Juni 1999
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Podcast von Dusls politischer Talkshow im Theater im Rabenhof
Das Photobureau von Comandantina Dusilova kümmert sich ums Schöne und Abseitige
Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Cannes und keine Cannesrolle
Es ist schon ein Jammer: Da rollt jedes Jahr im fernen, palmenbestandenen Cannes ein Werbefilmfestival über die Bühne, und Österreichs Kreative (so nenne sich die Werbefuzzis untereinander) gehen wieder einmal leer aus. Kein Preis, kein Marktwert. Kein Marktwert, kein Auftrag einer major company. Kein major Auftrag, kein Preis. Kein Preis, keine Cannesrolle. Keine Cannes-Rolle ... Ganz einfach ist das in der großen weiten Werbefuzziwelt. Österreich ist die Bananenrepublik in der Welt der filmischen Blendwerker.
Dabei verbergen sich wirkliche Kostbarkeiten unter den Ideen heimischer Kreativer. So werde ich nicht müde, mich allabendlich an den ORF-Spots jenes geschmacksdivergenten jungen Wiener Pärchens hungrig zu sehen, das, in ewigem Kanaldisput zwischen Sport und "Seitenblicken", "Universum" und "Vera", "Kaisermühlen Blues" und Viertelfinale, dem kärglichen Schicksal einer gemeinsamen Fernbedienung ausgeliefert ist. Wäre diese geniale Kampagne in Angloamerika ausgeheckt worden, wären ihre Macher längst gemachte Leute. Aber vielleicht entdeckt sie das palmenbestandene Cannes doch eines Tages.
"Falter" 26/99 vom 30.6.1999 Seite 20 Fernsehen
Hans Peter Martin im Regen

Aufdeckungsjournalist Hans-Peter Martin, genannt "die Hose"
sah sich als Delegationsleiter der SPÖ im Europaparlament.
Die SPÖ sah das ganz anders.
Für Format 25/99
Kasperltheater

Petzi Schüssel, Kasperl Klima und das böse Haider-Krokodil.
Für Format 24/99
Die Starken Männer
Wenn es einmal ganz duster wird im Zappenreich, wenn die Kanäle leicht zu stinken beginnen, wenn sich lausige Billigserien breitmachen, dann hilft nur mehr dsf. Ideal, wenn dort grad die starken Männer arbeiten. Und das ist oft der Fall, denn nichts tun die Starken Männer auf dsf lieber, als Einfamilienhäuser herumtragen, Dieselloks stemmen, Autobahnen verknoten und ähnliches. Die Welt der starken Männer auf dsf besteht im wesentlichen daraus, daß die Starken Männer Österreichs mit den Starken Männern Deutschlands um die Wette stark sind. Daß sie ihr Eisen vor halbleeren Tribünen pumpen und sich die weiblichen Fans vorrangig aus der winzigen Gruppe der eigenen Ehefrauen rekrutieren, tut dem herkulischen Spektakel keinen Abbruch. Aber warum tun die so was? Warum schleppen erwachsene Männer 150 Kilo schwere Aktentaschen durch die Gegend? Was veranlaßt volljährige Inländer dazu, mit Bierfässern rumzuwerfen, Autos aufs Dach zu legen und mit Zementsäcken durch die Gegend zu sprinten? Wollen sie uns damit eine Freude machen? Genau. Denn auch die stärksten Männer wissen, was sie den Schwachen schuldig sind.
© Andrea Maria Dusl
Erschienen in Falter" 23/99 vom 9.6.1999 Seite 22
Eine verklebte Generation
Was wurde eigentlich aus den Bastelkindern? Was wurde aus den Kindern, die mit Hilfe der legendären ORF-Sendung "Wer bastelt mit?" mehr schlecht als recht Kluppenuntersetzer, Laubsägeschlüsselborde und allerlei kartonversteifte Modelleisenbahnarchitektur erzeugen sollten? Wohin entkamen sie aus der Obhut des Bastelonkels, jenes feisten Handarbeiters, unter dem sich die ungehobelte Planke zwischen Kindermißbrauch und Werkzeugfetischismus bedenklich bog? Was machen sie heute, eine verklebte Generation später? Wenn sie nicht gestorben sind, wie der Kasperl immer zu sagen pflegte, sitzen sie dann noch immer vor ihren Fernsehschirmen? Und wie!
Die Generation der Bastelkinder, so sie nicht an den späten Seventies zugrunde gegangen sind, saßen Samstag gebannt vor dem Songcontest genannten europäischen Gedanken. Maturantin Bobbie sang tapfer zwischen skandinavischem Trällerpop und südosteuropäischem Ethnoschmus.. Selbergebastelte Kleider aller Farben wurden zu Bastelonkel-Weichwerdemusik vorgeführt. Wie sagte Christoph Grissemann treffend zum nachfolgenden Punkteslalom? "So langweilig kann Spannung sein."
"Falter" 22/99 vom 2.6.1999 Seite 19 Fernsehen


