Online

Zeitunglesen war bis vor nicht allzu langer Zeit an den Kauf einer Zeitung gebunden. Wir gingen dafür in Trafiken, suchten Kolporteure auf oder schlossen Abonnements ab. Auch heute noch ist das ein weitgehend üblicher Vorgang, um öffentliche Information zu beziehen. Nur: Geschrieben muss heute nicht mehr nur gedruckt bedeuten. Haben doch die meisten Zeitungen und Magazine Online-Ausgaben ins Netz gestellt. Allerdings beherrschen die wenigsten ihrer Herausgeber das Medium "Online". Online sein, liebes Format, bedeutet mehr, als ein flaches Verlagsprospekterl im "Internet zu haben", Online, liebes profil , will auch bedeuten, dass es mittlerweile zum guten Ton gehört, Archive benutzerfreundlich, will heißen gratis ins Netz zu stellen. Online muss nicht zwangsläufig heißen, liebe Krone , mit "erotischen Diashows" und Cyberschnickschnack-Gewinnspielen billige Page-Impressions zu keilen. Online kann schnell und kompetent zugleich sein, unvergebührt und unverpeepshowt. Und es kann das Medium als reaktiv statt reaktionär begreifen. Leser zu glühenden Kommentatoren machen. Wie der Standard , die beste Online-Ausgabe des Landes.

© Andrea Maria Dusl
"Falter" 47/99 vom 24.11.1999 Seite 18

24. November 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Fachleute, seid wachsam!

Von den vielen Autoren, die die Kronen Zeitung im Laufe ihrer Geschichte verkolumnisiert hat, sind nur ganz wenige über den Verdacht erhaben, mit politischem Kleingeld zu scheppern. Kräuterpfarrer Weidinger ist ganz sicher ein guter Mann. Wer mit Salbeiblättern spricht und mit den Honigbienen tanzt, kann kein Böser sein. Der freundliche Herr mit dem schnittigen Strohhut und dem herzlichen Pfarrerlächeln macht sich umso größere Sorgen um das russische Böse: "Straßenkindern werden ihre Organe gestohlen: Wem würde es nicht das Herz zusammenziehen", fragt sich der herbophile Gottesmann, "wenn er folgende Nachricht liest: (...) Organisierte Verbrecherbanden entführen obdachlose Kinder und Jugendliche. - Sie töten diese und verkaufen ihre Organe an zahlungskräftige Patienten im In- und Ausland."

Dies und dass die russische Polizei dem Phänomen machtlos gegenüberstehe, habe der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) nach Informationen des Magazins Focus registriert. Weidingers SOS-Aufruf an uns: "Behörden und Fachleute seid wachsam bei der Entgegennahme von Organteilen!" Tja, das organisierte Verbrechen ...

"Falter" 46/99 vom 17.11.1999 Seite 18 Presseschau

17. November 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Omofuma ist nicht erstickt?

Die Neue Kronen Zeitung und das mit ihrer Exekutive beauftragte Österreich konnte aufatmen: "Omofuma ist nicht erstickt." In 29 Millimeter hohen, dicken, satten Lettern - eine Zeile zufällig etwa so breit und so lang wie gängiges Paketklebeband - konnten wir das letzten Samstag schwarz auf Weiß auf dem Titelblatt der Ausgabe 14.183 lesen. Marcus Omofuma ist nicht erstickt. Lebt er etwa noch? Geht es ihm gut? Keineswegs. Marcus Omofuma ist nur nicht erstickt. "Das Verkleben des Mundes, das im Brennpunkt der Kritik stand, spielte keine Rolle." Ein "Gerichtsgutachten" jedenfalls "entlastet Polizisten". Wie glückliche Polizisten aussehen, zeigt uns die Krone auf dem selben Cover. Vor herbstlich gelber Blätterkrone und "stolz - trotz verletzter Pfote" (fachmännisch mit drei Streifen beigen Klebebandes verbunden) "präsentiert sich Polizeihund ,Marco' aus Wien mit ,Frauerl' Sonja E. und ,Herrl' Wolfgang. S.". Die Wunde hat er sich zugezogen, als er in Mariahilf einen Einbrecher schnappte, der sich im Luftschacht (sic!) versteckt hatte." Schäferhund Marco hat sich "bei Einbrecherjagd Pfote verletzt". Auch ein Schicksal.

Erschienen in "Falter" 45/99 vom 10.11.1999 Seite 22

10. November 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




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