Fragen Sie Frau Andrea
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Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Schiach
Liebe Frau Andrea,
seit langem versuche ich der Herkunft des Wörtchens “schiach” auf den Grund zu gehen. Wen immer man fragt meint “schiach” sei “häßlich”. No na, aber es kann sich ja unmöglich davon ableiten und es ist mir ein Rätsel, wie eines der häufigsten und beliebtesten Wörter des österreichischen Sprachgebrauchs keine schriftsprachliche Wurzel hat. Wo schaut denn ein Ausländer, der in Wien Deutsch lernen möchte, im Wörterbuch nach, wenn er das Wort “schiach” in der Straßenbahn hört?
Liebe Grüße, Karin, Internet
....................
Lieber Karin,
das Wienerische ist eine kleine, überaus raffinierte Zeitmaschine, das Ausdrücke bewahrt hat, die längst aus den deutschen Wörterbüchern gepurzelt sind. Das schüchterne Wörtchen mit der häßlichen Bedeutung kommt direkt aus dem späten Mittelalter. Noch im Mittelhochdeutschen hieß unser Adjektiv "schiech", "schieh" und entsprach einer Bedeutungswolke aus der es mal verzagt, mal abschreckend, mal zornig regnete. Etymologisch kommt "schiach" aus der Sippe jener Wörter, die Strassenbahn fahrende Ausländer mit lexikalischer Reiselektüre unter "scheu" (englisch "shy") fänden. "Scheu" selbst hiess zu Luthers Zeiten noch "scheuch", wird von Wienern aber "schiacher"weise "scheich" ausgesprochen. Ein saudi-arabischer Potentat mit herausgeforderter Physiognomie und furchtsamem Wesen mag in Wiener Strassenbahnen also durchaus als schiacha, scheicha Scheich bezeichnet werden.
Fragen Sie Frau Andrea” gibt es auch als scheues Falter-Buch! dusl@falter.at
19. April 2004 © Andrea Maria Dusl
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