Al Bundy, Schuheinzelhandelskaufmann

Gute Serien sind so geschrieben, daß das Versäumen einzelner Folgen das Verständnis des Plots kaum beeinträchtigt. Gute Serien, die über mehrere Jahre gedreht werden, bekommen aber naturgemäß so etwas wie einen chronologischen Drall. So geriet Al Bundy, dem Chicagoer Schuheinzelhandelskaufmann mit der schrecklich proloiden Familie, Söhnchen Bud (trotz Behandlung mit wachstumshemmenden Hormonen) irgendwann in die Pubertät. Töchterchen Kelly wiederum, liebevoll Dumpfbacke genannt, entwickelte sich ohne Steigerung der Erkenntnisfähigkeit vom blonden Girlie zur reifen blonden Frau. Nachbarin Marcy wechselte Ehebett-technisch vom Italian Stallion Steve zum Hansi Hinterseer von Illinois, dem Frisurkörper Jefferson. Und sogar Al selbst veränderte sich über die Jahre: Sein Haupthaar begab sich im Laufe der Serie auf die Reise von marginal schütter zu deutlich leicht glatzig. Kleine Veränderungen, die wir liebgewonnen haben. Kleine Veränderungen, an die wir uns gewöhnt haben. Kleine Veränderungen, die der chronologische Drall so mit sich bringt. Kein Grund aber, Al Bundy mutwillig zu dechronologisieren.

© Andrea Maria Dusl
"Falter" 8/99 vom 24.2.1999 Seite 22

24. Februar 1999 (0) Comments

Such a Gaudi

"Es is such a Gaudi", meinte Pepi Gramshammer anläßlich der Verleihung des silbernen Ehrenzeichens seiner ehemaligen Heimat, der Republik Österreich. Geschüttelt, fast gerührt, stand der zerknitterte Exiltiroler in seiner "Lauounsch". "Such a Gaudi", das ist jetzt Geschichte. Soviel kann man jetzt schon sagen: "Such a Gaudi", das war sie, die alpine Schi-We-Emm in Vail. Die We-Emm des Pepi Gramshammer, den hier drüben praktisch "jeder" kennt. "Such a Gaudi", wie der Hermann unaufhaltbar aufs Podest fuhr. Der beste Schifahrer aller Zeiten! Geschlagen "nur" vom sympathischen Burschen aus Norwegen. Aber Weltmeisterschaften "haben" eigene Gesetze. Wenn wir einen Hut aufhätten, müßten wir ihn jetzt ziehen: Lasse "Tschüüs"... dieser sym-"pathische" Bursche ... der sieht gar nicht so aus ... der "hat" jetzt Flügel, zweimal Gold und "dreimal" Silber. Aber diese 13 Medaillen, die kann uns niemand mehr nehmen. "Such a Gaudi" auch: das gelbweiß getupfte Schneejäckchen von "Slalom-Kokommentator" Hansi Hinterseer, die unablässig hinter dem schnupfenden Nehiba trappelnde Milkakuh und die pfeifenden Komantschen des Armin Assinger.

© Andrea Maria Dusl
"Falter" 7/99 vom 17.2.1999 Seite 18

17. Februar 1999 (0) Comments

Denver Prolos gegen Atlanta Fokuhilas


Im Posaunen von Superlativen ist der Küniglberg seit jeher Spitzenkapellmeister. Wie wir seit Jahrzehnten erfolgreich eingebleut bekommen, wird etwa das Neujahrskonzert von mindestens zwei Milliarden philharmonisch Interessierten verfolgt. Neuerdings wird uns nun weisgemacht, auch ausländische Großereignisse hätten Rekordeinschaltziffern. (Wie wird das eigentlich gemessen, wenn ich schon vorher rekordmäßig eingeschaltet habe oder nur rekordmäßig vergessen habe auszuschalten?) Ja, auch ausländische Sportereignisse haben Publikum, so hören wir. 800 Millionen Zuschauer etwa die Superbowl. Grund genug, das mehrstündige Aufeinandertreffen der Denver Prolos und der Atlanta Fokuhilas auch in unsere Wohnzimmer zu übertragen (800 Millionen Football-Experten weltweit können nicht irren). Das größte Sportereignis des Jahres stellte ein anderes größtes Sportereignis des Jahres leicht in den Schatten: die Eröffnung der alpinen Ski-WM in Vail (der Ortschaft, die der Tiroler Pepi Gramshammer in den Sixties eigenhändig aus den Rockies gestampft hat). Denn daß genau zur WM die Superbowl stattfindet, überraschte selbst Experten.

© Andrea Maria Dusl
"Falter" 5/99 vom 3.2.1999 Seite 18

3. Februar 1999 (1) Comments

EDV

Als ich noch klein war und in die Mittelschule namens Gymnasium ging, hießen Computer zwar schon heimlich Komputer, beschäftigten sich aber ausschließlich mit "EDV". Damit wir uns ein Bild machen konnten, wie so eine "EDV" in etwa aussah, brachte unser Mathematikprofessor einen Streifen fahlgelben Plastiks mit, den er uns stolz als "Lochkarte" präsentierte.

"Das ist EDV, meine Damen und Herren! Diese kleinen Löcher, da, das ist Information! Diese kleinen Löcher." Daß "ein" gestanztes Loch den Wert "Eins" repräsentierte, leuchtete mir noch halbwegs ein, aber daß "kein" gestanztes Loch den Wert "Null" darstellen sollte, blieb mir unerklärlich. Wie konnte etwas dargestellt werden, indem es nicht dargestellt wurde? Rätselhaft, aber so war EDV. Der Streifen enthielt übrigens "unauslöschliche Daten! Diese Lochkarte werden wir noch in 50 Jahren lesen können. Sogar in 100, ja in 1000!" Ich bezweifelte die Prognosen des Matheprofs zwar schon damals, ließ mich aber offiziell zu der Haltung hinreißen, EDV verbessere sich zwar sprunghaft, aber Lochkarten als Trägermedium von Information werde es immer geben. "So eine Lochkarte ist billig und universell lesbar. So eine Lochkarte kann in Helsinki gelesen werden und in Singapur. Nur die Sowjetunion ..., die überholt uns nie!"

"Falter" 5/99 vom 3.2.1999 Seite 63

3. Februar 1999 (0) Comments

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