April 2004
Abstract is the World
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Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Milch, Reis, Gusi
Liebe Frau Andrea,
ein Rätsel macht mir seit einigen Wochen zu schaffen. Unsympatische Worte wie Bischof oder Landeshauptmann besitzen einen Plural, andere, sympatischere wie Milch oder Reis jedoch keinen. Versagt hier die Sprache gegenüber der Realität oder habe ich in der Volksschule nur nicht gut aufgepasst? Apropos Gerechtigkeit: Warum gibt es im Deutschen keine weiblichen Vornamen, die auch als Nachnamen verwendet werden ? Rätsel über Rätsel, die Sie hoffentlich lösen können.
Mit besten Grüßen, Fabian F., Internet
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Lieber Fabian,
dass Bischöfe und Landehauptmänner pluralfähig sind, liegt in der Natur der Sache. Schliesslich werden Ämter, vom Klassensprecher bis zum Gott von einander abwechselnden Individuen bekleidet. Singulärer wird es bei Personen. Che Guevara, Jesus, Alfred Gusenbauer oder Fritz Muliar sind so einzigartig, dass uns Che Guevarae, Jesusse, Gusenbauern und Muliare nicht abgehen. Milch ist der Rest einer Partizipialkonstruktion und versteht sich sinngemäss als das “Gemolkene”. Auch Reis ist eigentlich eine Qualität, ganz wie es auch andere pluralunfähige stoffliche oder emotionelle Zustände wie Rot, Fleisch, Laub, Gold, Rauch, Zorn oder Glück sind. Das Fehlen deutscher Nachnamen, die aus weiblichen Vornamen gebildet werden, wird unter anderem vom italienischen ausgeglichen, in dem es von weiblichen Familennamen wie Santabarbara, Santachiara, Santagiustina, Santamaria, Santamonica, Santapaola, Santarossa, Santasusagna, Santavaleria geradezu wimmelt.
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dusl@falter.at
26. April 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Schiach
Liebe Frau Andrea,
seit langem versuche ich der Herkunft des Wörtchens “schiach” auf den Grund zu gehen. Wen immer man fragt meint “schiach” sei “häßlich”. No na, aber es kann sich ja unmöglich davon ableiten und es ist mir ein Rätsel, wie eines der häufigsten und beliebtesten Wörter des österreichischen Sprachgebrauchs keine schriftsprachliche Wurzel hat. Wo schaut denn ein Ausländer, der in Wien Deutsch lernen möchte, im Wörterbuch nach, wenn er das Wort “schiach” in der Straßenbahn hört?
Liebe Grüße, Karin, Internet
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Lieber Karin,
das Wienerische ist eine kleine, überaus raffinierte Zeitmaschine, das Ausdrücke bewahrt hat, die längst aus den deutschen Wörterbüchern gepurzelt sind. Das schüchterne Wörtchen mit der häßlichen Bedeutung kommt direkt aus dem späten Mittelalter. Noch im Mittelhochdeutschen hieß unser Adjektiv "schiech", "schieh" und entsprach einer Bedeutungswolke aus der es mal verzagt, mal abschreckend, mal zornig regnete. Etymologisch kommt "schiach" aus der Sippe jener Wörter, die Strassenbahn fahrende Ausländer mit lexikalischer Reiselektüre unter "scheu" (englisch "shy") fänden. "Scheu" selbst hiess zu Luthers Zeiten noch "scheuch", wird von Wienern aber "schiacher"weise "scheich" ausgesprochen. Ein saudi-arabischer Potentat mit herausgeforderter Physiognomie und furchtsamem Wesen mag in Wiener Strassenbahnen also durchaus als schiacha, scheicha Scheich bezeichnet werden.
Fragen Sie Frau Andrea” gibt es auch als scheues Falter-Buch! dusl@falter.at
19. April 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Erweiterung

Logo zur EU-Ost-Erweiterung
Für den Falter
14. April 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Korruption ist...

...wenn man trotzdem nimmt.
Für den Falter11. April 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Familienaufstellung

Der Psychounsinn ist so umstritten wie verbreitet.
Für den Falter
11. April 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings



