August 1999
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Podcast von Dusls politischer Talkshow im Theater im Rabenhof
Das Photobureau von Comandantina Dusilova kümmert sich ums Schöne und Abseitige
Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Zum Kolumnismus gehört das Kolumnenfoto
Es sind ganz kleine Dinge, ganz persönliche, die Kolumnisten liebenswert machen. Kolumnisten dürfen nämlich, ganz im Gegensatz zu ihren, stets auf elder statesmanship bedachte Kollegen vom Kommentar auch über die eigene Befindlichkeit informieren. Besser selbst erlebt als schlecht nacherzählt, lautet die Maxime der Kolumnenschreiberbranche. Von Kolumnisten wissen wir auch stets, wie sie dieses Jahr auszusehen pflegen, denn zum Kolumnismus gehört das Kolumnenfoto. Eine Kolumne ohne lächelndes Autorenportrait ist wie eine Krawatte ohne Knopf.
Die Zweitschönste dieser Selbstbinder schreibt Doris Knecht in der Zeitgeistbroschüre profil. Hier erfahren wir aus erster Feder, wie es ihr gerade einschlaftechnisch geht, was sie vom Waldviertel hält, wo sie sich von Radioweckern nervenlässt und welche Fernsehheinis ihr gerade die Telefonnummer zukommen haben lassen.
Welch bizarre Probleme hingegen das Leben eines männlichen Kolumnisten bereithält, erfahren wir in der besten aller Befindlichkeitskolumnen, jener von Herbert Hufnagl. Der steht neuerdings unter dem Zwang, sandgefüllte Windlichtzylinder aus Glas zu putzen.
"Falter" 34/99 vom 25.8.1999 Seite 14 Presseschau
25. August 1999 (0) Comments
Warum es im deutschen Häfen so super ist
"Am Anfang, wenn wir die in U-Haft nehmen", zitiert der Kurier ein Mitglied der deutschen KFOR-Truppe, "geraten die richtig in Panik ... Einzelhaft erscheint denen wie ein Todesurteil. Für die war Gefängnis immer etwas anderes als für uns." Der Kasten, in dem das steht, trägt die Überschrift: "Deutscher Gefängniskomfort begeistert Verbrecher." Plünderer Petri nämlich gefällt es sehr gut hier im Gefängnis von Prizren, mit Sicherheit, weiß der Kurier, war es bei seinen Bewohnern nie zuvor so beliebt.
Warum es im deutschen Häfen so super ist, erfahren wir auch: "Die KFOR-Truppe hat ihn übernommen und führt ihn, wie der Leiter, Major Stephan Misenta, dem Kurier erzählt, "einfach so, wie man das auch bei uns zu Hause als richtig empfinden würde". Denn: "Wer deutschen Gefängniskomfort in Anspruch nehmen will, muss deutschen Hygienevorschriften entsprechen: Jeder, der hier reinkommt, wird gleich einmal unter die Dusche gestellt. Dann bekommt er sein neues Gewand und eine Nummer." Hatten wir das nicht schon einmal? Duschen, neues Gewand und Nummern? Gilt sauber und deutsch auch bei uns zu Hause wieder als richtig?
"Falter" 33/99 vom 18.8.1999 Seite 16 Presseschau
18. August 1999 (0) Comments
Die Unbilden des Wetters und die Befindlichkeiten der Erdkruste
In einer Zeit vor dieser war alles anders. In einer Zeit vor dieser war die Katastrophe in einem politischen Magazin stets eine politische Katastrophe. Ein Erdrutsch war ein politischer Erdrutsch, eine Beben ein politisches Beben, und von Lawinen wurden höchstens ranghohe Sprücheklopfer verschüttet. All das andere, alles was, heute eine Katastrophe ist, all das hatte in einem seriösen Magazin nichts verloren. Die Unbilden des Wetters und die Befindlichkeiten unserer Erdkruste waren Privatsachen und wurden von Heften bedient, die sich maximal noch mit Psychozeug befassten. Oder mit dem richtigen Zusammenbau von Komposthaufen, der Analyse von Ameisenstraßenverkehrsregeln und Enthüllungen über das Paarungsverhalten von Buckelwalen. Und die Besprechung von technischem Klumpert war einem Magazin vorbehalten, das nicht ohne tieferen Sinn Hobby hieß. Und auf Cover geklebtes Bastelzeug mit Naturkunde-Approach hieß Gimmick und war für Kinder. In einer Zeit, als es noch keine Handys gab und die Magazinwelt frei war von Handyverschenkaktionen. In einer Zeit, als Magazine noch gelesen wurden.
© Andrea Maria Dusl
"Falter" 32/99 vom 11.8.1999 Seite 16
11. August 1999 (0) Comments
Die Schofföre der Resistance
"Wir sind einfach frohgemut", meint die orthographierenitente Presse, "daß wir nicht jeden Unsinn mitmachen müssen, den man uns vorschreiben will" - und verweigert hartnäckig die Inflation der Doppel- und Dreifachkonsonanz. Als ob Schurnalisten (heißt das jetzt so?) nicht ohnedies ihr Rechtschreibegewissen in die zarten Hände Duden-fester Lektorinnen legten! Wir dürfen uns also freuen (nicht verwechseln mit fräuen, ja!), dass scharfe ßsse sich weiterhin im Gehäge der Ortografiker tummeln werden. Weder die gamsigste Gämse noch die Eier legendste Hähnne werden sich dort verlieren dürfen.
Die Schofföre der Resistance werden weiterhin ihren Thron auf hohem, aber resistentem Roß chauffieren. Die schlimmen Wörter stehen ohnedies nicht im Duden. Auch nicht im neuen. Und was nicht im Duden steht, wird auch in Zukunft mehr schlecht- als rechtgeschrieben werden können. Modische Aufreger wie "Style-Musts", blind empfehlbare "Must-Haves" und auch das trendigste Top aller superchicen News-Musts: Das bedingungslos "in"ne "Top-Must". Ein Top-Must wird jede Reform überstehen.
"Falter" 31/99 vom 4.8.1999 Seite 16 Presseschau
4. August 1999 (0) Comments
Die schlimmen Wörter stehen nicht im Duden
"Wir sind einfach frohgemut", meint die orthographierenitente Presse, "daß wir nicht jeden Unsinn mitmachen müssen, den man uns vorschreiben will" - und verweigert hartnäckig die Inflation der Doppel- und Dreifachkonsonanz. Als ob Schurnalisten (heißt das jetzt so?) nicht ohnedies ihr Rechtschreibegewissen in die zarten Hände Duden-fester Lektorinnen legten! Wir dürfen uns also freuen (nicht verwechseln mit fräuen, ja!), dass scharfe ßsse sich weiterhin im Gehäge der Ortografiker tummeln werden. Weder die gamsigste Gämse noch die Eier legendste Hähnne werden sich dort verlieren dürfen. Die Schofföre der Resistance werden weiterhin ihren Thron auf hohem, aber resistentem Roß chauffieren. Die schlimmen Wörter stehen ohnedies nicht im Duden. Auch nicht im neuen. Und was nicht im Duden steht, wird auch in Zukunft mehr schlecht- als rechtgeschrieben werden können. Modische Aufreger wie "Style-Musts", blind empfehlbare "Must-Haves" und auch das trendigste Top aller superchicen News-Musts: Das bedingungslos "in"ne "Top-Must". Ein Top-Must wird jede Reform überstehen.
© Andrea Maria Dusl
"Falter" 31/99 vom 4.8.1999 Seite 16
4. August 1999 (0) Comments


