Dezember 1999
Abstract is the World
Blue Moon Shooting
Boys and Girls from my Block
Breakfast Outside America
Kiev Markthalle
Little Shops of Horror
Phones of the World
Andrea Maria Dusl Music Room
Andrea Z bis A
Comandantina Unterwegs
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Maschinenraum
Redezeit
Sager von Welt
Showtime!
Blue Moon
Channel 8
Channel 8 Diaries
Crazy Day
Dining Car
Heavy Burschi
In the Pipeline
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Die Null am Datumshintern
Was so eine Null am Datumshintern nicht alles an dicken Analysen hervorruft! Der Wechsel von 1999 auf 2000 schlägt sich magazintechnisch vor allem im satten Tau der religiösen Betrachtung nieder. (So schön ein "Ende jetzt" auch wäre: Die Apokalypse war spätestens nach der Sonnenfinsternis gegessen.) profil, dem die Titelmadonna dermaßen ins Logo gerutscht ist, dass von "unabhängiges Nachrichtenmagazin" nur mehr ein schütteres "u...mag" blieb, frug um und deckte neben anderen sittlichen Verfallserscheinungen auf, dass in Sachen Heiligkeit die knirschende Kirchenbank längst vom fahrbaren Untersatz abgelöst wurde und dass die letzte Reise dreimal wahrscheinlicher in den kühlen Himmel als in die warme Hölle geht.
Format, neben "Politik und Wirtschaft" auch im "Wissen" kundig, legt überhaupt das dicke Buch auf den Prüfstand. So soll Noah maximal im Schwarzen Meer gearcht, Moses trockenen Fußes bloß durch den "lediglich bis zu tausend Meter tiefen Golf von Aqaba" gewatet sein und Jesus überhaupt erfunden worden sein. Irgendwo hab ich das alles schon in den Seventies gelesen.
"Falter" 51-52/99 vom 22.12.1999 Seite 20 Presseschau
22. Dezember 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Prinz Horn von rechts hinten
Ich bin zufrieden mit euch, Zeitgeistbroschüren! Endlich ein Kandidat auf den Covern von Format und profil. Noch dazu der gleiche ... äh, die gleichen ... äh, dieselben. (Es ist schon kompliziert mit einem Kanzleraspiranten, der eigentlich keiner ist, weil ja, wie glasklar zu vermuten, der Kandidat ja der andere ...) Trotzdem: Ich bin stolz auf euch, profil und Format, endlich wieder faltenwürfige Freiheit auf euren Deckeln! Und richtig erkannt: Prinzhorn taucht von rechts hinten an! Bärental hat sich wieder erfolgreich in die Coveridee gethemenleadert. (Im Gegensatz zur grafischen Lösung, der fahrlässigen Krida unter den Coverideen, ist die Haider-Lösung die vorsätzliche.)
Auch die Neue Kronen Zeitung fährt bewährte Geschütze auf: "Während linkslinke Kreise unverdrossen für die Freigabe sogenannter ,weicher Drogen' streiten", wie Recht- und Ordnungsexperte Andreas Mölzer im Blattinneren konstatiert, lesen die beiden Kinder auf Seite 1 statt neuer Schulbücher und alter Schundhefterl gerade den Rohstoff zu Österreichs Todesursache Nummer 1, der so genannten "legalen Droge" Wein.
© Andrea Maria Dusl
Erschienen in Falter../.. Datum unklar... 1999
16. Dezember 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Große Stadt, kleiner Mann
Andrea Maria Dusl
Mit alten Aufnahmen von Liedern und Couplets aus deutschsprachigen Metropolen zeigt die CD-Serie "Rare Schellacks" die Gemeinsamkeit von Wiener Dialekt und Berliner Schnauze: den Großstadthumor.
Sie hatten selten eine künstlerische Ausbildung und wechselten meist vom goldenen Boden des Handwerks auf die dünnen Bretter, die die Welt bedeuten: Volkssänger, Possenreißer, Imitatoren, Witzeerzähler, Vortrags-, Musik- und Gesangshumoristen. Im ersten Drittel unseres Jahrhunderts, zu einer Zeit, in der das Radio noch in den Kinderschuhen steckte und das Fernsehen noch nicht erfunden war, waren sie die Stimme des "Kleinen Mannes".
Das Münchner Label Trikont hat nach den Sammlungen "Bayern", "Oberösterreich-Salzburg", "Wien" und "München" fünf weitere CDs der Serie "Rare Schellacks" herausgegeben. Die seltenen Tonaufnahmen aus den Ballungsräumen der Metropolen Berlin, Dresden, Leipzig, München und Wien wurden digitalisiert und konserviert, aber nicht totrestauriert. Weder das Rauschen der dünnen Grammophonnadeln noch gelegentliches Knistern oder Knacksen wurde herausgefiltert. Das bewahrt dieser Serie den Charme der Genuinität.
Österreicher, so wird gesagt, tun sich schwer mit dem deutschen Idiom. Trennt uns doch von unseren lieben Nachbarn neben der gemeinsamen Geschichte vor allem die gemeinsame Sprache. Die Emotionen, die der Klang bundesdeutscher Kehlen hierzulange gemeinhin auslöst, oszillieren zwischen Unverständnis und Ablehnung und nähren sich aus dem ebenso tief verwurzelten wie grundfalschen Bewusstsein, etwas Besseres zu sein als die Piefke. Ganz besonders gilt diese Palette an Vorurteilen für die Bewertung deutschen (Nachkriegs-)Humors.
Im Bewusstsein solcher Ressentiments hören sich die alten Aufnahmen populärer deutscher Musik spannender, näher und vor allem tiefsinniger an als so manches, was nach dieser Ära als volkstümlicher deutscher Humorgesang gelten muss. Wiener Dialekt, Berliner Schnauze, Dresdner und Leipziger Mundart und die Weisen aus München verbindet vor allem ein universeller deutschsprachiger Großstadthumor: Mit dem Ausufern der Metropolen wurde aus entwurzelten Bauern, Tagelöhnern und Arbeitern der "Kleine Mann" - das bitterarme Zielpublikum der großen Stadt. Nicht der Geschmack der Hochkultur prägte das Bild und den Klang der Großstadt, sondern die kleinen Freiheiten der derb bis hintersinnig angelegten Couplets, der dadaistische Todernst heiterer Vorträge und die bittere Trauer, die jeder gute Witz transportiert.
In einem metaphorischen Sinn sind auch die Beispiele der Wiener Schellack-Kompilation "Zoten & Pikanterien" trotz ihrer manchmal derben ("I hab mei Freud mit die Vögln"), meist aber fein codierten ("Der Pfannenflicker" oder "Der Grillenkitzler") und stets urwienerischen Sprache überregional, großstädtisch und unüberhörbar zeitlos.
Als herausragendes Leitfossil der Trikont-Reihe darf jedoch Karl Valentin gelten. Zusammen mit seiner kongenialen Partnerin Liesl Karlstadt wusste er aus winzigen Funken an Humor Feuerwerke an Weisheit zu entfachen und die bittere Ahnung an einen Weltenbrand in Nonsens zu verdichten. Indem er dem einfachen Volk aufs Maul schaute, sah er direkt hinein in die Köpfe und Herzen der Ängstlichen und Aufgedrehten, der Ausgeflippten und Abgewandten. Allein die Nummer "Valentin singt und lacht selbst dazu" kann von dieser düsteren Epoche mehr als tausend Bilddokumente zeigen.
Rare Schellacks:
Wien - Zoten und Pikanterien 1906-1932.
Berlin - Großstadtklänge 1905-1950.
Sachsen - Volkssänger 1910-1932.
München - Lieder und Couplets 1901-1934.
Bayern - Szenen und Vorträge 1902-1939.
(Alle bei Trikont/Hoanzl)
"Falter" 50/99 vom 15.12.1999 Seite 69 Kultur
15. Dezember 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Edelfedern
Es gibt Journalisten, die schreiben, und solche, die "schreiben". Schreibende Journalisten heißen Journalisten, während "schreibende" Journalisten "Edelfedern" genannt werden. Als wäre der publizistische Adelstitel nicht ohnedies Auszeichnung genug, schreiben Edelfedern meist tatsächlich mit Füllhaltern. (Ausgenommen jene, die sich mit Bleistiften aus libanesischer Südhangzeder bescheiden.) Eine der berühmtesten Edelfedern dieses Landes ist der langjährige Herausgeber und Koherausgeber des Wirtschaftsmagazins trend. Neben der Koherausgabe des trend beschäftigt sich Helmut A. Gansterer auch mit der Verbreitung guter Neuigkeiten. Seine Kolumne "Good News" im Nachrichtenmagazin profil widmet sich vor allem jenem Körperteil, der Edelfedern gemeinhin zu halten pflegt: der Hand! Gansterer ruft zu "Applaus und Trost für die Handarbeiter" auf und enthüllt dazu in Kapitel "VI. Good News 4: Hand kann Kunst sein". Es gäbe keinen bildenden und kaum einen darstellenden Künstler, der ohne Hand auskomme, weiß Gansterer. Dachte ichs mir doch, dass Spazierengehen nicht zu den Künsten zählt!
© Andrea Maria Dusl
Erschienen in "Falter" 50/99 vom 15.12.1999 Seite 20
15. Dezember 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Getrennt durch die gleiche Sprache
"Die Deutschen und die Österreicher sind ein Volk - getrennt allerdings durch die gleiche Sprache." So habe es, schreibt Österreichs führender Zitatenforscher Staberl in der Krone, "vor Zeiten schon der witzige und gescheite Friedrich Torberg, Schöpfer der so unendlich amüsanten ,Tante Jolesch', formuliert. Dabei sind", so der Aphorismenexperte weiter, "gerade dem Sprachkünstler Torberg die Unterschiede zwischen dem Deutschen und dem Österreichischen nur allzu bekannt gewesen. (...) Nicht wegzuleugnen" sei "freilich eine gewisse Hassliebe zwischen den deutschen Stämmen."
Weggeleugnet dürften die Sprachkünstler vor allem die Originalquelle haben. Und die war, so Dr. Breiteneder von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, auch nicht der sonst übliche Kandidat für das brillante Zitat, Karl Kraus, sondern nach Meinung führender Anglisten G. B. Shaw oder Oscar Wilde. Und die bezogen das Zitat auf die sprachlichen Unterschiede zwischen Amerikanern und Engländern. Friedrich Torberg und Oscar Wilde, ließe sich sinngemäß behaupten, unterscheidet vor allem der beiden nicht gemeinsame Richard Nimmerrichter.
"Falter" 49/99 vom 8.12.1999 Seite 22 Presseschau
8. Dezember 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
WIENER, Schlussklappe
Es ist die letzte Ausgabe in diesem Jahrtausend und die allerletzte überhaupt. Mit Ausgabe 235 haucht der WIENER sein stylistisch und personaltechnisch üppiges publizistisches Leben aus. Das Finalheft vereinigt auf 164 wehmutsfreien Seiten alle Stärken und Schwächen von 20 Jahren WIENER. Kultur, so dürfen wir Thomas Mießgangs Abschiedsgewichtung seines Ressorts verstehen, ist vor allem eine des Hörens. (Zumindest ist das so, wenn Kulturchefs vor allem Plattenchefs sind.) Nicht ohne Mut zum Risiko zimmerte er eine Hitparade der 100 besten Platten des Jahrhunderts. Eines Jahrhunderts, das 1968 beginnt und pop-rezeptorisch vom Hormon Testosteron bestimmt ist: Von 16 Juroren sind gerade mal Pinky Rose und Doris Knecht Frauen. Hören Frauen keine Popmusik? Kennt Mießgang nicht mehr Frauen? Oder dürfen sich gar Frauen bei Popmusik nicht auskennen? Standard-Mann Ljubisa Tosic' und 88,6-Mann Bernd Sebor sind übrigens eineiige Zwillinge: Beide reihten Pink Floyds "Dark Side of the Moon", Michael "Wacko" Jacksons "Thriller" und ein Beatles-Album auf die Plätze 3, 2 und 1. Bingo, äh, Ringo ...
© Andrea Maria Dusl
"Falter" 48/99 vom 1.12.1999 Seite 20
1. Dezember 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings


