Manche Frauen haben keinen Vornamen

Manche Frauen haben keinen Vornamen. Einer Frau namens Monroe fehlt er ebenso wie einer gewissen Wessely. Auch bei den Damen Berger, Piaf, Stemberger und Schneider wurde er irgendwann einkassiert. Solche Frauen tragen statt ihres Vornamens den Adelstitel "die". Diese Sitte kam auf, um "Divas" von normalen Frauen zu unterscheiden. Eine Zeitung, die geradezu verschwenderisch mit dem divinen Antefix um sich wirft, ist tv-media (galaxyintern "die tv-media" gerufen). Dort steht viel zu lesen über Divinatricen wie "die Karlich", "die Pfeiffer" und "die Bartsch". Nur Deutschlands "Erotikqueen" (Niki Lauda: "Nicht nur ihr perfekter Körper ist faszinierend") ist Österreichs großem Medien-Magazin schlicht als "Verona" bekannt.

© Andrea Maria Dusl
"Falter" 43/99 vom 27.10.1999 Seite 16

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Sterne schüren revolutionäre Gedanken

Sterndeuter sind seit jeher Meister in der Kunst der dadaistischen Sozialpoesie. Schon Nostradamus verstand es in nahezu unheimlicher Art, Prognosen so zu kryptifizieren, dass bis heute niemand auch nur im Entferntesten ahnt, was der Löwe aus Salon wirklich gemeint haben konnte. Seine Voraussagen lassen zwischen Weltuntergang und bad-hair-day so ziemlich jede Deutung zu. Andrea Wicho ist die Nostradama des Kurier, die Löwin aus der Seidengasse sozusagen. Und auch ihren Versen fehlt es nicht an magischer Spannung, schon gar nicht an Montagen. Zwillingen etwa rät Andrea Wicho: "Die Sterne versetzen sie in Aufbruchstimmung und schüren revolutionäre Gedanken. Vielleicht vergessen Sie aber auf einen Punkt." Würde ich nie machen.

"Falter" 42/99 vom 20.10.1999 Seite 18 Presseschau

20. Oktober 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Glück war, als mein Zahnarzt meine neue Frisur bemerkte

Was ist Glück? Woran erkenne ich es? Wie glücke ich also richtig? Antwort auf diese dringenden Fragen gibt uns Kurier-Autorin Petra Hillinger in ihrer letzten Personality-Kolumne "Nackte Tatsachen". "Ich habe einen Kater. Der kommt in der Früh", bekennt sie, "und dann ist Fell an Haut. Und wenn dann noch eine andere Haut ist, dann ist Haut an Fell und Haut an Haut. Und es ist gut." Weil das nun nur den landläufigen Standards von Glück entspricht und Petra Hillinger in den letzten Wochen drei Spiegel zerbrochen hat, fährt sie Glücksgeschütze mit dickeren Kalibern auf: "Glück war, als mein Zahnarzt meine neue Frisur bemerkte. Glück war, als der Tierarzt am Nachmittag und der Begleiter am Abend Lederhosen trugen." Diese drei Sätze sollten, in Seide gestickt und Gold gerahmt, in keinem unglücklichen Haushalt fehlen. Von diesen drei Sätzen hätte sich sogar Mahatma Gandhi noch ein Scheibchen an Bescheidenheit abgeschnitten! Bescheiden ist auch der ikonografische Anspruch des gestrengen profil-Fotochefs Manfred Klimek. Schon wieder ein Prominentenporträt ohne porträtierte Prominenz! Diesmal nicht im Bild: Edith Klinger. Klimek!

© Andrea Maria Dusl
"Falter" 41/99 vom 13.10.1999 Seite 18

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Von Adam und Eva

Desktop-Publishing Ein neues, nützliches Handbuch bedient sich biblischer Figuren, um Komplexes auf einfache Weise verständlich zu machen.

Manchmal ist es ganz praktisch, gleich bei Adam und Eva anzufangen, wenn es darum geht, ein Paradies zu erobern. Wenngleich es kaum trockenere Inhalte wie die Manipulation von Bits und Bytes (die Elementarteilchen moderner grafischer Kommunikation) geben dürfte, gelingt es dem Autor Christian Zillner, der Illustratorin Gertraud Ömer und dem Editor Stephan Bittner überraschend gut, einen wanderbaren Weg durch ein, mittlerweile stark wucherndes Paradies an Geräten, Programmen, Formaten und Arbeitsabläufen zu schlagen. Das Paradies, um das es geht, heißt Desktop-Publishing oder kurz DTP.

Das DTP-Bibelchen beginnt also bei ADAM, wobei A soviel wie Absichten heißt, D soviel wie Daten, A wie Ansprüche und M wie Mittel. Weil aber ein Paradies, und schon gar ein publizistisches, mit ADAM alleine stark unterbevölkert wäre, hat sich das Autorenteam EVA ausgedacht. EVA, ohne die nichts geht im DTP. EVA also, was soviel wie Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe bedeutet.

Adam und Eva begleiten uns, wenn die Unterschiede zwischen Macs und PCs, zwischen Vektor- und Pixelgrafiken, Bildschirm und Druckdarstellung (ohne die sonst übliche, allzu große Fachsimpelei) erklärt werden. Eine Qualität des gut 200 Seiten starken Ordners mag auch das Nichtvoraussetzen jeglicher grafischer Vorkenntnisse sein. Weil nun die Autoren den Weg ins DTP-Paradies allzu biblisch auffassten, strauchelt der begleitende Text neben Adam und Eva über andere biblische Gestalten wie Behemoth und Leviathan und allegorischem Schnick-schnack der Sorte "Die erste Schöpfung war ein Vektor" und "die Bilder der Welt wurden Pixelgrafik".

BMP und BUS, CIE und CMYK, EPS und DPI, GIF und HTML, ISDN und LAN, PDF und RIP, SCSI und TIFF, URL, USB und ZIP... Im DTP-Paradies wimmelt es auch ohne Behemoth und Leviathan von dämonischen Bezeichnungen.

Um das Rad nicht stets aufs Neue erfinden zu müssen und auch wirklich "von der Schreibtischoberfläche aus zu veröffentlichen" (wie man DTP umständlich übersetzen könnte), gilt es einen ganzen Wust an Hard- und Softwarestandards richtig zu bedienen. Die Autoren vermitteln das Wissen darüber mit einem verblüffend einfachen, überaus informativen und verständlichen System von Grafiken und Schaubildern, das komplexe Phänomene wie Druckvorgänge, Farbmanagement und den Umgang mit verschiedenen Dateiformaten zu erklären vermag. Der Wanderführer durchs DTP-Paradies kann auch selbsternannten Experten das eine oder andere bisher noch dunkle Wegerl erleuchten.

Auf den ersten Blick mutet das als spiralgebundener Ordner aufwendig gestaltete, farbgedruckte Werk wie ein religiöses Kinderbuch an. Bei näherer Betrachtung ist es gerade diese Simplikation, die sowohl Charme als auch Gebrauchswert der Desktop-Publishing-Fibel ausmachen. Sie sollte neben jedem Personal Computer stehen.

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Bittner/Ömer/Zillner, DTP für alle. Der Weg ins Desktop-Publishing-Paradies. Spiralbindung im Ordner. Wien 1999 (Falter). 208 S., öS 358,

© Andrea Maria Dusl
Erschienen in "Falter" 40/99 vom 6.10.1999 Seite 22

6. Oktober 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Österreichs klügster Kopf

Der Senf auf den Würsteln der Republik ist das Testimonial. Der Mann, der das erkannt hat, ist "führender Exponent aus Wirtschaft und Kultur" (Kurier), und zählt zu "Österreichs klügsten Köpfen" (Format). Kein Leichtes also, an Gustav Peichls Urteil vorbeizukommen. Der Architekt im Format: "Das ist ein wirklicher Verlust der SP mit Klima an der Spitze." Klug erkannt. Peichl ortet neben den Meinungsforschern sowohl die "Generale des war room" (Kurier), als auch die "Generäle des War Rooms" (Format) als Schuldige. In der Conclusio arbeitet der Karikaturist etwas exklusiver mit Sprachbildern: "Klima wird dieses Ergebnis nicht bloß mit einem Lächeln wegstecken können." (Format) und "VP kam mit einem blauen Auge davon." (Kurier). Ironimus vobiscum!

© Andrea Maria Dusl
Erschienen in "Falter" 40/99 vom 6.10.1999 Seite 24

6. Oktober 1999 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




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