 ÖFI, Austrian Film Institute, Auswahlkommission
14. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Listiger Link
Meine Lieblings-Netz-Abhänge
ist momentan das feine, krille
und witzige weblog von Heidi List:
![]()
11. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Netzdamen
Liebe Frau Andrea,
seit ein paar Wochen betreue ich eine Homepage und frage mich, ob es eine weibliche Form von Webmaster gibt und wie diese lauten würde. Probleme tauchen auf bei Sätzen wie: "Auf Beiträge freut sich euer Webmaster" oder "E-Mail an den Webmaster". Der Vorschlag meines Vaters wäre "Webmistress", was ich allerdings noch nirgends gelesen habe. Wissen Sie Näheres?
Liebe Grüße, Sabine, Wien 23
....................
Liebe Bine,
die Internetsuchmaschine Google ist ein verlässlicher Indikator für die Verbreitung von Begriffen im Netz. Googelt man das Wort "Webmaster", listet der Suchgigant stattliche 24.100.000 Webseiten auf, die die männliche Bezeichnung für Ihren neuen Job enthalten. Marginal dagegen das Ergebnis für den Ausdruck "Webmistress", der weiblichen Entsprechung dieser Funktion: magere 406.000 Einträge. Der Gebrauch der genderlosen Bezeichnung "Webperson" lahmt allerdings zu Recht. Schüttere 28.800-Mal wird das Wort erwähnt. Obskur, aber durchaus Überlegungen wert sind Ausdrücke wie Webgirl (30.300 Googlehits), Webmasterin (24.600), Webwoman (14.500), Webwitch (14.600), Webgoddess (10.500), Webmama (11.100), Webmiss (10.600), Webse (8730), Webmastress (999), Webhexe (640), Webmadame (473), Webdame (440) und Webette (354). Nicht infrage kommen wohl Kreationen wie Webfrau (300), Netzfrau (163), Netzdame (41) oder Webbetreuerin (19). Webmutter (2) hingegen hat schon wieder was.
© Andrea Maria Dusl
Erschienen in Falter" Nr. 33/04 vom 11.08.2004 Seite: 55
10. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Die Mahlers

Stein und Wirklichkeit. Gustav, Anna und Alma Mahler
Für Falter 33/04
8. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (4) Comments (0) Pings
Zentralbahnhofopoly

Zentralbahnhof Wien. Das ewige Spiel
Für Falter 33/04
8. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
British Film Institute
Blue Moon
English subtitles
The National Film Theater
Thursday 02 September 2004 NFT2 6.20
Tuesday 07 September 2004 NFT2 8.45
An engagingly offbeat look at life in the new Eastern Europe, in the form of a witty variation on the caper movie. Money-courier Johnny is already up to his neck in trouble when he encounters femme fatale Shirley. When she disappears from his life as suddenly as she entered it, he goes in search of her - somewhat reluctantly accompanied by a seemingly oafish petty criminal met in East Germany - and ends up, mystified, in the Ukraine… The narrative twists and turns are pleasurable in themselves, but it's the sure sense of character and place that provides the movie with real substance.
With Victoria Malektorovych, Josef Hader, Detlev W Buck
Austria 2002/Dir Andrea Maria Dusl
Running time: 90
Part of Now, About These (Austrian) Women at the NFT
THE BRITISH FILM INSTITUTE ..... Now About These Austrian Women
Showing at:
NFT2
6.20
Thursday 02 September
NFT2
8.45
Tuesday 07 September
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The National Film Theater on London's South Bank has the world's biggest and best choice of film and tv, with specially programmed seasons and events: everything from blockbusters to B-movies, classics to new releases, cult movies to comedies, and actors, directors and producers talking about their work in depth
>>> BLUE MOON Official Homepage
8. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Blue Moon in 3sat
3sat / Blue Moon / 3sat zeigt den Spielfilm von Andrea Maria Dusl / Dienstag, 17. August 2004, 22.25 Uhr / Erstausstrahlung
Mainz (ots) - Am Dienstag, 17. August, präsentiert 3sat den
Spielfilm „Blue Moon“ der österreichischen Regisseurin Andrea Maria
Dusl in Erstausstrahlung:
Eine missglückte Geldübergabe bringt den Kleinkriminellen
Geldboten Johnny (Josef Hader) und die Prostituierte Shirley
(Victoria Malektorovych) zusammen. Sie flüchten mit dem Geld, das
eigentlich einem russischen Mafioso gehört, in die Slowakei. Doch
schon bald lässt Shirley Johnny sitzen, der dann nur noch einen
Wunsch hat: sie wieder zu sehen. Seine Odyssee endet in Odessa, wo er
eine Taxifahrerin trifft, die Shirley zum Verwechseln ähnlich sieht
und sich als ihre Zwillingsschwester Jana ausgibt. Gemeinsam
verbringen sie einige glückliche Tage, bis Johnny entdeckt, dass
Janas Zwillingsschwester schon als Kind gestorben ist, und Jana mit
Leuten der lokalen Mafia Kontakt hat. Ist Jana in Wirklichkeit
Shirley, und holen die Mafiosi, deren Geld er hat, Johnny doch noch
ein?
In ihrem modernen Roadmovie-Märchen nimmt Andrea Maria Dusl den
Zuschauer mit auf eine Entdeckungsreise durch Osteuropa. Ihr
Debütspielfilm wurde 2003 als „bester österreichischer Film“ mit dem
Großen Diagonale-Preis ausgezeichnet.
>>> BLUE MOON Official Homepage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 3sat
Stefan Unglaube (06131 – 70 6478)
Mainz, 6. August 2004
8. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Sieben Zwerge
Napoleon war einer. Lenin auch. Die Welt der Macht ist voll kleiner
Männer. Statt sich um Schneeewittchen zu kümmern, sind sie überall.
Die Zwerge.
© Andrea Maria Dusl
geschrieben für Peter Praschl's Sofa und den Falter
Kaiser Franz Josef
Es war sehr schön...
Franz Josef Prohaska, wie ihn die Tschechen nannten, der längstdienende Monarch des Kontinents, der erste Beamte seines Staates, war von elfenhafter Kleinheit. Könnten wir uns nur auf zeitgenössische Berichte und geschöntes Fotomaterial verlassen, die Sache wäre höchst dubios. Kaiser werden ja nicht vermessen. Und Polizeiakten der höchst majestätischen körperlichen Daten dürften auch nie angelegt worden sein. Trotzdem wissen wir, daß Sisis Göttergatte ein Zwerg war.
In der Stoffsammlung der weltlichen Schatzkammer zu Wien befindet sich jener winzige Uniformrock, den Kaiser Franz Josef anhatte, als ihn, während eines Spaziergangs auf dem Glacis, ein eifersüchtiger junger Ungar dadurch zu ermorden trachtete, daß er ihm mit einem Messer an die Gurgel fuhr. Allein der steife Kragen des Monarchenrocks vereitelte das Attentat und führte zum Bau der Votivkirche, einer ausgewachsenen französischen Kathedrale, die Franz Josef aus Dankbarkeit am Tatort errichten ließ (der Ungar wurde trotzdem hingerichtet).
Der Grund für den Mordversuch war zutiefst bürgerlich, ja geradezu erdverbunden: Franz Josef, der gerne und begabt dem weiblichen Personal nachstellte, hatte die Schwester des Attentäters "entehrt", ohne ihr dafür die Ehe anzubieten. Daß der Kaiser ein Zwerg war, kann ich bestätigen. Der Original-Attentatsrock aus tuntigrosa Samt ist so klein und eng geschnitten, daß grade mal eine elfjährige indische Tempeltänzerin hineinpassen würde.
Gerd Bacher
Der Tiger
Viele da draußen in Deutschland, wie es bei uns hier drinnen in Ösenland gerne heißt, also viele da bei Euch in Deutschland fragen sich, woher denn das kommt, daß in jedem deutschen Privatsender ein Ösi sitzt, und woher denn das kommt, daß die so verdammt erfolgreich sind mit Fernsehmachen, wo sie doch aus einem Land kommen, das mit Fernsehen, also mit richtigem Fernsehen rein gar nichts am Seppelhut hat. Nun, die ganzen dicken Ösis, die Eure Privatsender regieren, liebe Deutsche, sind allesamt durch die harte Schule eines kleinen, aber höchst durchsetzungsfähigen Mannes gegangen.
Dieser kleine und höchst durchsetzungsfähige Mann war Gerd Bacher (er ist jetzt in Pension und hat so mehr Zeit für Sex als früher). Niemand nannte Gerd Bacher zur Zeit seiner größten Wirkung Gerd Bacher. Alle nannten ihn Tiger. Tiger, weil er so viele Sommersprossen hatte, daß sie ein Tigermuster auf seiner teigigen Haut erzeugten. Der Tiger war mehrere Jahrhunderte lang der Generalintendant des Österreichischen Rundfunks, des ORF (Oahr-Er-Äff ausgesprochen), jenes Staatsfunks, der mächtiger ist, als das Pentagon und der Vatikan zusammen (mit beiden pflegte Tiger Bacher daher auch rege Kontakte). Tiger Bacher war berühmt für seine bizarren Wutanfälle, für seine gnadenlose Durchsetzungsfähigkeit und für seine beinharte konservative Note.
In Tiger Bacher wohnte aber nicht nur die Kraft einer indischen Riesenkatze, sondern auch die Bosheit des Rumpelstilzchens. Als eine Sekretärin einmal arglos ihren kleinen Fiat auf die riesige freie Fläche neben dem Hauptportal des ORF-Zentrums am Wiener Küniglberg parkte, riß dem Generalintendanten die Hutschnur: Er stach mit seinem Taschenmesser alle vier Reifen des kleinen Sekretärinnen-Fiat auf. Was aber hatte den Fernsehmogul so erzürnt? Die Alleinerzieherin hatte es gewagt, innerhalb einer fünfzig Meter breiten heiligen Fläche zu parken, die einem ungeschriebenem Gesetz zufolge alleinig dem dicken Benz des Gerd Bacher zustand. Wetten, daß die großen Fernsehbosse bei Euch alle kleine Taschenmesser am Schlüsselbund haben? >>>
>>> und weiter geht's mit klein.
Gerhard Schröder
Der Showmaster
Den Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland kenne ich dafür persönlich. Das kam so:Als es in Österreich noch eine Regierung gab, die auf EU-Fotos abgebildet werden durfte, gab es ein jährlich wiederkehrendes gesellschaftliches Ereignis, das
sich „Kanzlerfest“ nannte. Zu so einem Kanzlerfest waren Krethi, Plethi und etwa 5000 Künstler und Politiker, Kaufleute und Journalisten eingeladen. Und Lisa und ich.
Lisa und ich waren einerseits aus schlichter Neugier dort und andererseits weil wir uns Einladungen zuschanzen hatten lassen, die eigentlich für wichtigeres Publikum als uns gedacht waren. Lisa und ich hatten Cocktailkleider an, die modediktatorisch nach Schuhen schrien, die für Kieswege und
Rasenziegel völlig ungeeignet sind. Lisa und ich standen daher den ganzen langen Abend mehr, als dass wir gingen, auch um in Stöckelweite der Tische mit den köstlichen Häppchen zu bleiben. Hinter den Tischen mit den köstlichen Häppchen wogte ein Fliederbusch im kühlen Frühsommerabend. Und hinter dem wogenden Fliederbusch standen große Männer mit dicken Hälsen, dunklen Sonnenbrillen und mit Kabeln im Ohr. Und hinter diesen saß der Kanzler der Republik Österreich, der Sozialdemokrat Viktor Klima, und plauschte mit Dichtern und Denkern, mit dem Mahr-Hansi, mit dem Heller-Franzi und mit einem kleinen, breiten Kerl. Viktor Klima hatte zwar oft den Mahr-Hansi bei sich, aber selten Männer mit dicken Hälsen und auch keine kleinen breiten Kerle. Während wir also so sannen, was es wohl mit diesen Männern auf sich haben mochte, ging plötzlich enorm viel Licht an, auf der Kanzlerseite unseres Fliederbusches.
Fernsehlicht.
Lisa und ich wurden nervös wie Goldfische, wenn das Wasser knapp wird, und versuchten, ein Plätzchen an einem der weniger prominenten Fliederbüsche zu finden. Vergeblich.
Fernsehen ist schneller als Girls in Cocktailkleidern und unbeugsamen Pumps. Lisa und ich lachten in Kameras. Licht blendete, und irgendwie roch es nach glimmender Lunte. Etwas ganz, ganz Dickes lag in der Luft. Lisa und ich sahen einander an, und ein Gedanke brannte durch unsere Hirne: Nicht wir, lieber Gott, bitte nicht wir! Und während wir so beteten und Gedanken in unseren Hirnen brannten und Licht sich in unser dezentes Make-up grub, sahen wir ihn. Einen kleinen Mann, mehr breit als hoch:
Gerhard Schröder.
Lebend.
In Echtzeit.
Von Kameras beäugt, von Tausenden Kilowatt Licht bestrahlt und von Henkern mit Kabeln im Ohr beschattet. Und dann ging alles ganz schnell. Der Mittelpunkt der deutschsprachigen Politik stand vor uns. Ein kleiner Mann, mehr breit als hoch, mit einem Lächeln aus Keramik, mit einer Stimme wie der Synchronsprecher von Sean Connery. Das Lächeln kam näher, eine Hand packte zu wie ein Schraubstock, zerdrückte die meine wie ein Bündel frischgekochten Spargel, und die Synchronstimme von Sean Connery sagte:
„Gerd Schröder. Guten Abend. Wie gehts?“
So war das. Lisa und ich brauchten zwei Stunden, bis wir unsere Hände wieder verwenden konnten.
Gustav Peichl
Ironimus vobiscum
Gustav Peichl ist so etwas wie eine nationale österreichische Institution. Wann immer in Österreich "Zeitgeschichte" oder "Baukunst" geschieht, wird der quirlige kleine Mann mit den runden schwarzen Brillen und dem rosaroten Schal um seine Meinung gefragt. Gustav Peichl ist "die" akademische und ästhetische Autorität in Sachen Spannbeton und Tagespolitik, denn er hat immer die gleiche Meinung: Die Baukunst liegt im Argen, weil die Architekten allesamt Nieten sind, und die Politik liegt im Argen, weil die Politiker allesamt Witzfiguren sind.
Gustav Peichl kennt sich da aus. Er ist Architekt, und er ist "Karikaturist" (er "zeichnet" täglich "Karikaturen" für "die Presse", eine regierungsfreundliche, und nicht nur deshalb völlig humorfreie und stockkonservative Tageszeitung). Sein nom du guerre als krixelndes Gewissen der Nation ist "Ironimus".
Al Pacino
Der Duft der Pfauen
Al Pacino kenne ich natürlich nicht persönlich, aber er hat eine Stimme, die bei mir südlich des Bauchnabels große Wirkung erzeugt. Strenggenommen kann Al Pacino gar kein Zwerg sein, so groß ist sein Talent als Verführer. Al Pacino verführt sogar, wenn er absolute Nobody-Idioten spielt. In einem meiner Lieblingsfilme, "Dog Day Afternoon", spielt er einen arbeitslosen Hektiker, der mit seinem besten Freund eine Bank überfällt. Dabei geht mehr schief als überhaupt schiefgehen kann, und die Sache endet ganz und gar unglücklich. Wie der kleine Italiener es schafft, auch in den allerschlimmsten Michael-J.-Fox - würde-sich-jetzt-in-die-Hose-machen - Situationen als absoluter Volksheld von der Leinwand zu strahlen, ist bis auf Clint Eastwood ganz Hollywood ein Rätsel.
Wolfgang Schüssel
Yes, Sir, I can boogie...
Der Mann, den sie Kanzler nannten. Der Wendehals ist in Österreich nur bei Bademeistern, Trafikanten und Gymnasialdirektoren populär.
Menschen seines Schlages heissen in Wien "Ungustl". Mein Freund, der Dissident Doron Rabinovici, nennt Wolfgang Schüssel in Anspielung auf seine fragile Statur gar den "Millimetternich".
Die Identifikationsliteratur des machtlüsternen Krispindels an der Spitze des geächteten Staates ist Saint Exuperys "Der kleine Prinz". This is not a joke.
Jörg Haider
Die Schwester
Über den Burschen vieler Aufregungen muss man nicht viel Worte verlieren. Der rechtsradikal-rechts-populistisch- revisionistisch-opportunistische Biertisch-Scientologe ist noch ein paar Zentimeter kleiner als Wolfgang Schüssel. Bei Interviews steht er auf Schemeln, und im Fernsehstudio sitzt er auf Telefonbüchern.
Kleine Bonusgeschichte:
Schüssels Wolfgang
Anfang 2000 stand die Welt Kopf in Österreich. Der Christdemokrat Wolfgang Schüssel hatte die Wahl verloren, es sich aber in den Kopf gesetzt, gegen den Willen Europas Bundeskanzler zu werden. Das wäre nur möglich, wusste man, wenn Schüssel einen Regierungspakt mit dem neopopulistischen FPÖ-Gott Jörg Haider einginge. Wenn er ein Tabu bräche, das bislang als unbrechbar gegolten hatte.
In dieser brisanten Zeit, die von aufwühlenden Demonstrationen und gefährlichen europäischen
Warnungen begleitet wurde, war nichts mehr in Schnitzelland, wie es vorher gewesen war.
Eines jener wilden Tage Abends schickte sich die gesamte Spitze der Volkspartei um Wolfgang
Schüssel an, mit der gesamten Spitze der Freiheitlichen um Jörg Haider einen Pakt auszuhecken.
Aus ganz Europa waren Fernsehteams angereist, um live zu berichten. Sogar Alessio Vinci, der sonst
nur Bombenangriffe und Invasionen live zu reportieren pflegte, stand, für CNN entsetzt nach Worten
ringend, vor der Hofburg.
Das Parlament, wo die Zukunft des Landes verhandelt wurde, glich einem Bienenstock. Es war gerammelt voll mit internationalen Journalisten, Kameraleuten, Pressesprechern und Tontechnikern.
Nirgendwo auf der Welt befanden sich in diesen Stunden mehr Kameras als hier. Und nirgendwo
wurde die Spannung so unerträglich wie in dem langen, von Hunderten Medienvertretern belebten
Zimmer im Parlament. Lange ließen die beiden Parteichefs auf sich warten und eine Hoffnung schwitzte sich durch das wartende Journalistenvolk: „Tja, wenn das so lange dauert, dann ist das
Ding wahrscheinlich geplatzt!“
Ich hatte mich für diesen Abend des Abscheus mehr aus persönlichem denn beruflichem Interesse akkreditieren lassen und saß in der zweiten Reihe jenes mit all den Kamerateams voll gestopften Parlamentspressekonferenzzimmers. Wie all die anderen wartete ich auf die beiden Paktierer, wartete auf Wolfgang Schüssel und auf Jörg Haider. Ein kleiner Tisch war auf abgewetztem roten Teppich aufgebaut worden, dahinter spannte sich ein Transparent, auf das ein riesengroßes Bild des Parlaments gedruckt worden war. Garniert war die Szene mit den bei solchen Anlässen beliebten eingetopften immergrünen Büschen. Der Tisch selbst war spartanisch gedeckt: Zwei Mikrophone und
zwei Glas Wasser waren aufgestellt. Und zwei Schilder mit den Namen der beiden Verhandler:
„Schüssel“ stand auf dem einen. „Haider“ auf dem anderen. Ein paar Tontechnikern war inzwischen fad geworden. Sie ulkten herum, spielten „Schüssel“ und „Haider“, wie die Zwerge Schneewittchens lümmelten sie sich in Haiders Sessel, nippten von Schüssels Wasser. Das war schon sehr irreal und seltsam. Großes, Niedriges lag in der Luft. Geschichte wurde spürbar.
Nach elendsvielen Stunden rumorte es plötzlich, und in einem Blitzlichtgewitter schoben sich zwei
Trauben von Entouragen aus der Türe hinter dem Tischchen. Das Blitzlichtgewitter wurde leiser, und
es setzten sich zwei sehr kleine Männer. Man hatte gewusst, dass beide, Schüssel wie Haiders
nicht gerade das Gardemaß erreichten, aber dass sie so klein waren, schockierte richtiggehend.
Die beiden hatten gerade mal die Größe von Buben, die mit gefälschten Schülerausweisen und auf Zehenspitzen um Kinokarten für brutale Filme anstehen. Das sollten die Männer sein, derentwegen Europa rotierte? Während die beiden ihr langweiliges, aber inhaltlich doch beunruhigendes Papier verlasen, legte sich bleierne Ruhe über den Saal. Mein exklusiver Sitzort in der zweiten Reihe sollte es zulassen, nicht nur dem Gerede zu lauschen, sondern auch die Kleidung des zukünftigen Bundeskanzlers und seines neuen Freundes zu studieren.Jörg Haider, der damals noch die Rolle des gefährlichen Politdämons spielte und der es als Europas Erzbösewicht bis aufs Cover von Newsweek geschafft hatte, war geschminkt, aber unrasiert, und er trug das Zeug, das damals auch die Scientologen trugen:Werbefuzzikluft. Schwarz und teuer.
An Wolfgang Schüssel gefielen mir die dunklen Weichlederschuhe. Ihre Kreppsohle bog sich leicht nach oben, und sie waren ganz offensichtlich nicht mehr die Jüngsten. Dazu trug Schüssel kurze und von häufigem Waschen ausgeleierte Schlappsocken. Ihre Bündchen endeten kurz vor dem Hosenbein,
sodass eine handbreite blitzende Lücke entstand – „the Gap“, wie die Fachleute sagen. The Gap erlaubte einen ungeschonten Blick auf Schüssels schütter behaarte Beinchen.
Das war schon sehr intim.
Weil nun der Tisch, an dem Schüssel und Haidersaßen, keine Blende hatte, wie sie sonst bei staatstragenden Tischen üblich sind, hatte das Publikum freie Sicht auf noch Intimeres, auf die Vorgänge unter Tisch:Wolfgang Schüssel, der die Beine leger und im flachen Winkel vor sich aufgestellt hatte, hielt, wenn er gerade nichts zu sagen hatte und sein Partner Haider sprach, die Linke locker zwischen den Beinen. Und jetzt kam es:
Schüssel kratzte sich am Wolfgang!
Mehrmals und vor den Augen der Weltpresse! Seine Mundwinkel machten dabei kleine glückliche Grübchen, wie man sie von Ministranten kennt, wenn sie die Glöckchen läuten. Selten habe ich etwas gesehen, das österreichischer gewesen wäre.
all © Andrea Maria Dusl
geschrieben für Peter Praschl's
Sofa und den Falter
8. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Do you Kalender?
Über Fenster- Frei- und andere Feiertage
Andrea Maria Dusl
Jahreswechsel sind virtuelle Angelegenheiten. Weder ändert sich das Wetter, noch die politischen Umstände, und auch an den Menschen geht so ein Jahreswechsel nahezu spurlos vorüber. (Von den Spuren, die Sylvesterparties gemeinhin in unsere Gesichter graben, abgesehen). Jahreswechsel sind, so könnte man meinen, volkswirtschaftlich gesehen, von zweifelhaftem Nutzen. Weit gefehlt. Am Jahreswechsel verdient sich eine ganze Branche goldene Nasen. Die Kalenderbranche. Einen Kalender braucht nämlich jeder.
Kalender sind raffiniert einfache Geräte. Das mindeste, was so ein Kalender können muß, besteht darin, 365 beziehungsweise alle vier Jahre 366 Tage eines neuen Jahres in einer sinnvollen Chronologie aneinanderzureihen. Zur leichteren Handhabbarkeit dieser stetigen Abfolge von Tagen arbeitet die Kalenderindustrie schon seit langem mit sieben Wochentagen: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Fenstertag, Samstag und Geburtstag. Diese sieben Tage wiederum werden zu Wochen zusammengefaßt, 52,142857143 sind es ungefähr. 28, 29, 30 und 31 Tage werden, ohne Rücksicht auf den Wochenfluß zu Monaten gebündelt. Diese Monate (nicht zu verwechseln mit Montagen) heißen jährlich gleich: Jänner, Schifahren, März, Fensterputzen, Mai, Juni, Urlaub, August, Frust, Oktober, November, Weihnachten. >>>
>>> Zusätzlichen Wiedererkennungswert im Kalender bieten sogennante Feiertage. Fällt ein Feiertag auf einen Donnerstag folgt ein Fenstertag. Das Jahr beginnt zur Einstimmung gleich mit so einem Feiertag. Etwas mißverständlich heißt der Tag nicht Neutag oder Ersttag sondern Neujahr, und wird schon im Laufe des vorangegangenen Tages, dem Sylvestertag begonnen. Der nächste wichtige Feiertag ist das Dreikönigstreffen der ÖVP in Maria Taferl. Dicht gefolgt vom Aufmarsch der Sektion Ebensee vor dem Parlament, der stets am 1. April begangen wird. (Die anderen Sektionen begehen den 1. April am 1. Mai.) Lange Tradition, vor allem am Land (steirisches Hügelland, Burgenland, Landeck) haben die sogennanten kirchlichen Feiertage. Sie erinnern an kirchenhistorisch wichtige Termine und haben eigene Namen. Jedes Kind kennt sie: Faschingsdienst-Tag, Abwaschmittwoch, Glühdonnerstag, Karfenstertag, Osterhasen-Samstag, Ostereier-Suchtag und Urbi et Orbi.
Nationale Feiertage gibt es weniger: Muttertag, Vatertag, Direktorstag, Tag der Fahne, Rapid gegen Austria, Weltspartag und Tag der offenen Tür. Alle diese Tage sind minutiös im Kalender aufgelistet.
Möglichkeiten für individuelle Kalendergestaltung gibt es auch: Mamas Geburtstag, der eigene Geburtstag und der Geburtstag vom Chef können, je nach Maßgabe ihrer Wichtigkeit, einem der 365-366 Tage zugeordnet werden.
Früher, also zu Zeiten als sich die Gutenberggalaxis noch nicht im Sternbild des Farbdrucks befand, befand sich die Kalenderindustrie im Embryonalstadium monochromer Einfalt. Bis Henry O´Nash am 1.1.1922 den ersten Farbkalender unters Volk brachte und damit eine permanente Revolution ins Rollenoffset: Farbige Kalenderblätter! Wow! Jännerblätter mit dem Bild schneeverwehter Kältelandschaften, tauende Bächlein mit zartgrün knospender Märzfauna, üppig wogende Roggenfelder im August und rotgelb flirrendes Stadtlaub auf Oktoberboulevards.
Sei den Tagen O´Nashs macht niemand mehr Kohle auf dem Globus, als die Kalenderindustrie, Bill Gates eingeschlossen. Jede nur denkbare soziale Gruppe kann aus einer Myriade von geeigneten Kalendern das richtige Weihnachtsgeschenk auswählen. Befreundete wie verfeindete Yuppies beschenken einander mit ledergebundenen Filofaxen in allen Formen und Größen, Kleintierhalter mit und ohne Vereinsanbindung finden ihr Glück in Hamster-, Schildkröten, Zierfisch- und Katzenkalendern. Backfische greifen zu Pferdemotiven, das Kind im Manne – je nach Härtegrad – zu Kalendern mit Schmalspureisenbahnen, Formel-1-Boliden und zartgeschürzten Lolitas.
Äußerst beliebter Motive bedient sich die Kalenderindustrie auch in der großen weiten Welt der Malerei. Marc Chagall eignet sich hervorragend als unaufdringliches Präsent für die alleinstehende leitende Angestellte, Motive aus der sixtinischen Kapelle für den saturierten Agnostiker mit Hochschulabschluß, Hundertwasser für den pragmatisierten B-Beamten und Andy Warhol für die attrakive Leiterin der Investmentfond-Abteilung eines internationalen Bankenkonsortiums.
Die Autorin dieser Zeilen sieht sich selbst außer Stande, O´Nash und seinen Epigonen auf den Leim zu gehen. Weniger aus marktpolitischer Anarchie, als aus dem Unvermögen, Kalendern jene Wichtigkeit beizumessen, die schon dem begabten Volkschulkind in Fleisch und Blut übergegangen ist. Notizen, die er auf Kalendern eingetragen hat, waren mit sofortiger Wirkung dem ewigen Vergessen anheimgestellt. In ihrem Filofäxchen der Firma Success gleißen vier Jahre alte Kalenderblätter von jungfräulicher Unbeschriebenheit und die jährliche Abgabe des Rauchfangkehrerkalenders quittierte sie mit sofortiger – sicher nicht glücksbringenden - Widmung an den Altpapiercontainer.
Einen Kalender hat die Comandantina dennoch. Auf verbogenem ägyptischem Karton ist darauf ein schlechter Farbdruck der Kaaba in Mekka zu erkennen. Unter einem - so hofft sie - segenbringenden Zitat des Propheten hängt ein armdickes Bündel vergilbter Abreißblätter. Das oberste weist sich in arabischen und indischen Ziffern als Abreißblatt für den 21-Jänner aus. Warum es nie dazu kam, über dieses Datum hinaus Tage, Wochen, Monate, somit also das ganze liebe Jahr, zu verfolgen, wird ihr ein ewiges Rätsel bleiben. Vermutlich kann sie mit Kalendern nichts anfangen. Zuletzt, so viel läßt sich immerhin beweisen, muß sie an einem 20. Jänner noch gerissen haben.
© Andrea Maria Dusl
geschrieben ~ 1997 für "Triebwerk"
6. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Blue Moon Drehbuch
Blue Moon Script
Version 20.1 pdf
by Andrea Maria Dusl
>>> Download file
>>> BLUE MOON Official Homepage
6. August 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Sieben gefährliche Orte um Schwimmen zu gehen
Schwimmen ist nicht Schwimmen. Schon gar nicht dort, wo man keinesfalls schwimmen sollte.
Finnischer Meerbusen
Sankt Petersburg, Russland
St. Petersburg ist berühmt für seine weißen Nächte. Die heißen so, weil dort im Sommer die Sonne erst gegen elf, halb zwölf Uhr abends untergeht. Das Gefühl von so einer weißen Nacht ist wie ein Turbo-Jetlag ohne anstrengendes Reiseerlebnis. Und die passende Droge für so eine weiße Nacht ist Wodka. Während einer weißen Nacht in St. Petersburg ist Wodka Pflicht.
Also dachten wir uns, gehen wir runter zum Strand, denken daran, daß sie in Kalifornien alle schon Taschenlampen brauchen um diese Zeit und trinken ein bißchen von dem netten Wodka, Pflicht ist schließlich Pflicht. Vom Hotel Pribaltiskaja, wo wir wohnten, ist es nicht weit zum Strand, denn das Hotel Pribaltiskaja liegt direkt am Industriehafen. Und der Industriehafen ist ja sowas wie ein Strand.
Die Droge Wodka hat nun wiederum den Nachteil, daß sie ungeheuer schnell wirkt. Wir waren also schon sehr betrunken, als wir die 50 Meter zum "Strand" hinter uns gebracht hatten. Wir, das waren ein paar Tiroler, zwei ereignisscheue deutsche Pärchen und ein karfunkeläugiger Korse. Weil Wodka sehr von innen wärmt, wollte ich unbedingt schwimmen gehen. Wo doch da ein Meer war. Also zog ich mich aus, >>>
>>> bestieg ein rostiges Ladawrack und sprang nixenhaft in den finnischen Meerbusen. Nach dem Auftauchen warf ich den Tirolern Feigheit vor dem Wasser vor. Und daß sie keine Tiroler wären. Mit nichts kannst du Tiroler mehr ärgern, als wenn du ihnen ihre Tirolerischkeit absprichst. "Bisch a Tiroler?" sagst du, und schon hüpfen sie. Die Tiroler. Mehr brauchen sie nicht, als "bisch a Tiroler?"
Normalerweise. Aber heute war nicht normalerweise. Die Tiroler standen bis zu den dürren Unterschenkeln im Wasser und grinsten alpin. Denn mehr noch als stolz sind die Tiroler vorsichtig. Da war der Korse aus anderem Holz. Seltsam warm war es, das Schwimmen im finnischen Meerbusen, und seltsam fluoreszierend war sein Wasser. Am Strand, der im wesentlichen aus Beton gegossen war, tanzten wir dann auf Glasscherben bis in den sehr sehr frühen Morgen. Und seither weiß ich, daß es richtige Männer nur in Korsika gibt.
Suezkanal
Ismailiya, Ägypten.
Ich glaube nicht, daß es viele Menschen gibt, die schon einmal im Suezkanal gebadet haben. 1997 im Februar war das, und es war ein kaurismeskes Erlebnis, wie Queen Cleopatra im Brackwasser zu treiben und alle zwei Minuten einen anderen rostigen Öltanker, Bananendampfer oder Mitsubishi-Frachter passieren zu sehen. Erstaunlicherweise schlagen die dicken Pötte kaum Wellen. Die Krokodile allerdings auch nicht.
Nordsee
Aberdeen, Schottland.
1976 hatte ich mir eingebildet, die obligate Sprachreise in Schottland zu verbringen. Daß Sprachreisen in einer Region angeboten werden, die Englisch schlechter spricht als Wiener Hausmeister, ist an sich schon ein Rätsel.
Noch rätselhafter war das Pärchen, in dessen Einfamilienhaus mich das Sprachinstitut einquartiert hatte. Bruce war trotz meiner Mädchenhaftigkeit einen Kopf kleiner als ich, studierte Pornohefte im achten Semester und war Schweißer in einer Ölplattform-Zusammenbau-Fabrik (wie sowas genau heißt, wußte ich schon damals nicht).
Weil er in seinem früheren Leben Soldat gewesen war (mit 17 in Nordirland, bei den gefährlichen Katholiken, wie er heldenhaft erzählte, in Nordirland, wo die Kugeln "nur so pfiffen"), weil Bruce also ein ganzer Bursch war, nahm er mich unter Zurücklassung seiner teigigen Frau Janice einmal nach Aberdeen. Zum Schwimmen.


