Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Liebe Frau Andrea,
in Falter 28 empfiehlt Fabian Schmidt, der deutsche Champion im Kaffeekochen, das berühmte Glas Wasser nach dem Kaffee zu trinken. Zitat:"Wenn man das Wasser nach dem Kaffee trinkt, geht doch der ganze gute Geschmack im Mund verloren!” Meiner Erinnerung nach trinkt man das Wasser nach dem Kaffee, um sich den guten Geschmack länger zu erhalten. Bitte auch um Auskunft, wie es zur WWKT (Wiener-Wasser-Kaffee-Tradition) gekommen ist.
Markus Knopp, Gumpendorf
...................
Lieber Markus,
wie so viele Wienmythen hat auch das berühmte “Glasl Leitungswasser” ein Eigenleben angenommen und sich von den sicheren Pfaden der historischen Tatsächlichkeit entfernt. In jedem Fremdenführer lesen Wientouristen allerlei Gescheites, meist aber Falsches über die Wiener Kaffeehaustradition. Hartnäckig wird die Erfindung des Wiener Kaffees einem gewissen Georg Franz Kolschitzky zugeschrieben, der die ersten Wiener Bohnen 1683 im verwaisten türkischen Heerlager gefunden haben will, als der Armenische Kaffeesieder Deodato schon lange Jahre eine Monopol-Konzession in der Wirtshaustasche hatte. Das Glas Wasser (das es im übrigen auch in Griechenland zum Kaffee gibt) kann natürlich zur Geschmacksneutralisierung bzw. Entsäuerung von Magen und Speiseröhre verwendet werden. Seit Deodatos Zeiten, zu denen Kaffee in Wien noch “a la turque” getrunken wurde diente es allerdings mehr dazu, den Kaffeesud aus den Zähnen zu spülen.
Fragen Sie Frau Andrea” gibt es auch als supriges Falter-Buch!
dusl@falter.at
12. Juli 2004 © Andrea Maria Dusl
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Kommentare
Einspruch zum Wassermythos!
Laut einer kaiserlichen Kommission, eingesetzt von Maria Theresia, um den Ursprung des Kaffes in Österreich zu eruieren, dient das Wasser zum Kaffee nicht zum Kaffesudspülen, sondern als Nachweis einer hervorragenden Wasserqualität.
Es gab damals in Wien viele Hausbrunnen deren Wasserqualität sehr bescheiden (um es vorsichtig auszudrücken) war. Dem an sich schon schwarzen Getränk war daher die Qualität des Wassers, mit dem es zubereitet wurde, nicht anzusehen.
Deswegen beschlossen einige der wenigen offiziellen Kaffesieder (es durften zur gleichen Zeit immer nur 7 - glaub ich - Bürger Kaffee sieden) ein Glas frischen Wassers dazu zu servieren - eine sehr frühe Marketingaktion.
Deodatos (oder auch Theodat) hat für seine Spionsdienste im türkischen Lager (wegen seines Aussehens geeignet), sowohl die zurückgelassenen Kafeebohnen als auch die "Lizenz zum Sieden" erhalten.
Kolschitzky wird jedoch die Erfindung des "Kipferls" zugesprochen. Er soll einen befreundeten Bäcker um Gebäck dieser Form gebeten haben, um in typisch Wiener Manier seinen Gästen die Verunglimpfung der Türken zu ermöglichen.
Der Halbmond als pars pro toto wurde in den Kaffee getunkt - Der Türke wurde eingetunkt. Und die Redensart "jemanden eintunken" wird auch heute noch regelmäßig verwendet, wenn man jemanden übervorteilt, verunglimpft oder schändlich besiegt.
stefan | 02.08.04 10:36
Danke für die wertvollen Comments! Das ist alles richtig und gut. Kipferl hiess übrigens auch Beugel. Nach New York emigriert wurde es zum Bagel.
Eintunken tun auch die Pariser. Aber die haben ja ihre Croissants auch aus Wien. Wo man hinsieht Kipferl.
Andrea | 03.08.04 00:13
tja - nur leider ist die geschichte mit dem kipferl eine mähr.
ich hab mich dazu aufgemacht das wort kipferl etymologisch zu erforschen - denn warum nennen es die franzosen "halbmond" und wir nicht, wenn es schon vom türkischen mond kommen sollte? - und bin auf das hier gestossen: http://www.wienerzeitung.at/frameless/kultur.htm?ID=M12&Menu=195346
"Das Kipferl, von dem viele glauben, es stehe mit dem Halbmond und den Türkenbelagerungen Wiens in Zusammenhang, erweist sich als ein heidnisches Brauchtumsgebäck, das schon 1227 als Ciphen erwähnt ist. Das Kipferl erhielt seinen Namen von der gebogenen Form der Stemmleiste des Bauernwagens, welche mittelhochdeutsch kipfe und althochdeutsch kipfo heißt und übrigens auf das lateinische Wort cippus (= Spitzsäule, Pfahl) zurückgeht. " (wie allerdings aus der spitzsäule eine mond-sichel wird steht auf einem anderen blatt)gesichert jedoch erscheint, dass kolschitzky es erstmals im kaffehaus angeboten hat - und das die redwendung "jemanden eintunken" daher stammt.
da fällt mir auf:
der österreicher in der soße eintunkt
aber der deutsch in der tunke stipptund dass der deutsche, wenn er jemanden stippt etwas ganz anderes tut, als der österreicher, der jemanden eintunkt.
und da wäre noch die frage, woher der ausdruck espresso kommt...
stefan | 03.08.04 13:37
Neujahrsüberraschung bei der so genannten Aida am Stephansplatz. Großen Schwarzen bestellt, Torte, traditionell 1/4 Leitungswasser zum Großen Schwarzen.
Servierin geht ab.
Kommt wieder, mit 1/8 Leitungswasser.
Auf den Fehler freundlich aufmerksam gemacht teilt sie mir mit, dass sie seit Anfang Jänner nur mehr 1/8 Wasser bringen dürfe, es habe hier eine Sitzung gegeben, und es werde zu wenig Mineralwasser gekauft etc., deshalb hat's der Chef verboten, sie würde ja gerne, aber ...
Stehe auf, verabschiede mich freundlich, nicht ohne dem Chef guten Appetit auszurichten, und auch den Kaffee könne er gerne selber trinken.
Wir verabschieden uns freundlich voneinander.
Wieder ein selbst auferlegtes Lokalverbot ...Erik Laß | 28.01.05 20:18



stefan | 02.08.04 10:36