Tagschalte

Liebe Frau Andrea,

meine Großmutter Walburga hat am 25. Februar Namenstag. Beim Blumenschenken kommt mir alle vier Jahre der Schalttag in die Quere: Der ist nämlich am 24. Februar und nicht, wie man glauben möchte, am 29. Daher rutscht alle Schaltjahre der Namenstag meiner Omi auf den 26. Nun tauchen vermehrt Kalender auf, die den Schalttag am 29. Februar vermerken! Vielleicht können Sie mir sozusagen "historisch" helfen. Herzlichen Dank!

Sonja Haßlinger, Internet

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Liebe Sonja,

ein Schalttag hat die Funktion, unseren Kalender den tatsächlichen, zueinander leicht asynchronen Bewegungen der Erde um sich selbst (Tage) und um die Sonne (Jahre) anzugleichen. Die beiden Bewegungen "eiern" etwas auseinander. Der von Cäsar eingeführte Gregorianische Kalender war nach 16 Jahrhunderten gegenüber dem tatsächlichen astronomischen Geschehen schon zehn Tage aus dem Ruder gelaufen. Ein Reformkalender, der Julianische, wurde eingeführt. Um auch die Kommastellen im Eiern auszugleichen, wurde eine neue Regel eingeführt: Schaltjahre wurden alle Jahre, deren zwei Endziffern durch vier teilbar sind. Alle 400 Jahre fallen drei Schaltjahre aus - jene, deren Zahl nicht durch 400 teilbar ist: 1700, 1800, 1900. (So wurde 2000 wieder ein Schaltjahr.) Der geschaltete Tag wird seit Cäsar nicht an den 28. Februar angehängt sondern an den 24. Kirchenkalendertechnisch wurde ursprünglich der 24. verdoppelt, um den Februar auf einen 28. Tag auslaufen zu lassen. Kein Wunder also, dass Walpurga hüpft!

© Andrea Maria Dusl
"Falter" Nr. 9/04 vom 25.02.2004 Seite: 67

25. Februar 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Superbowl

Liebe Frau Andrea,

meine Eltern und ich rätseln, warum die amerikanische Football-Meisterschaft "Superbowl" heißt. Mein Vater meint, "bowl" käme daher, dass das Stadion die Form einer Schüssel habe. Ich tippe eher darauf, dass es einen schüsselförmigen Pokal zu gewinnen gibt. Meine Mutter meint, einen Zusammenhang mit Wolfgang Schüssel ausschließen zu können. Können Sie uns weiterhelfen?

Mit freundlichen Grüßen, Florentine Maier

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Liebe Florentine,

der Name "Superbowl" für das Spiel der Spiele kommt von "Superball", einem amerikanischen Kinderspielzeug aus den Siebzigerjahren, dem legendären "Flummi". Der bunte Ball aus dem Space-Age-Kunststoff Zectron war auch bei den Kindern eines gewissen Lamar Hunt megabeliebt. Gemeinsam mit Daddy verballhornten die Hunt-Kids den Originalausdruck zum gleich lautenden "Superbowl". Lamar Hunt, der Erbauer der American Football League und Besitzer der Kansas City Chiefs, schlug den seltsamen Namen für das sperrig "AFC-NFC World Championship Game" genannte Meisterschaftspiel vor und fand zunächst nur Skeptiker. Es sei der absurdeste Name, den sie je für ein Footballspiel gehört hätten, meinten selbst gute Freunde. In Ermangelung noch albernerer Alternativen heißt das Spiel trotzdem "Superbowl". Die vergebene Trophäe ist nach der NFL-Legende Vince Lombardi benannt. Von diesem Pokal gibt es zwei bei jedem Spiel. Einer ist das Backup für den Fall, dass die Gewinnermannschaft den Becher während der Feiern unabsichtlich zerlegen sollte.

©Andrea Maria Dusl
Erschienen in "Falter" Nr. 8/04 vom 18.02.2004 Seite: 67

18. Februar 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Archiv der Sehnsucht

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FA-Mitteleuropa.jpg

Erinnerungen an Mitteleuropa
Für den Falter

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Liebe im Büro

FA-Liebhaber.jpg

Remix einer Wienerin-Zeichnung.
Für den Falter

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Hardigatti II

Liebe Frau Andrea,

im "Falter" 5 haben Sie sich mit "Hardigatti" und den ungarischen Wörtern ördög, isten und manó beschäftigt. Ördög und isten sind tatsächlich iranischer Herkunft, manó aber nicht. Mein Fachgebiet ist zwar die ungarische Literatur, an unserem Lehrstuhl für Finno-Ugristik der Uni Wien gibt es aber genug Wörterbücher, und weil's mir so komisch vorgekommen ist, habe ich nachgeschaut. Für manó wird demnach als unsichere Etymologie "Mönch" (die lateinische Form) angegeben, "Mönch" im Sinne von "Eremit" - "jemand, der sich im Wald versteckt" oder sonstwie eine "komische Gestalt" ist.

Herzliche Grüße: Pál Deréky

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Lieber Pál,

vielen Dank für Ihr aufschlussreiches Mail! Mein Gefühl sagt mir, dass "ördög" noch nicht die ganze Wahrheit ist. Ich vermute ein zweites Wort oder eine Endung hinter "ördög", die dann zusammen ausgesprochen wie "ördögatta" oder "ördögatty" klingen und so erst den lautmalerischen Tiroler Fluch "Hardigatti" generierte. Wäre das denkbar?

Ihre Andrea Maria Dusl

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Sie haben vollkommen Recht, "Hardigatti" kommt von "ördögatta". "Atta", mit heutiger Rechtschreibung "adta", ist das Partizip Perfekt des Wortes "ad" - "geben" und kommt in mehreren Redewendungen vor: "Istenadta", "ebadta" und "ördögadta" - gottgegeben; Kreatur eines Hundes; Ausgeburt des Teufels. Heute milde Schimpfworte, waren das früher mittelschwere Beleidigungen. Die schweren Kanonen "teremtette", gar "bassza teremtette" - "der Kreator", das heißt Gott, "soll seine Kreatur ficken" sind ausgestorben.

Herzliche Grüße: Pál Deréky

© Andrea Maria Dusl
Erschienen in Falter" Nr. 7/04 vom 11.02.2004 Seite: 67

11. Februar 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Neues in der Grasser-Homepage-Affäre

FA-Karli-Homepage.jpg

Für den Falter

11. Februar 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Essen nach 6

Liebe Frau Andrea,

ich bekomme jeden Tag nach 20 Uhr großen Hunger und fange an zu essen. Meine Frau meint, dass diese Angewohnheit "sehr schlecht" sei und ich bald aufgehen werde wie ein Krapfen, da das Essen nach 18 Uhr die Menschen dicker mache. Ich verstehe dies aber nicht. Ist es wirklich wahr? Gibt es einen Unterschied, ob ich etwas vor oder nach 18 Uhr esse? Bitte um Rat! Mit besten Grüßen,

Nariman Mansouri, Internet

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Lieber Nariman,

nur zu, Hungern ist böse und auch nach sechs Uhr abends nicht angesagt! Sollten Sie mit gröberen Sorgen um Ihre Figur konfrontiert sein, müssten Sie allerdings die Einnahme von Kohlehydraten etwa zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen vermeiden. Der Grund dafür liegt im Stoffwechsel unseres Körpers, der sich während des Schlafens verlangsamt. Man könnte auch sagen: Während wir schlafen, liegt auch unsere Verdauung in der Hängematte. Kohlehydrate werden schon während des Tages langsamer verdaut, mit entschleunigter Verdauung während des Schlafens bleibt Unerledigtes noch länger liegen und endet schließlich als Speicherfett. Frau Andrea rät, abends proteinreich und fettarm zu schnabulieren. Essen nach sechs ist figurmäßig also durchaus drinnen. Sollten Sie später dran sein mit dem Schlafengehen, verschieben sich die beschriebenen Zeiten natürlich. Nicht vergessen sollten Sie auch die positive Wirkung von Sex nach dem Essen auf die Qualität Ihres Wohlbefindens.

© Andrea Maria Dusl
Erschienen in Falter" Nr. 6/04 vom 04.02.2004 Seite: 63

4. Februar 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




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